Dokumentation einer Ausreise

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24.03.2010 12:55
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#31
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Zitat von turtle
ein Staat besteht nun mal aus Menschen und das sind nicht irgendwelche Inventarnummern, die man bedienen kann, wie man will..........nein, das sind Wesen mit Gefühlen und Ansprüchen.

Gruß
Herbert

Stimmt Herbert vieles kann man erst verstehen wenn man selber negatives in der DDR erlebt oder gesehen hat! Ich gehöre dazu. Soll man eigentlich mit Menschen bedauern haben die die jubelnde Menschenmenge vor Potemkinsche Dörfern als real ansahen? Dabei denke ich besonders an das Poltbüro.Vielleicht war die Brille so schlecht (ohne Fielmann) das sie überhaupt nicht weiter gucken konnten! Also auf zu Fielmann und Augen auf!
Gruß Peter(turtle)



Turtle.......und genau an dich hatte ich bei meinen Zeilen auch gedacht, als von Leuten schrieb, die so etwas erlebt haben
Ich kann dich zu gut verstehen.

Gruß
Herbert


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24.03.2010 12:56
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#32
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Zitat von Ernest

Zitat von CaptnDelta
Herbert,
danke fuer deinen Beitrag.
Woher sollte Feliks sowas auch wissen? Ist doch wie als wenn man Farbe 'nem Blinden erklaeren moechte...
-Th


Weißt du Captn,
als ich die Zeilen geschrieben habe, zitterten mir die Finger und jetzt ist es mir irgendwie zum Heulen. Ich hab gesehen, wie sie gelitten haben, hatte Angst, das sich da eine familiäre Tragodie ereignen könnte. All das, wird mit einem mal wieder wach. Ich spüre wieder, wie meine Frau um ihre Schwester, ach eigentlich um alle, gebangt hat.
Über Umwegen hatten wir ihnen damals Geld geschickt, nur damit sie etwas zum Leben hatten. Es war einfach schlimm.


Man, so'n Kack, fuer das scheiss Experiment das alles haette besser machen sollen... da waren noch einige mehr. Bloss gut das alles vorbei ist, nie wieder so'n Schmarren.
Ich hab auch noch Erinnerungen an diese Zeiten. All die bloeden Bemerkungen ad hominem im Geschichts- oder Stabue - Unterricht. Die (teilweise erfolgreichen) Bemuehungen, den Freundeskreis zu zerstoeren. Dann Arbeitslosigkeit fuer meinen Vater, und keinerlei Hilfe (nein, es gab kein Hartz) - sehr "sozial" (kotz)...

Zitat von Ernest
In den Momenten kann ich sehr gut nachvollziehen, daß Leute, die Repressalien, egal welcher Art, hinnehmen mußten, selbst nach so langer Zeit innerlich aufgewühlt und nervlich fertig sind.
So einfach zu verarbeiten ist das alles nicht.
Im normalen Alltag ist es ok, nur wehe die Gedanken an diese Zeit kommen auf, dann ist alles hellwach.

Und dummerweise, je laenger man davon weg ist, desto mehr beschaeftigt einen das alles. Geht mir (und meiner Schwester und Mutter) genauso. Wenn man sowas wie

Zitat
Was will er denn, 1986 Antrag gestellt und 1989 raus. 3 Jahre gewartet, keine Haft, keine angebliche "Zwangsadoption" und 1989 durften sie gehen.

liesst, dann merkt man der Schreiber hat schlichtweg keine Ahnung von was er redet. Jeder Furz waere eine intelligentere Aeusserung. Gleichzeitig laesst man sich aber ganz gerne ueber anderen Leuten's "angelesenes Wissen" aus.

Ab und zu was Lesen waere in dem Falle mal nicht schlecht...
Lesen bildet...

Zitat von Ernest
Dieses Gespür und dieses Mitfühlen fehlt vielen. Einfach nur kaltschnäußig oder mit Gesetzen zu kontern, ist billig.

