Aus dem Westen gesehen erscheint die DDR wie ein fernes Land (1964)

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18.09.2010 14:35
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#1
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Auf ihrer Reise durch Ostdeutschland erlebt die westdeutsche Herausgeberin der Zeit die DDR nach dem Mauerbau als eine Art Freiluftmuseum der deutschen Vergangenheit. Ihr entgehen allerdings die anhaltenden inneren Spannungen unter der Oberfläche einer straffen Kontrolle durch die SED.

Die private Welt ist eingebettet in ein Stück Deutschland, das meiner Generation von Westdeutschen, den Mittdreißigern, meist nur noch aus Geschichtsunterricht und Wandkalendern bekannt ist. Kindheitserinnerungen an behäbige thüringische Residenzstädtchen, in Ostberlin bewahrte Bilder aus der preußischen Geschichte – was war mir außerdem schon davon gewärtig geblieben? Jetzt fuhr ich plötzlich durch Fontanes Ribbeck, stand im Magdeburger Dom unerwartet vor dem Sarkophag Ottos des Großen, in der Wittenberger Schloßkirche vor der Grablege des Reformators. Die verblaßte Landkarte, die ich von der deutschen Welt jenseits der Elbe im Kopfe trug, füllte sich plötzlich wieder mit Namen, Gestalten, Gebäuden.

Verwinkelt und versponnen dämmern die kleinen Kreisstädte und die Bauerndörfer vor sich hin, von den schönen Fassaden blättert der Putz, der Wagen rumpelt über Kopfsteinpflaster, noch ist der Verkehr nirgends ein alles verschlingender Moloch. Auf diese Weise ist die DDR eine Art Freilichtmuseum deutscher Vergangenheit geworden: das Deutschland von Anno dazumal ist dort konserviert, das Zeitalter der Fußgänger und Bierkutscher noch nicht zu Ende.

Diese altertümliche Welt der DDR hat ihren sentimentalen Reiz, jedoch auch ihre aktuellen Nachteile. Die meisten Städte bestimmt ein düsteres Grau, kraftlose Straßenlampen werfen nachts nur trübes Licht. Das Wachstum der Orte ist Ende der zwanziger oder Anfang der dreißiger Jahre gewaltsam gestoppt worden, die Dörfer und Städte haben seitdem keine Jahresringe von Neubauten angesetzt. Nur dort, so scheint es, wo der Krieg Zerstörungen angerichtet hat, sind überhaupt neue Gebäude errichtet worden. Auch sie sind allerdings keine helle Freude.

Überall in der DDR stößt der Besucher aus dem Westen auf die Stalin-Alleen im Moskauer Zuckerbäckerstil. Nicht nur in Ostberlin stehen diese monumentalen Scheußlichkeiten – sie verderben einem auch den Genuß am Wiederaufbau des Dresdener Altmarkts oder an der wiedererstandenen Magdeburger Innenstadt. Mittlerweile haben sich die Staatsarchitekten drüben zwar von dem Konditorstil gelöst, sie bauen jetzt entschnörkelte Häuser, freundlicher, froher und farbiger, aber sie bauen überall genormt. Allenthalben wachsen die gleichen Typenhausreihen aus dem Boden, und wer Abwechslung für die Würze des Lebens hält, wird auch die nachstalinistische Bauweise noch immer als einförmig, ja, trist empfinden.

Quelle:
http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/sub_...?document_id=75


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18.09.2010 16:50
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#2
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Mich würde einmal interessieren, wann Frau Dönhoff diesen Text geschrieben hatte? Bestimmt nicht 1964, denn ich vermisse den Begriff"Zone". Kann natürlich auch falsch liegen, denn die alte Dame war in ihren Betrachtungen der verschiedensten Dinge der deutschen Geschichte schon immer sehr genau, fast fair könnte man meinen.
Was die Alle nur gegen unsere Neubaugebiete hatten, ich fand sie immer schöner wie die hässlichen Betonglötze, die Wohnsilos im Westen in ihrer kalten nichtssagenden Architektur.

Rainer-Maria


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18.09.2010 17:21
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#3
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Eure Betonklötze waren genau so monoton und hässlich wie unsere.Glück ,wer da nicht wohnen musste.


