Radio Free Europe, Radio Liberty, DLF und RIAS - Was bedeuteten sie für die Bevölkerung im Osten

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15.03.2010 14:37 (zuletzt bearbeitet: 15.03.2010 14:39)
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#1
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Am Samstag lief beim Bayerischen Fernsehen in der Themennacht "Der kalte Krieg" eine sehr interessante Dokumentation über den Sender Radio Free Europe. Es ging dabei auch um den Einfluss auf Entwicklungen und die Beeinflussung bei Aufständen wie 17. Juni, Ungarn und Prag. Aber auch um die Fehler die der Sender in Verbindung mit dem Ungarn Aufstand gemacht hatte. Inwieweit wurden denn diese Sender auch in der DDR gehört, wurden sie dort auch gestört, oder waren sie gut zu empfangen. In der DDR war ja auch als Alternative das Hören und Sehen von Sendern aus der Bundesrepublik möglich (außer Dresden). Wie war die Meinung über Rias?
Übrigens Radio Free Europe hat heute seine Studios in Prag, gesendet wird noch für Länder wie z. B. den Irak.


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15.03.2010 15:50
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#2
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S51

RFE konnte man empfangen aber geniesbar war er nicht. Quasi ND (Neues Deutschland) seitenverkehrt. Dafür musste man schon ein überzeugter Kalter Krieger sein.
Der RIAS war zumindest ab etwa 1978 etwas anderes. Er hatte gute Musik war auch gut zu empfangen aber alles was dort an Nachrichten kam, hat man freilich mit der Tagesschau verglichen und dann schon mal zu 80 % aussortiert. Will heißen, geglaubt hat man dem eigentlich so pur gar nichts.
Beim Rundfunk hat in Sachsen mehr so der Deutschlandfunk eine Rolle gespielt. Halbwegs seriös und auch noch gute Musik. Inzwischen aber haben sie zumindest bei Letzterm wohl beschlossen, in den 70-er Jahren endgültig stehen zu bleiben. Haben auch kaum noch brauchbare Frequenzen. Will heißen, das tu ich mir seit Jahren kaum noch an. Außer aus entfernteren Gegenden.
Die wirklich größte Bedeutung hatte die ARD und hier das Wochenendprogramm sowie die Tagesschau. Schon das ZDF (ab etwa 1982 zu empfangen) mit ihrer heute-Sendung war weniger glaubhaft und stärker ideologisch eingefärbt.
Meist hat man Tagesschau und unsere Nachrichten verglichen und dann irgendwo die Mitte für vermutlich wahr gehalten.
Schön war der Tatort. Verglichen mit dem Polizeiruf zwar mehr "Spinne" aber oft spannender. Und Rudi Carel habe ich gerne gesehen. Der konnte sehr schön über alles herziehen.

GK Nord, GR 20, 7. GK, GAK
VPI B-Lbg. K III


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15.03.2010 19:21
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#3
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@Karl,
RIAS hat glaube ich eine große Rolle zumindest in Berlin eingenommen.
Als Kinder war, "Der Onkel Tobias vom RIAS ist da", später "Schlager der Woche", da haben wir unsere Tonbandgeräte mit gefüttert. Radio Luxemburg auf KW,ich glaube 11m Band, wegen der Musik, nur mit der Qualität des Empfangs hat`s gehapert.
Im Fernsehen, jedenfalls bei uns, fast nur ARD und (später) ZDF. Die "Berliner Abendschau" so um 19.25 Uhr war unsere tägliche Informationsquelle, gleich im Anschluß Tagesschau.
Wenn ich Berichte über den 17.6.53 lese, soll Rias eine enorm wichtige Quelle für die Bevölkerung gewesen sein, auch außerhalb Berlins.
VG Affi


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15.03.2010 19:22 (zuletzt bearbeitet: 15.03.2010 19:24)
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#4
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Also Radio Free Europe war nicht so der Bringer, war aber auch nicht so für uns Zonis gedacht, zielte mehr auf den restlichen Ostblock. Ich habe sehr viel Radio gehört, mein Vater zeigte mir dann Sender wie RFE, mit seiner dazugehörigen Erklärung. Er zeigte mir auch was in einem Radio mit gespreizter Kurzwelle noch so alles zu empfangen war.
Ich habe persönlich aber am liebsten AFN gehört mit den Nachrichten der VoA, weil 24 Stunden Programm.
Rias 2 war aber genauso beliebt und als die dann mitte der 80er auch 24 Stunden sendeten, waren die dann Nummer eins bei den Jugendlichen. BFBS brachten Samstags ebenfalls die Charts, wurden also auch gehört.
Sendungen wie "Musik nach der Schule" oder Lord Knuth´s "Schlager der Woche" haben sich bei mir "eingebrannt" und ich habe auch sehr viel mitgeschnitten.

Ahoi Jameson

PS: Karl, Hand auf´s Herz, hast Du denn Ostradio gehört?