Das einzige was Du denen Trampeln zugute halten kannst ist das die da einfach nicht wissen wovon sie reden. Es gibt ja heute noch sog. Juristen im Forum, die haben immer noch keinen blassen Schimmer wie ein Rechtsstaat funktioniert - man merkt das auch typischerweise an der Auswahl der Vergleiche oder Beispiele.

Was (fuer mich) am meisten nervt sind Leute die so tun als haette jederman jederzeit 'nen Ausreiseantrag stellen koennen. Wer sowas sagt war nie in der Situation, und hat von daher mal schlichtweg keine Ahnung.

Zitat von Ernest
Man muß den Menschen sehen und nur den Menschen alleine.......ein Staat besteht nun mal aus Menschen und das sind nicht irgendwelche Inventarnummern, die man bedienen kann, wie man will..........nein, das sind Wesen mit Gefühlen und Ansprüchen.

Ja, ja, das war mal der Anspruch des sog. 'Sozialismus'. Dummerweise war man da bei weitem schneller 'ne Inventarnummer als das im gabbiddalisdischen Teil der Welt jemals moeglich war. Wenn man die Gespraeche der sog. "Insider" hier im Forum ab und zu verfolgt, dann kann man diese De-Personalisierung recht gut nachvollziehen. Buerohengste brauchen eben Nummern...

Nochmal Danke fuer deinen Beitrag, Herbert, das sind so die authentischen Beitraege man hofft hier im Forum zu finden

-Th


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24.03.2010 13:43
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#33
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4 Jahre dauerte es nach seinen wiederholten Ausreiseanträgen bis man meinen Bruder kurz vor Ostern 1984 mitteilte, daß er innerhalb von 24 Stunden die DDR zu verlassen hatte. Ich bin sofort nach Ost-Berlin gefahren um ihn abzuholen und einige persönlichen Sachen von ihm über den Bahnhof Friedrichstraße raus zu schmuggeln. Bis dahin bin ich zwei Jahre lang jeden Monat für 2-3 Tage nach Ost-Berlin gefahren um ihm Geldmittel und andere Bedarfsgüter zum Überleben zu bringen, da er seine Beschäftigung als Ingenieur-Ökonom in einem Forschungszentrum durch seine Anträge verloren hatte!!
Man muß sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, 4 Jahre und dann geht es mit einmal in 24 Stunden.
Nicht mal ordentlich verabschieden sollte er sich von Freunden und Verwandten können!!
Schönen Gruß aus Kassel.


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24.03.2010 14:40
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Zitat von CaptnDelta

Zitat von Ernest

Herbert,
danke fuer deinen Beitrag.
Woher sollte Feliks sowas auch wissen? Ist doch wie als wenn man Farbe 'nem Blinden erklaeren moechte...
-Th


Nochmal Danke fuer deinen Beitrag, Herbert, das sind so die authentischen Beitraege man hofft hier im Forum zu finden

-Th




@Felixs,

ich will hier nicht mehr alles zitieren, was von Ernest, CP und turtle geschrieben wurde, lese Dir alles noch einmal in Ruhe durch und urteile dann, was Du hier zum Besten gibst ist einfach abscheulich, es wurde Dir ja schon der Rat gegeben nach Nord-Korea auszuwandern, lerne die Sprache, deine DDR §§ kannst Du gleich mitnehmen, ich kann sie eh nicht gebrauchen, wenn es doch Kuba sein soll, nimm Dir einfach einen Kühlschrank mit, sperr Dich darin ein und Du bekommst sicher wieder einen klaren Kopf,
Gruß aus Berlin


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24.03.2010 15:26 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2010 15:42)
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94

_CaptnDelta_> Was (fuer mich) am meisten nervt sind Leute die so tun als haette jederman jederzeit 'nen Ausreiseantrag stellen koennen. Wer sowas sagt war nie in der Situation, und hat von daher mal schlichtweg keine Ahnung.

