Grenzsoldaten und Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik

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07.07.2009 13:03
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#16
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Zitat von dein1945
[quote="bruno"]angelo schrieb: Bei der Einberufung wurde darauf geachtet, das der Soldat der an der Grenze diente keine Kontakte oder Verwante im Westen hatte

Hallo,
Ich habe schon an anderer Stelle über einen Mitarbeiter geschrieben, er war glaube ich 1968 als Uffz. in den Westen getürmt. Er war an der Grenze, obwohl er einen Bruder im Westen hatte, in einigen Fällen war das MfS nicht immer hinreichend informiert!


kein geheimdienst der welt kann alles wissen...
aber v.g. fall dürfte durch die "aktion grün" bekannt gewesen sein. schon die sicherheitsüberprüfung hätte es an licht gebracht.


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07.07.2009 13:05 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2009 13:06)
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#17
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Ich glaube nicht, dass das Vorhandensein von Westverwandtschaft durchgängig ein Auswahlkriterium war.
Ich hatte jede Menge davon, die meisten sind erst nach Gründung der DDR da hin geraten. Manchmal sage ich leicht überspitzt, ich hätte mehr Westverwandtschaft als Ostverwandtschaft gehabt, ohne dass ich da jemals genau ausgezählt hätte.
Und dass "das Organ" davon wusste, weiß ich nun wieder ganz genau. Mal abgesehen von den üblichen Aufklärungen (Postkontrolle usw., Tracken von Einreisen, was auch immer) hatte ich im Vorfeld meines Wehrdienstes ausreichend Gelegenheit, denen davon zu berichten.
Ich bin noch nicht 'mal ein Hinterland-Grenzer geworden. Ich hatte durchaus (authorisierte) Gelegenheiten, mir auch mal die Staatswappen auf den Grenzsäulen im Original anzusehen.


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07.07.2009 14:34 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2009 14:43)
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#18
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Hallo,

bei mir war es anders. Ich wollte mich eigentlich 3 Jahre "verpflichten", jugendlicher Leichtsinn, Flitz im Kopf, Vorteilsdenken für berufliche (Weiter-) Entwicklung...wie auch immer. Heute bin ich froh, das ich es nicht getan hab. Wollte mit den 3 Jahren auch unbedingt (und nur!) zu den Grenztruppen...
Jeder Wehrpflichtige in der DDR kannte ja das Prozedere, ging ja schon in der Schule los mit dem Anwerben. Richtig "interessant" wurde es ja erst ab der Musterung! Von netten Gesten des schmackhaft Machens, bis Drücken auf die Tränendrüsen (...unsere sozialistischen "Errungenschaften" müssen sicher vor dem bösen Klassenfeind geschützt werden bis hin zu massiven Drohungen mit Behinderung in der beruflichen Laufbahn, Einberufung erst mit 26 und noch so einige "Spielchen" war ja alles "drin"!
Jedenfalls, josy95 wollte 3 Jahre zu den Grenztruppen, wenn möglich als Kraftfahrer (wer hatte den Wunsch nicht..., schon allein um den LKW- Führerschein über die GST für 65 (!!!) Ostmark zu bekommen. Kostet heut ab 3000 €uronen aufwärts?)
Führte kein Weg hin! Weil ich eine Tante im Westen hatte, zu der nachweislich kein Kontakt bestand! Daneben noch Bekannte meiner Eltern, aber es ging ja hauptsächlich nur um direkte Verwandte.
Was mich jedoch heute noch verwundert, aber für 10 (!!!) Jahre wollte man mich für die Grenztruppen haben...?!

Das wollte ich natürlich nicht. Und so bin ich dann trotz einiger unschöner "Verwünschungen" des nicht mehr so netten "Überzeugers" beim WKK Wernigerode im Landeübersetzbatallion 5 (LüB 5) 1978 mit 19 Jahren in Havelberg gelandet, war mit 20 Jahren im April 1980 als EK 80/I und "Gefreiter der Reserve" wieder zu Hause oder wie der Russe sagt "da moi".
Hatte dann auch "Glück", außer 1985 eine halbe Nacht für eine vorgesehene, aber wegen dichten Nebel (lacht nicht, es war tatsächlich so, man sah die Hand vor Augen nicht!)abgesagte Reservistenübung hat man mich nur einige male zur "Überprüfung der Wehrunterlagen" im WKK einbestellt und mir einen Mobilmachungsbefehl ausgehändigt. Das Teil hab ich heute noch!

