Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

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21.04.2013 17:11 (zuletzt bearbeitet: 21.04.2013 17:27)
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#76
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Die Verteilung der Fördermittel ist schon recht komisch. Die größten Absahner sitzen aber nicht auf der Seite der Rohstoffproduktion, sondern es sind die Verarbeitungsbetrieb wie z.B. Großmolkereien.
Dann ist mir ein Fall bekannt von einem Großunternehmer, der in seiner Jagd, für deren Pflege er extra eine Person eingestellt hat, Flächen für die Äsung seiner Beute angesät hat und dafür ordentlich kassiert.
Und dann gibt es noch Fälle, in denen die Betriebe ihr Geld nicht zu sehen bekommen, weil in den Zahlstellen Pfändungsbeschlüsse darüber vorliegen, weil aus vielerlei Gründen Kredite nicht getilgt werden können.

Edit: Wer es genauer wissen möchte, siehe http://www.euractiv.de/landwirtschaft-un...ger-2011-006262

"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)

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21.04.2013 17:27
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#77
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Subventionen führen in jedem Gesellschaftssystem zwangsläufig zu Subventionsbetrug. Das liegt in der Natur von Subventionen. Deswegen in die Tonne damit.


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26.04.2013 19:47
#78
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Zitat von Eisenacher im Beitrag #77
Subventionen führen in jedem Gesellschaftssystem zwangsläufig zu Subventionsbetrug. Das liegt in der Natur von Subventionen. Deswegen in die Tonne damit.


Hallo Eisenacher,
inzwischen haben 47 % der Bauern schon geäußert, daß sie ohne Subventionen zurechtkommen würden, die Hand aufhalten tun sie trotzdem.
http://www.ardmediathek.de/das-erste/pan...mentId=14331232
Wenn man diesen Irrsinn erleben muß und das Brot doppelt bezahlt, wünscht man sich eigentlich die LPG'en zurück, die waren nicht annähernd so krank wie das heutige System der Landwirtschaft.
Der Konzentrationsprozeß durchzieht inzwischen das gesamte Wirtschaftswesen und die "aufgezwungene" Raffgier findet keine Gegenkraft mehr.
Was soll man sich noch über den Bayernboss aufregen wenn die Bauernbosse das Geld, das sich Hoeneß erst ergaunern muß, in den Rachen geschmissen kriegen ?
Der Verfall der Ethik, der über die Medien Tag für Tag publik wird, läßt mich an der Überlegenheit dieser total bekloppten Ökonomie immer mehr zweifeln, so gesehen war die LPG viel weniger sozialistisch als diese Brüssler Kommandowirtschaft und nicht vergessen:
Es ist unser Geld.


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26.04.2013 21:06
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#79
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Hallo,
war jetzt auf Radtour zum Frühlingsbeginn in der Uckermark und Meckelenburg. Historisch war nach Ergebniss von Gesprächen in weiten Teilen des DDR-Gebietes Großlandwirtschaft mit Verwaltern als Pachtdomäne oder Adelsgütern der Normallfall. In Mecklenburg sogar die "Rittergutsbezirke" bis nach 1900 mit erblicher niedriger Gerichtsbarkeit und Schule nach Gutsherrenart........

Die LPG waren da echte Emanzipation, trotz des kurzen Umweges ab 1946 und mit den Maschinen- und Traktorenstationen. Und von dem VEB-Fortschritt kann nur sagen, beste Leistungen und Innovationen.


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26.04.2013 22:00
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#80
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( gelöscht )

Der "Fred"is legger,was fuer eine Frage.....

Hab nur juute Erinnerungen an die Bauer und Freundschaften werden heute noch gepflegt...
Hausmannskost.....im weitesten Sinne,Schlachtung,Brot backen etc....Jeden(Industriescheiss) "muss man heute wirklich nicht fressen!

Traktor fahren gelernt,wie man Wein ansetzt,natuerlich auch Likoer,ein ordentliches deftiges Essen zubereitet etc....

Fuer mich haben die fleissigtst gearbeitet und wer arbeitet darf auch mal einen naschen...schoenen Abend noch!