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18.09.2010 17:36
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#4
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Widerspruch Zermatt, unsere waren schön...wenn die Sonne schien und hallo, hol das Video noch mal aus der Versenkung, was hier Irgendeiner über Halle-Neustadt eingestellt hatte, als das Wohngebiet entstanden ist. Das war die Zukunft, mein Freund, da hatte noch Jeder Arbeit, Jeder ohne Ausnahme, da saß Keiner Zuhause rum und drehte Däumchen wie heute, hieß Lohntüte war am Monatsende gefüllt und im Konsum gabs nicht jeden Tag Bananen.
Weißt du, wo langsam System hier in dem schönen Staate BRD besteht? Zeigt man alte Bilder,Fotos aus der DDR, dann immer nur Schwarz-Weiß?
Und vom alten Westdeutschland immer schön bunt? Könnte es sein, das da Einer den Farbfilm vergessen hatte? Denn willst du was beschissen darstellen, lass einfach die Farbe weg. Und in Einem geh ich mit, Farbe war nicht im Überfluss zu DDR-Zeiten im Angebot, aber farblos waren wir nicht.
Wenn ich mal die Zeit habe, dann stell ich mal so schöne Farbbilder...siehe mein Avatar auf der Treppe in Zingst so in den 80ern ein, von meiner alten Wohnung, vom Garten, dem kleinen Eigenheim des werktätigen Mannes und du wirst sagen:" Verdammt, was wollten die Alle bei uns, denn bei denen sahs doch richtig nett aus".
Ich wollte nie zu Euch in den Westen, den"goldenen Westen".

Rainer-Maria


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18.09.2010 17:43
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#5
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Ja bitte,stell mal Bilder von den Wohnblöcken hier rein.
Und mit dem goldenen Westen ,von wem kommt dieser Ausdruck eigentlich ?Bunter Westen wäre da schon realer gewesen...


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18.09.2010 17:57
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#6
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Wir Zwei, Zermatt, wenn ich nicht wüsste, das wir mal in Erfurt gemeinsam am Tisch saßen...aber Spass beiseite, ich kann dich gut leiden.
Der"goldene Westen", das ist doch ganz einfach, das hängt mit dem Märchen von der goldenen Gans zusammen. Blieb Einer dran hängen, dann liefen sie Alle mit, der Eine landete in der Gosse und der Andere wurde Millionär, du wurdest darin geboren.
Das ist wie eine Fata Morgana, mein Freund, da spiegelt und glänzt was und Derjenige, der sich vom vielen Golde blenden lässt, der könnte doch verdursten.
Ich liebe die Märchen, weil sie so schön aus dem Leben erzählen.

Rainer-Maria


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18.09.2010 17:58
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#7
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Mich würde einmal interessieren, wann Frau Dönhoff diesen Text geschrieben hatte? Bestimmt nicht 1964, denn ich vermisse den Begriff"Zone". Kann natürlich auch falsch liegen, denn die alte Dame war in ihren Betrachtungen der verschiedensten Dinge der deutschen Geschichte schon immer sehr genau, fast fair könnte man meinen.
Was die Alle nur gegen unsere Neubaugebiete hatten, ich fand sie immer schöner wie die hässlichen Betonglötze, die Wohnsilos im Westen in ihrer kalten nichtssagenden Architektur.

Rainer-Maria



Rainer,Du liegst richtig mit Deiner Einschätzung zu den teilweise "fairen" Ansichten von Frau Dönhoff.
Hatte paar mal Gelegenheit mich mit ihr selber auszutauschen.
Vielleicht solltest Du das Zeitfenster ihrer Einschätzung (1964) beachten.Das was bis dahin teilweise an Neubauten in der DDR entstand,war eher der Notwendigkeit gegenüber des Wohnungsmangels was zu tun und den vorhandenen Baukapazitäten im Wohnungsbau geschuldet.
Da entstanden dann graue Betonblöcke wie zb. in Rostock-Reutershagen I+II,die in fast jeder anderen DDR-Großstadt ähnlich aussahen.
Optisch wirklich nicht der Renner,aber vergleichsweise Gegenstücke befanden sich auch im westlichen Teil Deutschlands.
Dein Halle- Neustadt später hatte wohl auch erst 1967 Grundsteinlegung...
Na ja,Geschmäcker sind eben verschieden.

seaman


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18.09.2010 18:05 (zuletzt bearbeitet: 18.09.2010 18:06)
avatar  Angelo
#8
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Hier mal ein schönes Bild vom Plattenbau der DDR grau und trist war es damals in der DDR........





