Energieversorgung in der DDR

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26.02.2010 10:21
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#1
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Wie war das eigentlich mit den Rohstoffen zur Energie Gewinnung in der DDR? Ich habe mal in einem Bericht gelesen das in sehr kalten WInter auch die Kohle Kraftwerke eingefroren sind und es teilweise keinen Strom und Wärme gegeben hat ? Entspricht das der Wahrheit? Wie habt ihr den Eure Wohnung warm bekommen ? Und was gab es für Auswahl an Rohstoffen zum Heizen ?


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26.02.2010 10:28
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#2
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Zitat von Angelo
Wie habt ihr den Eure Wohnung warm bekommen ? Und was gab es für Auswahl an Rohstoffen zum Heizen ?



Unser Haus haus hatte für die 2 Wohnungen eine Kohleheizung im Keller. Mußtest Halt mit Braunkohle Heizen, gelegentlich etwas Koks mit Dazu und Holz.

Man kann es sich gar nicht mehr vorstellen u.u. in einer kalten Wohnung zu erwachen. Abends noch mal richtig anheizen damit es früh nicht ganz kalt ist. Wenn meine Mutter mittags von Arbeit kam, war das erste, Asche raus, Anheizen.


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26.02.2010 11:48
#3
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Für Stromausfälle gab es immer reichlich Kerzen im Haus. Solche Probleme konnten also leicht überbrückt werden.

Wir wohnten in einer Altbauwohnung mit 4 Zimmern mit je einem großen Kachelofen, meinem kleineren Zimmer mit einem kleinen Kachelofen (der aber kaum beheizt wurde), Bad mit Badeofen, Küche mit Gasherd und zusätzlich noch einem Küchenofen und einer Stube hinter der Küche (Gesindestube oder auch in Leipzig "Kabuff" genannt) ohne Ofen. Irgendwann im Herbst kam eine große Lieferung Braunkohlebriketts (irgendwas um die 20-30 Zentner ? - ich glaube, meine Tante ließ sich ihre Kohlen dann nochmal extra anliefern). Die wurden über eine Rutsche in den Keller geworfen. Dann hieß es Kohlen stapeln. Die ganz gebliebenen Briketts wurden an der Wand gestapelt, die zerbrochenen kamen in eine große Kiste. Oma sammelte alles an irgendwie brennbaren Holzmaterialien. Diese wurden mit Säge und Beil im Keller zerkleinert (was habe ich die Sperrholzbretter gehasst - aber Oma bestand darauf, dass auch die gehackt wurden). Alle Jubeljahre kam Oma mit einer Blessur aus dem Keller, aber die kleine Frau war verdammt hart im Nehmen. Somit war genug Brennmaterial da und wir waren beim Heizen, Kochen und in der Warmwasserbereitung komplett unabhängig von einer zentralen Versorgung mit Strom und Gas.

Die Qualität der Kohle wurde in den 80-er Jahren von Jahr zu Jahr schlechter. Ich erinnere mich an eine Lieferung Braunkohle in den Stab der GR-3. Mein Hauptfeldwebel kam zu mir: "Polit, komm mal mit und sieh Dir das an." Ja, das konnte man Braunkohle nennen. Dass sie hellbraun war ... nun gut, niemand ist perfekt und irgendwas ist immer. Die Soldaten haben das natürlich auch gesehen und die politisch-ideologische Arbeit wurde dadurch auch nicht einfacher. Aus Gründen der Vereinfachung nannten wir ab da dir Braukohle nur noch den "Guten Leipziger Mutterboden". Dennoch konnten die Stabsgebäude noch einigermaßen gewärmt werden.

ciao Rainman


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26.02.2010 15:56
#4
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Ja, wie Rainman schon schrieb. In jedem Zimmer Stand ein Kachelofen, dessen angenehme Wärme ich jetzt
bei meiner Zentralheizung vermisse. Was ich nicht vermisse ist das Kohle und Asche schleppen.
Da ich in der Kohle tätig war, bekam ich jedes Jahr 100 Zentner Deputat. Könnte mann jetzt gut
verscherbeln.
Also gefroren haben wir nicht!

