Warum gab es überhaupt in der DDR so wenig Telefone?

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12.04.2010 17:35
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#1
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Zitat von turtle
Warum gab es überhaupt in der DDR so wenig Telefone? Würde mich interessieren.


@turtle

Für die geringe Dichte an privaten Telefonanschlüssen (ca 10 Anschlüsse pro 100 Haushalte – in der alten Bundesrepublik waren es mehr als 90 Telefonanschlüsse pro 100 Haushalte!) gibt es mehrere Erklärungen:

1.Die Telefontechnik (nicht die Telefone) sowie die Kabel waren total veraltet, weil die DDR viel zu wenig in diesen Bereich investierte und ihn über Jahrzehnte sträflichst vernachlässigte.

2.Die Fernmeldeindustrie der DDR produzierte viel zu wenig Technik. Der größte Teil der produzierten Technik ging in den Export (sozialistische Länder) bzw. in den Sicherheitsbereich. Für Importe z.B. aus der alten Bundesrepublik fehlte schlichtweg das Geld.
Das MfS war Ende der achtziger Jahre dem damaligen Stand der DDR- Fernmeldeindustrie entsprechend mit der modernsten Technik flächendeckend ausgerüstet. Es betrieb z.B. mit anderen Sicherheits- und SED- Parteibehörden ein eigenes Telefonnetz mit eigenen Vorwahlnummern und war somit von dem desolaten, öffentlichen Telefonnetz nahezu unabhängig.

3.Fernmeldetechnische Investitionen in den Sicherheitsbereich hatten grundsätzlich Vorrang vor allen anderen Bereichen.

Vielleicht genügen diese Erklärungen.

Gruß
Daniel


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12.04.2010 17:36
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#2
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Zitat von GilbertWolzow
[
p.s. aus sicht des mfs waren die mangelnden privaten telefonanschlüsse sicherlich ein manko, da man nicht im umfeld der zielperson alle telefonzellen anzapfen durfte.



Na dann war es ja ein Segen für die Bevölkerung das es so wenig Telefone gab

Zumindestens könnte es mit daran gelegen haben das durch die Veralterung des Telefonnetzes die Kapazität der Anschlüsse so begrenzt war.
Gruß Peter(turtle)
Habe gerade die Erklärung von Danny 1000 gelesen. Danke erklärt auch einiges !


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12.04.2010 18:14
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#3
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Aus der Computerwoche 1990:

Gegen Ende des vergangenen Jahres lagen dem Ministerium für Post- und Fernmeldewesen der DDR noch rund 1,1 Millionen Anträge auf Einrichtung eines Telefonanschlusses vor. Diese Situation wurde zusätzlich verschärft durch eine viel zu geringe Leistungsfähigkeit des vorhandenen, zu fast hundert Prozent analogen Vermittlungsnetzes.

Hieraus ergibt sich, daß die DDR im Falle der gegenwärtig vorhandenen Telefonhauptanschlüsse um etwa zehn bis 15 Jahre hinter dem westlichen Standard zurückliegt. Am Rückstand der DDR-Telefontechnik ändert auch die Tatsache nichts, daß inzwischen Digitaltechnik eingesetzt wird. Nach Schätzungen der DDR-Post wären zur Modernisierung des Telefonnetzes etwa zwölf Milliarden Mark notwendig; sowohl die Deutsche Bundespost als auch Siemens rechnen jedoch mit einem höheren Betrag.
AZ


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12.04.2010 18:15
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#4
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Zitat von Feliks D.

Zitat von Danny_1000
Es betrieb z.B. mit anderen Sicherheits- und SED- Parteibehörden ein eigenes Telefonnetz mit eigenen Vorwahlnummern und war somit von dem desolaten, öffentlichen Telefonnetz nahezu unabhängig.

Daniel




Nur fast richtig!




Genauer ist es hier:

http://www.mil-airfields.de/de-rpt/sonde...tabsnetz-s1.htm


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12.04.2010 18:35
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#5
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Es wäre an der Zeit die Telefon und S1 Beiträge in einen eigenen Thread auszulagern!!!


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12.04.2010 19:18
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#6
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Im MDR lief in der Reihe "Das war die DDR" mal eine Folge die sich mit dem Telefonnetz, bzw. mit den Problemen beim telefonieren befasste. In dem Film kamen auch Techniker der DDR Post zu Wort. Es müssen haarsträubende Zeiten gewesen sein, Ersatzteile gab es ebensowenig wie Neumaterial. Für den selben Ort gab es ja nach Ort von dem das Gespräch abging, verschiedene Vorwahlnummern. Vielleicht wird der Film in der nächsten Zeit ja noch mal wiederholt.
Diesen Zeitzeugenbericht habe ich im Netz gefunden:
http://www.uni-leipzig.de/fernstud/Zeitzeugen/zz153.htm


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12.04.2010 19:29
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#7
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Vielleicht weil es zu wenig "Abhöranlagen" gab?