Jetzt vermisse ich doch den [Stimme zu]-Knopf. Also muß ich einen Beitrag schreiben.
Habe mich damals (Ende der 80iger) mit dem Thema nie richtig beschäftigt. Die einzige Berührung mit Antragstellern hatte ich auf der Urlaubsrückfahrt mit dem Interzonenzug Warschau-Frankfurt/Main. Von Dresden 22 Uhr irgendwas bis Eisenach gegen drei in der Früh. Denke mal den Zug kennen hier einige im Forum. Sonntag- oder Montagabend saßen in diesem Zug vor allem Grundwehrdiener und Ausreisende. Ich mittendrin als OaZ natürlich in zivil und mit einer ordentlichen Grenzermatte (fast VoKuHiLa *grins*). Auf den Bahnsteigen spielten sich oft Abschieds-Szenen ab, in Erinnerung ist mir besonders noch das Zertrümmern der Sektflasche auf den Geleisen. Oft saß ich allein im Abteil, voll wurde dieser Zug immer erst ab Leipzig. Manchmal gesellte sich ein Ausreisender zu mir. Der hielt mich wohl für alles, nicht aber für einen GT-Ultn. [Ironie] ich weiß, das war kein richtiger Offizier [einorI]. Kaum rollte der Zug an den Radebeulern Weinhängen lang, begann er dann, mir seine Lebens- und Leidensgeschichte zu erzählen. Unreif, wie ich damals mit 19 halt war, hörte ich selten richtig zu, sondern wollte nach einem Party-Wochenende (LiGa, Ziege und Parkhotel) halt meine Ruhe haben. Ich A'loch habe das am besten damit erreicht, das ich ihm im irgendwann, wenn mir das Gespräch zuviel wurde, den Dienststellenausweis unter die Nase gehalten habe. War vielleicht auch ein Selbstschutzinstinkt. Das da in Staate TäTäRä was faul war, habe ich in jungen Jahren schon irgendwie gefühlt. War halt aus heutiger Sicht doch recht unreif.
(Achtung! KEINE Ironie)
Doch langer Rede kurzer Sinn: Schon damals hatte ich vor den Antragstellern einen wesentlich höheren Respekt als wie vor dem gemeinem Spekku (Grenzer-Deutsch für Grenzverletzer). Der mit dem weißen Bändel an der Antenne harrt eine ungewisse Zeitdauer unter ständigen von ihm so empfunden Schikanen tapfer aus, in Schnitt vier Jahre wie jetzt weiß. Der 213er geht für 2 Jahre in den Bau, wir oft vorher freigekauft, gefährdet Menschenleben (zumindest sein Eigenes) und verheizt mittelbar die Nachtruhe von mindesten einem Grenzbattalion.
Die Meinung hab ich mal so ähnlich in GWA an der OHS geäußert, na da war Polen offen. Hatte dann im Abschlußzeugniss auch nur eine 3 in Gesellschaftwissenschaftlicher Ausbildung, hat mir glaub ich ein 'Sehr Gut' versaut. Heut bin ich fast stolz auf die Note.
Um jetzt nochmal auf den Herren S*schmidt zurückzukommen, um den es in diesem Fred mal ursächsich, ähm ursächlich ging. Armer Kerl, ernsthaft. (Ironie ist immer noch aus!) Darf ½Jahr vor Ultimo raus, verliert seine Frau an den Spätfolgen des Mobbings seitens der zuständigen Organe, nicht jeder ist halt zum Kämpfen geboren. Arbeit sein Trauma in einer HP auf und wird dafür von dem Sohn eines damaligen Gegenüber professionell zur finaziellen Ader gelassen. (So jetzt Ironie endlich wieder an) Wenn das mal keine aktive Geschichtaufarbeitung ist. Geschichte, wie das Leben sie schreibt.