Gruß RF


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26.02.2010 19:45
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#5
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hier ein kleines Video ueber den Katastrophenwinter 1979. Erzaehlt wird vom damaligen Hauptdispatcher in der Braunkohle, Dieter Baumann.

Berliner






Quelle: Damals in der DDR, Teil 3: Plan und Pleite


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14.03.2010 18:57
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#6
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Zitat von Angelo
Wie war das eigentlich mit den Rohstoffen zur Energie Gewinnung in der DDR? Ich habe mal in einem Bericht gelesen das in sehr kalten WInter auch die Kohle Kraftwerke eingefroren sind und es teilweise keinen Strom und Wärme gegeben hat ? Entspricht das der Wahrheit? Wie habt ihr den Eure Wohnung warm bekommen ? Und was gab es für Auswahl an Rohstoffen zum Heizen ?



Die normalen DDR Wohnungen hatte Kohleheizung mit Kacheloefen.
Viele Einfamilienhaeuser hatten einen kleinen Gliederkessel GK genannt und somit eine kleine Zentralheizung.
Die Materialien hierfuer,Heizkoerper Gliederkessel waren "Mangelware",mit Material gabs eigentlich ab den 80igern immer Stress.
Fuer behinderte Menschen und einige andere Gruppen wurde ab den 70iger Jahren begonnen auch elektrische
Nachtspeicherheizungen zu installieren.
Das war dennoch ein langer Weg durch die Genehmigungen.Von wegen heute bestellen und in drei Wochen wird geliefert,Fehlanzeige.
Auch viele Bueros in den Betrieben hatten Nachtspeicherheizungen.
Hierzu wurde ein extra Zaehler verbaut,Nachtstromprinzip,Kwh also Kilowattstunde kostete zwischen 22Uhr Abends und 6Uhr morgens 0,04M der DDR also 4 Pfennig.

Es gab auch sogenannte Grossraum- Kohleoefen,die wurden in den Ecken,mehrerer angrenzender Raeume verbaut,somit konntest Du mit einer Feuerstelle 2 oder 3 Raeume gleichzeitig heizen.
Nachteil,durch die Lueftungsoeffnungen der Oefen,war auch Zimmerlautstaerke des benachbarten Raumes zu Hoeren.

In den sehr kalten Wintern ist nicht ein Kraftwerk eingefroren,sondern die Tagebaue und die nasse Braunkohle selbst.

Eingefrorene Kohle bekommst Du schlecht aus Eisenbahnwaggons raus,auch die Betriebe hatten oft zentrale
Heizungen ueber groessere Gliederkessel,nur heize mal mit nasser Braunkohle,Kohlelagerplatz mit Ueberdachung war ja nicht ueberall.

Ich kann mich dennoch nicht erinnern jemals gefroren zu haben.Die Plaggerei mit Kohlen rauf und Asche runter tragen,war zu heute natuerlich nervig.

Die neuen Wohnungen in den Plattenbauten hatten natuerlich Zentralheizung und Warmwasser zentral.

Eine andere modernere Heizform waren Gas- Aussenwandheizungen,Sie zu bekommen eben nicht einfach.

Teilweise wurden von Wohnungsgenossenschaften,ganze Wohnbloecke der Altbausubstanz mit Gasthermen fuer die Warwasseraufbereitung in Kueche und Bad ausgestattet.

Alles in Allem,das gaengigste Problem war immer die Materialfrage und bei den Stromnetzen der Staedte
die fehlenden Kapazitaeten bei der Bereitstellung von ausreichendem Amperefluss.
Betriebe gingen immer vor und der kleine Mann,war immer das Ende einer Schlange.

