1974 der Kanzlerspion Günter Guillaume

26.10.2010 08:25
avatar  Angelo
#1
avatar

Welt im Umbruch - 1974 - Der Kanzlerspion
24. April 1974: Im Hamburger Hotel "Atlantic" legt Ministerialrat Klaus Kinkel ein BKA-Schriftstück neben die Kaffeetasse von Willy Brandt. Mit Namen von Frauen, die der Kanzler während seiner Reisen mit auf Hotelzimmer oder in Zugabteile genommen haben soll: Journalistinnen, Zufallsbekannte, Prostituierte. Die Liste stammt von seinem persönlichen Referenten Günter Guillaume.Der NVA-Hauptmann hatte sich 1963 als DDR-Flüchtling ausgegeben. Tatsächlich jedoch wurde er von der Stasi eingeschleust. Ende April '74 wird der Ost-Agent wegen Spionage verhaftet. Regierungschef Brandt tritt am 6. Mai zurück: "Total enttäuscht übernehme ich die Verantwortung für alle Fahrlässigkeiten im Zusammenhang mit der Affäre Guillaume." Er setzt damit ein Zeichen: Politiker sollten Fehler eingestehen, die nötigen Konsequenzen ziehen.


 Antworten

 Beitrag melden
26.10.2010 19:34
avatar  ( gelöscht )
#2
avatar
( gelöscht )

Typisch die Schmidt-Schnauze.Er hatte sich damals mit Brandt gestritten und gesagt:

"Wegen diesem Scheisskerl muss kein Bundeskanzler zurücktreten." Genutzt hat es nichts.


 Antworten

 Beitrag melden
26.10.2010 19:47
avatar  Merkur
#3
avatar

Zitat von Angelo
Die Liste stammt von seinem persönlichen Referenten Günter Guillaume.Der NVA-Hauptmann hatte sich 1963 als DDR-Flüchtling ausgegeben.



Hier müsste es wohl HV A - Hauptmann heißen.


 Antworten

 Beitrag melden
23.04.2014 10:25
avatar  ( gelöscht )
#4
avatar
( gelöscht )

Kanzlerwechsel: Agentenaffäre
In der Nacht zum 24. April 1974 werden der Referent im Bundeskanzleramt, Günter Guillaume sowie dessen Ehefrau Christel verhaftet. Wenig später gibt die Bundesanwaltschaft bekannt, dass das Ehepaar Guillaume unter Verdacht steht, seit achtzehn Jahren für die DDR spioniert zu haben. Die Entdeckung des DDR-Agenten im Bundeskanzleramt verursacht große Aufregung in der Öffentlichkeit. Willy Brandt übernimmt in einem Schreiben an den Bundespräsidenten vom 6. Mai 1974 die "politische Verantwortung für Fahrlässigkeiten im Zusammenhang mit der Agentenaffäre" und erklärt seinen Rücktritt.

Zur Aufklärung der Affäre setzt der Bundestag im Juni 1974 einen Untersuchungsausschuss ein. Der Umfang von Guillaumes Agententätigkeit bleibt jedoch ungeklärt. Wegen schweren Landesverrats wird das Ehepaar Guillaume im Dezember 1975 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Beide werden 1981 jedoch begnadigt und in die DDR abgeschoben. Günter Guillaume, der 1985 aufgrund seiner Spionagetätigkeit die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam erhält, stirbt 1995 in Berlin.

Günter und Christel Guillaume sind 1956 als Flüchtlinge getarnt, in die Bundesrepublik gekommen. Tatsächlich sollen die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) aber Informationen über die Parteiarbeit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) beschaffen. In Frankfurt/Main betreiben beide zunächst einen Tabakladen. Als SPD-Mitglied wird Günter Guillaume 1963 Sekretär des SPD-Unterbezirks Frankfurt/Main und 1968 Stadtverordneter. Durch Vermittlung von Bundesminister Georg Leber (geb. 1920) kommt er dann 1970 als Referent ins Bundeskanzleramt. Durch seinen Aufstieg zum persönlichen Referenten des Bundeskanzlers 1972 gehört Guillaume als Reiseorganisator und "Mädchen für alles" zur näheren Umgebung Brandts.


Sehr geehrter Herr Bundespräsident!

