Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

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28.02.2010 18:40
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#31
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Zitat von SCORN
hallo augenzeuge,
deine aussage zweifel ich nicht im geringsten an. da liegt das grabfeld , aus dem ich stamme, wohl in einer gegend in welcher der sozialismus mit eher kleinen schritten vorankam.
ohne mich hier outen zu wollen kann ich sagen daß meine familie auch zu den großbauern zählte.
die fakten sehen so aus: mein grossvater war ende der sechziger der bauer der als letzter zur lpg kam(musste).
auf grund des eingebrachten vieh und landbesitzes war er aber schwupp die wupp sofort der 2. vorsitzende( neben dem zweitgrössten bauern im dorf).
anfang der siebziger waren die privaten stallungen zu hause wieder voll. es wurden kühe, bullen und schweine (privat) gehalten. unterm strich kann ich sagen dass diese zeit wohl die sorgenfreiste in seinem leben war. neben seinen gehalt von der lpg brachte die geduldete privat vieh haltung ein recht erkläckliches einkommen sowie urlaub und soziale absicherung. sachen die bis dahin kein bauer kannte.
auch nach seinen angaben war es der einzig sinnvolle weg der gegangen wurde auch wenn er selbst zu den grössten gegnern zu begin gezählt werden muss.

daher stoßen mir solche gebetsartigen beiträge wie von manudave etwas sauer auf und ich kann mir einen kommentar dazu einfach nicht verkneifen.
auch ist es richtig dass ich eigendlich nur noch auf beiträge reagiere. um ehrlich zu sein ist es mittlerweile der einzige grund warum ich überhaupt noch in diesem forum bin: wissentlich oder unwissentlich falsche darstellungen in bezug zur DDR klar zu stellen. man darf so etwas einfach nicht im WWW unwidersprochen stehen lassen.

@augenzeuge:du kannst mir glauben dass ich der DDR geschichte recht kritisch gegenüber stehe. meine meinung zum politbüro habe ich mehrfach klar zum ausdruck gebracht. durch diese forum bin ich aber zu einem fehementen DDR verteidiger geworden, eben weil ich manudave, sonny und konsorten nicht die deutungshoheit über meine geschichte überlassen kann und will!

ich bin mir ziemlich sicher das nicht wenige hier genau so denken!

gruss
SCORN



Na wer Bestätigung braucht...

Den Beitrag, der diese Aussage untermauert, zeigst du mir bitte...

Ansonsten solltest du auch die anderen Beiträge deiner "Konsorten" durchlesen. Aber das ist dein Problem: Du suchst nur gewisse Sachen.
Mit einigen deiner Beiträge verallgemeinerst du die Situation von vielen Menschen. Muss es denn jeder so positiv wie du erlebt haben? Kannst nicht auch du noch Sachen erfahren, von denen du keine Ahnung hast (das hat sogar mancher Polit hier schon erlebt)?

Deinen Geschichte hier zweifel ich Null an.
Aber das tue ich auch nicht bei den Aussagen der vielen Menschen allein aus unserer Region, die zum großen Teil sogar Stallungen im Westen haben, weil sie damals verjagt und vertrieben wurden.
Ein weinender Opa, der mir seine Erlebnisse aus der Zeit Anfang der 50er schildert, nein - der lügt mich nicht an.
Und auch das sind Geschichten, die erzählt werden wollen.


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28.02.2010 19:04
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@ manudave
du hast da echt keine Ahnung
Mike59


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28.02.2010 19:12
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Zitat von Mike59

Scorn, ich bedaure allerdings, dass dich die Beiträge einiger hier, von deiner ursprünglichen kritischen Meinung zur DDR etc. abgebracht haben. Obwohl die umgekehrte Wandlung auch nicht unbedingt das Ziel sein sollte. Es zählt doch nicht die Meinung von Einzelnen, es zählt die individuelle Bewertung des Wahrheitsgehaltes der vermittelten Information- die vielleicht bisher unbekannt war. Und in der Summe ergibt sich ein Bild. Zumindest ist dies bei mir so.


