Staatsbesuch Erich Honecker in Holzhausen

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02.04.2010 14:32
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#1
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damals durften wir zuhause nicht darüber reden

aber jetzt:

Ich war gerade mal 18, als ich nach Holzhausen eingezogen wurde. War nicht gerade begeistert, hatte gerade eine neue Freundin. Wußte gar nicht was so alles auf mich zu kam, aber das ist mal eine andere Geschichte wert. Heute möchte ich schreiben, wie ich dann unseren obersten Staatschef gesehen habe.
Ich war die Ruhe selbst, aber meine Vorgesetzten, denen standen die paar Haare zu Berge und übten mit uns 3 Wochen stramm stehen, das Meeting vorbereiten. Mensch so ein Aufriss, war doch nur der Erich, aber es herrschte ein Ausnahmezustand. Für mich persönlich hieß das Lernen auf einer Stelle stehen, als ob man das üben müsste. Für Erich wurde extra ein Stück Wald abgeholzt, damit eine Tribüne aufgebaut werden konnte und die Gäste Parkplätze hatten. Aber das haben andere gemacht. Das war auch nicht direkt Holzhausen, aber dort im Wald auf dem Schießplatz bei Salzwedel. Erich durfte zuschauen, wie die Panzer geschossen haben. Natürlich war jeder Schuß ein Treffer, obwohl sie mit Platzpatronen geschossen haben. Es war ein richtig heißer Tag. Es sind auch einige umgefallen. Ich glaube das war im Jahre 1978. Im Sommer. Eingeflogen kam er mit dem Hubschrauber. Laut Medien kam er mit dem Auto, aber er saß nicht drin, weil sie Angst hatten vor sich selber. Das war ne Ablenkung. Er kam dann mit Hubschrauber direkt von Berlin. Ich stand in der 2. Reihe und konnte ihn gut sehen beim Einmarsch zur Tribüne. Natürlich umringt von Stasileuten. War ein ganzer Haufen. Das ganze dauerte 2 Stunden, er hat auch eine Rede gehalten. Im Fernsehen sah der immer so glatt aus und original ein Meter von ihm weg, dachte ich, er hat den Totenschein schon in der Tasche und Inge Meysel sah jünger aus als er. Unsere Aufgabe war es, einfach nur da zu stehen, über 1000 Mann. Man war das ne schwere Aufgabe. War ein sehr hektischer Tag. So, wie er kam, so ging er auch wieder an uns vorbei in den Hubschrauber. Es stand damals auch groß in der Zeitung, aber leider habe ich den Artikel nicht aufgehoben. Die Tribüne war zum Gefechtsplatz hin aufgebaut für Erich Honecker und sein Stab. Wir standen Spalier und er ging an uns vorbei zur Bühne hoch, also standen wir praktisch jetzt hinter ihm. Wir haben aber geprobt, daß wir im selben Zuge als Erich auf der Bühne war an den Seiten Aufstellung zu nehmen. Jeder musste dann so stehen, wie auch hinter ihm. Das war eigentlich das schwere. Und Erich dachte dann, wir seien viel mehr, dabei sind wir nur nach den Seiten ausgerückt und das ganze dann wieder Rückwärts. So wurde er auch ganz schön an der Nase herumgeführt. Wie beim Schießen auf dem Gefechtsfeld. Angekündigt wurde Panzer von links, Feind rechts hinter der Hütte, Panzer schießt, Hütte fliegt weg, volle Zerstörung. Das kuriose an der Sache war, daß Erich nicht wußte, daß die Panzer mit Platzpatronen geschossen haben, die Hütte wurde einfach weggesprengt, also jeder Schuß ein Treffer. War ganz schöne Verarsche. Erich dachte, da waren 5000 Leute im Gefecht, dabei waren es nur 150, die er zusehen bekam, waren immer diesselben. Das war damals sehr zum Lachen, aber wehe wir hätten gegrinst und wir durften darüber nie erzählen. Gilt das eigentlich lebenslang oder ist meine Schweigepflicht verjährt. Ich hoffe, ich habe Euch eine interessante Geschichte erzählt. Ich denke gern an die Zeit zurück. Herbert Bei Gelegenheit schreibe ich mehr.