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18.09.2010 18:05
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[quote="Rainer-Maria-Rohloff"]Wir Zwei, Zermatt, wenn ich nicht wüsste, das wir mal in Erfurt gemeinsam am Tisch saßen...aber Spass beiseite, ich kann dich gut leiden.
Der"goldene Westen", das ist doch ganz einfach, das hängt mit dem Märchen von der goldenen Gans zusammen. Blieb Einer dran hängen, dann liefen sie Alle mit, der Eine landete in der Gosse und der Andere wurde Millionär, du wurdest darin geboren.
Das ist wie eine Fata Morgana, mein Freund, da spiegelt und glänzt was und Derjenige, der sich vom vielen Golde blenden lässt, der könnte doch verdursten.
Ich liebe die Märchen, weil sie so schön aus dem Leben erzählen.





Anderer Spruch:
Jeder ist seines eigens Glückes Schmied !!!
(Gesundheit ausgeschlossen)

Oss`n


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18.09.2010 18:09
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#10
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seaman, ich hätte was drum gegeben, mich mit der alten...man könnte fast sagen...weisen alten Dame zu unterhalten. Ihre ganze Art, zumindest, was ich über sie gelesen hatte, es gefiel mir.
Du Glückspilz hattest die Gelegenheit, sehr schön und bestimmt interessant.
Zu Halle-Neustadt, wir sind mittlerweile ein Lexikon und ich zu dumm zum suchen. Es waren Super 8 Filme, oder besser 8 Millimeter, die hier mal Einer eingestellt hatte.

Rainer-Maria


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18.09.2010 18:14
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#11
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Zitat von Angelo
Hier mal ein schönes Bild vom Plattenbau der DDR grau und trist war es damals in der DDR........








Tjo du Angelo,
Sehe heute auch andere Wohnungen !!!!!
Die (Dialekt) fressen 6 Tage die Woche Keneckebrot - aber wenn Besuch kommt giebt es mal `n Schnitzel.
Ich esse was ich will - wann ich will !
Wenn ich mal 50 bin will ich sagen können - ich habe 50 Jahre gelebt - nicht vegitiert für andere.
Jeder lebt halt wie er will und kann !

Oss`n


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18.09.2010 18:24
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#12
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Oss`n, wohl dem, der aus seinem Leben etwas macht. Da spielen aber auch gesellschaftliche Einflüsse eine Rolle und ich bleibe dabei, der Sozialismus bot gute Voraussetzungen dazu, wenn auch grobe unnötige Fehler begangen wurden.
Das heutige System erinnert mich an ein gnadenloses Auslesesystem, und wieder wohl dem, der nicht durch das Sieb fällt. Es können einfach nicht Alle Glücksschmiede sein,werden, dazu ist der Mensch nicht geschaffen, gerade weil nur wenige das Zeug dazu haben.
Und was macht der Rest?
Wir leben einfach nicht mehr in der Urzeit, wo es jeden Tag ums Überleben ging, aber sehe ich andere Länder auf unserem schönen Planeten, dann ist die Urzeit noch in Echtzeit vorhanden, so blöd das klingt.
Wir verwöhnten Mitteleuropäer, satt und träge geworden, zu faul um mal zum Nachbarn zu schauen, ihm richtig ins Gesicht zu schauen...aber lass, ich bin auch nicht der Menschenfreund, der ich manchmal sein möchte, weil es ganz einfach nichts bringt.

Rainer-Maria


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18.09.2010 18:25 (zuletzt bearbeitet: 18.09.2010 18:26)
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#13
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Angelo,
Kann es sein,das die Fotos aus dem Westen stammen,die Autos sehen mir danach aus....so schön bunt oder ?


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18.09.2010 18:42
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#14
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Zitat von Oss`n

Zitat von Angelo
Hier mal ein schönes Bild vom Plattenbau der DDR grau und trist war es damals in der DDR........