Ich übernehme die politische Verantwortung für Fahrlässigkeiten im Zusammenhang mit der Agentenaffäre Guillaume und erkläre meinen Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers.

Gleichzeitig bitte ich darum, diesen Rücktritt unmittelbar wirksam werden zu lassen und meinen Stellvertreter Bundesminister Scheel, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Bundeskanzlers zu beauftragen, bis ein Nachfolger gewählt ist.

Mit ergebenen Grüßen
Ihr Willy Brandt


 Antworten

 Beitrag melden
24.04.2014 21:51
avatar  ( gelöscht )
#5
avatar
( gelöscht )

Biographie
Journalist und Spion

Günter Guillaume ist Geheimdienstmitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR, Journalist und von 1972 bis 1974 Referent des Bundeskanzlers Willy Brandt. 1974 wird Guillaume als Spion der DDR enttarnt, Bundeskanzler Brandt tritt kurz darauf von seinem Amt zurück.

1927
1. Februar: Günter Guillaume wird als Sohn eines Musikers in Berlin geboren.

1944/45
Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg.

1945
Rückkehr nach Berlin, wo er zunächst als Fotograf arbeitet.

1950-1956
Mitarbeiter im Ost-Berliner Verlag "Volk und Wissen". In dieser Zeit läßt sich Guillaume vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) anwerben und ausbilden.

1951
Heirat mit der Sekretärin Christel Boom, die ebenfalls vom MfS als Agentin ausgebildet wird.

1952
Beitritt zur SED.

1956
Zusammen mit seiner Ehefrau siedelt Guillaume im Auftrag des MfS in die Bundesrepublik nach Frankfurt/Main über. Hier betreibt er zunächst einen Kaffee- und Tabakladen "Boom am Dom" und wird auch wieder als Fotograf tätig. Seine Frau arbeitet weiter als Sekretärin.

1957
Auf Weisung des MfS tritt das Ehepaar Guillaume in die SPD ein.

1959
Christel Guillaume wird Sekretärin im Parteibüro Hessen-Süd.

1963-1968
Sekretär des SPD-Unterbezirks Frankfurt/Main.

ab 1968
Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Stadtrat und Stadtverordneter in Frankfurt/Main.

1968/1969
Wahlkampfbeauftragter des Bundesministers für Verkehr, Georg Leber. Nach dem gelungenen Wahlkampf wird Guillaume ins Bundeskanzleramt vermittelt. Die Sicherheitsüberprüfung verläuft ohne große Schwierigkeiten. Guillaume erweist sich als kontaktfreudig und vertrauenswürdig.

ab 1970
Referent in der Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik im Bundeskanzleramt.

ab 1972
Referent des Bundeskanzlers Willy Brandt. Guillaume wird Verbindungsmann zum Bundeskanzleramt, zum SPD-Parteibüro im Ollenhauerhaus und zur SPD-Bundestagsfraktion. Er begleitet Brandt auf Wahlkampf- und Informationsreisen, die er auch selbst organisiert. In dieser Zeit hat er Zugang zu geheimen Akten und den Gesprächsrunden im engeren Kreis um den Bundeskanzler. Aufgrund des guten persönlichen Verhältnisses zu Brandt hat Guillaume Einblick in dessen Privatsphäre.

1974
24. April: Das Ehepaar Guillaume wird verhaftet. Am 6. Mai übernimmt Brandt die politische Verantwortung für die Agenten-Affäre und tritt zurück. Guillaume behauptet stets, dies nicht im Auge gehabt zu haben.

1975
Dezember: Verurteilung durch das Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Landesverrats zu dreizehn Jahren Gefängnis. Frau Guillaume wird zu acht Jahren Haft verurteilt.

1981
Unter Hinweis auf Guillaumes schlechte Gesundheit wird ein Agentenaustausch vereinbart und Guillaume aus der Haft entlassen. In der DDR wird er als "Kundschafter des Friedens" gefeiert und arbeitet als Ausbilder für Agenten.

1985
Verleihung des Dr. jur. h.c. der Juristischen Hochschule (JHS) des MfS Potsdam-Eiche.

1988
Veröffentlichung seines Lebensberichtes unter dem Titel "Die Aussage".

1995
10. April: Günter Guillaume stirbt in Berlin an Herzversagen.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!