In den 70igern hatten wir in unserer Handwerksbude selten richtige Probleme mit Material,danach wurde es immer schlimmer.
P.S.so meine Erinnerungen


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14.03.2010 19:18
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#7
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Ich erinnere mich, dass zu Beginn der 80iger der Begriff Energieträgerumstellung geschaffen wurde. Dort wurden Heizhäuser von Steinkohle oder Ölfeuerung auf den Energieträger Braunkohle oder, wie schon hier geschrieben wurde – Mutterboden – umgestellt. Dazu wurden unter anderem Vorfeuerungen eingebaut, die die Braunkohle erst einmal trockneten und ich kann mich auch noch an zusätzliche Saugzuggebläse erinnern, die dann für den notwendigen Zug sorgten, um dies nasse Zeug überhaupt zu verbrennen. In dieser Zeit kursierte ein böser Witz:
„Was ist ein Mann, der einen Rucksack auf dem Rücken hat, aus dem ein qualmendes Schornsteinrohr herausschaut?
Es ist ein Patient mit einem Herzschrittmacher nach erfolgter Energieträgerumstellung.“


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14.03.2010 19:28
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#8
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Noch ein kleiner Beitrag zum Thema Energieversorgung in der DDR.
Ich wohne etwa 900 Meter vom Dorf ab, zu DDR Zeiten gab es eine Freileitung zu unseren 3 Häusern. Mein elektrischer Rasierapparat war immer sehr „müde“ , denn 220 Volt kamen bei uns kaum an.
Als die Wende kam, wurde hier in der Tageszeitung für Satellitenanlagen geworben, die man in Westberlin kaufen konnte. Da wir hier nie anderes sehen konnten, außer Schweden bei Nebel, kratzten wir all unsere DM zusammen und fuhren nach Westberlin, holten uns so ein Ding und ich installierte es. Dann der Moment, da war das erste Bild da, der Ton kam und dann sollte das große Sehen losgehen, doch der E-Boiler im Bad wollte grade heizen und siehe: 2 dicke Streifen „ versauten“ das Bild. Also den Boiler vom Netz genommen, dann die Kühltruhe und in weiterer Reihenfolge andere Verbraucher. Voller Ärger, dass der Verkäufer und doch über das Ohr gehauen hat, haben wir das Projekt Satellitenfernsehen erst einmal aufgegeben. Mein Schwiegervater brachte dann einen Spannungskonstanthalter ( Stromregler)
mit und nachdem wir den dann zwischengeschaltet hatten, da war alles gut. 10 Jahre später haben wir dann 220 V und ein Erdkabel bekommen.


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14.03.2010 19:32
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#9
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Noch zum Thema, es gab auch Wärmeversorgung von größeren Betrieben( so als Beispiel Hartgusswerk Bösdorf bei Leipzig)über Fernleitungen zu kleinen Eigenheimstandorten, so bis zu zehn Reihenhäusern.
Wie das bezahlt wurde, keine Ahnung, aber es war eine gute Alternative zur eigenen Heizung.

R-M-R


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14.03.2010 19:33
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#10
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Unsere Eutritzscher Hinterhaushornssche haben wir mit Kohle warm bekommen, die wir aus der Berliner Str vom Kohlehandel geliefert bekommen haben...später Anfang der 1980er sind wir gen Westen der Stadt gezogen und bekamen Fernwärme vom Kraftwerk Tierbach, also immer heißes H2O aus der Wand, das gab es vorher nicht. Da gab es nur den Boiler und der Herd lief mit Propangas!

MfG


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14.03.2010 19:54
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Zitat von Rüganer
Ich erinnere mich, dass zu Beginn der 80iger der Begriff Energieträgerumstellung geschaffen wurde. Dort wurden Heizhäuser von Steinkohle oder Ölfeuerung auf den Energieträger Braunkohle oder, wie schon hier geschrieben wurde – Mutterboden – umgestellt. Dazu wurden unter anderem Vorfeuerungen eingebaut, die die Braunkohle erst einmal trockneten und ich kann mich auch noch an zusätzliche Saugzuggebläse erinnern, die dann für den notwendigen Zug sorgten, um dies nasse Zeug überhaupt zu verbrennen. In dieser Zeit kursierte ein böser Witz:
„Was ist ein Mann, der einen Rucksack auf dem Rücken hat, aus dem ein qualmendes Schornsteinrohr herausschaut?
Es ist ein Patient mit einem Herzschrittmacher nach erfolgter Energieträgerumstellung.“