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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24.03.2010 15:59
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#36
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@ Turtle, CD, Ernest, Wosch

Ich kann hier nur das wiederholen, was ich an anderer Stelle (bezogen auf diesen Thread) geschrieben habe:

Wenn ich so etwas lese, dann läuft es mir immer kalt den Rücken herunter, und ich kann nur allergrößten Respekt empfinden vor den Menschen, die solche Dinge durchgemacht haben


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24.03.2010 17:37
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#37
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Ich habe auch 'nen haiden Respekt vor jedem, der einen Antrag gestellt hat....das war sehr sehr mutig, zumal diejenigen wußten was Feliks & Co so drauf haben und in was für'n Abseits sie dadurch geraten würden....ja, das war ja allgemein bekannt....

....Feliks kann man aber zu Gute halten, das ohne ihn und seine Kollegen die Zone viel eher wieder ein Teil der BRD geworden wäre....jedes und noch so kleine Nachgeben des Staates hätte die Lawine, wie wir sie aus 1989 kennen, schön eher losgetreten....nach KSZE hat man es ja schon gemerkt....

....soviel hab ich mir merken können....meine These steht aber noch....man hätte die Leute doch gehen lassen können, die weg wollten....mit ein bischen vernünftiger Politik hätt man eh genug im Land halten können und wenn es halt so wäre, das die DDR ausgeblutet wäre, naja, dann hätte man doch was tun müssen um es den Leuten attraktiver zu machen da zu bleiben....desnots hätte man doch Gastarbeiter oder Asylanten zu Hauf aufnehmen können...es gab ja genug Länder wo man sie herholen hätte können....RMRs Vietnam zB....RMR hätte sich sicher auch mal auf was Exotisches gefreut, der (alte) Schwerenöter....aber nein, es wurden nur billige Arbeitskräfte auf Zeit hergeholt, sie bekamen zB ne spottbillige Ausbildung zum Chemiefacharbeiter und lebten und arbeiteten eigendlich in der DDR nich grad unter den besten Bedingungen....oder Chinesen hätte man holen können zur Kompensation, sie sind fleissig wie Deutsche, kennen stellenweise die selben klimatischen Verhältnisse und es gibt in China eh genug davon....die paar hätten sich doch leicht finden lassen können um den Weglauf aus der DDR auszugleichen....das hätte die DDR auch was bunter werden lassen in einer Zeit in der die BRD schon längst multikultie war....

....ich mein ja nur, die Grenze war ja nu nich echt eine militäre Sperre....wir wissen alle und wußten das auch schon im zarten Kinderalter, das dat ganze Grenzregime nur zum kollektivem Bevölkerungseinschluß diente....stellt euch nun mal vor, man hätte ohne Zaun und Mauer auskommen können, keiner wollte wohl eh beim *Gegner* eindringen und sein Land erobern....wie wär's gewesen mit ner vernünftigen friedlichen Koexistenz und nem gegenseitig profitabelen Handel gewesen....mein Gott, beide Seiten hätten soviel Geld sparen können und jeder hätte sich einfach seine Seite frei wählen können....Neuansiedler hätte man doch auf beiden Seiten vernünftig locken können, sie aber auch genauso einfach wieder gehen lassen können, wenn's ihnen nicht gefällt....

....hey, mir wurden die Ohren blutig geschwätzt in der Schule mit der Überlegenheit des Sozialismus und so.....da mag ja auch echt sehr viel Wahrheit drin liegen, Marx und Engels sei dank, wurden solche Ideen ja auch mal abgedruckt....is alles schön und gut, da sag ich echt nichts gegen....klingt alles sehr logisch....ich find's auch schade, das es kaum noch ein Land gibt, in dem per Gesetz der Sozialismus herrscht....aber kucken wir uns mal um in der Geschichte, so wie er geherrscht hat, war ja echt daneben....

