DDR Mythos? "Studentischer und Jugendwiderstand"

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23.02.2010 08:43
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Zitat von Feliks D.

Stimmt da gab es einiges mehr an Verhaltensweisen, die die Einleitung eines EV erforderlich machten und damit für eine hohe Arbeitsbelastung führten.

Nur einige kleine Beispiele:

§214 kam bei EV oft zum tragen wenn bei erfassten Antragstellern auf dauerhafte Aureise mal wieder weiße Schleifchen am Auto vorgefunden wurden. Auch andere provokativ öffentliche Demonstrativhandlungen wurden in dem Zusammenhang oft bearbeitet.



@feliks und @mike59, die aktion mit dem notieren der weissen und schwarzen schleifchen durch die vp und anschliessender einleitung eines ev durch das mfs was sooo sinnlos und zeigte die ganze hilflosigkeit aller staatlichen organe.
ein paar weisse bzw. schwarze schleifchen beschäftigten sicherheitsorgane


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23.02.2010 08:56 (zuletzt bearbeitet: 23.02.2010 14:22)
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Über Sinn und Unsinn dieser Aktion kann man sicher streiten. Mir ging es eigentlich nur darum auch diese Schleifchen als eine Form der Opposition ins Gespräch zu bringen, da hier ja bisher das Thema nur auf Fluchten reduziert wurde.

Aber erschreckend war es schon, wie solch kleine Bändchen unseren Oberen solch eine Angst einjagten und solche hilflosen Aktionismus auslösten.

Ich habe immer gewitzelt diese Bändchen verpflichtend vorzuschreiben, dann wären die anderen gar nicht mehr aufgefallen. So hätte man die vorhandenen Kapazitäten nicht mit solch unnützen EV's belasten müssen.


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23.02.2010 09:03 (zuletzt bearbeitet: 23.02.2010 09:36)
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Zitat von Rainman2
... snip ...
Widerstandsherd Friedensbewegung: Wie jeder von seinem Staat überzeugte Soldat glaubte auch ich, dass ich mit meinem Dienst dem Frieden diene. Ich hielt also Friedensbewegungen in meinem Land für Unsinn. Es gab aber diese Bewegung und aus heutiger Sicht muss ich sagen: Durchaus auch zurecht. Wo Militär ist muss immer die kritische Auseinandersetzung mit demselben und seinem Auftrag sein. Unter dem Motto "Schwerter zu Pflugscharen" formierte sich eine durchaus große Zahl vor allem Jugendlicher in einer DDR-eigenen Friedensbewegung, die als Opposition zu Staatsdoktrin angesehen werden muss.

Hi Rainman,

da Du die kuenstlerische Ecke des Widerstands recht detailiert aufgezeichnet hast, jedoch die Friedensbewegung relativ kurz weggekommen ist, mal noch ein paar Zeilen dazu:

Ich wuerde diese 'Friedensbewegung' aufgliedern in die (a) kirchlichen Bewegungen, (b) die eigentliche Friedensbewegung und (c) die Umweltbewegung. Dabei gab es natuerlich immer Ueberschneidungen.

* Kirchliche Widerstandsbewegung: Diese Bewegung sehe ich als Bewegung welche nicht unbedingt nur eine Jugendbewegung war, obwohl diese natuerlich auch praesent war. Diese Bewegung war in erster Linie charakterisiert von der ablehnenden Haltung des Staates gegenueber der Kirche, welche sich erst zum Ende der DDR aenderte. Allerdings war man in der Kirche durchaus konservativ wenn es um Proteste gegenueber dem Staat ging: Man hatte sich Freiraeume erhandelt, und war nicht bereit diese einfach zu riskieren (das beste Beispiel duerfte die katholische Kirche der DDR sein). Diese Widerstandsbewegung hatte aufgrund fest etablierter Kontakte zum Westen grosse Ressourcen, in manchen laendlichen Gegenden um einiges mehr als der oertliche Buergermeister oder SED-Vorstand.

* Friedensbewegung: Obwohl oft unter dem Dach der Kirche gegruendet oder versammelt, wurde diese Bewegung zu Beginn durchaus argwoehnisch von den Kirchenoberen beaeugt. Man wusste das diese Leute eigentlich nicht als Christen praesent waren, sondern weil sich einfach keine andere Gelegenheit zum Austausch bot. Man merkte das durchaus das dies 'Fremdkoerper' in der Kirche waren. Allerdings brachten diese Leute durchaus etwas frischen Wind in die Kirche, und hatten sehr viele interessante Ideen, Leute zu animieren und begeistern.

* Umweltbewegung: Diesee Leute waren oft weit versprengt, aus Gegenden welche direkt von der leichtsinnigen/gefaehrlichen Umweltpolitik der DDR betroffen waren (Bitterfeld, Leuna, Erzgebirgekamm, etc). Hier traf man auf sehr viele gebildete Leute, welche aufgrund ihres Wissens in der DDR gesucht (nicht steckbrieflich, eher im Sinne von 'benoetigt'), und gleichzeitig der DDR gefaehrlich waren - z.B. wurde die Pechblende publiziert. Diese Leute brauchten die Resourcen der Kirche, um ihre Ergebnisse und Vortraege publizieren zu koennen.

Auf der kuenstlerischen Ebene wuerde ich noch eine Kategorie hinzufuegen, und das waren kirchliche Bands. Die spielten meist Querbeet (zwischen Bach und Deep Purple), hatten allerdings bei uns in der Gegend einen enormen Zulauf, und gaben diesen Veranstaltungen die noetige 'Cover'. Ausserdem konnten diese Bands somit ohne den in der DDR notwendigen buerokratisch/politischen Aufwand (Einstufung, 60/40-Mix, etc) vor einem Publikum spielen.

-Th


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23.02.2010 13:29 (zuletzt bearbeitet: 23.02.2010 13:30)
#34
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Hallo CaptnDelta,

ich danke Dir für die Erweiterungen meiner Ausführungen. Es ging mir vor allem um die Darstellung der von mir selbst erlebten Formen der Opposition in der DDR. Gerade mit der Kirche und den sich daraus ergebenden Nuancierungen in den einzelnen Bewegungen hatte ich kaum zu tun. Und das, obwohl ich in der Rhön diente (Katholisch). Ich muss auch gestehen, dass ich die Schleifchen an den Autoantennen, die hier von Feliks und Gilbert angesprochen wurden, schon wieder recht weit nach hinten im Gedächtnis geschoben hatte.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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