PEACE ... Scherzle g'macht


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12.04.2010 19:39
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#8
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Wir hatten noch schreiben und lesen gelernt .


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12.04.2010 19:59
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#9
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Zitat von Danny_1000
[quote="turtle"]Warum gab es überhaupt in der DDR so wenig Telefone? Würde mich interessieren.



Na das ist doch Logisch unsere Frauen sollten doch auch Arbeiten und wenn jeder ein Telefon gehabt hätte, wie hätte man Sie dann davon weckbekommen sollen

gruß Jens


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12.04.2010 20:07
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#10
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Bei dem damaligen Wahlverfahren wurde zwischen

Anrufer - Anfangsvermittlungsstelle - (evtl. weitere Vermittlungsstellen) - Endvermittlungsstelle - Angerufener

Eine Verbindung der Kabel (Standleitung) geschaffen. Die technik der Vermittlungsstellen gab derzeit nicht viel mehr her.

Heute können auf einem Adernpaar (bei Elektrokabel), dank Digitalisierumg, viele Gespräche gleichzeitig geführt werden.
Viele Grüße
Micha


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12.04.2010 20:14
#11
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naja, dass die Fernmeldetechnik so marode war, kann nicht so ganz stimmen. Das Fernmeldeamt in Berlin - Dottistraße war für die damaligen Verhältnisse relativ modern ausgerüstet. Veraltete Relaistechnik wurde nach und nach gegen moderne Technik ausgetauscht. Kupferkabel im öffentlichen Telefonnetz wurde teilweise gegen Glasfaserkabel ausgetauscht. Das Hauptproblem war dass insbesondere in den Altbaugebieten die Hausanschlüsse neu verlegt werden mußten. In den Neubaugebieten hin gegen waren die Wohnungsanschlüsse bereits vorhanden. Dass lt. Statistik (wie unten bereits ausgeführt wurde) nur 10 von 100 Haushalte über einen Telefonanschluss verfügten ist auch dadurch bedingt, dass die A und B Teilnehmer als ein Anschluß gezählt wurden. Beide Teilnehmer teilten sich eine Telefonleitung jedoch mit unterschiedlichen Rufnummern. D.h. wenn der A-Teilnehmer telefonierte, war beim B-Teilnehmer die Leitung tot und umgekehrt. Mein damaliger A/B Anschluss wurde erst 1995 von der Telecom umgerüstet und dies auch erst dann, als die Technik im Fernmeldeamt (Telecomniederlassung) in der Köpenicker Allee auf Digitaltechnik umgestellt wurde.


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12.04.2010 20:21
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#12
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Das hierhin ausgelagerte und nunmehr eigene Thema ist genauso zweischneidig, wie andere Themen in diesem Forum auch, an denen sich die Geister scheiden und wir uns so richtig miteinander austoben können.

Also, natürlich war die technische Basis für "Massentelefonie" veraltet und nicht per Schnellschuß zu modernisieren. Da haben die genannten Techniker Recht. Außerdem fehlten der DDR in den 70er, besonders aber in den 80er Jahren Produktionskapazitäten und Investitionsmittel zur Sanierung des Telefonnetzes.

Das war, so glaube ich aber nur die Erscheinung, nicht aber das zugrundeliegende Wesen. Welches Interesse sollte der dominierende, alleinherrschende SED-Machtapparat daran gehabt haben, dass Lieschen Müller aus Plauen/Vogtl. mit Erna Wuttke in Bernau telefonieren kann? Wäre es nicht denkbar gewesen, dass per komplettem Telefonnetz sog. Netzwerke von Bürgern entstanden wären, die dann der Kontrolle durch den Machtapparat entglitten wären?
Gleich spüre ich die Knüppel der Tschekisten, aber die These ist nicht primär ausschließlich auf die Stasi gemünzt!
Die SED hätte einen zumindest teilweisen Verlust ihres streng zentralistisch gesteuerten Machteinflusses riskiert.

Dieser Thread provoziert und nun könnt Ihr alle wieder auf mich drauf hauen!

Huf


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12.04.2010 20:21
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#13
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ABV

Die eingehenden Gespräche im VPKA Seelow wurden bis zur Wende, und auch noch darüber hinaus, von einer Angestellten mittels Stöpseln an einem Vermittlungsschrank weitervermittelt. Als die ersten Kollegen aus den Alten Bundesländern bei uns waren, glaubten sie in die fünfziger Jahre zurückgestolpert zu sein.
Wenn ich an meinem Dienstapparat in meinem ABV-Zimmer zwei oder drei Nummern wählte, konnte ich mich regelmäßig in Gespräche einmischen. So unglaublich das klingt, aber man konnte zuhören und mit den Leuten reden. Das war natürlich verboten und ganz bestimmt nicht mein Auftrag. Aber es machte ja auch Spaß, wenn zum Beispiel eine Ehefrau ihrem Holden am Telefon flüsterte, was es Abends zu Essen gibt. Und ich dann ein kräftiges " Nicht schon wieder in den Hörer" flötete. Na ich war halt jung und neigte zu Scherzen.
Die Telefonleitungen in der DDR waren dermaßen veraltet, dass sie eine höhere Kapazität überhauptz nicht verkraftet hätten.