Achja,in der Schule wurde man gefragt..was man mal werden will,auch in der DDR waren nicht viele dabei,so meine Erinnerung...die Bauer werden wollten...
"Viele wollten fein angezogen sein(mindestens den blauen Nylonkittel) und einen deftigen Job im Buero,tja,dann musste ooch essen watt uffn Tisch kommt und wenn die Ost Berliner Kinder aus den Platten kamen...Mutti guck mal,nen Pferd und dett bewecht sich!

War frueher schon so
Gruss BO


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27.04.2013 09:52 (zuletzt bearbeitet: 28.04.2013 20:42)
#81
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Zitat von Boelleronkel im Beitrag #80
Der "Fred"is legger,was fuer eine Frage.....

Hab nur juute Erinnerungen an die Bauer und Freundschaften werden heute noch gepflegt...
Hausmannskost.....im weitesten Sinne,Schlachtung,Brot backen etc....Jeden(Industriescheiss) "muss man heute wirklich nicht fressen!

Traktor fahren gelernt,wie man Wein ansetzt,natuerlich auch Likoer,ein ordentliches deftiges Essen zubereitet etc....

Fuer mich haben die fleissigtst gearbeitet und wer arbeitet darf auch mal einen naschen...schoenen Abend noch!

Achja,in der Schule wurde man gefragt..was man mal werden will,auch in der DDR waren nicht viele dabei,so meine Erinnerung...die Bauer werden wollten...
"Viele wollten fein angezogen sein(mindestens den blauen Nylonkittel) und einen deftigen Job im Buero,tja,dann musste ooch essen watt uffn Tisch kommt und wenn die Ost Berliner Kinder aus den Platten kamen...Mutti guck mal,nen Pferd und dett bewecht sich!

War frueher schon so
Gruss BO






Hausschlachtung ist ein sehr gutes Stichwort, zuletzt war ich vor drei Jahren dabei mit 50% Anteil an Gerda.
Gerda wog 235 kg und wurde überwiegend zu Wurst, Bratenfleisch für 2-3 Wochen, Kuddelwürschten, Gehacktem und natürlich Wurstsuppe verarbeitet und eingefroren.
Außerdem wurde Leberwurst und Rotwurst in Gläser gefüllt, von denen ich neulich eines der letzten noch voller Genuß in einem Ritt verzehrte, nichts dergleichen liegt auf dem Buffet in meinen Viersternehotels oder im Aldiregal, diese Waren kommen nicht annähernd an diese Qualität heran, womöglich liegt das auch an der Rezeptur aus DDR- Zeiten.
Der Tag der Schlachtung begann gegen 5 Uhr mit der Abholung von Gerda, direkt vom Bauern und eine Stunde später waren der Fleischer und seine vier Helfer hochkonzentriert und wieselflink bei der Arbeit und obwohl es keine Routinetätigkeit war, griff ein Zahnrad ins andere, wobei vorab geregelt wurde, wer was zu machen hat.
Hackel rührte Blut, schor die Borsten und knetete später das Gehackte, er war ein guter Helfer, weil er keinen Schnaps mochte, lieber träumte er von der DDR, in der er an diesem einen Tag leben durfte,u.a. auch weil die Technik des Fleischers genauso alt wie Gerdas Schweinestall war.
Die Wurstsuppe am Nachmittag war ein Fest, frisches Gehackte mit Zwiebeln und einige Gäste, die einiges mitnahmen und am "eigenem" Schlachtetag wieder einiges brachten, einfach ein Glückstag...wenn auch nicht für Gerda.


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27.04.2013 11:42
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#82
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Gut ,daß ich schon ausgiebig gefrühstückt habe (eingekochtes Gehacktes und geräuchertes Lammfleisch auf Steinofenbrot).
Sonst wäre mir flau im Magen geworden und der Sabber hätte die Tastatur geflutet.