@ AZ ist das wirklich von dir?

Mike59



@Mike
Noch schreibe ich für mich allein, ich habe auch keinen, der mir etwas diktiert und abgeschrieben ist das auch nicht.
AZ


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28.02.2010 19:32
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He,he Manudave, was lese ich da von "Konsorten?" Hattest du eventuell einen schlechten Tag, oder war deine junge Frau unpässlich, gab dir nicht zum frühen Morgen die nötige Liebe, die ein junger Mann braucht, um einigermaßen gerade aus zu laufen?
Irgendeiner hier im Forum, ich glaube Hackel war es, er hatte einmal von dem Quentchen Glück geschrieben, das einen Menschen bestimmte Situationen in einem Sytem ( egal jetzt, welchem)besser überstehen/ erleben lässt.
Der Eine hat oder hatte es, der Andere nicht. Ich denke so bei mir, da liegt sehr viel Wahrheit darin, möchte das jetzt auch nicht näher ausbauen, weil ich wiederum meine, es ist verständlich und klar genug formuliert.

R-M-R


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28.02.2010 19:38
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
He,he Manudave, was lese ich da von "Konsorten?" Hattest du eventuell einen schlechten Tag, oder war deine junge Frau unpässlich, gab dir nicht zum frühen Morgen die nötige Liebe, die ein junger Mann braucht, um einigermaßen gerade aus zu laufen?
Irgendeiner hier im Forum, ich glaube Hackel war es, er hatte einmal von dem Quentchen Glück geschrieben, das einen Menschen bestimmte Situationen in einem Sytem ( egal jetzt, welchem)besser überstehen/ erleben lässt.
Der Eine hat oder hatte es, der Andere nicht. Ich denke so bei mir, da liegt sehr viel Wahrheit darin, möchte das jetzt auch nicht näher ausbauen, weil ich wiederum meine, es ist verständlich und klar genug formuliert.

R-M-R



Nein, Nein lieber Rainer-Maria,

die "Konsorten" habe ich nur zitiert - schau mal ein paar Beiträge weiter vorn.


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28.02.2010 19:39
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#36
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Zitat von Mike59
@ manudave
du hast da echt keine Ahnung
Mike59



Alle Achtung,

gegen dieses Argument habe ich keine Chance.


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28.02.2010 19:43
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#37
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Zitat von SCORN

Zitat von manudave


Aber nur weiter mein Freund - immer schön auf die Beiträge der anderen warten - und dann loslegen.




hi manudave,
ich hoffe nicht dass mir dadurch dass ich nun in deinen freundeskreis aufgenommen bin irgendwelche verpflichtungen auferlegt sind,

aber zum thema: die kommentare zu deinem beitrag mag ich nicht einstellen, sie würden mit sicherheit gegen die forumsregelen verstoßen. was ich dir übermitteln kann ist der erntsgemeinte vorschlag sich mit betroffenen zu unterhalten. hiermit sei dir ein einladung zum dorffest im sommer ausgesprochen(übernachtung gesichert). details kannst du per pm von mir erhalten.

als zusammen fassung der meinungen kann ich folgendes sagen: die kollektivierung erfolgte in drei schritten. widerstand kam vor allem von seiten der grossbauern. aber letztendlich war es der richtige weg, so die quintessenz der männer. einige gehörten übrigens zu den grossbauern.

die kollektivierung erfolgte in unsere gegend erst in den sechziger jahren, wenn bei dir schon 1952 leute enteignet wurden hat es mit sicherheit einen anderern grund.

also, mein neuer freund manudave, würde mich freuen dich im sommer in einem dorf im grabfeld begrüssen zu können.

gruss SCORN




Wenn du sowas vorschlägst, musst du auch mit mir rechnen. Nachher passiert es noch wie bei Rainer-Maria und mir in Eisenach und wir verstehen uns - das wär´n Ding...


