Flucht bei Morsleben

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06.01.2009 11:32von ( gelöscht )
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Flucht bei Morsleben

Hallo zusammen,

das angehängte Bild zeigt einen ausgebrannten Busanhänger der ab 1945 die Zonengrenze auf der alten Reichsstrasse 1 bzw. der jetzigen B 1 zwischen Morsleben und Helmstedt markierte.

Der Grenzübergang Helmstedt liegt ganz in der Nähe, wurde aber über die A2 (E30) erreicht.

Angeblich soll der Anhänger bis in die 60er Jahre hinein, dort die "alte" Grenze markiert haben.
Die Reste des Busses sollen erst 1989 endgültig beiseite geschafft worden sein?


Wahrscheinlich 1949 flüchtete hier in der Nähe zunächst mein Vater, danach ein Onkel. Eine Tante die ebenfalls von hier aus nach Niedersachsen flüchten sollte, bekam kalte Füße und blieb in der DDR.

Von dieser Tante kenne ich einige Details des Fluchtwegs - an einem ausgebrannten Bus vorbei, durch einen Bach bzw. einem Bachlauf entlang, durch oder über eine Unterführung.

Den Bus(anhänger) habe ich nun definitiv gefunden.

WER KENNT SICH IN DER GEGEND SO GUT AUS, DASS ER DEN GENAUEN FLUCHTWEG FLUCHTWEG (1949) ERUIEREN KANN???

Eine interessante Aufgabe, findet ihr nicht? Ach ja, meine Leute kamen aus Ziesar, also tatsächlich aus Richtung Magdeburg. Der Fluchtweg könnte ein BEKANNTER, also stark FREQUENTIERTER gewesen sein?!

06.01.2009 15:00von ( gelöscht )
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Hier noch einige Bilder von der B1/R1 zwischen Morsleben - Lappwald - Helmstedt.

Bild 1:
Die Reste des seit 1945 als Demarkationslinie dienenden, ausgebrannten Busanhängers. 1989 wurden die B1 (West) und die F1 (Ost) wieder zur B1, der ehemaligen Reichsstrasse 1 vereinigt. Der Grenzübergang Morsleben-Lappwald entstand.

Bild 2:
Grenzöffnung 1989 Morsleben - Lappwald - Richtung Helmstedt

Bild 3:
Bis zur Währungsreform bestand dieser Grenzpunkt.

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05.04.2009 12:01von Focking
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Hallo Wolfgang,

mit Dir habe ich wohl nun jemanden gefunden,der sich mit der Grenze in den fünfziger
Jahren beschäftigt hat.
Ich forsche vergeblich nach einen Vorfall der sich am 1.April 1950 um 13 Uhr am Grenz-
übergang Helmstedt Marienborn ereignet hat.Salzgitter und Stasiakte hat nichts gebracht.
Vielleicht hast Du noch Ideen wo man noch nachforschen kann.
Wäre schön wenn ich von Dir hören würde.

Gruß Werner

06.04.2009 08:05von ( gelöscht )
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Hallo Werner,

ja es stimmt, ich beschäftige mich hauptsächlich aus familiären Gründen mit der "frühen" Grenze. Leider sind Erfolge, was die Dokumentation bestimmter Ereignisse anbelangt, äußerst dünn gesät.
Ich habe keinen Zugang zu eventuellen Archiven bzw. mir sind keine solchen bekannt. Lediglich Zufallsfunde, überwiegend im Internet, oder Aussagen von Zeitzeugen lassen eine Minimalchance die bis zu 60 Jahre zurückliegenden Ereignisse zu "klären".

Wenn Du willst, kannst Du ja mal die Ereignisse schildern, die sich am 1.4.1950 am Übergang Helmstedt Marienborn zugetragen haben. Ich meine logischerweise nur, das was Du von diesen Ereignissen weißt. Falls Du die Geschichte nicht öffentlich machen willst, PN an mich, ich schweige wie ein Grab.

Ansonsten würde ich dennoch gerne mit Dir in Kontakt bleiben, vielleicht finden wir gemeinsam doch noch einen Weg.

P.S. Vielleich hat @manudave (Grenzmuseum) eine Möglichkeit?

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06.04.2009 10:39von Focking
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Hallo Wolfgang,

da haben wir ja was Gemeinsames.

