Die SED und ihre giftigen Wörter

05.08.2010 08:57
avatar  Angelo
#1
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* Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands , kurz SED, formierte sich 1946 in der sowjetischen Besatzungszone als politische Partei. Sie entwickelte sich zur kommunistischen Kaderschmiede und zur sogenannten "Staatspartei".

* Die SED versuchte, verbal Einfluss auf die Menschen in der Besatzungszone zu nehmen. So wurden beispielsweise auch im Nationalsozialismus benutzte Kategorien verwendet und in den öffentlichen Sprachgebrauch integriert.

* Die Wörter "arbeitsscheu" und "asozial" schafften es in die Gesetzestexte des "Arbeiter- und Bauern-Staates" und blieben bis 1990 in Gebrauch.

* Selbst der bis weit in die 80er-Jahre offene Antisemitismus der SED zeigte sich in der Sprache, speziell im Begriff "Zionismus". Damit wurde die Politik des Staates Israel pauschal diskreditiert, die israelische Gesellschaft als "zionistische beziehungsweise israelitische Bourgeoisie" geschmäht.

* Affenkultur - mit dieser herabwürdigenden Bezeichnung kritisierte die DDR-Zeitschrift "Musik und Gesellschaft" 1955 den Jazz.

* Keinen guten Ruf genoss zudem die Beatle-Ideologie - 1965 verkündete Walter Ulbricht: "Genossen, mit der Monotonie des yeah, yeah, yeah und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen!"

Quelle:
http://www.welt.de/die-welt/kultur/artic...en-Woerter.html


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05.08.2010 09:16 (zuletzt bearbeitet: 05.08.2010 09:17)
avatar  icke46
#2
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Zitat von Angelo


* Selbst der bis weit in die 80er-Jahre offene Antisemitismus der SED zeigte sich in der Sprache, speziell im Begriff "Zionismus". Damit wurde die Politik des Staates Israel pauschal diskreditiert, die israelische Gesellschaft als "zionistische beziehungsweise israelitische Bourgeoisie" geschmäht.

Quelle:
http://www.welt.de/die-welt/kultur/artic...en-Woerter.html



Das oben zitierte ist für mich ein schönes Beispiel für eine einfache "Welt"-Sicht. Nach meinem Dafürhalten gibt es schon einen Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus, aber alles in einen Topf werfen ist immer einfach.

Gruss

icke


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05.08.2010 10:22
avatar  TOMMI
#3
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Zu diesem Thema sei die Lektüre von Walter Jankas "Schwierigkeiten mit der Wahrheit" empfohlen.
Hier wird berichtet, dass missliebige Personen schon mal wegen "Spionage für das Weltjudentum"
hinter Gitter verschwanden. In den 50er Jahren, in denen diese Erlebnisse Jankas stattfanden,
waren die Ähnlichkeiten zwischen der 2.deutschen Diktatur und dem Nationalsozialismus besonders
ausgeprägt. Angeblich sollen Greifertrupps der Stasi in Ledermänteln und Schlapphüten unterwegs
gewesen sein, wie ihre "Kollegen" wenige jahre zuvor. Selbst der Teufel in Richterrobe, Freisler, hatte
sein Pendant, diesmal ein weibliches: Hilde Benjamin.
Man sieht, nicht nur die Sprache war vergiftet.
Wie schrieb der Sprachwissenschaftler Victor Klemperer in LTI ?
"Worte sind wie winzige Arsendosen. Erst bemerkt man sie gar nicht, aber irgendwann ist die Wirkung da."

EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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05.08.2010 12:40
avatar  josy95
#4
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Zitat von TOMMI
Zu diesem Thema sei die Lektüre von Walter Jankas "Schwierigkeiten mit der Wahrheit" empfohlen.
Hier wird berichtet, dass missliebige Personen schon mal wegen "Spionage für das Weltjudentum"
hinter Gitter verschwanden. In den 50er Jahren, in denen diese Erlebnisse Jankas stattfanden,
waren die Ähnlichkeiten zwischen der 2.deutschen Diktatur und dem Nationalsozialismus besonders
ausgeprägt. Angeblich sollen Greifertrupps der Stasi in Ledermänteln und Schlapphüten unterwegs
gewesen sein, wie ihre "Kollegen" wenige jahre zuvor. Selbst der Teufel in Richterrobe, Freisler, hatte
sein Pendant, diesmal ein weibliches: Hilde Benjamin.
Man sieht, nicht nur die Sprache war vergiftet.
Wie schrieb der Sprachwissenschaftler Victor Klemperer in LTI ?
"Worte sind wie winzige Arsendosen. Erst bemerkt man sie gar nicht, aber irgendwann ist die Wirkung da."




Schöner Beitrag, @TOMMI!

Hier und aus den Zitaten verspürt man eben wieder jene Grundeinstellung einer durch und durch stalinistisch geprägten SED und die ihrer Chefideologen. Das hat sich bis zur Wende nicht grundlegend geändert, nur der Ton wurde anders, "angepaßt" sanfter. Aber es blieb der Wolf im Schafspelz!

Auch heute verspürt man in gewissen Strömungen innerhalb der Nachfolgepartei (PDs, jetzt "Die Linke") und deren Chefideologen diese Einstellung, diesen unbändigen Wunsch, die Verhältnisse der 50-er und 60-er einschließlich eines Alleinherschaftsanspruches wieder herzustellen.
Das ist bedenklich und diskreditiert die Mitglieder, die in dieser Partei eine demokratische Linie verfolgen, sich für die Randgruppen dieser Gesellschaft wie sozial Schwache einsetzen. Es macht letzendlich diese ganze Partei in einem hochgradigen Maß unglaubwürdig...

josy95

Günter Schabowski hatte es in seiner legendären Pressekonferenz am 09.11.1989 wahrlich nicht leicht und vor allem keine Zeit, den genauen Zeitpunkt der Einführung der neuen DDR- Reisegesetze bei Krenz oder im SED- Politbüro zu hinterfragen.
Jeder kennt das Ergebnis.
Politiker von heute haben den Vorteil, nicht unter Zeitdruck zu stehen wie einst Schaboweski und das Politbüro der SED.
Und bevor sie in die Öffentlichkeit gehen, nocheinmal die Lobbyisten zu fragen, die ihnen die Gesetze geschrieben haben ...


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05.08.2010 14:45
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#5
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( gelöscht )

Zitat von TOMMI
Zu diesem Thema sei die Lektüre von Walter Jankas "Schwierigkeiten mit der Wahrheit" empfohlen.
Hier wird berichtet, dass missliebige Personen schon mal wegen "Spionage für das Weltjudentum"
hinter Gitter verschwanden. In den 50er Jahren, in denen diese Erlebnisse Jankas stattfanden,
waren die Ähnlichkeiten zwischen der 2.deutschen Diktatur und dem Nationalsozialismus besonders
ausgeprägt. Angeblich sollen Greifertrupps der Stasi in Ledermänteln und Schlapphüten unterwegs
gewesen sein, wie ihre "Kollegen" wenige jahre zuvor. Selbst der Teufel in Richterrobe, Freisler, hatte
sein Pendant, diesmal ein weibliches: Hilde Benjamin.
Man sieht, nicht nur die Sprache war vergiftet.
Wie schrieb der Sprachwissenschaftler Victor Klemperer in LTI ?
"Worte sind wie winzige Arsendosen. Erst bemerkt man sie gar nicht, aber irgendwann ist die Wirkung da."




Und man sollte dem Walter Janka ruhig glauben schenken, denn er hatte sie Beide am eigenen Leibe erlebt, die von der Gestapo und die Herren danach. Von der Gestapo verhaftet und 1 1/2 Jahr in der Haftanstalt Bautzen gefangen gehalten, 1956 über die Stasi U-Haft-Anstalt Hohenschönhausen für Jahre ins Zuchthaus gesteckt, obwohl er seit frühester Jugend Kommunist war, das Buch sollte man gelesen haben!
Schönen Gruß aus Kassel.


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