Der harten Strafe entkommen - "Schlamm" beim Militär

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15.07.2010 12:14 (zuletzt bearbeitet: 15.07.2010 13:06)
avatar  VNRut
#1
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Während meiner Dienstzeit wurden von meiner Seite aus mehrere Dienstvergehen begangen, wo ich Glück hatte und immer mit dem blauen Auge davon kam. Ich spreche hier nicht von "Schlamm machen" wie Kochen/Grillen, abruhen (schlafen), BT anheizen, Zeitung lesen, Radio hören etc. während des Grenzdienstes welches hart bestraft wurde. Diese Dinge tat man alltäglich und waren aus dem Dienst nicht weg zudenken.

Schon im Grenzausbildungsregiment wurden ich einmal erwischt, als unsere Gruppe auf der Sturmbahn im Objekt Oranienburg unbeobachtet fotografierte. An diesen Tag stand im Hintergrund der Fahrzeug-Park weit offen, so das man sämtliche Gefechtstechnik erblicken konnte. Irgendwer muss es später doch bemerkt und gemeldet haben. Im Laufschritt kamen Offiziere einer anderen Kompanie und beschlagnahmte unseren Fotoapparat. Unser Glück war, dass der Besitzer des Gerätes unbemerkt den Film belichten konnte. Ohne Beweismittel bekamen wir zur Strafe nur Ausgangs- und Urlaubssperre statt einer hohen Haftstrafe wegen angeblicher Spionage, wie es gern in solchen Fällen ausgelegt wurde. Dadurch verschob sich mein Urlaub und ich war somit ganzen 20 Wochen nicht mehr daheim gewesen.

Und als ich im Grenzregiment Groß-(Glück)Glienicke war, wurden wir (drei Soldaten und ein Funk-Uffz.) einmal im Grenzabschnitt zu Pflegearbeiten am Signalzaun eingeteilt. An diesem Sommertag war es sehr heiß und wir beeilten uns mit den Unkraut zupfen und der Technikwartung. Doch wir wollten auch nicht gleich wieder in die Kaserne zurück. So fuhren wir ins Glienicker Hinterland an einen See der in ein kleinen Wäldchen versteckt lag und deponierten unsere Waffen und Magazine im Kübel-Trabi und sprangen alle nackt ins kühle Nass. Erst im Nachhinein überfiel uns die Angst und Beklemmnis, was wäre gewesen wenn GV (Zivilisten) unsere Waffen entwendet oder Gakl diese sicher gestellt hätten. Wegen jugendlichen Leichtsinn und Naivität hätte ein großes Unglück passieren können. Einige Jahre Berlin-Kupfergraben bzw. Bautzen wären bestimmt für dieses Vergehen drin gewesen.

Gruß VN_Rut


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15.07.2010 13:24
#2
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Ja es ist wirklich schade das wir keinen Fotoaparat in den 18 Monaten mit am Mann hatten. Für die Private Fotosammlung der heutigen Zeit, ist vieles an Geschichte so abhanden gekommen. Sicherlich ist der Aspekt der Spionage auch in heutiger Zeit noch aktuell. Dein Badeausflug wäre bei dieser Auffindungslage sicherlich in die nicht dabeigewesenen Hosen gegangen. Ohne Kaschi in den Standort zurück kommen, fast ein Todesurteil.

LO-D


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15.07.2010 13:44
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#3
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Zitat von VNRut
Doch wir wollten auch nicht gleich wieder in die Kaserne zurück. So fuhren wir ins Glienicker Hinterland an einen See der in ein kleinen Wäldchen versteckt lag und deponierten unsere Waffen und Magazine im Kübel-Trabi und sprangen alle nackt ins kühle Nass. Erst im Nachhinein überfiel uns die Angst und Beklemmnis, was wäre gewesen wenn GV (Zivilisten) unsere Waffen entwendet oder Gakl diese sicher gestellt hätten. Wegen jugendlichen Leichtsinn und Naivität hätte ein großes Unglück passieren können.



das hätte böse ausgehen können. wenn schon, denn schon, hätte einer beim "gerödel" bleiben müssen. ein paar verschwundene kaschi´s ... ihr glaubt nicht was ihr ausgelöst hättet....


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15.07.2010 14:41
avatar  moreau
#4
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Zitat von GilbertWolzow

Zitat von VNRut
Doch wir wollten auch nicht gleich wieder in die Kaserne zurück. So fuhren wir ins Glienicker Hinterland an einen See der in ein kleinen Wäldchen versteckt lag und deponierten unsere Waffen und Magazine im Kübel-Trabi und sprangen alle nackt ins kühle Nass. Erst im Nachhinein überfiel uns die Angst und Beklemmnis, was wäre gewesen wenn GV (Zivilisten) unsere Waffen entwendet oder Gakl diese sicher gestellt hätten. Wegen jugendlichen Leichtsinn und Naivität hätte ein großes Unglück passieren können.



das hätte böse ausgehen können. wenn schon, denn schon, hätte einer beim "gerödel" bleiben müssen. ein paar verschwundene kaschi´s ... ihr glaubt nicht was ihr ausgelöst hättet....