Ich will Dir kurz die damaligen Ereignisse schildern.Habe keine Probleme damit
dies hier in der Öffentlichkeit zu tun.Dafür ist viel zu viel Zeit ins Land ge-
ringen und ich glaube man soll nicht aufhören an die Greueltaten dieses Menschen-
verachteten Regime zu erinnern.

So,nun zum 1.April 1950.
Wir, meine Eltern meine Geschwister fuhren am besagten Tag mit Sack und Pack gen
Westen.Am Grenzübergang Helmstedt Marienborn gibts dann ein "Vorkommnis".Mein Vater
begab sich mit den Ausreisepapieren zum Kontrollpunkt.Es verging einige Zeit, dann
ertönten Schüsse.Lange Rede kurzer Sinn,Mein Vater von den Schergen ermordet. LKW,
Möbel,Bargeld und Schmuck alles beschlagnahmt.Dies war kein Aprilscherz sondern bitterer
Ernst.Ich war ja damals erst sechs und habe die ganze Tragweite gar nicht begriffen.
Ich bin noch heute sehr stolz auf meine Mutter.Wie sie diesen sozialen Absturz in den
Griff bekommen hat.Wir waren vollkommen mittellos zudem wurde sechs Wochen später mei-
ne kleine Schwester geboren.Nun waren vier Mäuler zu stopfen da war Schmalhans Küchen-
meister.Diese Ereignisse verblassen zwar immer mehr,dennoch werde ich sie nie vergess-
sen, haben sie doch unser weiteres Leben nachhaltig geprägt.

Wie schon erwähnt,haben meine Aktivitäten nichts ergeben.Salzgitter registriert erst
seit den 60igern und die Stasiauskunft brachte auch nix.

Ich besitze eine Sterbeurkunde auf der ist lapidar vermerkt,daß mein Vater am 1.4.50
auf der Straße zwischen Morsleben und Helmstedt um 13Uhr 10 verstorben ist, Punkt.

Ich glaube,daß nach solch langer Zeit kaum noch was in Erfahrung zu bringen ist.Ich
würde nur zu gern wissen wo mein Vater verscharrt wurde.

so,das wars für heute (bin ganz schön aufgewühlt)


Gruß aus der Lausitz

Werner

06.04.2009 11:14von Rainman2
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Hallo Werner,

der Bericht ist sehr erschüttern. Ich hoffe und wünsche Dir, dass Du zu dieser Sache noch Unterlagen findest und vor allem das Grab Deines Vaters. Da die Grenzsicherung zu dieser Zeit bereits in den Händen der "Deutschen Grenzpolizei" lag, die zu diesem Zeitpunkt dem Innenministerium der DDR unterstand, kann es Unterlagen dazu eigentlich nur noch im Bundesarchiv geben.

ciao Rainman

06.04.2009 16:43von ( gelöscht )
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Hallo Werner,

mir fehlen die Worte. Muss Deinen Bericht erst mal verarbeiten. Unvorstellbar, ist im Augenblick das Einzige was ich dazu sagen kann.

Die Idee von Rainman mit dem Bundesarchiv halte auch ich für eine Möglichkeit, zumindest könntest Du Dich von dort aus an eine "betreffende" Stelle vermitteln lassen.

Wie ging es damals denn weiter, kamt ihr in den Westen, oder musstet ihr zurück, oder gar in Haft? Gab es damals wirklich offizielle Ausreisegenehmigungen? Ich kenne aus der Zeit nur Übertritte (u.a. Vater, Onkel) über die grüne Grenze.

Jetzt mal noch ne Frage an ALLE:
Wo wurden den eigentlich die "Grenztoten" hingebracht? Beerdigt, verscharrt? Hab mir die Frage vorher noch nie gestellt.

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06.04.2009 18:12von ( gelöscht )
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Hallo Focking ich habe schon öfters hier im Forum auf die Zweiseitige Zeitungsanzeige in „ DIE WELT“ vom 13.08.2008 aufmerksam gemacht. Schau einmal in „ Das Leben an der DDR- Grenze unter Zarrentin 2000 m Zone nach, in meinem Text an Kyra / 9.09.08 steht der Rest dazu. Der Name deines Vaters wenn er es den ist steht in der Anzeige mit
Schmiedel, Erich, ( 44 ), t 1.04.50. erschossen. Anschließend steht aber gleich ein Feuerstake, Ehrenfried, ( Vp. – Wm.), ( 19), t 1.04.50., Schusswaffenunfall im Grenzdienst. Es kann also auch ein Unfall in Zusammenhang mit diesem jungen Volkspolizeiwachtmeister gewesen sein . Ich hoffe, das hilft dir erst einmal weiter.