Lag vielleicht auch ein bischen am Beruf Lokführer, war ja bei der Reichsbahn Mangelware! Besonders ab Anfang der 80-er, da haben in Westberlin die West- Reichsbahner gestreikt, worauf man (fast) alle entlasen hat. Ersetzt hat man die dann mit DDR- weiten Abordnungen aus allen Reichsbahndienststellen, natürlich nur mit "tapferen" Genossen!
Ihr wißt das nicht? Der Schienenverkehr in Westberlin wurde gemäß des 4- Mächteabkommens durch die DDR- Reichsbahn durchgeführt! Das betraf sowohl Fern- als auch U- und S- Bahn!
Und dadurch hatte eben die Deutsche Reichsbahn (DDR) auch Westberliner unter Arbeitsvertrag.
Warum die Westberliner Reichsbahner damals gestreikt haben, weiß ich nicht mehr so genau. Ging wohl wie meißtens bei Streiks um mehr Lohn...?!
Kenne aber auch einige Bekannte und Kollegen, die hatten nicht soviel "Glück" und waren einige male los zur Reserve...!
Gab auch solche Fälle, da wurden speziell Lokführer zur Reseve gezogen und dann für die meißtens 3 Monate auf anderen Reichsbahndienststellen, s. g. Schwerpunktdienststellen wie z. Bsp. im Berliner Raum (Seddin?) oder im Braunkohlenrevier als NVA- Angehörige eingesetzt, anders bezeichnet auch als billige Arbeitskräfte die der militärischen Befehlsgewalt unterlagen...


josy95

Günter Schabowski hatte es in seiner legendären Pressekonferenz am 09.11.1989 wahrlich nicht leicht und vor allem keine Zeit, den genauen Zeitpunkt der Einführung der neuen DDR- Reisegesetze bei Krenz oder im SED- Politbüro zu hinterfragen.
Jeder kennt das Ergebnis.
Politiker von heute haben den Vorteil, nicht unter Zeitdruck zu stehen wie einst Schaboweski und das Politbüro der SED.
Und bevor sie in die Öffentlichkeit gehen, nocheinmal die Lobbyisten zu fragen, die ihnen die Gesetze geschrieben haben ...

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07.07.2009 14:47
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#19
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Ich war früher immer der festen Überzeugung alle Grenzer dürfen keine Westverwandtschaft haben, müssen intakte Familienverhältnisse haben, sind als linientreu eingestuft, und wissen das sie auf Flüchtlinge schießen müssen! Einer vertraut dem Anderen nicht! In einigem lag ich daneben. Aber dafür ist so ein Forum da, um aufzuklären.


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07.07.2009 15:00
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#20
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Ich hatte auch Westverwandtschaft, hat wohl nicht gestört.
Einmal durften auch meine Eltern zusammen zu einem 90. Geburtstag in den Westen.
Das habe ich nicht gemeldet, die Stasi vor Ort wusste scheinbar nichts davon,
ich durfte trotzdem Dienst auf der Autobahn machen.
Gruß harry


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07.07.2009 15:26
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#21
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@ harry waren deine eltern damals älter als 65 jahre?
wenn nein, wurde bei der beantragung der besuchsreise deiner eltern in der zuständigen kd eine sicherheitsüberprüfung durchgeführt. spätestens da wäre in der vsh-kartei aufgefallen, dass der sohn für die "aktion grün" gemustert wurde und z.zt. seinen wehrdienst bei den gt ableistet.


