Patriot eines untergegangenen Landes

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07.10.2010 18:42
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#31
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94

Da ich nicht weiß, welche Halbwertszeit Links zu einem Blog haben, zitere ich mal die wesentliche Passagen:

Aus Moskau kam er nicht, der Befehl. Gorbatschow hatte mit dem Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ eher vor einem Blutbad gewarnt als dazu aufgerufen. Die gewohnt Moskau treuen Berliner SED-Betonköpfe waren am Abend des 9. Oktober 1989 vor der Entscheidung „abgetaucht“ und hatten die Leipziger Bezirks-Betonköpfe, am Telefon wartend, allein gelassen. „Jetzt sind sie rum“ (um den Leipziger Innenstadtring) soll der Ranghöchste, Helmut Hackenberg, vor dem schweigenden Telefon der SED-Bezirks-Machtzentrale gegen 19 Uhr enttäuscht gesagt haben.
[...]
Legende: Der Schießbefehl, der zu unser aller Glück „nur“ ein prophylaktischer war, wurde im Rahmen der Vorbereitung auf den Einsatz am Abend durch den „vorauseilenden Gehorsam“ eines militanten SED-Kommandeurs am 9.10.1989 an Bereitschaftspolizisten gegeben. Die „Befehlsunterlagen“ wurden 1990/91 archiviert, im Januar 1993 von den Printmedien „aufgestöbert“ und danach von uns allen wieder vergessen. In keinem Buch wird darüber berichtet; weder im historisch wichtigen Buch von Martin Jankowski „Der Tag, der Deutschland veränderte – der 9. Oktober 1989“; Evangelische Verlagsanstalt GmbH, Leipzig 2007, noch im schönen Heft von Doris Mundus „Leipzig 1989 – eine Chronik“, Lehmstedt-Verlag, Leipzig 2009, wo der historisch brisante Vorgang eigentlich hin gehört.
Quelle: http://schallmey.blogger.de/stories/1605796/

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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07.10.2010 18:44 (zuletzt bearbeitet: 07.10.2010 19:04)
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Zermatt,

warten wir das Telegramm von Dieter mal ab.

Übrigens, auch in den entsprecheden Befehl von Herrn Honecker aus Sep. 1989 ist nichts über den Einsatz von Schusswaffen zu finden.


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07.10.2010 19:16 (zuletzt bearbeitet: 07.10.2010 19:58)
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S51

Zitat von 94
...Der Schießbefehl, der zu unser aller Glück „nur“ ein prophylaktischer war, wurde im Rahmen der Vorbereitung auf den Einsatz am Abend durch den „vorauseilenden Gehorsam“ eines militanten SED-Kommandeurs am 9.10.1989 an Bereitschaftspolizisten gegeben. ...



Das war seinerzeit keineswegs der einzige Möchtegernkrieger. Auch wir wurden vor der Abfahrt nach Leipzig seinerzeit ordentlich auf Touren gebracht nach dem Motto "Nun ist Schluß... wir müssen aufräumen..."
Die Ausrüstung jedoch stand dem gründlich entgegen. Wie schon geschrieben. Pistolen ohne Munition, eine MPi pro Zug mit Schießbecher, Tränengasbehälter und Platzpatronen, Helm, Knüppel und einige Schilde. Es gab in der Leipziger Innenstadt keinen sichtbaren PSH mit PKT, keinen sonstigen SPW und schon gar keine Panzer. Es gab einige Lkw mit Räumgittern und uns. Die BePo, Offiziersschüler aus Aschersleben und zusammengezogene Schutzpolizei. Ausrüstung wie beschrieben. Die Schupo war ganz ohne Schilde und mussten mitten auf der Straße absitzen. Wir dachten, jetzt werden sie gelyncht...
Unserer Ausrüstung wie beschrieben erhielten wir am Stadtrand aus Lagern, die von ein paar Kampfgruppenleuten gesichert wurden. Auch da war niemand sonst, schon gar keine schwere Technik.
Bei dem, was wir hatten, haben wir eigentlich vermutet, zum Verheizen bestimmt zu sein.
Als alles vorbei war, konnte sich niemand mehr an frühere "Anweisungen" erinnern, waren alle schon immer dafür bzw. dagegen. Wir, ich dito, natürlich auch.
Nachtrag zu den "Anweisungen": Alles, was da vorher gesagt wurde, galt in Leipzig nicht. Nachher sowieso nicht. War gewissermaßen nur "scharfmachen". In Leipzig galten die Befehle der Einsatzleitung und die lauteten sinngemäß nur konzentrieren auf Bahnhof, Bezirksleitung und runde Ecke, Bereitschaften in den Nebenstraßen und ansonsten warten, warten. Kleine Gruppen draußen, die Masse immer drinnen oder hinter den Häusern in den Nebenstraßen. Später, als der Zug losging, war der einzige Befehl, eindringen in die gesicherten Bereiche passiv abzudrängen. Tatsächlich wurde es gar nicht versucht. Einen Befehl zum Einsatz haben wir aber nie erhalten. Es hieß, dass Hr. Masur und die Bezirksleitung verhandeln und keine Gewalt anzuwenden war. Ein regelrechter Befehl jedoch war das nicht, eher eine kollektive Meinung aus der Situation heraus. Es haben alle gewartet, worauf? Dass möglichst einfach nichts passiert, würde ich sagen.

