Honeckers Jahrhundertbau Die DDR-Erdgastrasse

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05.11.2010 13:25
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#1
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Phoenix-Sendung vom 21. 4. 2010. Dokumentation von Hajo Obuchoff und Jürgen Ast.

Stets war die DDR-Propaganda voller Superlative, wenn von Erich Honeckers Prestigeprojekt, dem Aushängeschild für die DDR-Wirtschaft die Rede war: dem Mit-Bau an der längsten Gasleitung der Welt. Erst 1993 wurde das Projekt beendet, drei Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR. Für die meisten der 25.000 Trassenbauer waren die Jahre im "Wilden Osten" ein Erlebnis.

Die Trassenbauer waren "Revolutionäre im Blauhemd" und "Helden der Arbeit". Der Bau selbst eine "Barrikade" im Klassenkampf, ein Beweis für die ewige Freundschaft zur Sowjetunion und dem unaufhaltsamen Sieg des Sozialismus. 1974 wurde das Unternehmen "Druschba-Trasse" (Trasse der Freundschaft) in der DDR offiziell verkündet. Als beispielloses Großunternehmen von der Sowjetunion konzipiert, mit errichtet von den Kunden. Fast 5.000 Kilometer mussten die 1,42 Meter dicken Rohrleitungen vom Eismeer bis an die Westgrenze der Ukraine in die Erde, über Berge und Flüsse, gelegt werden.

Der bei weitem größte Anteil an Gas sollte für harte Devisen in den Westen fließen, auch in die Bundesrepublik Deutschland. Das Imperium von Schalck-Golodkowski besorgte Geld für modernste Ausrüstung und Maschinen; auch die Milliardenkredite von Franz Josef Strauß halfen indirekt, das "Bauwerk des Jahrhunderts" zu finanzieren. Ein Fass ohne Boden. Erst 1993 wurde Honeckers Prestigeprojekt beendet. Für die meisten der 25.000 DDR-Trassenbauer waren die Jahre im "Wilden Osten" ein Erlebnis. Es war Abenteuer, Pioniergeist und "Raus aus der engen DDR", oder auch "einfach mal gutes Geld verdienen". Die Propaganda war eher lästig, was zählte war die Arbeit. 10 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche. In der knappen Freizeit das legendäre Feiern mit den Kumpels und Mädels, den wenigen...Ein Gefühl von Freiheit, doch über vieles musste auch geschwiegen werden: über die Unfälle zum Beispiel. Auch die Eindrücke, in einem rückständigen Land zu arbeiten, passten nicht ins Bild. In jeder Beziehung war die Trasse beispiellos, als Lebenserfahrung, als Bauwerk und als Politikum.Quelle Phoenix

https://www.youtube.com/watch?v=Nvlah38dSVA
https://www.youtube.com/watch?v=nDy8APvIOyc
https://www.youtube.com/watch?v=7vMY2NaTnpI


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05.11.2010 22:35
#2
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1983 Bogorodtschany Oblast Iwano Frankowsk über BMK Halle als Student im Studentensommer Baustelle Verdichterstation.
Tolle Zeit, will ich nicht missen.


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06.11.2010 07:53
#3
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Ja, und jedes Wohnungsbaukombinat der Republik hatte eine Taktstraße an die Trasse abzustellen, nicht nur Menschen, sondern auch das gesamte Material, dass für den Wohnungsbau benötigt wurde.
Und mindestens einmal im Monat musste ein kompletter Zug ersetzt werden, weil in den Tiefen Polens verloren gegangen ist.

=============================================================================================
Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!

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10.11.2013 17:45
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#4
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War auch Heute wieder eine Reportage darüber. Es konnte Kosten was es wollte,die DDR hat sogar Ihre Staatsreserven dahin geschleppt,aber wir hatten es ja.


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10.11.2013 18:14
#5
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Zitat von Angelo im Beitrag #1
Phoenix-Sendung vom 21. 4. 2010. Dokumentation von Hajo Obuchoff und Jürgen Ast.

Stets war die DDR-Propaganda voller Superlative, wenn von Erich Honeckers Prestigeprojekt, dem Aushängeschild für die DDR-Wirtschaft die Rede war: dem Mit-Bau an der längsten Gasleitung der Welt. Erst 1993 wurde das Projekt beendet, drei Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR. Für die meisten der 25.000 Trassenbauer waren die Jahre im "Wilden Osten" ein Erlebnis.

