Stanislaw Tillich: Ich habe in einem Unrechtsstaat gelebt

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17.03.2013 17:44 (zuletzt bearbeitet: 02.04.2013 10:59)
#31
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Zitat von Angelo im Beitrag #1
Interview Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) wünscht sich mehr Stolz auf 20 Jahre Deutsche Einheit.

In der Bildungspolitik nimmt Sachsen schon Platz eins ein. Wann ist Ihr Bundesland insgesamt deutsche Spitze?

Tillich: Wir ostdeutschen Länder sind 1990 alle von derselben Linie aus gestartet. Schon heute geben wir eine Milliarde Euro weniger an Schuldzinsen aus als unsere Nachbarn in den neuen Bundesländern. Dies schafft die notwendigen finanziellen Spielräume für eine zukunftsorientierte Politik. Unser Ziel ist es, in zehn Jahren zu den innovativsten Regionen Europas zu gehören.

Es heißt, an sächsischen Schulen werde besonders Naturwissenschaft gefördert. Ist das der Schlüssel zum Erfolg?

Tillich: Als gelernter Ingenieur sehe ich unsere deutsche Technik-Voreingenommenheit mit großer Sorge. Deutschland ist auf dem Wege, seinen ingenieurwissenschaftlichen Vorsprung zu verlieren. Es hapert an der Umsetzung technischer Erfolge im eigenen Land. Bekanntestes Beispiel ist der Transrapid. Aber auch bei der Biotechnologie stehen wir im weltweiten Wettbewerb. Wir müssen uns nach Lösungen umschauen und dürfen nicht ständig Vorbehalte debattieren. Sonst gehen unsere jungen Forscher in andere Länder. Wir Deutsche müssen aufpassen, dass wir nicht von den Asiaten technologisch überrascht und überrollt werden, indem diese uns etwa auf dem biotechnologischen Sektor Lösungen anbieten, für die wir dann viel Geld bezahlen müssen.

Haben Sie als Ostdeutscher vor der Wende in einem Unrechtsstaat gelebt? Der letzte DDR-Ministerpräsident meint: nein.

Tillich: Die DDR war ein Unrechtsstaat. Ein Land, welches an der Grenze auf seine Bürger schießen ließ, Menschen aus Gefängnissen heraus verkaufte, das die Freiheit des Wortes unterband, kann kein Rechtsstaat gewesen sein.


Warum freuen wir Deutsche uns nicht über den Nationalfeiertag 3. Oktober?

Tillich: Ich wünschte mir mehr Stolz auf diesen Tag, zumal es sich um eine friedliche Vereinigung handelte – mit allen Risiken und Nebenwirkungen, die solch eine Vereinigung in sich birgt. Es war ein gigantisches Projekt. Vielleicht sollte man unseren Nationalfeiertag in doppeltem Sinn feiern, denn es vollzog sich ja eine Vereinigung Deutschlands und Europas. Deshalb nähme es uns auch niemand übel, wenn wir Deutsche den Tag richtig feiern würden.


Hat es nicht hohe Symbolkraft, dass Deutschland just zur 20. Wiederkehr der Wiedervereinigung zum Wirtschaftsmotor Europas wurde? Oder weckt das in Paris oder London eher neues Misstrauen gegenüber Deutschland?

Tillich: Ich glaube eher, dass man in Paris und London erkennt, dass man in den vergangenen Jahren nicht immer die richtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen vorgenommen hat. Es gibt einen Spruch unter Haushaltspolitikern, wonach die Haushalte in den guten Zeiten versaut werden. Frankreich und Großbritannien haben die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes zu sehr vernachlässigt und zu stark auf die Entwicklung der Finanzmärkte gesetzt. Wir dagegen haben unsere industrielle Basis gestärkt. Und unsere Reallöhne sind in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Das hat letztlich der Bundesrepublik einen Vorteil verschafft, der sich heute für uns alle auszahlt.

Quelle: Rheinische Post



Die Problematik des Unrechtsstaats wird nur als Streifschuß abgehandelt.
Herr Tillich muß das sagen, genauso wie der SED- Kreisleitungssekretär mit der Sowjetunion befreundet zu sein hatte.
Seine Reduzierung auf Extremfälle bei seiner Antwort auf die Frage nach dem Unrechtsstaat ist lächerlich, sowas reicht nie im Leben aus, um die DDR in diese oder jene Richtung zu zertifizieren.
Die Frage nach Recht oder Unrecht wird im Alltag entschieden und wenn die TV- Gebührengeier beispielsweise Gelder von mir erpressen, die keine adäquate Gegenleistung beinhalten ("Willst Du wohnen, mußt Du zahlen") so ist das nur eines von Tausenden Mosaiksteinchen, aus der man diese BRD ruck zuck ebenfalls zum Unrechtsstaat uminterpretieren könnte.
Den Rest des Interviews blende ich mal aus, Angelo, da ich annehme, Du wolltest das Kapitel Unrechtsstaat thematisieren, was hier für mich zählt ist die Tatsache, daß allein der Politiker Tillich geantwortet hat und eben nicht der Mensch.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein und kein Sofa.

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17.03.2013 17:51 (zuletzt bearbeitet: 17.03.2013 17:52)
#32
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Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #30
Macht mal eine Umfrage auf dem Jobcenter (natürlich nur unter denen, die die DDR noch miterlebt haben), ob sie damals in einem Unrechtsstaat lebten oder heute in einem Unrechtsstaat leben. Die überwältigende Mehrheit wird sicherlich die 2. Variante wählen.



Das spürbare Unrecht würde ich eindeutig in´s Heute einordnen. Nun, jeder wird´s anders erlebt haben. Wer nach heutigen Maßstäben unverständliche und/oder böswillige Behördenentscheidungen erlebt hat, aber sich heute nicht nennenswert mit Zivilrechtsangelegenheiten herumschlagen mußte, wird gegenteiliger Meinung sein. Ich habs eben anders erlebt. Die Rechtlagen waren für den Normalo einfacher zu durchschauen und benötigten nicht so oft teure Anwälte, die nicht mal annähernd sicher sagen können, ob sie den Prozess verlieren oder gewinnen.


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18.03.2013 15:50
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Zitat von Yamato im Beitrag #20
Deutschland sind selber Asiaten. Wir leben auf dem selben Kontinent. Europa ist nur eine asiatische Halbinsel.

Naja, aber viele genetische Asiaten (wie war das mit dem fehlenden ADH-Enzymen und der Lactoseintoleranz?) leben doch auch auf Inseln, odär?

Also solche Ansagen tragen doch nun nicht gerade zum gegenseitigen Verständnis bei. Auch die fremdartigen Ideogramme erschweren den kulturellen Zugang, vermitteln sie doch eine ganz andere Art sich Informationen zu erlesen. Zwar helfen hier moderne Technologien, aber irgendwie bin ich mir unsicher (also nicht sicher, also das Gegenteil von sicher, also frei) also ich bin mal so frei und spreche Dich mal mit 矢本 an. Einzeln bedeutet 矢 Pfeil und 本 kann Wurzel bedeuten.

Doch zurück zum Tillich. Obwohl kein Sachse, sondern Sorbe (oder gerade deswegen?) weiß er 'wo Bartel den Most holt'. Sprich es gelang ihm tapfer Subventionen ins Land zu holen. Oder gackert er nur verfrüht über ungelegte Eier? ...
http://www.welt.de/newsticker/news3/sachsen/article114408302

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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