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02.04.2010 16:43
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#2
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@detlef, diese potemkinschen dörfer hat man ständig für ihn aufgebaut. erich honecker hat sicherlich deshalb auch geglaubt, es ist alles in butter...


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02.04.2010 17:11
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#3
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Ja, da hast Du Recht, es heißt ja auch, wenn er mal einen Rehbock geschossen hat, hat er eigentlich ihn nicht geschossen, sondern eben die Jäger.
Aber die müssen doch gemerkt haben, daß es viel weniger Soldaten waren, als angekündigt. Aber Spaß hats dennoch gemacht.


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02.04.2010 17:11
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#4
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Detlef

wenn man deinen Bericht liest,so hab ich das Gefühl,das der Honecker von A bis Z ver..... worden ist,alles nur Fassade und schöner Schein. Die Welt war in Ordnung.


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02.04.2010 17:19
#5
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Zitat von GilbertWolzow
@detlef, diese potemkinschen dörfer hat man ständig für ihn aufgebaut. erich honecker hat sicherlich deshalb auch geglaubt, es ist alles in butter...


Wenn es so war,lag es daran.Das schon die Kreis und Bezirkssekretäre ihm die Taschen voll gehauen haben.


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02.04.2010 17:24
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#6
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So mag es wohl gewesen sein. Der ist verarscht worden von vorne bis hinten.
Die Politik ist nicht von ihm, sondern aus der zweiten Reihe gemacht worden,
von den Verarschern eben.
War bei uns eben so. Da wurde vor seinem Besuch ein Haus, das er auf seiner Tour
sehen musste, notdürftig renoviert, als er weg war, begannen die Abbrucharbeiten.
Ein Gebäude wurde nur in der Höhe angestrichen, wie er aus dem Auto heraus sehen
konnte. So ließ man ihn in einer Scheinwelt leben.
Eine Anekdote erzählt, dass er sich über das sogenannte operative Fernsehen
die Leipziger Demonstrationen anschaute. Als er nach dem Inhalt der Sprechchöre fragte,
bekam er zur Antwort: "Die rufen: WIR SIND DAS VOLK!"
Er antwortete darauf: "Das ist nicht das Volk!"
Nur Polemik? Wohl kaum. Jahrelang hatte man ihm vorgegaukelt, dass das Volk jenes ist, was
Fähnchenschwingend am Straßenrand steht, brav klatscht und "Hoch, Hoch" schreit.
Übrigens, dieses "Hoch, Hoch" stammt von bestellten Animateuren, sozusagen "Honecker-Chearleadern",
die die Massen zum Jubeln animieren sollten. Als er mal unsere Stadt besuchte, gingen deren Versuche
ins leere, da keiner mitrief.


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02.04.2010 17:25
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#7
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Die Funktionäre auf allen Ebenen haben nicht nur E.H. die Taschen vollgehauen, sondern sich selbst gegeneinander, den einfachen SED-Mitgliedern und den anderen Menschen in der DDR.
Bis zum Schluß!


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02.04.2010 17:42
avatar  Alfred
#8
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Zitat von Zermatt
Detlef

wenn man deinen Bericht liest,so hab ich das Gefühl,das der Honecker von A bis Z ver..... worden ist,alles nur Fassade und schöner Schein. Die Welt war in Ordnung.




Zermatt,

ganz so war es auch nicht und es gehören immer zwei Seiten dazu, mindestens.


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02.04.2010 17:52
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#9
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Da gibt es doch eine sehr schöne Geschichte über einen römischen Kaiser, ich hatte sie einmal in einem meiner Texte in " Weiterführung Diskussion BRD-DDR" angeschnitten.
Also der Kaiser verkleidetete sich und mischte sich unters Volk, sitzt mit dem Volk, dem Pöpel und Anderen am Tisch und unterhält sich.Er liebte diese Abende des "Inkognito."
Mal abgesehen von unserem Erich in Detlef seiner sehr schönen Geschichte, ich würde fast meinen, es ist für Einige einmal wieder an der Zeit, die Kutte herauszuholen, sich das Gesicht zu schminken...meinentwegen dunkelbraun und sich unter ihr Volk zu mischen.
Nein besser, sie verkleiden sich als Osterhase. Nur aufpassen müssen sie dann auf die Wölfe und Füchse, die mit ihnen Tisch sitzen.