GK Nord, GR 20, 7. GK, GAK
VPI B-Lbg. K III


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07.10.2010 21:27
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Und um es wiederholt zu sagen, für alle, Egon Krenz war kein deutscher Patriot! Zu keiner Zeit!
Dies war ja das Thema dieses Threads.

Huf


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07.10.2010 22:11
#35
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Sollte man nicht erst versuchen zu erklären, wie es im Schulunterricht üblich war zu erklären was ein Patriot ist?


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07.10.2010 22:16
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#36
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94

Zitat von grenzergold
Sollte man nicht erst versuchen zu erklären, wie es im Schulunterricht üblich war zu erklären was ein Patriot ist?



Achtung, Ironie!
Phased Array Tracking Radar to Intercept Of Target ist ein bodengestütztes Mittelstrecken-Flugabwehrraketen-System zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Mittelstreckenraketen.

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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07.10.2010 22:19
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super


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07.10.2010 22:26
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...allet janz interessant!! Ick will aber mal anmerken, dass in der Zeit der einfache Soldat nicht so richtig wusste, wat jetzt abgeht.
Ick war im Okt. 89 bei den Sandlatschern in Oranienburg als Resi. Ick gloobe 1. mot. Schützenregiment. Und ick kann mich an eene Bejebenheit erinnern, in der ick mit meinen damals 27 Lenzen "den Frack voll" hatte. Da haben wir nämlich in voller Montur nen langen Tag uff de Flure verbracht. Pro Mann waren 2 Magazintaschen mit je 4 Magazinen fürs AK 47 aujejeben. Und wir haben alle drum jebetet, dass nich irjendeen karrieresüchtiger Idiot uffn Knopp drückt und dit inne Bornholmer oder wer weeß wohin jeht.

Ick denke übrigens auch, dass die Jeschichte im Jahr 89 anders jelaufen wäre, hätte im Kreml n Hardliner jesessen.
Aber zum Glück für alle Beteiligten bzw. Betroffenen kam so wie es jelaufen is. Soll heißen, dass Gorbatschow nicht so unbeteiligt war wie hier teilweise spekuliert wurde.

LG
Pzella


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08.10.2010 10:52
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#39
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Hallo Pzella82,

das von Dir geschilderte kenne ich auch aus einem Artellerieregiment in Frankenberg. Am 4.Oktober 1989 wurde volle Gefechtsbereitschaft befohlen und die Truppe komplett unter Waffen gestellt. Der ganze "Spass" hielt sich so am Vormittag, bis auf Befehl sämtliche Waffen wieder in die Waffekammern mussten und grundsätzlich an niemanden mehr eine Waffe nebst Munition mehr ausgegeben werden durfte.
In den nächsten Stunden und Tagen wurden die Abteilungen kurzfristig in Polizeitaktik ausgebildet um gegen die "Konterrevolutionäre" vorzugehen.
Da alles wie gesagt ohne Bewaffnung!

VG exgakl

Jede gute Idee beginnt mit dem Satz.. "halt mal mein Bier!"