....und nun klage ich die Russen an....wat hätten se doch mit vernünftigen Konferenzen erreichen können damals....ich mein, wär man auf einander zu gegangen anstatt sich in den kalten Krieg zu stürzen, hätt man doch wat anderes draus machen können oder etwa nich....aber Stalin der Idi und sein angeblicher Kommunismus wurden verehrt wie in Rom der liebe Gott....als man sich davon abwendete, hätte man einen etwas anderen Weg einschlagen können....oder sind meine Ideen nur dumme Fantasie....

....ich mein ja nur, so hätte Feliks und RMR vielleicht immernoch ihr A&B-Paradis und die, die sich damit nich arrangieren hätte können, wären doch unproblematisch ne Alternative geblieben ohne den ganzen Zersetzungsscheiß und Hohenschönhausen und so.....

...naja, ich träum wahrscheinlich grad nur.....

Ich leg mich jetz ma hin....muß nachher abend's umkoppeln und darf dann die Nacht durchheizen....vielleicht träum ich dann ja mal wieder von realen Dingen....

Grüße an alle von irgendwo unterwex....

Mara....


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24.03.2010 18:08
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#38
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94, du gefällst mir und so spielt das Leben, so wie in deinem letzten Text mit der Zugfahrt. Ich hatte immer nur die Mädels im Kopf, auf meinen Heimreisen ins schöne Sachsen, und Eine hätte mich fast geheiratet...aber ich war schon verheiratet.
Heute muss ich immer wieder sagen, jeder, aber auch jeder ist seines Glückes Schmied, und sollte ihn, durch seine eigene Dummheit das Glück damals verfehlt haben, dann fehlt mir heute jegliches Mitleid.
Ich will nicht falsch verstanden werden und bis zu einer gewissen Zeit gab es die Möglichkeit der Ausreise in der DDR nicht, da gehe ich mit. aber ich gefährde nicht durch meinen persönlichen Egoismus das Leben meiner Familie und stelle mich anschließend als " Opfer" hin.
Schlechte Träume, das haben wir alle einmal und jeder muss sein ganz persönliches Leben bewältigen, nur anschließend ständig auf der " Verliererolle" zu reiten, da fehlt mir jegliches Verständnis.

R-M-R


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24.03.2010 18:30
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#39
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Ich hatte immer nur die Mädels im Kopf, auf meinen Heimreisen ins schöne Sachsen, und Eine hätte mich fast geheiratet...aber ich war schon verheiratet.



Mal so als Frau nachgefragt RMR....bist du stolz darauf, deine Frau betrügt zu haben....oder hast du das garnich und erzählst nur wilde Lovestorys....weil für mich klingt es oft so alsob du die halbe Republik flachgelegt hast....die andere Hälfte laß ich mal außen vor, weil von Männern redest du nie....

Mara....


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24.03.2010 18:31 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2010 18:36)
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#40
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Zum Thema mal noch etwas von mir.

Ich habe diesen Thread eröffnet, da ich diese Seite der Familie Schaarschmidt fand und als ich darin las, sagte ich zu mir an vielen Stellen: Ja, genau so war es. Klar, die einen erlebten mehr Schikane als die anderen, wie immer hing es auch hier von den Menschen ab.

Nichtbetroffene können gerne ihre Meinung hier loswerden, aber sich hinzustellen und sofort die möglichen Ungereimtheiten, die damals sicher ihre Gründe hatten, herauszusuchen, anstatt das jeweilige Schicksal anzuerkennen und die Verfahrensweise des Staates als unwürdig zu bezeichnen, lässt schon tief blicken.

Ja, Ernest, auch du, wie einige andere auch, haben es gut beschrieben. Aber der Staat konnte sich nur so verhalten. Wer ein Grenzsystem installiert und ausbaut, welches jährlich zig Millionen verschlingt, kann Ausreisewillige nicht so einfach gehen lassen. Hier mussten Nachahmer abgehalten bzw abgeschreckt werden.
Auch wenn die DDR auf dem Weg der gewünschten Anerkennung die Schlussakte von Helsinki unterschreiben musste, so sah sie es dennoch keinesfalls als rechtmäßig an, wenn man einen Ausreiseantrag stellte.