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27.04.2013 12:19
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#83
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Betr. Hausschlachtung
Mit dem damals eingeführten Rahmenkollektivvertrag Industrielle Tierproduktion bekamen VEG-Mitarbeiter die Möglichkeit, für kleines Geld eine bestimmte Menge Getreide und ein Ferkel zu kaufen, dass man sich dann zu Hause füttern konnte. In meinem Betrieb gab es für die, denen das nicht möglich war, die Mast im Betrieb.
Auf diese Weise konnten wir mehrmals selbst schlachten (u.a. auch zur Freude der bukligen Verwandtschaft).

"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)

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27.04.2013 12:34
#84
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Zitat von furry im Beitrag #83
Betr. Hausschlachtung
Mit dem damals eingeführten Rahmenkollektivvertrag Industrielle Tierproduktion bekamen VEG-Mitarbeiter die Möglichkeit, für kleines Geld eine bestimmte Menge Getreide und ein Ferkel zu kaufen, dass man sich dann zu Hause füttern konnte. In meinem Betrieb gab es für die, denen das nicht möglich war, die Mast im Betrieb.
Auf diese Weise konnten wir mehrmals selbst schlachten (u.a. auch zur Freude der bukligen Verwandtschaft).


Ja tatsächlich habe ich bis 5-6 Jahre nach der Wende noch selber gefüttert, überwiegend mit Essensresten, auch aus der Nachbarschaft und einer Gaststätte im Ort sowie selbst angebauten Rüben und Kartoffeln.
Hausschlachteerzeugnisse waren auch eine wertvolle Konversionswährung und griffen als solche auch in den Konsumkreislauf der später selbst geschlachteten Republik ein.
Genial auch in der Nachbewertung sind die kurzen Wege und kaum vorhandenen bürokratische Hürden, was war denn da schon...die Pflicht, die Haut zu Markte zu tragen (gab ca. 15 Mark) sowie der obligatorische Fleischbeschauer.
Übrigens hatte uns Kindern früher dieser Händler auch Hamsterfelle abgenommen von den dicken Petzen, die wir ausgegraben hatten, unvorstellbar heute und was der damit gemacht hatte, kann ich beim besten Willen nicht sagen, Hamstermäntel gabs in keinem Laden und die Zeit der Lendenschurze war ja auch schon lange vorbei....


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27.04.2013 12:36
#85
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Hallo,

nicht nur in der DDR wollte niemand Bauer werden. Und leider ist es so, dass das ausfüllen der Formulare jede Menge Arbeit macht, trotzdem machen es alle, auch die 47 % die so klar kommen würden. Ist doch klar, wenn der Gewinn dadurch steigt wäre der Bauer doch schön blöd......

Thema VEB Fortschritt: Unbestritten, in den 70 zigern waren die führend. Mitte der 80 zigern im Bereich Häcksler. Nur den ZT weiter entwickeln zu mehr Leistung (423 ziger) durften sie nicht, der 423 war, m.W. nach eher so eine "Schwarzproduktion" auf Anfrage/ Anordnung der LPG Zingst.

Einige werden es mit bekommen haben, ich habe sehr viel Sympathie für die Landwirtschaft übrig, wohne auf dem Land.

Glaubt nicht, das es hier einen Aushilfsjob als Fahrer (Traktorist) gibt. Ich habe 2 Jahre gesucht, habe jetzt evtl. ab Di was, Wiesen und Weiden schleppen, Wasser fahren, mulchen, etc, auf einem kleinen Gestüt.

Mfg Berlin

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Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !

Ein Holder geht durch dick und dünn...

Der Holder auf dem Acker, der kleine Racker schlägt sich wirklich wacker....