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15.03.2010 19:46
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#5
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Ende der 70iger entstand für uns Jugendliche schon das Bedürfnis nach auf dem Tonband spielbarer West-Musik. Für einige hört sich das vielleicht blöd an, aber im „Tal der Ahnungslosen“ in der Nähe von Görlitz, war es eben nicht normal UKW-Empfang zu haben. Die Musiktrends lieferten uns beispielsweise „Die großen Acht“ von Radio Luxemburg. Gehört wurde das tagsüber auf Kurzwelle und abends auf Mittelwelle. Alternativen hatten wir nicht viele, höchstens SR1 Europawelle Saar. Die Qualität, mit der wir unsere Ohren verwöhnten ist heute unvorstellbar.
Den ersten Quantensprung erlebte unsere Clique, als ein Kumpel zur Konfirmation einen Radiorecorder von Sharp bekam. Das Ding hatte ein Superempfangsteil und mein Schulfreund saß von da an jeden Montag im Dachgebälk seinen Hauses und schnitt die „Schlager der Woche“ mit Lord Knut mit. Ungefähr 40% der Aufnahmen waren für die Schuldisco nutzbar und wir waren stolz wie sonst was. Die Lehrer haben uns keine Schwierigkeiten gemacht, weil es bei der Disco zu laut und zu dunkel war. Und…. Sie kannten die Musik nicht oder wollten sie nicht kennen!
Später haben wir aufgerüstet mit aus heutiger Sicht gigantischen Antennen. Den „Schlagern der Woche“ blieben wir treu, wenn auch nun der SFB zu einer wichtigen Musikquelle wurde.
Die Nachrichten galten für uns als wahr! Einen Abgleich mit der ARD konnten wir ja nicht durchführen.
Aus lauter Sentimentalität hängt meine Back-Fire-Antenne noch unterm Dach. Sie ist einen wahrer Dinosaurier (2m x 1,5m x 3m)

Fazit: Rias war uns lebensnotwendig!


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15.03.2010 19:50
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#6
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Sieht aus wie ne UK 14. Damit mußte es ja klappen...


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15.03.2010 20:08
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#7
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Hallo Karl,

neben dem Südosten der Republik, war es im Nordosten (Rügen, Stralsund) ebenfalls sehr schwer "Westsender" zu empfangen. ARD oder ZDF ohne entsprechend großen Antennenmast zu empfangen, war nur bei außergewöhnlich guter Wetterlage möglich. Behilflich war da die Aktion "Dächer dicht" (von wem diese Aktion ausging weiss ich auch nicht mehr). Es sollten die vielen kleine Antennen auf den Dächern verschwinden und so taten sich viele Leute zusammen und stellten eine große Gemeinschaftsantenne auf, positiver Nebeneffekt war der Empfang von ARD und ZDF - leider auf dem Lande kaum realisiertbar. Ansonsten hörte man Radio Luxemburg auf MW oder KW (im Winter immer "sehr guter" Empfang, NDR2 (für Bundesliga) oder bei außergewöhnlich guter Wetterlage RIAS oder SFB. Irgendwann kam dann auch noch RSH (Radio Schleswig Holstein)dazu. Ich besitze heute noch mein A4 Blatt, auf dem ich sehr viele "Westsender" mit ihren Frequenzen vermerkt habe.
Ich habe die Sendung über RFE / RL auch gesehen - war sehr interessant, zu "Ostzeiten" aber haben wir diese Sender garnicht gehört.
Grüße Thomas


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15.03.2010 21:05
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#8
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Hi, ein Thema für mich ;-)

der RIAS hatte einen Sender auf MW und einen UKW-Sender auf dem Ochsenkopf im Fichtelgebirge (Ofr) und war auf UKW in Thüringen und Sachsen (Chemnitz) gut zu empfangen.

Ich hab den immer gerne gehört, Barry Graves war zu meiner Zeit Moderator, er ist auch Autor vom rororo Rocklexikon und leider viel zu früh gestorben. "Graves bei Nacht" war eine meiner Lieblingssendungen. Knud Kunze (Lord Knud) war auch viele Jahre Moderator in interessanten Sendungen zur Rockgeschichte, Lord Knud kam immer Samstags (hier ist RIAS II und: ich).

Die politischen Sendungen wie "Kommentare und Berichte" hörte ich Anfang der 80er in Chemnitz, z.T. hab ich da sogar mitgeschnitten, weil mich das auch interessierte.

Ein klasse Fake war immer die "Hörerpostbestätigung" für Zuschriften aus der DDR (Hanno grüßt Männe in Leipzig usw.).

Der DLF war mir zu trocken und außerdem nicht auf UKW zu hören. Für mich und die meisten meiner Kumpels waren Westsender politisch von nur geringer Bedeutung (wenn überhaupt), uns interessierte lediglich die Musik und da war DT64 auch ned schlecht ;-)

Das Politische hat uns und auch mich erst später, nach der NVA-Zeit interessiert, so Anfang der 80er, da kamen schon ein paar Hintergrundinformationen 'rüber die in den Ost-Sendern geflissentlich verschwiegen wurden (z.B. eine Sendung im RIAS über die Subventionen der BRD in der DDR).

