19.03.1970 - Bundeskanzler Brandt in Erfurt

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24.03.2010 14:24 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2010 14:24)
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Vor etwas über 40 Jahren besuchte Bundeskanzler W. Brandt als erster bundesrepublikanischer Regierungschef die DDR. Er traf sich mit W. Stoph in Erfurt. Der MDR zeigte als Wiederholung eine Dokumentatioen über diesen Besuch, über die Erwartungen der Politiker, aber auch die der Menschen, die sich eine Verbesserung ihrer Lage aus diesem Besuch erhofften.

Hier die Beschreibung des Films durch den MDR:

Heute vor 36 (sind jetzt 40) Jahren war Erfurt Schauplatz einer historischen Begegnung - des ersten deutsch-deutschen Regierungstreffens. Bundeskanzler Willy Brandt fuhr mit dem Zug zu Ministerpräsident Willi Stoph.

"Planmäßig zu dem verabredeten Treffen, das auf Initiative der Deutschen Demokratischen Republik zu Stande kam, ist der westdeutsche Bundeskanzler mit seiner Begleitung hier in Erfurt eingetroffen. Er verlässt soeben den Zug. Hier in der Stadt Erfurt, im grenznahen Gebiet, findet das vereinbarte Gespräch statt, zu dem nun der Vorsitzende des Ministerrates den westdeutschen Bundeskanzler begrüßt." So berichtete der DDR-Rundfunk von dem Beginn des Treffens.

Auch wenn die Politiker schon im Vorfeld die Erwartungen bremsten - die Bevölkerung in beiden deutschen Staaten erhoffte sich viel von dem Treffen. So fiel auch der Empfang für den Bundeskanzler aus: Viele Erfurter hatten die Sperren am Bahnhof überwunden und jubelten Brandt zu. Nach Willy-Willy-Rufen zeigte er sich am Fenster des "Erfurter Hofes" - davon erfuhren aber nur die Hörer in Westdeutschland.

Ein Reporter schildert die Szene: "Brandt zeigt sich am Fenster, Willy Brandt zeigt sich in der ersten Etage des Hotels, in der Mitte, und das Volk winkt ihm begeistert zu, ruft, Hüte fliegen, Mützen werden geschwenkt, ein gewaltiger Jubel. Willy Brandt scheint sichtlich bewegt zu sein, er nickt nur, er winkt ab und dreht sich um."

Er habe sich schweren Herzens abgewandt, schrieb Brandt später. Er wollte zur Zurückhaltung mahnen, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Die Ovationen verunsicherten die DDR-Führung, fanden international Beachtung - und wurden auch in Moskau bemerkt, berichtet Egon Bahr. Der Ostexperte der Bundesregierung war während des Erfurter Treffens extra nach Moskau gereist.

Bahr: "Die ersten DDR-Meldungen hatten über das, was sich hier vor dem Bahnhof abspielte, das hatten sie freundlicherweise vergessen. Und die Moskowiter sagten, was immer man über die DDR sagen kann, absperren können sie - wenn sie wollen. Und da begann so ein bisschen Misstrauen."

Das deutsch-deutsche Treffen in Erfurt selbst brachte wenig konkrete Ergebnisse. Entscheidend war, dass die beiden deutschen Staaten überhaupt erstmals auf höchster Ebene miteinander gesprochen hatten - der Beginn der Entspannung. Schon im Mai 1970 folgte der Gegenbesuch von Ministerpräsident Willi Stoph in Kassel.


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24.03.2010 14:39 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2010 14:40)
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Ich hab gestern die Wiederholung, gesehen, leider nicht komplett.
Ist aber sehr interessant, auch beschämend für die damalige DDR. Z.B. die Aktionen in Buchenwald, oder das Handeln der Stasi.
Wer mehr dazu lesen will wir hier beim MDR fündig.
http://www.mdr.de/thueringen/brandt_in_erfurt/7040481.html
viele Grüsse


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24.03.2010 14:43
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#3
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Weil du gerade Buchenwald ansprichst. Ich habe den Bericht heute mittag gesehen. Der Vorschlag Buchenwald zu besuchen kam von Brandts Referenten Günter Guillaume. Jetzt schließt sich auch der Kreis, wieso der Buchenwaldbesuch so von der DDR gestaltet wurde.