Gruß an alle Uwe


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12.04.2010 21:00
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#14
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Zitat von Huf
Das hierhin ausgelagerte und nunmehr eigene Thema ist genauso zweischneidig, wie andere Themen in diesem Forum auch, an denen sich die Geister scheiden und wir uns so richtig miteinander austoben können.

Also, natürlich war die technische Basis für "Massentelefonie" veraltet und nicht per Schnellschuß zu modernisieren. Da haben die genannten Techniker Recht. Außerdem fehlten der DDR in den 70er, besonders aber in den 80er Jahren Produktionskapazitäten und Investitionsmittel zur Sanierung des Telefonnetzes.

Das war, so glaube ich aber nur die Erscheinung, nicht aber das zugrundeliegende Wesen. Welches Interesse sollte der dominierende, alleinherrschende SED-Machtapparat daran gehabt haben, dass Lieschen Müller aus Plauen/Vogtl. mit Erna Wuttke in Bernau telefonieren kann? Wäre es nicht denkbar gewesen, dass per komplettem Telefonnetz sog. Netzwerke von Bürgern entstanden wären, die dann der Kontrolle durch den Machtapparat entglitten wären?
Gleich spüre ich die Knüppel der Tschekisten, aber die These ist nicht primär ausschließlich auf die Stasi gemünzt!
Die SED hätte einen zumindest teilweisen Verlust ihres streng zentralistisch gesteuerten Machteinflusses riskiert.

Dieser Thread provoziert und nun könnt Ihr alle wieder auf mich drauf hauen!

Huf





Nabend Huf dein Beitrag mag ja auf den ersten Blick und für Laien durchaus einen Sinn ergeben, ich würde ihn jedoch mit der Randnotiz quod est dubitandum versehen, da ihm einige Denkfehler zu Grunde liegen.

1. Wurde gerade in Neubaugebieten Wert auf den Ausbau der entsprechenden Kapazitäten gelegt und das in Plauen/Vogtl. ebenso wie in Bernau.

2. Wären auch mit Hilfe der öffentlichen Fernsprecher: "sog. Netzwerke von Bürgern" zu realisieren gewesen.

3. Ließen sich gerade durch die privaten und daher einem bestimmten Teilnehmer zuzuordnenden Fernsprecher wesentlich leichter solche: "sog. Netzwerke von Bürgern" überwachen und deren Teilnehmer aufklären, als dies bei einer Verwendung von öffentlichen Fernsprechern möglich gewesen wäre.

4. Wäre durch eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Fernsprechverbindungen ja teilweise auch eine größere Zufriedenheit mit dem System eingetreten und der Kreis potentieller Kritiker und Unzufriedener kleiner geworden. Der Nachteil, dass dann auch verfestigt feindlich-negative Elemente einen Anschluss erhalten hätten und besser vernetzt gewesen wären, wäre durch den oben beschriebenen Vorteil bei der operativen Bearbeitung dieser Objekte mehr als ausgeglichen worden. Desweiteren hätten bereits bekannte feindlich-negative Elemente ja von der Vergabe eines Fernsprechanschlusses einfach ausgeschlossen werden können.


Bereits aus diesen Gründen hält deine These des Machtverlustes einer Falsifikation nicht stand.


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12.04.2010 21:08
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#15
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Ich hab meine Gespräche immer auf Arbeit getätigt, wir hatten ein Telefon in der Werkstatt auf der Feldstation Heidberg....und wenn ich mal draussen war, gab es auf jeder Sonde(Förderstelle) auch ein Telefon....

....hätte das die Bevölkerung gewußt....es wär zum Run auf die Sonden gekommen....kuckt euch die Altmark an auf Google Earth, all die kleinen hellen Flecken irgendwo in der Landschaft oder im Wald, sind Sonden wo das Gas gefördert wurde....klar, die Dinger waren eingezäunt und der Technikcontainer war abgeschlossen, indem sich das Telefon befand....aber alles beides war ziemlich einfach zu knacken dank billiger Schlösser....und da wir unsere Daten auch über ein 10-poliges Telefonkabel in die Meßwarte in Heidberg bekamen, hatten wir sogar ein richtig gutes Netz, wir hatten kaum Störungen seitens des Kabelbetreibers, das Kabel gehörte uns ja nicht, es war echt das öffendliche Netz und zu jeder Sonde wurde halt eins gelegt....also, se konnten schon stellenweise vernünftige Technik anbieten....

groetjes uit Orte

Mara


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