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09.10.2010 11:28
#40
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Zitat von S51

Zitat von 94
...Der Schießbefehl, der zu unser aller Glück „nur“ ein prophylaktischer war, wurde im Rahmen der Vorbereitung auf den Einsatz am Abend durch den „vorauseilenden Gehorsam“ eines militanten SED-Kommandeurs am 9.10.1989 an Bereitschaftspolizisten gegeben. ...



Das war seinerzeit keineswegs der einzige Möchtegernkrieger. Auch wir wurden vor der Abfahrt nach Leipzig seinerzeit ordentlich auf Touren gebracht nach dem Motto "Nun ist Schluß... wir müssen aufräumen..."
Die Ausrüstung jedoch stand dem gründlich entgegen. Wie schon geschrieben. Pistolen ohne Munition, eine MPi pro Zug mit Schießbecher, Tränengasbehälter und Platzpatronen, Helm, Knüppel und einige Schilde. Es gab in der Leipziger Innenstadt keinen sichtbaren PSH mit PKT, keinen sonstigen SPW und schon gar keine Panzer. Es gab einige Lkw mit Räumgittern und uns. Die BePo, Offiziersschüler aus Aschersleben und zusammengezogene Schutzpolizei. Ausrüstung wie beschrieben. Die Schupo war ganz ohne Schilde und mussten mitten auf der Straße absitzen. Wir dachten, jetzt werden sie gelyncht...
Unserer Ausrüstung wie beschrieben erhielten wir am Stadtrand aus Lagern, die von ein paar Kampfgruppenleuten gesichert wurden. Auch da war niemand sonst, schon gar keine schwere Technik.
Bei dem, was wir hatten, haben wir eigentlich vermutet, zum Verheizen bestimmt zu sein.
Als alles vorbei war, konnte sich niemand mehr an frühere "Anweisungen" erinnern, waren alle schon immer dafür bzw. dagegen. Wir, ich dito, natürlich auch.
Nachtrag zu den "Anweisungen": Alles, was da vorher gesagt wurde, galt in Leipzig nicht. Nachher sowieso nicht. War gewissermaßen nur "scharfmachen". In Leipzig galten die Befehle der Einsatzleitung und die lauteten sinngemäß nur konzentrieren auf Bahnhof, Bezirksleitung und runde Ecke, Bereitschaften in den Nebenstraßen und ansonsten warten, warten. Kleine Gruppen draußen, die Masse immer drinnen oder hinter den Häusern in den Nebenstraßen. Später, als der Zug losging, war der einzige Befehl, eindringen in die gesicherten Bereiche passiv abzudrängen. Tatsächlich wurde es gar nicht versucht. Einen Befehl zum Einsatz haben wir aber nie erhalten. Es hieß, dass Hr. Masur und die Bezirksleitung verhandeln und keine Gewalt anzuwenden war. Ein regelrechter Befehl jedoch war das nicht, eher eine kollektive Meinung aus der Situation heraus. Es haben alle gewartet, worauf? Dass möglichst einfach nichts passiert, würde ich sagen.



hallo S51,
Dank für deinen Erlebnisbericht. Es ist immer gut wenn Leute zu Wort kommen, die dabei waren.

mfG torpedoschlosser


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10.05.2017 10:27 (zuletzt bearbeitet: 10.05.2017 10:29)
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#41
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unbeugsame ossis? du tust mir echt leid wenn du es bis jetzt noch immer nicht begriffen hast, es gibt doch heute genug beweise was für ein unrechtsregime in der "D.D.R." herrschte! der großteil der bevölkerung wollte dies nicht mehr, schau nur allein in leipzig bei den demos, wieviele auf der straße waren, wieviele bei jeder sich bietenden gelegenheit weggelaufen sind vor ihrem glück im arbeiter-und bauernparadies.
die paar die heute noch diesem system hinterhertrauern wären viel zu wenige um einen staat aufrechtzuerhalten.
ich kann schon ein wenig nachvllziehen daß leute die dort eine gute stellung hatten ihrem status nachtrauern, aber sie sollten mal dringend darüber nachdenken wieviel unrecht sie dem großen rest des volkes angetan hatten, daß sie den meisten die freiheit beschränkt und auch nicht wenigen das leben nahmen.


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