Und ob ich das weiß! In meiner Ausbildungzeit bei GT kam in einer Nachbarkompanie eine Kaschi weg. Na das war ein Zirkus. Tage lang wurde das Regiment auf`m Kopf gestellt, selbst in die Seifendosen wurde reingeglotzt.
Später stellte sich später raus, der Waffen-Uffz. war nur zu blöd bis drei zuzählen.


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15.07.2010 15:58 (zuletzt bearbeitet: 15.07.2010 15:58)
avatar  VNRut
#5
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Bei uns wurde mal eine Pistole nach der Ankunft aus dem Feldlager vermisst. Die ganze Nacht wurde von uns der Kompaniebereich auf den Kopf gestellt. Erst am nächsten Morgen stellte sich heraus, das ein Zugführer Leutnant X... seine Waffe versehentlich mit ins Bullenkloster (Wohnheim) nahm, die Waffe untern Kopfkissen legte und darauf ruhig nächtigte. Und wir hatten nach dem strapaziösen Feldlager noch den Stress gehabt.

VN_Rut


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15.07.2010 16:58
avatar  Perle
#6
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Auch bei uns im GR 23 6.Gk Breitenrode kam mal ´´nur´´ ein Seitengewehr(Bajonett) abhanden.Der Sackstand bei uns war ziemlich groß.Die Kompanie auf Kopf gestellt,Grenzabschnitte abgesucht-wurde dann irgendwann in der hintersten Ecke auf der LO-Ladefläche gefunden...!

Perle


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15.07.2010 17:34 (zuletzt bearbeitet: 15.07.2010 19:52)
avatar  Perle
#7
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Ich hatte auch mehere Dienstvergehen begangen.Im Winter Ende 1981 hatte ich in einem Frühdienst auf dem BT 9 Radio gehört(NDR 2).Mein Posten lag derweil auf der Bodenluke und schlief.Ich hab gelangweilt an meiner MPi rumgespielt und dabei rauchend Musik gehört.Ein Blick durchs geschlossene Fenster-es war dichtes Schneetreiben.Plötzlich klopfte es an der Bodenluke und es wurde versucht sie hochzudrücken.Ging aber nicht weil mein Posten(LO-Fahrer) darauf schlief.Mein Posten wurde dadurch wach ,ich habe schnell meine MPi wieder´´ zusammengebastelt´´ und beim Einpacken des Grenzerradios den Sender verstellt.Danach wurde die Luke geöffnet und der Stabschef persönlich kam hoch. Er ließ mich nicht zu Wort kommen und sagte nur :,,Genosse Unteroffizier geben sie mir das Radio``.Zurück in der der Kompanie mußte ich gleich zum Polit.Weihnachtsurlaub war gestrichen und 2. hintereinander A-Gruppe(24 h Dienst auf der Hauptführungsstelle).Da habe ich wenigstens meine Ruhe gehabt.

Ein anderes schwerwiegeneres Vergehen war im Hochsommer 1981.Ich hatte ebenfalls auf einem BT 9 Spätschicht .Um meinen ´´Fahrriemen´´ abzubauen, bat ich meinen Posten um die Fahrzeugschlüssel.Ich bin dann runter vom B-Turm ohne MPI und mit freiem Oberkörper und bin im Kreis auf dem Kollonenweg (war ein größerer Platz vor dem B-Turm) LO gefahren.Es wurde aber von keinem anderen Posten bemerkt.Vom BGS o.EAS vielleicht. Wenn es rausgekommen wäre,ich glaube ich wäre bis Ende 89 in Schwedt eingezogen.

Perle


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15.07.2010 22:08 (zuletzt bearbeitet: 15.07.2010 22:09)
#8
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hallo VNRut,
da kommen wieder einige Erinnerungen an das GAR-40 hoch.
Ich hatte oft meinen Fotoapparat dabei, mußte aber höllisch aufpassen, wenn was geknipst werden sollte. Hab mit meinem PF in Kleinmachnow (damals GR-44) Bilder vom BT gemacht. Da mir die ganze Sache unheimlich wurde, hab' ich erzählt das die Bilder nichts geworden sind...! Natürlich sind es heute kleine Zeitdokumente. Mein PF Bernd K. aus Erfurt möge es mir heute verzeihen.
Dann war da noch eine EU-Heimfahrt mit dem berühmten Interzonen-Zug von Potsdam aus; mußte sein weil sonst keiner mehr in Richtung Norden fuhr. Der Schaffner hat prima mitgespielt.
Dann gab es noch eine kleine UE während des Ausgangs in OR. Meine Tante wohnt etwa 30 km entfernt von der Dienststelle. Sie hatte Geburtstag und für Kuchen werde ich immer sehr schwach.
Anbei einige Bilder- auch vom GAR-40, du wirst sicher was davon kennen.

mfG torpedoschlosser

15.07.2010 23:12
avatar  Jameson
#9
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Zitat von VNRut
... Wegen jugendlichen Leichtsinn und Naivität hätte ein großes Unglück passieren können. Einige Jahre Berlin-Kupfergraben bzw. Bautzen wären bestimmt für dieses Vergehen drin gewesen.