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24.03.2010 14:46
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Zitat von EK76/1
Ich hab gestern die Wiederholung, gesehen, leider nicht komplett.
Ist aber sehr interessant, auch beschämend für die damalige DDR. Z.B. die Aktionen in Buchenwald, oder das Handeln der Stasi.Wer mehr dazu lesen will wir hier beim MDR fündig.
http://www.mdr.de/thueringen/brandt_in_erfurt/7040481.html
viele Grüsse



Na EK76/1,
wen wundert das, wurde doch vom "Kundschafter für den Frieden" dem Kanzler-Spion G.G. geplant,
Gruß aus Berlin


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24.03.2010 14:49 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2010 14:49)
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#5
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In Kassel gab es dann einen Eklat, als sich als Journalisten "verkleidete" Personen Zugang zum Schlosshotel verschafften und die davor gehisste DDR-Fahne runterrissen.
Peinlich für die Sicherheitskräfte, aber die ganze Welt hatte es mitbekommen. Die ganze Strecke vom Bhf.Wilhelmshöhe bis zum abgesperrten Terrain in Wilhelmshöhe war von Unmengen protestierenden Menschen gesäumt, die Ihren Unmut über das DDR-Regime kund taten. Auch gab es kommunistische Demonstranten, die den Herrn Stoph und die DDR hochleben ließen. Auch ich hatte mir das aus der Nähe angesehen, war einfach eine Frage der Ehre,dabei gewesen zu sein!!
Schönen Gruß aus Kassel.


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24.03.2010 14:55
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Zitat von wosch
In Kassel gab es dann einen Eklat, als sich als Journalisten "verkleidete" Personen Zugang zum Schlosshotel verschafften und die davor gehisste DDR-Fahne runterrissen.
Peinlich für die Sicherheitskräfte, aber die ganze Welt hatte es mitbekommen. Die ganze Strecke vom Bhf.Wilhelmshöhe bis zum abgesperrten Terrain in Wilhelmshöhe war von Unmengen protestierenden Menschen gesäumt, die Ihren Unmut über das DDR-Regime kund taten. Auch gab es kommunistische Demonstranten, die den Herrn Stoph und die DDR hochleben ließen. Auch ich hatte mir das aus der Nähe angesehen, war einfach eine Frage der Ehre,dabei gewesen zu sein!!
Schönen Gruß aus Kassel.



Hallo Wolfgang,
nun mal raus mit der Wahrheit, in welcher Gruppe bist Du gewesen, nur damit unsere "Freunde" wissen wo dein Standpunkt war,
Gruß aus Berlin


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24.03.2010 15:07 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2010 15:09)
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Zitat von dein1945

Zitat von wosch
In Kassel gab es dann einen Eklat, als sich als Journalisten "verkleidete" Personen Zugang zum Schlosshotel verschafften und die davor gehisste DDR-Fahne runterrissen.
Peinlich für die Sicherheitskräfte, aber die ganze Welt hatte es mitbekommen. Die ganze Strecke vom Bhf.Wilhelmshöhe bis zum abgesperrten Terrain in Wilhelmshöhe war von Unmengen protestierenden Menschen gesäumt, die Ihren Unmut über das DDR-Regime kund taten. Auch gab es kommunistische Demonstranten, die den Herrn Stoph und die DDR hochleben ließen. Auch ich hatte mir das aus der Nähe angesehen, war einfach eine Frage der Ehre,dabei gewesen zu sein!!
Schönen Gruß aus Kassel.