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27.04.2013 18:40
#86
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Ein Bauer heute sein und damals, ist für mich ein großer Unterschied.Die Bauern nach den 2.Weltkrieg wußten was hunger bedeutet.
Ich kann mich persönlich noch erinnern daß meine Oma und meine Person als Kind Rüben,Kohlrabi,Kartoffeln usw.geerntet haben und es gab ein debütat von der LPG.Wir mußten nicht hungern.
Heute haben doch Bauern die Freiheit,???sich zu entscheiden was sie anbauen.Hauptsache es ist finanziell ertragreich
Wer sticht denn heute den Spargel ,und für welchen Lohn?

das System funktioniert weil du funktionierst

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27.04.2013 19:07
avatar  Mike59
#87
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #84
[quote=furry|p249421]

... sowie der obligatorische Fleischbeschauer.
Übrigens hatte uns Kindern früher dieser Händler auch Hamsterfelle abgenommen von den dicken Petzen, die wir ausgegraben hatten, unvorstellbar heute und was der damit gemacht hatte, kann ich beim besten Willen nicht sagen, Hamstermäntel gabs in keinem Laden und die Zeit der Lendenschurze war ja auch schon lange vorbei....



Dem Manne kann geholfen werden
Hamsterfell


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27.04.2013 19:20
#88
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Zitat von Mike59 im Beitrag #87
Zitat von Hackel39 im Beitrag #84
[quote=furry|p249421]

... sowie der obligatorische Fleischbeschauer.
Übrigens hatte uns Kindern früher dieser Händler auch Hamsterfelle abgenommen von den dicken Petzen, die wir ausgegraben hatten, unvorstellbar heute und was der damit gemacht hatte, kann ich beim besten Willen nicht sagen, Hamstermäntel gabs in keinem Laden und die Zeit der Lendenschurze war ja auch schon lange vorbei....



Dem Manne kann geholfen werden
Hamsterfell


Ich bin vielleicht ein Rindvieh, die richtigen Hamstergräber haben also nur deren Futterbunker für den Winter geplündert und die Petzen wieder laufen lassen, damit sie im Folgejahr wieder für den Gräber hamstern.
Deshalb sind sie auch von den Bauern mit Argwohn betrachtet worden, während wir (übrigens war ich 1980...Artenschutz....zufälligerweise nicht mehr mit dem Spaten auf fremden Äckern unterwegs) die Kuh geschlachtet haben, die clevere Mitstreiter lieber melken wollten.
Wer weiß wieviel die in ihrem Bau liegen hatten, das hat uns nie interessiert, vielleicht hat man uns deshalb gern gesehen auf dem abgeernteten Acker.
Trotzdem habe ich nie einen Hamstermantel in irgendeinem Laden gesehen, war vielleicht auch nie auf meinem Einkaufszettel.


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01.05.2013 17:58
#89
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Noch eine sehr aufschlußreiche Dokumentation über die DDR- Landwirtschaft, die man ohne weiteres auch auf volkswirtschaftliche Abläufe außerhalb dieser Brache überschreiben könnte, inclusive schwergewichtiger Ursachen für die Mangelwirtschaft, die schon an anderer Stelle zur Sprache kamen, (siehe min 25:35) https://www.youtube.com/watch?v=OQ8RF51add4 aber auch die Einlassungen auf 17:50 zur Gleichberechtigung der Frauen auf der Ebene der Arbeiterschaft sind spektakulär.
Und richtig, es gab auch Privilegien bei der Versorgung der Erntekapitäne, die eine enorme Hochachtung der politischen Führer vor diesen Ernteschlachtfeld- Arbeitern wiederspiegelte, was nicht immer die Akzeptanz der übrigen Arbeiterklasse vor Ort fand.
Überhaupt erinnern diese Begriffe mich auch an meine damalige Eisenbahnerzeit- den Ernteschlachten setzten wir das Kampfprogramm der FDJ, die "Kampfaktion Güterwagen" und das "Rangieraufgebot" entgegen.


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01.05.2013 18:05
avatar  Pit 59
#90
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Und richtig, es gab auch Privilegien bei der Versorgung der Erntekapitäne, die eine enorme Hochachtung der politischen Führer vor diesen Ernteschlachtfeld- Arbeitern wiederspiegelte, was nicht immer die Akzeptanz der übrigen Arbeiterklasse vor Ort fand.@hackel39

Da haste Recht Hackel.Zur Erntezeit waren das ja die absoluten Helden,die Zeitungen waren voll damit,schon auf den Titelseiten. Das waren zu der Zeit wohl die einzigsten welche in der DDR gearbeitet haben.


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