Meistens teilten die Behörden dem Antragsteller schon nach 4-8 Wochen mit, dass dem Antrag auf "Übersiedlungsersuchen" (erfundene DDR-Bezeichnung) nicht entsprochen wird. Gründe wurden meist nicht genannt. Gleichzeitig verlangte man jedoch umgehend die Rücknahme dieses Antrages. Oft geschah dies nicht, es folgte nur ein erneuter Antrag.....

Für die "Rückdrängung" war jedes Mittel recht. Die Einigkeit der Familie (in meinem Fall) musste gebrochen oder besser zersetzt werden. Hierzu wurden heimlich Befragungen der Nachbarn durchgeführt. Freunde wurden gern als IM geworben, separate Gespräche mit den Antragstellern permanent geführt.

Das gesamte Leben wurde durchleuchtet, um Eingriffsmöglichkeiten auszuloten.
Ich kann mich heute noch sehr gut an die ständigen Gespräche im Betrieb erinnern. Ein Plenum von 5-6 Leuten (Kaderleitung, Vorgesetzte, MdI u.a.) saß im Halbkreis um mich herum. 2h dauerte die Prozedur. Meist waren diese Leute dem Antragsteller überlegen, sie waren genauestens vorbereitet, argumentierten professionell und sie nutzten das Nichtwissen des Anderen super aus. Danach war man psychisch fertig, zumindest als junger Mensch völlig hin- und hergerissen. Das passierte alle paar Monate.
Und regelmäßig kamen die Sprüche:"Sie werden das nie schaffen....."
AZ


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24.03.2010 18:34 (zuletzt bearbeitet: 26.03.2020 10:25)
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24.03.2010 18:54
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#42
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Zitat von grenzergold
Viele Grüsse von einem aus der Staatsbürgerschaft entlassenen.



Meine Hochachtung für diesen Erfolg der Entlassung Grenzergold....wirklich wahr....mein Respekt ist dir sicher....genau wie den, den ich habe für die zwei Jugendlichen aus meinem Dorf, die in 1987 etwa an der ungarisch/österreichischen Grenze geschnappt wurden und ihre Zeit in ner schäbigen MfS-Zelle abwarten mußten bis sie rausdurften....

....ich wurde zB aus der gesamtdeutschen Staatsbürgerschaft entlassen lange danach, es kostete nur sehr wenig Zeit und niemand hat mich deswegen schikaniert oder denunziert, ich konnte und kann mich nachwievor ohne Probleme bewegen zwischen Deutschland und Holland....auch außerhalb der Straßengrenzübergänge....Deutschland hat auch nachwievor ein Vorteil von mir, weil ich meine Einkäufe meistens in Deutschland tätige....

....das nur mal als Vergleich bemüht, weil hier auch sehr oft, die Situation jetzt der damals gegenüber gestellt wird....dann mach ich das halt auch mal so....und bin echt froh, das dieser Spuk nu echt vorbei ist....zumindestens für uns Europäer....wir können nun echt frei wählen, wo wir gerne wohnen wollen....

groetjes

Mara


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24.03.2010 19:19
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#43
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Bella meine Schöne, der Rainer-Maria ist jetzt 34 Jahre verheiratet, in Worten vierunddreißig Jahre. Meine junge Frau war beileibe keine Heilige und ich kein Heiliger und unseren letzten Hochzeitstag haben wir übrigens auf der Buchmesse in Leipzig gefeiert.
Ich muss ganz ehrlich sagen, es war ein sehr schöner und gelungener Tag. In unserer gemeinsamen Ehe gab es immer Höhen und Tiefen, und fast hätte uns das "verflixte siebende Jahr" für immer und ewig getrennt, aber wir haben geredet, miteinander geredet und nicht aneinander vorbei.
Ich hoffe, sollte es unsere Gesundheit zulassen, das wir auch noch weitere vierunddreißig Jahre miteinander aushalten, meine Frau auf der Couch und ich vorm Forum...he, war Humor, mein Singlefreund.
Für die Popser....hatte ich nie was übrig, tut mir leid, wenn das so direkt herüberkommt.
Ich hoffe, mein Text war aussagekräftig genug, das du dir ein Urteil bilden konntest. Wie sagte doch Er oder Sie damals im Standesamt..."In guten und auch in schlechten Zeiten, bis das der Tod euch scheidet".
Einen wirklich schönen Abend, meine Freundin, und das ist ehrlich gemeint.