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07.07.2009 16:59
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#22
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Halo Angelo,
ich kann nur über die 60er Jahre schreiben.
Der größte Teil meiner Verwandtschaft lebte in Bayern und Westfahlen.
Mein Bruder wurde trotzdem zum Grenzdienst gezogen (Berlin).Erst eine Woche
nach meiner geglückten Flucht wurde er versetzt.Er war weiterhin Angehöriger
der GT ,aber nicht mehr am Kanten.

Tiroler


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07.07.2009 17:05
avatar  Pitti53
#23
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ich hatte auch "westverwandtschaft" und durfte trotzdem berufsoffizier werden bei den gt.es kam immer auf den kontakt an.und ich hatte keinen


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07.07.2009 17:13
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#24
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[quote="josy95"]Hallo,

Besonders ab Anfang der 80-er, da haben in Westberlin die West- Reichsbahner gestreikt, worauf man (fast) alle entlasen hat. Ersetzt hat man die dann mit DDR- weiten Abordnungen aus allen Reichsbahndienststellen, natürlich nur mit "tapferen" Genossen!
Ihr wißt das nicht? Der Schienenverkehr in Westberlin wurde gemäß des 4- Mächteabkommens durch die DDR- Reichsbahn durchgeführt! Das betraf sowohl Fern- als auch U- und S- Bahn!
Hallo josy,

Fernverkehr und S-Bahn ja, U-Bahn hatte schon seit Anfang der fünfziger Jahre jeder seine eigene Verwaltung, selbst die zwei Linien die ohne Halt unter Ostberlin fuhren waren mit Westberlinern besetzt. Der S-Bahnverkehr wurde von ostdeutscher Seite nach dem Streik so gut wie eingestellt, es fuhren nur noch die Züge zum S-Bahnhof Friedrichstr. (Grenzübergang), erst Mitte der Achtziger wurde die S-Bahn in WB wieder teilweise in Betrieb genommen, allerdings durch die Westberliner Verkehrsbetriebe (BVG), erst nach der Wende wurde das gesamte Netz wieder von der DB-Bahn übernommen.
Guß aus Berlin


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07.07.2009 17:51
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#25
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Hallo dein

Stufe 3 wurde nie ausgerufen. Wäre diese Anordung aber schon 1961 in Kraft getreten,da wo Russen und Amis
sich am Check Point C. mit Panzern gegenüber standen,dann wäre es bestimmt so weit gekommen.

Diese Art der 3 Stufen wurde aber erst in den 80iger Jahren erstellt


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07.07.2009 19:04
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Zitat von GilbertWolzow
@ harry waren deine eltern damals älter als 65 jahre?
wenn nein, wurde bei der beantragung der besuchsreise deiner eltern in der zuständigen kd eine sicherheitsüberprüfung durchgeführt. spätestens da wäre in der vsh-kartei aufgefallen, dass der sohn für die "aktion grün" gemustert wurde und z.zt. seinen wehrdienst bei den gt ableistet.


Nein, meine Eltern waren Ende 40. Kontakt zu den Westverwanten hatte ich auch, wir hatten uns sogar mal getroffen als ich VKU hatte. Vielleicht war die Stasi doch nicht allwissend.


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07.07.2009 19:08
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#27
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Zitat von harry
Vielleicht war die Stasi doch nicht allwissend.


das bestreitet keiner.
aber der normale ablaufplan war wie ich es dir oben mitgeteilt habe. also hat man es sehr wohl gewusst...


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07.07.2009 19:54
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#28
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Freunde der GT. zu meiner Zeit bei den Grenztruppen(77-78).ich hatte auch Westverwandschaft hat aber keinen gestört glaube ich.Ich hatte ein Kind und eine Frau.Einmal im halbjahr wurde bei uns eine Tiefenkontrolle ge macht,es wurde der ganze Spint durchstöbert und da wurde in meinem Spint Westkaugummi gefunden ich hatte Streß ohne Ende.Bei meiner Schwiegermutter ist der ABV gekommen und hat gefragt op sie in der BRD war.Sie ist Rentnerin.Gruß aus Trebbin Barny


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08.07.2009 07:42
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Zitat von josy95
Wollte mit den 3 Jahren auch unbedingt (und nur!) zu den Grenztruppen...