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28.02.2010 20:01 (zuletzt bearbeitet: 28.02.2010 20:14)
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[quote="SCORN"]


die kollektivierung erfolgte in drei schritten. widerstand kam vor allem von seiten der grossbauern. aber letztendlich war es der richtige weg, so die quintessenz der männer. einige gehörten übrigens zu den grossbauern.

die kollektivierung erfolgte in unsere gegend erst in den sechziger jahren, wenn bei dir schon 1952 leute enteignet wurden hat es mit sicherheit einen anderern grund.

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Als Mecklenburger den gerade die 50er Jahre geprägt haben möchte ich zu dem Thema auch etwas beisteuern. Mecklenburg, insbesondere der Bezirk Schwerin, in dem ich aufgewachsen bin, war überwiegend eine landwirtschaftlich genutzte Region und dementsprechend war der Anteil der Bauern schon immer gemessen an der Bevölkerung sehr hoch. Nach der sozialistischen Bodenreform entstanden viele kleinbäuerliche Betriebe und das wurde von der Partei und der Regierung als die Befreiung der in der Landwirtschaft Tätigen, von der Knechtschaft der Großbauern und Gutsherren, dargestellt und der Slogan "Junkerland in Bauernhand" wurde zur Staatsdoktrin erhoben. In Ludwigslust, der "Lindenstadt" wurde die Gaststätte "Zur Linde" in der Breiten Straße zu Ehren dieser Entwickelung offiziell in "Zum freien Bauer" umbenannt! Die Kollektivierung erfolgte hier schon in den 50er Jahren, ich kann mich daran erinnern daß wir Schüler der 7. und 8. Klasse in den Herbstferien 1955-57(bei uns hießen sie nur "Kartoffelferien") von den LPG´s im Umkreis von bis zu ca 20 km angefordert wurden um die ausgepflügten Kartoffeln einzusammeln. Die Bezahlung war in den einzelnen LPG´s unterschiedlich und lag jeweils zwischen 8 und 12 Pfennig pro vollem Korb und richtete sich nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der jeweiligen Genossenschaft!! Zu diesem Zeitpunkt war der Druck auf die einzelnen Landwirte "Freiwillig" in die LPG´s einzutreten sehr groß. Wer nicht wollte hatte Schwierigkeiten sich bei den MAS und späteren MTS Maschinen auszuleihen oder er bekam Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Saatgut, Düngemittel ect. Selbst die damals üblichen Stromsperren machten ihm mehr Schwierigkeiten, denn die Kerzen gab es zuerst für die LPG´s.
Es gab damals die LPG´s Typ 1, 2 und drei, sie unterschieden sich nur darin, daß man in einer noch eine Kuh bzw ein oder zwei Schweine halten durfte oder noch ein kleines Stückchen Land in eigener Regie bearbeiten durfte. Damit versuchte man den "Zögernden" den Entzug der Selbstständigkeit schmackhaft zu machen. Wenn immer noch nicht eingetreten wurde, erfand man ein kriminelles und "volksschädliches" Verhalten, wie Sabotage, Schwarzschlachten, Diebstahl und vieles Andere mehr, sodaß sich diese neuen "freien Bauern" nur durch die Flucht in den Westen den drohenden Verhaftungen entziehen konnten. Die so frei gewordenen Höfe kamen anfangs in eine eigens für solche Fälle entwickelte Wirtschaftsform, deren Bezeichnung mir zur Zeit nicht mehr geläufig ist."Von der Sowjetunion lernen" hieß auch es mußten die Rinderoffenställe übernommen werden, in denen in strengen Wintern die armen Tiere zu Tausenden in ihrer eigenen Sch..sse erfroren sind. Und trotzdem wurden sie aller fachlichen Widerstände zum Trotz noch lange weiter gebaut, sehr zum Schaden der DDR. LPG-Vorsitzende waren nicht immer qualifiziert, oft zählte für solch eine Funktion die richtige sozialistische Gesinnung, sprich der "Bonbon" am Revers! Nach Abschluß der Kollektovierung wurde übrigens die Gaststätte "Zum Freien Bauer" in der Ludwigsluster Breiten Strasse wieder in "Zur Linde" umbenannt, das braucht man nicht zu kommentieren, es spricht für sich selbst!!!