Die Trassenbauer waren "Revolutionäre im Blauhemd" und "Helden der Arbeit". Der Bau selbst eine "Barrikade" im Klassenkampf, ein Beweis für die ewige Freundschaft zur Sowjetunion und dem unaufhaltsamen Sieg des Sozialismus. 1974 wurde das Unternehmen "Druschba-Trasse" (Trasse der Freundschaft) in der DDR offiziell verkündet. Als beispielloses Großunternehmen von der Sowjetunion konzipiert, mit errichtet von den Kunden. Fast 5.000 Kilometer mussten die 1,42 Meter dicken Rohrleitungen vom Eismeer bis an die Westgrenze der Ukraine in die Erde, über Berge und Flüsse, gelegt werden.

Der bei weitem größte Anteil an Gas sollte für harte Devisen in den Westen fließen, auch in die Bundesrepublik Deutschland. Das Imperium von Schalck-Golodkowski besorgte Geld für modernste Ausrüstung und Maschinen; auch die Milliardenkredite von Franz Josef Strauß halfen indirekt, das "Bauwerk des Jahrhunderts" zu finanzieren. Ein Fass ohne Boden. Erst 1993 wurde Honeckers Prestigeprojekt beendet. Für die meisten der 25.000 DDR-Trassenbauer waren die Jahre im "Wilden Osten" ein Erlebnis. Es war Abenteuer, Pioniergeist und "Raus aus der engen DDR", oder auch "einfach mal gutes Geld verdienen". Die Propaganda war eher lästig, was zählte war die Arbeit. 10 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche. In der knappen Freizeit das legendäre Feiern mit den Kumpels und Mädels, den wenigen...Ein Gefühl von Freiheit, doch über vieles musste auch geschwiegen werden: über die Unfälle zum Beispiel. Auch die Eindrücke, in einem rückständigen Land zu arbeiten, passten nicht ins Bild. In jeder Beziehung war die Trasse beispiellos, als Lebenserfahrung, als Bauwerk und als Politikum.Quelle Phoenix

https://www.youtube.com/watch?v=Nvlah38dSVA
https://www.youtube.com/watch?v=nDy8APvIOyc
https://www.youtube.com/watch?v=7vMY2NaTnpI


Hallo @Angelo ,
leider gibt es keinen Zugriff auf diese Seiten.
Was die Az betrifft waren es gar 12 Stunden am Tag bis Samstag und Sonntag wer wollte, 9 Stunden.
3 Monate mindestens arbeiten und dann hatteste 1 Monat frei. Genug Arbeitsstunden zum absetzen waren ja da.

Gruß silberfuchs60

xxx


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10.11.2013 19:52
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Die Doku von heute auf phönix scheint auf der Grundlage der MDR - Berichte entstanden sein.

http://www.mdr.de/damals/archiv/artikel86268.html

Ich fand es sehr interessant. Gucken, schauen, lesen @silberfuchs60 und dann vielleicht schreiben, wie es für Dich war?

LG von der grenzgaengerin


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10.11.2013 20:03
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10.11.2013 20:20 (zuletzt bearbeitet: 10.11.2013 20:23)
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Zitat von Angelo im Beitrag #1
Es war Abenteuer, Pioniergeist und "Raus aus der engen DDR", oder auch "einfach mal gutes Geld verdienen". Die Propaganda war eher lästig, was zählte war die Arbeit. 10 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche. In der knappen Freizeit das legendäre Feiern mit den Kumpels und Mädels, den wenigen...Ein Gefühl von Freiheit, doch über vieles musste auch geschwiegen werden: über die Unfälle zum Beispiel. Auch die Eindrücke, in einem rückständigen Land zu arbeiten, passten nicht ins Bild. In jeder Beziehung war die Trasse beispiellos, als Lebenserfahrung, als Bauwerk und als Politikum.Quelle Phoenix




das sind mir etwas zu viele Superlativen! Vor allem ist die Arbeit an einer Pipeline auch heute nichts anderes, nur mit dem Unterschied das auf keiner Pipeline der Welt lediglich 10 Stunden am Tag gearbeitet werden, wie hier schon richtig angemerkt wurde!

SCORN


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08.04.2014 01:30
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#9
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Hallo!
1986 war ich an der Trasse in Berjosowka als Lagerleiter,Versorgung.Warum,endlich mal Geld verdienen und raus aus den Schneider kommen.Es war nicht leicht,Frau mit zwei kleinen Kindern,zurück zu lassen.Aber die Kasse hat sich gefüllt.
Im Urlaub,mal in die Firma gegangen und ein paar Episoden aus den Land erzählt,schon kam der Parteisekretär,ich soll nicht so einen Mist erzählen,beim großen Bruder ist alles in Ordnung.
Gearbeitet wurde bei uns im normalfall 10 Stunden,mußten aber Verpflegungszüge in Kungur entladen werden, ging schon mal 36 Stunden.
Das schöne war in unser Lackschuhfarm,das es Leiter gab,die in der DDR nichts geworden sind,aber hier zu Höchstform aufliefen.
Ende und aus,sonst wird es noch ein Roman
Gruß Rei