Vielleicht war genau das Dein Problem. Leute, die richtig heiß darauf waren, an die Grenze zu kommen, galten von vorn herein als "staubiger" als der Rest der Kandidaten.
Da es für diesen heißen Wunsch verschiedene (auch nicht so linientreue) Gründe geben konnte, wurden solche Kandidaten im Vorfeld besonders unter die Lupe genommen. Ich kann dafür keine exakte Quelle benennen, habe aber an anderer Stelle schon Kopien solcher Anweisungen gesehen.

Bei mir z.B. war die meistgestellte Frage im Musterungsprozess, ob ich eine Freundin hätte. Darüber lagen der Staatsmacht unterschiedliche Informationen aus verschiedenen Quellen vor, so dass sie gerne Klarheit wollte.
In früheren Ermittlungen hatten Bewohner aus unserem Haus das Weibchen sogar beschrieben, während ich nicht 'mal seinen Namen kannte
Es ging wahrscheinlich um die Bindung an den Orbeida-und-Mauern-Schdoohd, aber trotz Singledaseins bin ich trotzdem an die Linie gekommen. Das Auswahlverfahren war wohl doch etwas professioneller und komplexer als "No Martini, no party!"


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08.07.2009 10:21 (zuletzt bearbeitet: 08.07.2009 10:24)
avatar  josy95
#30
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Hallo sentry und alle Anderen hier,

vielen Dank für Deine Ausführungen. Denke mal, das wird schon der Grund gewesen sein. Der "nette" Herr damals wußte über meine Tante im Westen besser Bescheib wie ich! Das hat mich schon damals als relativ "ahnungsloser" Jugendlicher etwas gewundert. Der wußte z. Bsp. sehr genau bescheid warum, wieso, weshalb das Verhältnis zu meinem Vater (ihrem Bruder) wegen einer Erbschaftsstreitigkeit (Ost- West- Erbschaftsprobleme) gestört war.

Was mich denn heute noch etwas verwundert ist der Umstand, das ich kurz vor der Entlassung eine "Einladung" zum DDR- Zoll bekommen hab. War zwar wohl so eine obligatorische Sache, heute würde man sagen "Kettenbrief" den jeder "EK" bekommen hat.
Auch für die Trapo wurde ich verschiedentlich durch unseren ABV T (T für Transportpolizei), mit dem ich mich übrings sehr gut verstand, "angeworben", auch als Helfer. Hab ich aber nicht gewollt! Hatte so den Eindruck, das man mir deshalb auch nicht sonderlich "böse" war. Mein Argument war, das ich damals in der Freiwilligen Feuerwehr war und nur "auf einer Hochzeit" zu tanzen vermochte. Dafür hat man dann wohl auch Verständnis gehabt.

Mit der Wende hatte ich dann mit einem Kollegen die Idee, zur Trapo zu gehen, weil man dort immer noch Leute suchte. Hatte bestimmt auch mit der Tatsache was zu tun, das man die Leute mit Stasi- Verstrickungen los werden wollte...!?
Heut sag ich, hätt ich es man damals mit 30 Jahren gemacht. Dienstzeit bei der DR wäre anerkannt wurden und denke mal, mit ein wenig Glück wär man heut Beamter der Bundespolizei...mit 33 Dienstjahren...!

Aber was soll`s. Hinterher ist man (oft) oder immer schlauer!


Schönen Tag euch allen!

josy95

Günter Schabowski hatte es in seiner legendären Pressekonferenz am 09.11.1989 wahrlich nicht leicht und vor allem keine Zeit, den genauen Zeitpunkt der Einführung der neuen DDR- Reisegesetze bei Krenz oder im SED- Politbüro zu hinterfragen.
Jeder kennt das Ergebnis.
Politiker von heute haben den Vorteil, nicht unter Zeitdruck zu stehen wie einst Schaboweski und das Politbüro der SED.
Und bevor sie in die Öffentlichkeit gehen, nocheinmal die Lobbyisten zu fragen, die ihnen die Gesetze geschrieben haben ...

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