Ist es wahr, dass in der DDR Kinder von studierten Eltern NICHT mehr zur Uni zugelassen wurden?

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07.04.2010 06:41
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#1
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Ich habe gestern in einem Buch gelesen: Kinder, deren Elternteil studiert hat, wurden in der DDR nicht mehr zur Uni zugelassen. Das klingt schrecklich abstrus und ich möchte jetzt wissen, ob das korrekt wieder gegeben wurde.


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07.04.2010 07:07
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#2
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Angelo, dies hätte z.B. bedeutet, dass kein Kind eines Arztes auch Arzt werden konnte - so ein Käse. Bei und sind einige Söhne in die Praxis des Vaters "eingestiegen", zum Glück, denn wer wird heute schon noch "Landarzt"?
Dein Buch ist Quatsch.
der Rüganer


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07.04.2010 07:26
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#3
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Ich entstamme zwar keiner Akademikerfamilie, aber Deine Inhaltsangabe eines Buches (welches?) deckt sich nicht mit meiner Erfahrung in der DDR.
Studiezulassungen wurden nach anderen Kriterien vorgenommen.


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07.04.2010 07:29
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#4
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Zitat von Huf
Ich entstamme zwar keiner Akademikerfamilie, aber Deine Inhaltsangabe eines Buches (welches?) deckt sich nicht mit meiner Erfahrung in der DDR.



Hier sind Huf und ich mal einer Meinung. Ich kenne sonst nämlich einige Personen die wohl heimlich studiert haben müssen, da mindestens ein und oft auch beide Elternteile Akademiker waren.


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07.04.2010 07:33
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#5
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Hi, wo habt Ihr immer nur solchen Schmarrn her? Mein Vater ist Ingenieur und meine Mutter war damals als selbständige Friseurmeisterin tätig. Ich hatte nen Studienplatz für Kfz-Technik in Zwickau. Eigentlich mein Traumberuf. Dann kam die Wende und ich Plinse hab das Studium nicht gemacht sondern einen Beruf gelernt. Verdiene zwar dort auch nicht schlecht, aber der Traumberuf ist mir durch die Lappen gegangen.

Die Zugangsvoraussetzungen waren eher:

- schulische Leistung,
- treue zum Staat,
- Beziehungen,
- oder Verpflichtung sich 30 Jahre zur Amree zu melden - dann Abi und Studium bei der "Fahne".

So würde ich das mal beschreiben. Die oberste ist doch garnicht so schlecht. Ich glaube da fehlt es heutzutage einfach ein wenig...

Gruß

Sascha


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07.04.2010 08:26
#6
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In den Anfangsjahren der DDR gab es schon Fälle wo die Kinder von Akademikern nicht studieren durften. Einer meiner Klassenkameraden, dessen Vater Arzt war, erfuhr dies an eigenem Leibe, er kratze nach dem Abi die Kurve. Meine Eltern Vater Ing. Mutter Hausfrau, mussten beispielsweise für den Besuch der Penne von mir und meiner Schwester, 240 Mark jährlich bezahlen. Für den Besuch der Penne wurden Arbeiter -und Bauernkinder bevorzugt, auch wenn der Notendurchschnitt schlechter als der "anderer" Schüler war.
Das relativierte sich dann in den 60ziger Jahren, und nun wurden auch Akademikerkinder an den Uni´s zugelassen.
Gruß H.


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07.04.2010 09:58
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#7
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Zumindestens in der Mitte 50er Jahren galt, daß nur "Arbeiter- und Bauernkinder" auf die Oberschule (Gymnasium) aufgenommen wurden und ohne Abi war ja nichts mit Studium. Im Falle meines Bruders und meiner Schwester war der Besuch der Oberschule erst möglich, nachdem meine Mutter (Lehrerin) zweimal persönlich in Berlin beim Staatsrat vorstellig wurde und diese "Ausnahmen" durchsetzen konnte! Später konnten Beide auf der DHfK in Leipzig ihr Studium absolvieren. Ohne das resolute und beherzte Einschreiten meiner Mutter wäre es damals für meine Geschwister nicht möglich gewesen Abitur und Studium zu bestreiten!! Zum besseren Verständnis: Meine Mutter war Lehrerin und mein Vater (Berufsmusiker) schon im Hunderttausend-Mann-Heer der Reichswehr als Berufssoldat bei den Dragonern, später automatisch in die Wehrmacht übernommen und zum Kriegsende Stabsfeldwebel und ab 1946 wieder als Berufsmusiker tätig.
Mit dieser Familienchronik war es so gut wie unmöglich, zumindestens in dieser Zeit, seine Kinder studieren zu lassen, es sei denn man hatte auch so eine "kämpferische" Mutter wie die Meine!!
Schönen Gruß aus Kassel.


