Ruckzuck-Bio

16.07.2010 18:25
avatar  GeMi
#1
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„Für Frieden und Sozialismus – Seid bereit“.

Mit diesem Gruß hat mich meine Pionierleiterin 1963 in das aktive, politische Leben der DDR aufgenommen. Wie von alle anderen kam mit piepsiger Stimme ein: „Immer bereit“ als Antwort.

Ein paar Jahre später wurde mit möglichst tiefer Stimme ein „Freundschaft“ der FDJ-Leitung entgegen geknurrt. Die kleinen Pioniere kicherten dann immer und der Schuldirektor bat um Ruhe.

Noch ein paar Jahre später kamen dann die ersten Zweifel am (Un)Sinn des Ganzen. In der Lehre haben wir GST-Mitglieder ganze Sportplätze im Stile einer römischen Kohorte plattgetrampelt und höherklassige Lehrlings-Gruppenführer haben sich schon mal als Befehlsgewaltige auf ihr Dasein als Offizier oder Uffz. vorbereitet. Da konnte man schon ahnen, wie es ausgeht, wenn es da oben nicht so richtig stimmt, aber der Hang zur Macht vorhanden ist.

Halberstadt war zu ertragen – den Stress hat man sportlich (mit)genommen. Mal abgesehen von 12 Wochen ohne Ausgang bzw. Urlaub. Das Sportfest 1977 in Leipzig war ein Erlebnis.

Die Grenzkompanie Lockstedt war eine merkwürdige Erfahrung. Ein Sammelsurium von Originalen – geballt in einer Kaserne und rund um die Uhr. Wie habe ich eigentlich die Nachtschichten bei -20°C überstanden? Der Winter 77/78 war lausig kalt.

Danach folgten Studium, Familie und fast 10 Jahre erfolgreicher Widerstand gegen alle Werbungsversuche durch die SED. Als Arbeiterkind mit Hochschulstudium stehen einem alle Türen offen – wenn man will. Mein Wille war das nicht. Also habe ich es mir in Familie, Beruf und als Schlagzeuger gut gehen lassen. Den guten Willen habe ich dann doch noch in der Kampfgruppe der Arbeiterklasse bewiesen.

Aus dieser habe ich mit einem Kündigungsschreiben 1989 entlassen. Wir sollten mit dem Gummiknüppel die Demos in Leipzig auflösen. Da war dann Schluss mit lustig.

Kurze Zeit später war der Spuk vorbei und ich meinen Job los. Jetzt bin ich Rheinland-Pfälzer, sehe jedem Tag dem „Feind“ ins Auge und frage mich manchmal bei einem Glas Dornfelder, was das Ganze eigentlich gewesen ist.

Nachdem ich hier ein Haus gebaut habe, steht aber fest: Vertraue niemals einem Handwerker deine Zukunft an – Ulbricht war Möbeltischer und Honecker ein Dachdecker.

Aber vielleicht haben die deutschen Vollstrecker der Lehren von Marx, Engels und Lenin an den russischen Parteischulen einfach nur zu viel Machorka gequalmt, Unmengen Wodka gesoffen und die ganze Sache falsch verstanden?


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16.07.2010 19:13 (zuletzt bearbeitet: 16.07.2010 19:14)
avatar  werner
#2
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Jetzt haste hier mit Sicherheit für Verwirrung gesorgt! Eine Neuvorstellung mit einem Rezept für eine chemikalienfreie Suppe oder dem Blitzabschluss einer NaWi zu betiteln hat was. Ich finde in Deinem Text keinen Bezug zum Titel - reich mal ein Stichwort.
Auf jeden Fall ein herzliches Willkommen hier!

Sport - - - Frei!!


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16.07.2010 21:26
avatar  werner
#3
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Da hab ich fett auf dem Schlauch gestanden, danke für den . Die Hitze! Aber auf Bio als Abk. wäre ich nicht gekommen . . .


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16.07.2010 23:07
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#4
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( gelöscht )

Da hast du aber die Linksfraktion in dem Forum auf dem falschen Fuß erwischt.
Erst ein so verheissungsvoller Titel und dann dieser Text......................???????? Da stehen die Herren aber auf dem Schlauch.

Trotzdem herzlich willkommen zu später Abendstunde.

Viele Grüße aus dem Rheinland

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert(Einstein)


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17.07.2010 11:28
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#5
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Herzlich Willkommen hier im Forum und einen lieben Gruß in den Wonnegau.
Deine Thread-Überschrift ist zwar leicht irritierend aber deine Biographie ist schon klassisch á la DDR. Die habe ich auch so erlebt einschließlich der Werbungsversuche für eine Mitgliedschaft in der SED, nur der Militärdienst blieb mir erspart.

Zitat
Aber vielleicht haben die deutschen Vollstrecker der Lehren von Marx, Engels und Lenin an den russischen Parteischulen einfach nur zu viel Machorka gequalmt, Unmengen Wodka gesoffen und die ganze Sache falsch verstanden?



Ich denke, Ulbricht & Co. haben versucht, nach dem 2. Weltkrieg Stalins Doktrin auf deutschem Boden zu installieren bzw. 1:1 umzusetzen. Sie taten es bewußt nach jahrelangem Studium mit ensprechender Rotlichtbestrahlung. Und wie wir heute wissen, ging dieser Versuch mächtig schief. Es ist nur Schade um die Menschen, die diesen Versuch nicht überlebt haben oder daran zu Grunde gegangen sind.

VG Anton


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18.07.2010 01:15
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#6
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Zitat von GeMi
Den guten Willen habe ich dann doch noch in der Kampfgruppe der Arbeiterklasse bewiesen.

Aus dieser habe ich mit einem Kündigungsschreiben 1989 entlassen. Wir sollten mit dem Gummiknüppel die Demos in Leipzig auflösen. Da war dann Schluss mit lustig.



Hallo GeMi,

vielleicht kannst du ja hier: Kampfgruppen (KG) der DDR einiges zu beitragen nachdem duch dich hier im Forum eingelesen hast.


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