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08.04.2014 02:04 (zuletzt bearbeitet: 08.04.2014 02:16)
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#10
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Diese heroischen Projekte wie die Trasse und die BAM, haben die so einer Armetei wie der DDR, wo schon Daheim alles voll auf Verschleiß lief, überhaupt richtig genützt oder war eher das Gegenteil der Fall?
Ich will jetzt nicht googeln, aber kam durch die Rohre nicht auch was im Westen an wofür die "Freunde" richtig Geld bekamen?
Bei Wirtschaftslenkern die erst 30 nach 12 ein Report-Papier zimmern wo sie sich selbst für 30 Jahre vorher absolute Blödheit attestieren würde mich nichts wundern.


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02.05.2014 17:04
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#11
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Zitat von Eisenacher im Beitrag #7


Top Beitrag
Genauso war es.
Gruß
Rei


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02.05.2014 17:11
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#12
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #10
Diese heroischen Projekte wie die Trasse und die BAM, haben die so einer Armetei wie der DDR, wo schon Daheim alles voll auf Verschleiß lief, überhaupt richtig genützt oder war eher das Gegenteil der Fall?
Ich will jetzt nicht googeln, aber kam durch die Rohre nicht auch was im Westen an wofür die "Freunde" richtig Geld bekamen?
Bei Wirtschaftslenkern die erst 30 nach 12 ein Report-Papier zimmern wo sie sich selbst für 30 Jahre vorher absolute Blödheit attestieren würde mich nichts wundern.

Natürlich kam das Gas im Westen an,(Westberlin),dafür gab es Westgeld. Der große Bruder war sauer,das gewisse Politiker das Gas weiter verkauften.
Schau mal ein paar Beiträge im Forum an.
Gruß Rei


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02.05.2014 17:57 (zuletzt bearbeitet: 02.05.2014 17:58)
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#13
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Hallo,
wie war denn Trasse und BAM personalpolitisch und industriell-planerisch einzuschätzen. Wiewit wurden
da qualifizierte geeignete Kräfte wirklich passend eingesetzt?

In der DDR war es doch so daß es für Spezialaufgaben qualifizierte Teile von Kombinaten gab, mit entsprechendem
Personal.

Z.B. VEB-Autobahnbau ( oder ähnlich ) auch für Pumspeicheroberbeckenbetonierung oder Bergwerkschachtabteufung
auch von Spezialisten mit entsprechender Technik, Qualifikation und Erfahrung.

Daß im Rahmen der Logistik Reichsbahner oder von Deutrans, der Instandhaltung von (Magirus ) LKW auch gute Leute aus der Agratechnik
einsetzbar sind ist klar, Kochen an der Trasse oder DDR-Großbaustelle, Sanitätswesen usw. ist auch logisch...


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02.05.2014 18:19
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#14
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Zitat von kirsche.ndh im Beitrag #2
1983 Bogorodtschany Oblast Iwano Frankowsk über BMK Halle als Student im Studentensommer Baustelle Verdichterstation.
Tolle Zeit, will ich nicht missen.

Top, Daumen hoch
Gruß Rei


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02.05.2014 18:26
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#15
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Zitat von SET800 im Beitrag #13
Hallo,
wie war denn Trasse und BAM personalpolitisch und industriell-planerisch einzuschätzen. Wiewit wurden
da qualifizierte geeignete Kräfte wirklich passend eingesetzt?

In der DDR war es doch so daß es für Spezialaufgaben qualifizierte Teile von Kombinaten gab, mit entsprechendem
Personal.

Z.B. VEB-Autobahnbau ( oder ähnlich ) auch für Pumspeicheroberbeckenbetonierung oder Bergwerkschachtabteufung
auch von Spezialisten mit entsprechender Technik, Qualifikation und Erfahrung.

Daß im Rahmen der Logistik Reichsbahner oder von Deutrans, der Instandhaltung von (Magirus ) LKW auch gute Leute aus der Agratechnik
einsetzbar sind ist klar, Kochen an der Trasse oder DDR-Großbaustelle, Sanitätswesen usw. ist auch logisch...


Es war alles vor Ort und es kam alles aus der DDR. Es gab sogar FDJ Hemden zu kaufen.Kurios,war wenn Minister zu Besuch kamen,dann wurden FDJ-Hemden gekauft,zum teil hatten wir aber die XXL Größen nicht.Sah dann lustig aus,wenn sich die die dicken Bäuche in das Blauhemd zwängten.


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