Die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften konnten den in ihnen Tätigen nie die nötige Motivation vermitteln, die man braucht um Feld, Flur und den Stall optimal zu bearbeiten. Da haben auch die damals üblichen Hilferufe an die Bevölkerung in den Zeitungen für "Flora und Jolanthe" ( Ältere unter uns werden sich noch daran erinnern können, zeitgleich hieß es übrigens auch "Martin braucht Stahl" und sollte zum Schrott sammeln auffordern)nicht helfen können, den Schaden hervorgerufen durch Mißwirtschaft und "Selbstbedienung" abzustellen. Noch 1960 waren wir für den Einkauf von Butter in einer Verkaufsstelle eingetragen und es gab nicht etwa ein halbes Pfund, sondern nur 200g. So gut konnten die LPG´s denn doch nicht gewirtschaftet haben, bei den nichtkollektivierten Klassenfeinden gab es dagegen nie einen Mangel an Butter, Milch und Käse.
So, das soll es erst mal gewesen sein, bin mal wirklich gespannt, wie nach meinem Statement reagiert wird, möchte allerdings darauf hinweisen, daß ich als "Landei" vielleicht die Nase dichter an den LPG´s hatte, als ein "Mädchenflachleger" in der Großstadt!

Schönen Gruß aus Kassel.


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28.02.2010 20:19
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ABV

@wosch
Im Sommer 1989, ich wurde gerade als Abschnittsbevollmächtigter eingesetzt, informierte mich ein LPG-Vorsitzender aus meinem Abschnitt, über den Diebstahl eines Kalbs. Bei der Besichtigung des Tatortes stellte ich ein riesiges Loch im Zaun fest. Hinter dem Zaun führte ein Trampelpfad, welcher so ausgelatscht ist dass er diesen Namen wirklich verdiente, in Richtung des Dorfes. Vor dem Zaun, also auf dem Gelände der LPG, befand sich die gut gefüllte Futterkammer, aus der sich offensichtlich die Einwohner des Ortes eifrig bedienten. Das die meisten eine schwunghafte private Viehhaltung betrieben, muss an dieser Stelle wohl nicht extra erwähnt werden. Und das allerschärfste zum Schluß: Mir wurde vom Leiter der Kriminalpolizei und dem Kreisstaatsanwalt untersagt in dieser peinlichen Angelegenheit zu ermitteln und damit "Staub aufzuwirbeln". Man wollte sich angeblich anderweitig mit dem LPG-Vorsitzenden unterhalten. Heute ist die LPG übrigens eine vorbildlich geführte Landwirtschafts Gmbh, ohne Löcher im Zaun. Obwohl sie von dem ehemaligen Vorsitzenden geführt wird.
Das Leben zieht manchmal eigenartige Bahnen.

Gruß Uwe

28.02.2010 20:22
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#40
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[quote="ABV"

Das Leben zieht manchmal eigenartige Bahnen.

Gruß Uwe[/quote]

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Uwe, Du sagst es!!!
Schönen Gruß aus Kassel.


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28.02.2010 21:43
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Interessantes Thema,

wir dürfen nur Eines nicht vergessen, dass die Bauern in der DDR ausgebeutet wurden ohne Ende. Eine Enteignung fand zwar nicht statt, aber die Bauern durften über ihr Land nicht mehr frei verfügen, nach der "Kollektivierung". Das Land wurde als Genosenschaftsanteil in die LPG eingebracht, genauso wie weitere Immobilien wie Haus, Hof und Garten.

Der Witz ist der, dass jährlich eine bestimmte Anzahl von AE (Arbeitseinheiten) erbracht werden musste und das war von der Fläche abhängig! Es wurde nicht danach gefragt, ob der Bauer vielleicht im Krieg gefallen war oder wer sonst noch so im Haushalt lebte.