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07.04.2010 11:14
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#8
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Zitat von Huf
Ich entstamme zwar keiner Akademikerfamilie, aber Deine Inhaltsangabe eines Buches (welches?) deckt sich nicht mit meiner Erfahrung in der DDR.
Studiezulassungen wurden nach anderen Kriterien vorgenommen.




Hallo Huf!
Deine Erfahrungen will ich hier nicht anzweifeln, jedoch sah es vor dem Zeitraum Deiner Geburt (1959) anders aus und zumindestens in den 50er Jahren durften bis auf wenige Ausnahmen nur Arbeiter- und Bauernkinder studieren und selbst der Besuch der 12klassigen Oberschule stand nur, bis auf Ausnahmen, diesem Personenkreis offen.

Schönen Gruß aus Kassel.


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07.04.2010 11:23
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#9
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Zitat von schlaudi
Hi, wo habt Ihr immer nur solchen Schmarrn her? Mein Vater ist Ingenieur und meine Mutter war damals als selbständige Friseurmeisterin tätig. Ich hatte nen Studienplatz für Kfz-Technik in Zwickau. Eigentlich mein Traumberuf. Dann kam die Wende und ich Plinse hab das Studium nicht gemacht sondern einen Beruf gelernt. Verdiene zwar dort auch nicht schlecht, aber der Traumberuf ist mir durch die Lappen gegangen.

Die Zugangsvoraussetzungen waren eher:

- schulische Leistung,
- treue zum Staat,
- Beziehungen,
- oder Verpflichtung sich 30 Jahre zur Amree zu melden - dann Abi und Studium bei der "Fahne".

So würde ich das mal beschreiben. Die oberste ist doch garnicht so schlecht. Ich glaube da fehlt es heutzutage einfach ein wenig...

Gruß

Sascha




Hallo Schlaudi!
Kann es sein daß du von dem Schmarrn nichts mitbekommen hast, weil Du erst etwas später geboren wurdest und somit von den 50er Jahren in der DDR nichts mitbekommen hattest? Was Du als "Schmarrn" bezeichnest, war damals nämlich traurige Realität!!

Schönen Gruß aus Kassel.


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07.04.2010 11:35
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#10
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( gelöscht )

[quote="Feliks D."

Hier sind Huf und ich mal einer Meinung. Ich kenne sonst nämlich einige Personen die wohl heimlich studiert haben müssen, da mindestens ein und oft auch beide Elternteile Akademiker waren.
[/quote]


Ja Felix, Du berufst Dich hier auf Huf, der aber erst 1959 geboren wurde. Diese Beschränkungen gab es aber zumindestens vor diesem Datum und da kann er ja wohl keine eigene Erfahrungen mit ins Spiel bringen! Ich würde mich ja freuen, wenn Du zumindestens was die 50er Jahre betrifft einmal mit mir einer Meinung wärst!! Feliks, das weißt Du doch, daß damals nur "Arbeiter-und Bauernkinder" zum Studium zugelassen wurden, auch wenn es wie immer mal eine Ausnahme gegeben hatte, oder?!
Schönen Gruß aus Kassel.


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07.04.2010 11:52
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#11
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Mag sein, dass es aus den Gedankenheraus Arbeiterkinder besser zu fördern Anfangs Einschränkungen für Kinder aus der Intelligenzgab ( heute gibts in vielen Bereichen Frauenquoten ) und manchmal auch ungeeignete Bewerber zum Studium kamen - aber seit den 60 zigern sicher nicht mehr.

Der Grundgedanke soziale Schranken im Bildungsbereich aufzubrechen war sicher kein schlechter - in der BRD sind die sozialen Bildungsschranken ja lt. Pisa Studie so undurchlässig wie nirgendwo in der Welt.


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07.04.2010 11:54
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#12
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Da ich diesen Zeitraum auch nicht aus eigenem Erleben kenne, deine Erzählungen sich jedoch mit denen meiner Verwandtschaft decken @wosch will ich sie nicht in Abrede stellen.

Zu deiner Zeit war halt alles noch ein wenig extremer, der Krieg gerade vorbei, der Stalinismus leider noch stark verbreitet und der Kampf der westlichen Systeme gegen die neue Ordnung in der DDR und für eine "Befreiung" des Ostens in vollem Gange. Der Nationalsozialismus war gerade erst besiegt und Akademiker galten damals sicher teilweise noch als die Eliten und Stützen des alten Systems. Aus diesem Grund gab es ja in dieser Zeit die Arbeiter-und-Bauern-Fakultäten um eine neue sozialistische Bildungselite, zum Aufbau der neuen Staats- und Gesellschaftsordnung und damit zum Wohle aller Menschen, aus den Reihen der Arbeiter und Bauern zu erschaffen. Im Rahmen dieser Bestrebungen mag es durchaus auch zu Benachteiligungen von Kindern der alten Eliten gekommen sein.

Auch hier gilt aber die Devise nicht Wirkung mit Ursache zu verwechseln. Dies muss man heute nicht gut finden, man sollte es jedoch Verstehen!