Das wars erstmal, viele Grüße vom Uffz ;-)


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15.03.2010 21:23
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#9
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Radio FE und Radio Liberty nie gehört damals,aber auf den Höhen des Thüringer Waldes(knapp über 800m) seinerzeit beste Empfangsmöglichkeiten in Punkto West-Radio und Fernsehen.
Radio eigentlich immer Bayern3 gehört,ab 1988 Antenne Bayern aber auch RIAS2 war über den Sender Hof auf UKW in den achtziger Jahren zu empfangen.
TV Programme teilweise mehr empfangen wie manch einer in der Alt-Bundesrepublik ,ARD(Ochsenkopf und Kreuzberg),ZDF(Hof,Coburg,Rhön u. Würzburg),BR3,HR3 und mit einer "Spezialantenne"noch aus dem Harz das N3 rangeholt.
Im Winter bei Überreichweiten,kam sogar manchmal das SWF3 noch bei uns an.


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15.03.2010 21:44 (zuletzt bearbeitet: 15.03.2010 23:36)
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#10
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Der Empfang westlicher Rundfunk und Fernsehprogramme war im Harzer Raum problemlos möglich. Bei einer günstigen Wohnlage genügte es, ein Antennenkabel aus dem Fenster zu halten, um einen Empfang zu haben. ARD und ZDF sendeten jeweils mit 300.000 Watt Sendeleistung vom Sender Torfhaus in die DDR hinein, die westlichen Rundfunksender zum Teil bis zu 100.000 Watt Sendeleistung per UKW. Wir hörten überwiegend regionale Programme aus Niedersachsen wie z.B. NDR 1, NDR 2, DLF und ab Mitte der achtziger Jahre Radio FFN. Bei Überreichweiten war auch der Empfang von HR 3, BAYERN 3 und RIAS 2 möglich. Aufgrund dieser Bandbreite an Programmen war der Empfang fremdsprachiger Programme uninteressant. Gelegentlich schalteten wir mal BFBS ein, um die britische Hitparade zu hören. Ab 1987/88 war auch der Empfang von SAT 1 und RTL plus vom Stadtsender Goslar möglich.
Im nachhinein bin ich davon überzeugt, daß der Empfang westlicher Rundfunk- und Fernsehprogramme wesentlich dazu beitrug, die Wende in der DDR 1989 herbeizuführen.

vG Anton


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15.03.2010 22:11
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#11
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Zitat
Im nachhinein bin ich davon überzeugt, daß der Empfang westlicher Rundfunk- und Fernsehprogramme wesentlich dazu beitrug, die Wende in der DDR 1989 herbeizuführen.



Ja. Für mich so: Es gab einfach zuviel zu sehen von der großen weiten Welt ;-)

Wenn ich heute mit meiner Frau an so Orte komme wie Lindewerra oder Lauchröden, meine Frau sagt da immer, dass sie da abgehauen wäre, also sie hätte es da nicht lange ausgehalten.

Z.B. haben wir gerne "Die Schwarzwaldklinik" geschaut nur wegen der Landschaft und so (die Handlung war ja echt bescheiden). Heute haben wir den Schwarzwald vor der Haustür und fahren max. 20 Minuten bis zur französischen Grenze. Obwohl: Ein bischen Heimweh nach Thüringen wird wohl bleiben, auch nach 10 Jahren Baden-Württemberg... wir sehen uns in Schierke, meinen Urlaub im Juni hab ich schon eingereicht und der steht fest

--Rolf


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15.03.2010 22:44
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Wir hatten bei Salzwedel die Westsender besser empfangen können als die Ostsender....im Fernsehen halt ARD, ZDF und NDR(später noch RTL und SAT1)....im Radio NDR2 und FFN....qua Medien lebte man sozusagen im Westen, Ostsender wurden nicht gekuckt oder gehört....ich kann mich nur an eine Serie erinnern, wozu ich mal den Ostsender angeschaltet habe, das war wenn die Olsenbande kam....

Mara


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16.03.2010 09:12 (zuletzt bearbeitet: 26.03.2020 10:19)
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16.03.2010 09:23
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Zitat von grenzergold
Und wie ist es mit dem"Deutschen Soldatensender"?
Einige von euch werden den Sender nicht kennen,weil sie noch jügeren Datums sind.
grenzergold

Ich dachte es ging hier um westliche Sender?
-Th


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16.03.2010 09:41 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2010 09:52)
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#15
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94

_Pauker_> Aus lauter Sentimentalität hängt meine Back-Fire-Antenne noch unterm Dach.
_karl143_> Sieht aus wie ne UK 14. Damit mußte es ja klappen...

@karl143 Fast richtig ;)
Im Westen hieß das Teil US14. Ist ja im Orginal von Stolle, das U steht für den Empfangsbereich und 14 für die Anzahl der Elemente.
Im Osten, besonders im Raum Dresden war das in den Achtzigern eine, wenn nicht sogar die beliebteste Antenne für den UHF-Empfang Richtung Berlin. Attraktiv war der hohe Gewinn bei einer doch recht kurzen Bauform. Auf der Südhöhe stand nicht nur eine Vierergruppe rum.

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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