Gruß Rainer-Maria

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06.04.2009 18:15von ( gelöscht )
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Nun,eine Beerdigung gab es schon,wobei das MFS seine Finger im Spiel hatte und auch den Ablauf
mehr oder weniger bestimmte,Stasileute waren meist anwesend.

Vermutlich wurden Tote auch im Krematorium verbrannt und danach anonym beigesetzt.Angehörige
konnten meist erst nach 1989 mehr erfahren.

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07.04.2009 09:57von Focking
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Hallo Rainer-Maria

jetzt bin aber doch paff,mir verschlägst direkt die Sprache.
Das erste Mal das ich den Mamen meines Vaters in diesem Zusammenhang höre.
Es wäre schon schön wenn Du dich mal näher zu äußern könntest,speziell wie
ich an diese Informationen komme.Melde Dich nochmal,danke.

Gruß aus der Lausitz
Werner

07.04.2009 10:21von Focking
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Guten Tag Wolfgang,
Deine Anteilnahme tut mir gut.

Wies weiter ging ?

Ja wir wurden zurückverfrachtet hausten, mehrere Tage, Wochen? in der Ein-
raumwohnung meiner zurückgebliebenen Schwester bis wir eine Dreiraumwohnung
zugewiesen bekamen.Ja es war schon eine schlimme Zeit ,mittellos ,beklaut
und des Ernährers beraubt.

Also meines Wissens war es damals durchaus möglich offiziell in den Westen
zu gehen.Aus unseren Bekanntenkreis waren das einige die diesen Schritt ge-
tan haben.Diese ganzen Restriktionen kamen doch erst mit dem Mauerbau,so ha-
be ich es jedenfalls in Erinnerung.

Der Beitrag von Rainer-Maria brachte für mich heute ein Erfolgserlebnis.End-
lich mal einen Hinweis,ich bin froh hier im Forum zu sein.

So für heute genug, ich muß erst mal alles verarbeiten.

Gruß aus der Lausitz

Werner

07.04.2009 12:52von ( gelöscht )
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Hallo Rainer-Maria,

hab mir grad einen "abgegoogelt" nach der Liste von der Arbeitsgemeinschaft 13. August e.V. aus DER WELT vom 13.08.2008. Konnte dazu aber nix finden.
Jetzt kommt natürlich die Frage die der große Bibliothekar schon erwartet hat, haste die Anzeige noch? und wenn ja, könntest Du sie hier veröffentlichen?
Det wär Knorke, wa! Danke, mein Gutster!

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07.04.2009 18:16von Focking
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Hallo Wolfgang,
nachdem ich die Neuigkeit von Rainer verdaut hatte,und ich wieder
klar denken konnte,machte ich mich ebenfalls auf die Suche nach die-
ser Liste.Bin auch fündig geworden.

Bei mir gings so:
1."Die Welt" aufgerufen
2.-Printarchiv- angeklickt
3. Datum (13.08.2008)eingegeben
4.PDF Datei Gesamtausgabe hochgeladen
5.Geblättert und Liste gefunden

TOLL

Der Hinweis von Rainer hat mir sehr weitergeholfen,DANKE Rainer.



Gruß aus der Lausitz
Werner

07.04.2009 18:49von ( gelöscht )
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Danke Werner, hab die Liste.

Wie wäre jetzt eine Anfrage bei "13.August e.V.", vielleicht wissen die was? Den Namen (und das Ereignis) Deines Vaters haben sie schließlich von irgendwo?

Rainer-Maria,

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08.04.2009 12:07von Focking
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Hallo Wolfgang,

Ich werde mich mit diesen Verein in Verbindung setzen.
Adresse und Telefonnummer habe ich,mal sehen vielleicht
ergibt sich was.Das was ich bisher erfahren habe über-
trifft meine Erwartungen.Ich werde Dich Jedenfalls auf
den Laufenden halten,versprochen.

Bis dahin Grüße aus der Lausitz

Werner

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