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07.04.2010 12:45
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#13
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Hallo,
Es ist wohl differenzierter und regional unterschiedlich, zu betrachten.
Sicherlich bestand der Grundsatz "Arbeiter und Bauernkinder vorranging". Das hat etwas mit der Geschichtsaufarbeitung, nach dem WK II. zu tun. Man wollte entnazifizieren. Trotzdem konnten Kinder von Akademikern studieren. Nicht jeder war aktiver Nazi. So wurden für mathematische Fächer, als Dozenten an Hochschulen, sehr gern ehemalige Marineoffiziere mit nautischer Ausbildung genommen.

Später gab es manchmal Mängel im Auswahlverfahren bei der Aufnahme in einer EOS (Gymnasium). Wichtig waren gute Leistungen und es waren nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen vorhanden. Bei starken Jahrgängen hat nichteinmal ein Leistungsdurchscnitt von 1,4 gereicht. Bei Bedarf wurden gelegentlich Schüler mit einem Durchschnitt bis maximal 2,0 aufgenommen. Dann aber nur zukünftige Lehrer oder zukünftige Offiziersanwärter. Hatte man das Abitur, standen, je nach Leistung, entsprechende Studienplätze zur Verfügung. Die Erweiterten Oberschulen waren gelegentlich spezialisiert (Sprachen, Mathematik, Sport, Musik)und dort ging es überwiegend um Begabtenförderung. Konnte jemand die EOS nicht besuchen, absolvierte er/sie die Berufsausbilung mit Abitur. Manchmal mussten die Eltern auch um einen EOS Platz kämpfen. Das habe ich auch in meiner Familie. Die Aufnahme an der Hochschule oder Uni war dann leistungsabhängig.

Die Behauptung nur Arbeiter und Bauernkinder wurden zugelassen, ist dummes Zeug. Gegenteilige Behauptungen sind mir auch bekannt. Sollen diejenigen ihr Zeugnis auf den Tisch legen und dann sehen wir weiter.

Die Auswahlverfahren, Begabtenförderungen und Leistungsanforderungen waren anders und sind mit heute und jetzt, nicht zu vergleichen.

Der Ahnenforscher


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07.04.2010 20:45
#14
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Hallo zusammen,

zunächst melde ich zu einer hier öfter gemachten Aussage Widerspruch aus meiner eigenen Biografie an: Berufsoffiziersbewerber wurden bei der Vergabe von EOS-Plätzen nicht zwingend bevorzugt. Ich war mit einem Durchschnitt zwischen 1,3 und 1,4 der Zweitbeste in der Klasse. Dennoch wurde ich genausowenig zur EOS zugelassen, wie die Klassenbeste. Es wurde schon strikt unterschieden, zwischen Arbeiterkindern und Kindern aus der Schicht der Intelligenz. Meine Mutter war Arbeiterkind und kam somit in den 50-ern zur Arbeiter- und Bauernfakultät. Danach studierte sie an den Ballettschulen in Dresden und Leipzig (Fachschulabschluss). Dadurch wurde sie Künstlerin und gehörte zur Schicht der Intelligenz. Im Klassenbuch stand hinter meinem Namen in der entsprechenden Spalte ein "I".

Ein Kind "aus der herrschenden Arbeiterklasse" wäre mit gleichen Leistungen an die EOS gekommen, ohne Offiziersbewerber zu sein. Eine solche Auswahl entsprach zum einen den politischen Doktrin, zum anderen der durchaus nicht ganz von der Hand zu weisenden Erkenntnis, dass in Haushalten, in denen Menschen bereits studiert hatten, ein besserer Zugang zu Wissen und Information bestehen konnte. Für mich gab es dann die Möglichkeit, an der Offiziershochschule eine Sonderreife, eine Art verkürzten Hochschulreifekurs, zu absolvieren. Andere Möglichkeiten wurden hier bereits genannt, unter anderem Berufsausbildung mit Abitur, Hochschulreifekurse für spezielle Studiengänge und auch das Abitur per Abendschule. Ein Klassenkamerad von mir, der damals auch nicht zur EOS zugelassen wurde, trotz ähnlicher Leistungen wie ich, praktiziert heute als Arzt in Leipzig. Nicht zur EOS zu gehen, hieß also nicht automatisch, dass man nicht studieren konnte.

Allerdings soll mein Lieblingshintertreppenwitz diese Zeit nicht unerwähnt bleiben: Nach meinem Abschluss der Offiziershochschule war ich wieder "Angehöriger der Arbeiterklasse". So war das damals ...

ciao Rainman


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07.04.2010 21:10
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#15
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Das war wirklich ´ne blöde Zeit, rainman! Aber Du hast es mit Beharrlichkeit, Ausdauer und Fleiß geschafft! Sag´ mir mal, wo man das heute finden kann?


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