Hallo Wolfgang,
nun mal raus mit der Wahrheit, in welcher Gruppe bist Du gewesen, nur damit unsere "Freunde" wissen wo dein Standpunkt war,
Gruß aus Berlin




Also mit dem Herzen war ich bei Denen die die Fahne runter geholt hatten, ansonsten stand ich irgendwo mitten drin, es war sehr schwer einen günstigen Platz zu erwischen,
denn die Massen hatten schon Stunden vorher alles belegt. Ich habe weder gejubelt, noch gepfiffen, wollte einfach nur dabei sein, weil ich mir von diesem Treffen Erleichterungen erhofft hatte, für meine Angehörigen die ich ein paar Jahre vorher verlassen hatte! Als der Trubel vorbei war, war ich innerlich sehr bewegt und mir ging viel durch den Kopf. Weinen und Lachen lag sehr dicht neben einander, aber man versuchte seine Emotionen nicht heraushängen zu lassen!

Schönen Gruß aus Kassel.


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24.03.2010 15:10 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2010 15:18)
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@EK76/1

Welche Aktionen in Buchenwald waren denn beschämend? Etwa das die DDR einen ausländischen Staatsgast dort bei seiner Kranzniederlegung mit militärischen Ehren würdig begleitete? Hätte sie dies bei ihm, wie bei jedem anderem Staatsgast auch, nicht getan, dann wäre dies wohl einer diplomatischen Missachtung Brandts gleichgekommen. Falls du auf die Äußerung bezüglich des in der BRD vorhandenen Neofaschismus anspielst, nun den gibt es in ihr selbst heute noch.

Hier wäre deinerseits eine genaue Benennung der beschämenden Aktionen angebracht.


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24.03.2010 15:20
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#9
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Zitat von Feliks D.

Hier wäre deinerseits eine genaue Benennung der beschämenden Aktionen angebracht.



Felix, kannst Du auch mal ganz normal reden und nicht immer so wie Du es in Potsdam gelernt hast?
Schönen Gruß aus Kassel.


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24.03.2010 15:22
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Zitat von Feliks D.
@EK76/1

Welche Aktionen in Buchenwald waren denn beschämend? Etwa das die DDR einen ausländischen Staatsgast dort bei seiner Kranzniederlegung mit militärischen Ehren würdig begleitete? Hätte sie dies bei ihm, wie bei jedem anderem Staatsgast auch, nicht getan, dann wäre dies wohl einer diplomatischen Missachtung Brandts gleichgekommen. Falls du auf die Äußerung bezüglich des in der BRD vorhandenen Neofaschismus anspielst, nun den gibt es in ihr selbst heute noch.

Hier wäre deinerseits eine genaue Benennung der beschämenden Aktionen angebracht.




Einfach nur lesen,

http://www.mdr.de/thueringen/brandt_in_erfurt/7150647.html


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24.03.2010 15:37 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2010 15:48)
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@dein1945

Gelesen.

Schön der Bundeskanzler will einen Staatsbesuch nicht Staatsbesuch nennen und verzichtet auf dem Kranz daher sogar auf seine Amtsbezeichnung. Die DDR verhält sich, den gängigen internationalen diplomatischen Regeln entsprechend, korrekt und empfängt Brandt mit allem ihn zustehenden militärischen Ehren.

Ich kann hier nur die Missachtung eines Staates einem anderem gegenüber erkennen. Dies ist in der Tat beschämend, allerdings nicht für die DDR!

Einen alten Linkssozialisten darauf hinzuweisen, dass es in dem von ihm regierten Land bedauerlicherweise immer noch Neofaschismus gibt um ihn so an seine Wurzeln, seine Herkunft und damit auch Verpflichtung zu erinnern, dies sollte wohl auch legitim sein.



@wosch

Was war an meiner Bitte, nach einer Präzision der beschämenden Sachverhalte, unverständlich?


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24.03.2010 16:41
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Berliner




Quelle: Das war die DDR, Kapitel 2: Von der Zone zum Staat


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24.03.2010 17:07 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2010 17:08)
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Zitat von Feliks D.
Schön der Bundeskanzler will einen Staatsbesuch nicht Staatsbesuch nennen und verzichtet auf dem Kranz daher sogar auf seine Amtsbezeichnung. Die DDR verhält sich, den gängigen internationalen diplomatischen Regeln entsprechend, korrekt und empfängt Brandt mit allem ihn zustehenden militärischen Ehren.