Gruß VN_Rut



Tolle Geschichte VN Rut, meinste die hätten Dich zum Wachregiment Friedrich Engels versetzt oder meinste an die
Humboldt Uni?

Nüscht für unjut

Ahoi Jameson


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16.07.2010 11:30
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#10
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( gelöscht )

@jameson, evtl. meinte er im kupfergraben den standort der pke für die friedrichstrassse ?

sorry @vnrut, mir ist schon klar, dass du die dortige standort arrestzelle meinst...


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16.07.2010 11:47
avatar  Jameson
#11
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Schon klar Dschilbär, mir ist nur nicht klar warum drei nackige Grenzer, denen man an einem brandenburger Gewässer

die Flinten geklaut hat, ausgerechnet in die Arrestzellen der PKE kommen sollten.

Ahoi Jameson


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16.07.2010 11:53
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#12
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( gelöscht )

du kommst aber oooch manchmal nicht auf die einfachsten dinge: weil sie nackich waren !!!!
da muss doch erstmal die identität geprüft werden...


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16.07.2010 11:57
avatar  Jameson
#13
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Zitat von GilbertWolzow
du kommst aber oooch manchmal nicht auf die einfachsten dinge: weil sie nackich waren !!!!
da muss doch erstmal die identität geprüft werden...




ach soooo, na dann, überredet.

Ahoi Jameson


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16.07.2010 12:12 (zuletzt bearbeitet: 16.07.2010 12:14)
avatar  VNRut
#14
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Zitat von Jameson
Schon klar Dschilbär, mir ist nur nicht klar warum drei nackige Grenzer, denen man an einem brandenburger Gewässer

die Flinten geklaut hat, ausgerechnet in die Arrestzellen der PKE kommen sollten.

Ahoi Jameson



@Jameson, .... uns sind damals zum Glück keine Waffen geklaut wurden. Ich sprach von: "Was wäre gewesen wenn....?" Außerdem kannte ich mich mit den vorhandenen Arrestzellen in der DDR und zu welchen Einheiten sie gehören nicht aus. Bei uns sprach man immer nur von "Kupfergraben" und "Schwedt". Sorry, ich schrieb "Bautzen". Da hatte ich mich etwas vertan, sind auch schon 28 Jahre her und dann noch das Alter.

Gruß aus Magdeburg

VN_Rut


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16.07.2010 15:27
avatar  VNRut
#15
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Zitat von torpedoschlosser
hallo VNRut,
da kommen wieder einige Erinnerungen an das GAR-40 hoch.
Ich hatte oft meinen Fotoapparat dabei, mußte aber höllisch aufpassen, wenn was geknipst werden sollte. ................Natürlich sind es heute kleine Zeitdokumente. ..........Dann war da noch eine EU-Heimfahrt mit dem berühmten Interzonen-Zug von Potsdam aus; mußte sein weil sonst keiner mehr in Richtung Norden fuhr. .............Anbei einige Bilder- auch vom GAR-40, du wirst sicher was davon kennen.

mfG torpedoschlosser



Hallo @torpedoschlosser, ........etwas gekürzt gebe ich Deinen Beitrag wieder.

Ja, da werden Erinnerungen ans GAR 40 wieder wach. Auch wenn Deine Fotoaufnahmen noch Jahre vor meinen GWD gemacht wurden, so konnte man doch einiges erkennen. Vom Blickwinkel her mussten die Baracken (Foto) im Schlosspark später einen Plattenbau weichen. Die einzigen Flachbauten in meiner Dienstzeit war neben dem KDL das Wohnheim für BU/BO, das Kulturhaus (Kino) und unsere Wohncontainer (1.Abk)( wegen Baumaßnahmen) die ziemlich im Zentrum der Schlossanlage standen. Nördlich war der Gefechtspark mit kleinen Muni-Lager gleich neben der Havel, dort soll sich heute ein neuer Hafen befinden. Der Schlosspark selbst soll 2008/9 zur Landesgartenschau umgebaut worden sein. Ich war seit meiner Dienstzeit nie wieder dort.
Ein weiteres Muni-Lager hatten wir damals noch hinter dem KZ Sachsenhausen zu bewachen und Germendorf ist mir bestens bekannt. Zu meiner Zeit 1982 war Oberstleutnant A. Grohmann noch Regimentskommandeur (Siehe Dein Foto vom Dienstantritt).

Mit dem Interzonen-Zug bin ich während meiner Dienstzeit mehrmals von Potsdam nach Magdeburg gefahren. Dafür brauchten wir immer eine Sondergenehmigung und hinterher gab´s das "Aufklärungsgespräch".

Nur gut das Du einige Zeitdokumente in die Neuzeit retten konntest. Für uns GWDler war es da viel schwieriger Fotoapparate in den Unterkünften zu besitzen, schon wegen der vielen Tiefis (Tiefen-Kontrollen).

Viele Grüße aus Magdeburg
Wolfram VN_Rut


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