Genau,Anfang der achziger jahre,ich habs vo 1983 bis 1985 mitbekommen.
Oelheizungen in der Landwirtschaft und Industrie.
Oel weg,Braunkohle her,das war ne Nummer.
Wir haben ueber 30 Hallenheizungen die vorher mit Oel betrieben wurden,abgebaut und dann kamen
Braunkohleheizungen.
Ber Beruf Heizer bekam voellig "neue Qualitaeten"und der Mangel an Personal wurde umso schlimmer.


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14.03.2010 19:59
#12
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Bei uns zu Hause gab es in der Küche ein Glutosofen,der fraß alles,und in der Wohnstube ein Dauerbrandofen.Man hatte eine ganz andere Wärme als mit Zentralheizung heute.Im Sommer versorgte man sich Braunkohlebriketts,mit Beziehung auch etwas Koks.Außerdem wurde Feuerholz gemacht,was man aus dem Wald holte oder von wo anders organisierte,wie z.B.von Arbeit.Hatte ein Onkel der war Zimmermann, der brachte jeden Tag seine Aktentasche voll gehacktes Holz mit.Nach seinen Tote habe ich noch einige Jahre davon gezehrt.
An der Grenze lief das anders ab.Da sind wir in voller Ausrüstung in den Wald gefahren und haben die aufgestappelten Stämme aufgeladen.Vorneweg wurde aber der Wald abgeriegelt.
Wir hatten sogar ein paar Tage kein Strom in der GK,da lief nur das Notstromaggregat.Die Küche war außer Betrieb,es wurde mit der Feldküche gekocht.In den Gängen brannte nur ganz wenig Licht und auf dem Zimmern nur eine Neonröhre.
Aber irgendwie ging es immer weiter.
MFG Roland87


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14.03.2010 20:29
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#13
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Ich kann fast das gleiche sagen wie wolle76. Es war damals auf dem Dorf so. Wer nicht an die Zentrale Wärmeversorgung von der Stadt angeschlossen war hatte Kohleheizung.Gefeuert wurde mit Braunkohlebriketts, Koks,und Holz.Und so ist es teilweise auch heute noch in ländlicher Gegend.Jetzt aber selten.
Kachelofen bei uns zu Hause war schon schön.Unabhängig vom Versorger. Man hatte immer eine warme Stube. Man mußte sich bloß vor der Heizperiode ordentlich mit Braunkohlebriketts einsorgen.So 20-30 Ztn.
Und irgendwann war ja der Winter mal vorbei.
Was die Versorgung mit Kohle im Kohlekraftwerk betraf, so kann ich es aus eigener Erfahrung bestätigen. Es war eigentlich von der Sache her immer genug da um die Versorgung der Bevölkerung mit Wärme und warmen Wasser aufrecht zu erhalten. Auch in kalten Wintern waren die Vorratsbunker mit Rohbraunkohle immer gut gefüllt im Kraftwerk. Ausfälle gab es keine. Und so ist es heute noch.


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14.03.2010 20:43
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#14
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Vor kurzem, wo ich über das Thema Tschernobyl in alten Jahresnotizbüchern gekramt hatte, fand ich eine Notiz vom April 1986 über eine Kohlenlieferung. Die Summe 270,- Mark der DDR für, es müssen einhundert Zentner gewesen sein. Da wir eine Kachelofenluftheizung hatten und noch Badeofen, Küche, Kinderzimmer Dauerbrandöfen war diese Menge normal.
Koks habe ich nie bekommen, trotz guter sonstiger Beziehungen. Das waren noch Preise für eine ganze Heizperiode, man glaubt es kaum.

R-M-R


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17.03.2010 15:55
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#15
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,nur mal eine Idee...Kernkraftwerke DDR,was stand,was war in Bau,was sollte werden?
Alles in allem sehr aufschlussreich im WIKI unter den Kernkraftwerken Rheinsberg,Greifswald,Stendal....


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