R-M-R


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24.03.2010 19:34
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#44
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Nurmal so nebenbei: Ich war auch Antragsteller. Dass wir in der DDR ausgebeutet, unterdrückt, verarscht und verhöhnt wurden, war mir eigentlich schon immer klar, aber das ganze Ausmaß, ja das kann ich nach 35 Jahren Berufsleben, insbesondere der letzten 10 Jahre in den alten Bundesländern eigentlich nur erahnen.

Ich bin weißgott kein Revoluzzer, brauche nicht viel zum Leben und vielleicht kehre ich auch nach Thüringen zurück, aber ich weiß wofür ich 89 auf die Straße gegangen bin und ich bin mir sicher, dass auch ich als Antragsteller mit dazu beigetragen habe, dass die DDR heute Gechichte ist.

Mal wes zum Nachlesen: http://rolfrost.de/1989.html

Viele Grüße von Drüben ;)
Rolf


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24.03.2010 19:37
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#45
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Zitat von Augenzeuge

Ich kann mich heute noch sehr gut an die ständigen Gespräche im Betrieb erinnern. Ein Plenum von 5-6 Leuten (Kaderleitung, Vorgesetzte, MdI u.a.) saß im Halbkreis um mich herum. 2h dauerte die Prozedur.
AZ



Richtig solche Gespräche gab es immer. Ziel war es Hintergründe zu erforschen, eventuelle Probleme herauszuarbeiten und zusammen Lösungsansätze zu finden. Schließlich war das erste und wichtigste Ziel die Rückgewinnung des Mensches für die gerechte Sache des Sozialismus. Kein Antragsteller wurde einfach so aufgegeben, denn jeder Bürger war wichtig. Bei vielen Bürgern konnten auf diesem Wege vorhandene Probleme und Konflikte gelöst werden. Nachdem jetzt also die für das Übersiedlungsersuchen des Bürgers ursächlichen Gründe obsolet waren, war es ja nur die Konsequenz daraus, dass dieser sein Ersuchen zurücknahm. Anschließend wurde dieser, natürlich auch unter Einbeziehung weiterer gesellschaftlicher Kräfte, als vollwertiges Mitglied in die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung integriert.

Leider konnten, trotz des Bemühens und Vermittelns vieler an dem Verfahren beteiligter Kräfte, hierbei nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse erreicht werden. Wurde bei solchen Personen nun also eine feindlich-negative Einstellung zur soz. Staats- und Gesellschaftsordnung festgestellt, galten diese als direkte oder indirekte Interessenvertreter des Imperialismus und somit als Feinde des Sozialismus. Das solche Personen, besonders beim Vorliegen erster Verdachtsmomente bzw. Handlungen, auch zur vorbeugenden Verhinderung weiterer subversiver Angriffe bearbeitet wurden war die notwendige Konsequenz dieser Festlegung. Hierbei erlittene persönliche Nachteile und Verluste, sowie teilweises Fehlverhalten der staatlichen Organe, sind aus heutiger Sicht sicher bedauerlich und lediglich durch die damaligen Realitäten und dem Kampf der Systeme zu dieser Zeit zu entschuldigen.

Jedoch schreibt auch AZ:

Zitat von Augenzeuge
Aber der Staat konnte sich nur so verhalten.


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