Meine Oma z.B. hätte diese AEs nie allein erbringen können, wenn mein Vater nicht mit geholfen hätte, obwohl er einen Full-Time-Job hatte.

Natürlich gab es da auch schöne Zeiten und ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Kindheit, die sehr glücklich war aber auch sehr arbeitsreich. Am Wenigsten gabs ja im Winter zu tun, das war die Zeit der zweitlängsten Ferien (3 Wochen Winterferien, Halbes Schuljahr), Faschingszeit und Schlachtezeit. Die Viecher hat meine Oma gefüttert und mir wars z.T. dann sogar schon langweilig, weil sich meine Jobs auf Schneeschippen, Holzhacken und Feuermachen beschränkten ;-)

Ansonsten waren in den Orten, wo ich damals Ende der 60er in die Schule gegangen bin, die LPGs sozusagen Vorzeigeobjekte der Partei und Staatsführung. Es gab eine MAS (Maschinen Ausleih Station) später die MTS (Maschinen Traktoren Station), moderne Kuhställe und sogar eine Gülle-Anlage mit Becken und Beregnungstechnik, alles vom Feinsten. Ulbricht war oft zu Gast mit Studenten der Landwirtschaft auch aus Afrika...

Viele Grüße,
Rolf


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28.02.2010 21:56
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Ich mische mich in diese Diskussion noch einmal ein. Ich fange zu den Eigentumsverhältnisse mal etwas früher an.

Nach Abdankung des Kaisers und der Hoheiten einzelnen Länder im Deutschen Reich ging deren Eigentum auf die Weimarer Republik über. Auch das Land. Es wurde verkauft oder verpachtet. Städte, Bauern, Kleinbauern und die Ritterschaft behielten ihr Land und ihre Güter.
Nach 1933 verleibten sich die Nationalsozialisten diese Flächen ein und verkauften oder verpachteten ebenfalls.
Gegner der Nazis wurden auch enteignet.
Von 1945 bis 1953 war die schlimmste Zeit der damaligen Besatzungsmacht. Kriegsverbrecher, ob sie es nun wirklich waren oder nicht, wurden enteignet. Ich hatte gerade eine Akte in der Hand, wo die NSDAP 1935 Land von einem Bauern kaufte, es in Grundstücke teilte und ihren Mitgliedern auf Erbbaurecht zur Verfügung stellte. Die Bauherren errichteten darauf ihre Häuser und das Grundeigentum sollte spätestens 1962 an die Hausbesitzer übergehen. Trotzdem wurden alle Hauseigentümer 1946 von der sowjetischen Militärregierung enteignet. Es steht ausser Frage, dass nicht alle Hauseigentümer Kriegsverbrecher waren. Gleiches geschah mit Gütern oder Bauernhöfen. Viele verliessen begründet und auch unbegründet ihr Land. Die Angst war groß. Zu meiner völligen Überraschung musste ich 2009 feststellen, dass kein Deutsches Gericht und nichteinmal der Europäische Gerichtshof diese Enteignungen anzweifeln oder im Einzelfall revidieren.
Mit Beginn der Bodenreform wurden diese Flächen aufgesiedelt. Diese Neusiedler und vor allem die kleinbäuerlichen Betriebe haben die Hungersnot beseitigt. Nicht die LPG. Die in den Grundbüchern eingetragenen Eigentümer wurden niemals gelöscht. Die Bauern in den LPG erhielten jährlich Ausschüttungen (Geld) die auch von ihren eingebrachten Flächengrößen abhängig waren. Das muß manchen von euch doch richtig kapitalistisch vorkommen. Es erfolgten faktisch keine massenhaften Enteignungen im Bauernstand der ehemaligen DDR.