R-M-R


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02.04.2010 21:07
#10
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Zitat von Detlef05
Wir standen Spalier und er ging an uns vorbei zur Bühne hoch, also standen wir praktisch jetzt hinter ihm. Wir haben aber geprobt, daß wir im selben Zuge als Erich auf der Bühne war an den Seiten Aufstellung zu nehmen. Jeder musste dann so stehen, wie auch hinter ihm. Das war eigentlich das schwere. Und Erich dachte dann, wir seien viel mehr, dabei sind wir nur nach den Seiten ausgerückt und das ganze dann wieder Rückwärts. So wurde er auch ganz schön an der Nase herumgeführt.


Hi Detlef,

also diese Taktik wurde wohl bei Erwin Rommel abgeschaut. Der liess während einer Parade in Tunis damals ein paar Panzer mehrmals um einen Häuserblock rollen. Ein britischer Agent soll anschliessend, "mindestens tausend deutsche Panzer" nach London gemeldet haben!

Gruß
Stefan


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03.04.2010 08:22
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#11
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Im Objekt wurde an dem Tag auch noch was verrücktes gemacht. Da unser Rasen alles andere als grün war und so vergilbt war, da wurde er kurzerhand grün gesprüht, damit er wieder schön leuchtet. Das war vielleicht lustig. Was nicht paßt wrd eben passend gemacht. Das mit der Geschichte von Rommel ist ja auch interessant in Tunis. Hatte ich noch nicht gehört. Ja, da ist wohl damals so einiges getan worden, damit es besser aussieht als es war, sowohl in Rommels Zeit, wie auch in der Zeit von Erich Honecker. Irgendwie auch schön, daß man dabei war.


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03.04.2010 08:49
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#12
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Zitat von Detlef05
Im Fernsehen sah der immer so glatt aus und original ein Meter von ihm weg, dachte ich, er hat den Totenschein schon in der Tasche und Inge Meysel sah jünger aus als er.



Naja Detlef, da muß er ja schon um die 66 gewesen sein....wer sieht denn dann schon noch einigermassen frisch aus....

....vielleicht ham se ihn ja vor den Fernsehaufnahmen auch immer angesprüht....so wie den Rasen....

Was mich aber interessiert wenn er schon in Holzhausen war, was ja nich so weit weg war vom Zaun, ob er sich diesen halt auch mal angekuckt hat mit den Todesautomaten und den andere makaberen Dingen um sein Volk zu *schützen*....???

frohe Ostern von einer die in der Altmark aufgewachsen ist...

Mara


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03.04.2010 11:37
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#13
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Hallo Detlef,
wo gibt es in Salzwedel und Umgebung einen Schießplatz auf dem man mit Panzern schießen kann? Auch wenn es nur gestellt war. Den einzigen Schießplatz den ich kenne war in Bergen (bei Gardelegen). Meinst Du den?
Viele Grüße Michael


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03.04.2010 12:52
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@ mongibella
Ne angeschaut hat er sich das wohl nicht, nicht das ich wüßte. Dir wünsch ich auch ein schönes Osterfest. Hab gelesen, du warst Funker, ich musste immer das Funkgeräte tragen bei Übungen, aber gefunkt hat dann ein anderer. Ich war nur der Schlepper und das Ding war ganz schön schwer. Ich grüß Dich ganz lieb

@ Pio
Der Schießplatz war in der Nähe von Holzhausen, nicht direkt dort. Der Schießplatz war schon da, nur der Meetingplatz für uns wurde extra der Wald abgeholzt. Ich glaube daswar in Klietz. Ich antworte dir auch noch per PN


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03.04.2010 13:04
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#15
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Zitat von Detlef05
Der Schießplatz war in der Nähe von Holzhausen, nicht direkt dort. Der Schießplatz war schon da, nur der Meetingplatz für uns wurde extra der Wald abgeholzt. Ich glaube daswar in Klietz. Ich antworte dir auch noch per PN



Es gibt anscheinend in der Nähe von Rathenow einen Schießplatz und da auch den Ort Klietz.....das is aber nich bei Holzhausen in der Altmark....

groetjes

Mara


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