Tjo du Angelo,
Sehe heute auch andere Wohnungen !!!!!
Die (Dialekt) fressen 6 Tage die Woche Keneckebrot - aber wenn Besuch kommt giebt es mal `n Schnitzel.
Ich esse was ich will - wann ich will !
Wenn ich mal 50 bin will ich sagen können - ich habe 50 Jahre gelebt - nicht vegitiert für andere.
Jeder lebt halt wie er will und kann !

Oss`n





@Oss'n was is'n das für'n Spruch? Ich versteh gar nicht was du damit sagen willst ?

@ Rainer, wieder voll in Form wie ich sehe . Aber beruhige dich , so'n Baustil wie Halle Neustadt haben wir hier auch zu tausenden. Z.B. in Köln-Chorweiler aber auch in Düsseldorf, Ratingen usw.Da gab's mal 'ne gewerkschaftseigene Baugesellschaft, die hieß Neue Heimat, die hat solche Bauten in jeder größeren (Vor-)Stadt aufgebaut. Die sehen genauso aus. Fragt sich wer hat von wem abgekupfert ? Die Baugesellschaft hat dann irgendwie auch die Quittung bekommen, sie ging vor etwa 20 Jahren pleite. Die Häuser stehen aber immer noch. Sie werden aber jetzt umfangreich saniert, jedenfalls zum Teil.
Wieso kommst du immer auf das (Vor-) urteil , der Westen ist kalt. Das lese ich in fast jedem 2. deiner Beiträge. Das Wetter hier an der Rheinschiene ist im Durchschnitt schon mal wärmer als in Leibzsch, die Menschen sind genauso herzlich und auch manchmal herzlos wie in Sachsen oder sonstwo. Komme gerade aus der Düsseldorfer Altstadt bei schönem, herbstlichen Wetter und da war der Bär los. Die Menschen lachten, tranken Bier, schwatzten teilweise auf der Straße vor den Lokalen bis hinunter an den schönen Rhein.
Da war richtig Leben in der Hütte und da sagst du immer so was. Ich glaube du warst noch nie hier, sonst würdest du sowas nicht sagen. Jedenfalsl hat es mit der Realität nichts zu tun. Sind wohl noch Restbestände aus K.E. Schnitzlers Propagandasendungen bei dir im Kopf hängen geblieben
So, das wollte ich mal sagen, bzw. richtig stellen.

Gruß Gert


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18.09.2010 19:15
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#15
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Gert, du hast mich wieder "kalt" erwischt, altes Schlitzohr. Und nein, der Karl-Eduard war nicht mein Freund und der Rainer-Maria war schon öfters im schönen Westen, so beruflich nach 1989 von Ulm bis Jever, ich reiste durch die Brauereien, Kläranlagen, Universitäten, Krankenhäusern immer mit offenen Augen und Ohren für meine Umwelt draußen, für den Menschen neben mir.
Natürlich ist der Mensch, der unterschiedliche Landsmann in Deutschland herzlich, auch mal distanziert, er ist in erster Linie Mensch und ihm gebe ich gar nicht mal so die "gefühlte Kälte", ich gebe sie der Gesellschaft, gebe sie an diese weiter.
Es gibt einen wunderbaren Film, ich glaube, er heißt "Die Insel" mit dem jungen Leonardo Di Caprio. Er fährt also mit der Oberguruline von der Insel aufs Festland, sie kaufen ein auf nem Markt und er steht Abends in der Innenstadt und rund um ihn gröllt und schreit es, die Besoffenen, das Gesindel tobt das sich die Balken biegen...da meint er so zu sich irgendwie sinngemäß: "Jetzt weiß ich, was wir an unserer Insel haben".
Aber schade, die Insel war am Ende des Filmes auch nicht mehr das Paradies, eher der Alptraum.
Ich habe die DDR immer als Insel gesehen und halte mich nicht für altmodisch, ich wäre nicht der, der ich heute bin, habe auch damals jedes Verbot gekonnt umgangen, für mich gabs nur Volkseigentum, was allen gehörte, und kein Mann des MfS sagte...Das darfst du nicht!
Kurz, der Mensch war irgendwie anders...gut, sehe ich vielleicht nur so, auch gut, hab ich halt ne Paranoia.
Bin ich noch beim Thema? Ach egal mein Freund, schreiben ist schön, das entspannt so schön.

Rainer-Maria


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