Jetzt kommen wir doch noch zu massiven Enteignungen, leider nach 1990. Nach der Wende haben einige Bauern ihre eigenen Flächen als "Wiedereinrichter" weiterbewirtschaftet und Andere verpachten Ihre Flächen an die Erzeugergemeinschaften für gutes Geld.
Was ist aber mit den Bodenreformflächen? Die Bodenreformflächen wurden nur überlassen wenn der ehemalige Eigentümer oder dessen Erben tatsächlich die Landwirtschaft weiterführt. Also unter Verwaltung der Treuhand und später den Bodenverwertungsgesellschaften des Bundes und der Länder. Diese Flächen werden heute an Energiekonzerne
verkauft damit sie ihre Biomassekraftwerke füttern und das zu horrenden Preisen.

Ich halte es für bedenklich, Forenmitgliedern die zu ihrer Vergangenheit stehen und sie aufarbeiten möchten, für Dinge moralisch verantwortlich zu machen, die 1946 SMAD- Befehle (heute noch international anerkannt) und durch die Bundesrepublick nach dem Beitritt der DDR getroffen wurden.

Mit den Medien habe ich nur sehr wenig am Hut und auch mit Medienberichten. Heute war ich eine Zeit offline. Ich musste einen Brief an eine Zeitungsredakteurin schreiben. Es ging um jüdisches Vereinsleben vor 1800. Sehr schlecht recherchiert, zusammenhanglos und haarsträubende Wertung. Durch mein Hobby ist mir bekannt, das vor dreihndert Jahren eine jüdische Familie zu meinen Ahnen zählt und demzufolge auch solches Blut in meinen Adern fließt. Mich von diesen Schmierfinken als Antisemit bezeichnen zu lassen, geht etwas zu weit.

Ich hoffe, ich langweile euch nicht. Beste Grüße der Ahnenforscher.


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01.03.2010 00:22
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#43
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Hier ein Clip zum Thema "Kollektivierung".

Berliner




Quelle: Damals in der DDR, Teil 1: Neubeginn auf Russisch


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01.03.2010 01:56
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Zitat von Ahnenforscher
Heute sagen die meisten Landwirtschaftsbetriebe,das die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR, das Beste ist, was passieren konnte. Die Erzeugergemeinschaften bewirtschaften Flächen zwische 3000 und 7000 ha. Der Maschineneinzatz ist wesentlich effektiver und Subventionen fließen reichlich.



Rein ökonomisch betrachtet, ist das in der Tat so. Es haben ja auch viele erfahrene Landwirte aus Westdeutschland oder den Niederlanden ehem. LPGs übernommen und stehen heute wirtschaftlich gut da --- ganz anders als im industriellen Sektor, wo vieles "den Bach runtergegangen" ist.

Eines muß man allerdings auch noch ergänzen: Die heutigen Betriebe kommen mit viel weniger Beschäftigten aus als früher die LPG --- gerade im Nordteil der ehem. DDR sind viele Dörfer inzwischen völlig verödet, weil jüngere Leute dort keinerlei Berufsperspektive mehr sehen und wegziehen.

Anders ist die Situation in Polen, wo es eine derart grundlegende Kollektivierung der Landwirtschaft nicht gegeben hat. Dort gibt es auch heute noch viele Klein- und Kleinstbetriebe, die wirtschaftlich kaum über die Runden kommen --- und durch den EU-Beitritt ist deren Situation nochmals hoffnungsloser geworden.


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01.03.2010 02:06
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Zitat von SCORN
durch diese forum bin ich aber zu einem fehementen DDR verteidiger geworden, eben weil ich manudave, sonny und konsorten nicht die deutungshoheit über meine geschichte überlassen kann und will!



Deine Geschichte will dir niemand erklären --- es geht vielmehr um die größeren Zusammenhänge.

Den Begriff "Deutungshoheit" mag ich eigentlich auch nicht --- aber im Endeffekt geht es (weit über dieses Forum hinaus) in erster Linie darum, das stimmt wohl.

Und so gesehen, kann ich dieses Zitat von dir auch auf mich beziehen, wenngleich es von dir vermutlich nicht so gemeint war:

Zitat
ich bin mir ziemlich sicher das nicht wenige hier genau so denken!


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