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Glückliche Grenzgänger:Der Mauerfall liegt mehr als 19 Jahre zurück. In der Erinnerung scheint es erst gestern gewesen zu sein

in Presse Artikel Grenze 09.12.2008 11:53
von Angelo | 12.483 Beiträge | 336 Punkte
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Wenn ich mit dem Rad über die Berliner Museumsinsel fahre, muss ich mich immer noch vergewissern, dass ich nicht träume. Ich sehe die Alte Nationalgalerie, das Alte Museum, den Berliner Dom, blicke über den Schlossplatz und kann es manchmal noch nicht so richtig fassen. Heute vor 19 Jahren und einem Monat ist die Mauer gefallen. In diesem Jahr war der 9. November ganz der Erinnerung an die Pogrome vor 70 Jahren gewidmet. Die zentrale Gedenkveranstaltung fand in der Synagoge in der Rykestraße statt. Dort waren Bauarbeiter noch bis zuletzt damit beschäftigt, den Fußweg neu zu pflastern. Beim Besuch der Bundeskanzlerin sollte alles schön aussehen.

Am 9. November 1989 war ich Volontärin im Politikressort der "Lübecker Nachrichten". Das Stadtgebiet lag unmittelbar an der innerdeutschen Grenze. Ich kann mich genau an den Moment erinnern, als wir kurz nach 19 Uhr das "Heute-Journal" sahen. Wir fragten uns noch, was Günter Schabowski in der Pressekonferenz da eigentlich gemeint hatte, als eine Kollegin ganz aufgeregt mitteilte: Die ersten Trabis sind da! Fortan herrschte in der Stadt der Ausnahmezustand. Die halbe Nacht verbrachte ich am Grenzübergang. Ich erinnere mich an zwei junge Männer, die nach ihrer Schicht im Schlachthof mitten in der Nacht die Grenze passierten, um schnell einmal durch Lübeck zu fahren. Sie hatten sich nicht umgezogen, trugen noch Gummistiefel und ihre gestreifte Schlachterkluft. Das Glück und die Freudentränen der Menschen in dieser Nacht werde ich nie vergessen.

In den nächsten Tagen hatten die Geschäfte in der Lübecker Innenstadt rund um die Uhr geöffnet. Die Kolonnen der Trabis nahmen kein Ende. Die DDR zahlte ihren Bürgern damals bei einer Reise in die Bundesrepublik 15 Mark Westgeld. Weil der Andrang so groß war, ging der DDR nach kurzer Zeit das Kleingeld aus. Drei Mitarbeiter der Staatsbank kamen aus Rostock in einem Wartburg nach Lübeck. Im Gepäck hatten sie 700 000 D-Mark in großen Scheinen. Unter Polizeischutz fuhren sie zu einem Geldtransportunternehmen. In einem dunklen Hof hinter zwei Sicherheitstüren tauschten sie das Geld in kleine Scheine um und machten sich wieder auf den Rückweg. Eine kuriose Anekdote am Rande der Ereignisse, die längst Geschichte sind.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Politik der WELT


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