Ich kann hier nur die Missachtung eines Staates einem anderem gegenüber erkennen. Dies ist in der Tat beschämend, allerdings nicht für die DDR!



Damals hoffte die DDR wohl wirklich noch auf volle staatliche Anerkennung durch Bonn. Nach den Verhandlungen von Egon Bahr in Moskau hatte sich das dann aber erledigt, und die Bundesregierung konnte sich mit ihrer Linie (Annäherung, aber keine Anerkennung) durchsetzen --- anders wäre es auch nach dem Grundgesetz gar nicht gegangen.

Zitat
Einen alten Linkssozialisten darauf hinzuweisen, dass es in dem von ihm regierten Land bedauerlicherweise immer noch Neofaschismus gibt um ihn so an seine Wurzeln, seine Herkunft und damit auch Verpflichtung zu erinnern, dies sollte wohl auch legitim sein.



Die DDR-Verantwortlichen vermochten wohl nicht so schnell Abschied zu nehmen von ihrer jahrelangen Praxis, die BRD als "Erben des Faschismus" zu brandmarken --- auch wenn sie Willy Brandt damit schwerlich in Verbindung bringen konnten.

Immerhin, in späteren Jahren hat Ost-Berlin da Fortschritte gemacht, und ab etwa Mitte der 70er Jahre hörte man nur noch wenige Nazi-Vorwürfe gegen Bonn.

Zitat
Was war an meiner Bitte, nach einer Präzision der beschämenden Sachverhalte, unverständlich?



Das ist halt der typische Nominalstil der sozialistischen Nomenklatura, den auch die westdeutsche Journalistin im kürzlich hier eingestellten Film beschrieben hatte --- aber ich finde, heutzutage hat das schon wieder eine nostalgische Note


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24.03.2010 17:08
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@ Feliks,
es ging darum, das in dem MDR Bericht gesagt wurde, das Bundeskanzler Brandt darum gebeten hatte,
nichts militärische während des Besuches hineinzubringen. Hier wurde aber ein Wunsch eines Gastes
mißachtet.Brandt blieb beim Anblick der Militärkapelle und der Ehrenformation nichts anderes übrig als zu bleiben. Hätte er einfach gehen sollen. Zum anderen war es total unangebracht, ihm, der während der Nazizeit im Asyl war, diesen Text zu präsentieren. Er war selber im Widerstand. Und wenn man dann hört, das gerade sein Referent, der ein Stasi Agent war, ihm den Vorschlag mit Buchenwald gemacht hat, ist das für mich wie eine Falle, denn da kam er in Buchenwald nicht mehr hinaus. Außerdem fand ich den Text der ihm in Buchenwald vorgelesen wurde, äüßerst daneben. Da wurde was erzählt, der Militarismus sei endgültig in der DDR beseitigt, kurz vorher war noch die Ehrenformation angetreten, und die Hymnen wurden von Militärkapellen gespielt.


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24.03.2010 17:28
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Karl,

es ist sehr gut, dass Du diesen damals so wichtigen Besuch von Willy Brandt in Erfurt in das Forum einstellst!
Ich habe auch gestern abend die Wdh. gesehen. Zuvor aber schon einmal.

Aus meiner Sicht war das Bedeutsame, dass sich endlich beide Seiten trafen, daran waren die Mehrheit der Menschen in Ost und West sehr interessiert.
Das Schnitzler-Geplänkel nebenbei zeigt doch nur die haßerfüllte, vergiftende Wut der Stalinisten in der DDR, dass ostdeutsche Menschen dem beliebten SPD-Kanzler zujubelten.
Und schon damals sollte der Weltpresse großmäulig vermittelt werden, die DDR sei eine "Supermacht".
Aber das ist nur meine Meinung, weil ich ja immer sage, die SED hat die arbeitenden Menschen in der DDR stets vera...cht!


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