Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

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09.08.2020 18:55 (zuletzt bearbeitet: 09.08.2020 18:57)
avatar  Gert
#751
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sagt mal , hat die Stasi auch schon Kinder beobachtet? In meiner dünnen Akte ist eine Notiz 1956 und 57 in WD. Da war ich knackige 12 bzw 13 Jahre alt und besuchte in den Sommerferien meinen biologischen Vater in Braunschweig. Das ging ganz einfach, morgens um 7 bei der VP vorstellig geworden mit Muttern und einen Interzonenpass beantragt. Konntest du drauf warten, mittags im Zug nach BS gesessen.
Der Rest der Akte beschäftige sich mit meiner Flucht, aber sie hatten keine Ahnung wie unsere Flucht ablief ( 4 Jungs) sie mutmassten dass die zur gleichen Zeit geflüchteten anderne 3 sich mit mir in Nürnberg getroffen hätten. ( da waren wir bei der CIA oder ähnlichem Verein )
Mein textlich abgesprochenes Telegramm an Eltern nach gelungener Flucht haben sie auch nicht enttarnt. So wussten meine Eltern noch vor Eintreffen der Stasi oder Polizei, alles war gut und ich war unversehrt im Westen angekommen . Es wurde stets das Können der Stasi so überhöht dargestellt, aber solche Koryphäen waren sie eben nicht

Warum muss es uns eigentlich noch besser gehen, wenn es uns gut geht?

*Hubert Joost

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09.08.2020 19:24 (zuletzt bearbeitet: 09.08.2020 19:29)
avatar  Mike59
#752
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Zitat von Thunderhorse im Beitrag #750
Zitat von 13.08.Sojus im Beitrag #746
[

Ansonsten blieb diese "Akte" sehr dünn. Es gab nur noch einsilbige Kommentare bis zum Entlassungstag an der Grenze, die darauf schließen lassen, dass man mich nie erwischt und schon gar nicht durchschaut hatte.
Aber diese Zusammenhänge werden sich erst in meinem Buch voll erschließen.

Sojus


Oder Seiten vorher entfernt.

Also ich habe mit dem MfS nie ein Problem gehabt - eigentlich hatten die immer nur ein Problem mit mir. Wer heute denkt er ist aus der Durchleuchtung raus, vergisst das es beim MfS eine Kerze oder Glühbirne war. Heute ist es ein Laser oder LED. Meine Akte ist quasi hauchdünn - ich fühle mich da auch persönlich total unterrepräsentiert. Ich bin quasi ein Außenseiter.
Aber unser ex 2000er hat versichert er habe sein Büro besenrein übergeben. Der GwDler war bei der Firma im Normalbetrieb eh nur einen Karteileiche - man sollte sich eventuell nicht wichtiger nehmen wie man wirklich war bzw. ist.
Weswegen bin ich so anmaßend wird sich der eine oder andere so denken - berechtigt.
- mein Posten hat sich nach illegalem Tausch LMG/MPi bei mir auf der Füst mit dem LMG suizidiert
- 2 Entpflichungsgesuche nach diesem Vorfall geschrieben (Rechtschreibung/Gramatiksicher nicht toll aber) wütend und ehrlich
- Alkoholmißbrauch (KOMA) in der Unterkunft (Disziplinar geahndet)
- Hören von NSW Radiosender (Disziplinar geahndet)
- 2x Angebliche Kontaktaufnahme mit west GÜO im Dienst (Disziplinar geahndet)
Also es müssen zumindest ein Vermerk zu finden sein - ich bin clean.


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09.08.2020 19:33
avatar  Fred.S.
#753
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zu 751.
Wohl nicht nur beobachtet Gert, auch sich Ihrer bedient um an Informationen heranzukommen,
bzw. das sie für den MfS Aktivitäten durchführten und dafür dann belohnt wurden, wie bei mir mit einen Fahrrad.
13 - 14 Jahre war Damals der Bengel. Und 1990 stand er vor meiner Tür und so erfuhr ich Einiges. Fred


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09.08.2020 20:08
#754
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Zitat
Oder Seiten vorher entfernt.



Dann ergebe aber die Empfehlung vom 27. 4. 78 (Entlassungstag), mich zur Reserve an die Grenze zu ziehen keinen Sinn.
Außerdem war auf dem zweiten Blatt vor jeder Versetzung oder Abkommandierung ein Satz Kommentar.
Sicher, dass anderswo Seiten verschwunden sind, kann niemand ausschließen. Aber das hatte dann wohl eher weniger mit der Grenze zu tun.

Sojus


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09.08.2020 20:50 (zuletzt bearbeitet: 09.08.2020 20:53)
#755
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Zitat von 13.08.Sojus im Beitrag #754

Zitat
Oder Seiten vorher entfernt.


Dann ergebe aber die Empfehlung vom 27. 4. 78 (Entlassungstag), mich zur Reserve an die Grenze zu ziehen keinen Sinn.
Außerdem war auf dem zweiten Blatt vor jeder Versetzung oder Abkommandierung ein Satz Kommentar.
Sicher, dass anderswo Seiten verschwunden sind, kann niemand ausschließen. Aber das hatte dann wohl eher weniger mit der Grenze zu tun.

Sojus



Man sollte nicht zuviel erwarten.

Wie Mike59 schon geschrieben hat. Die HA I in den GT hat da fast überall Besen rein ausgeräumt und vernichtet.
Hatte für manch einen nach 03.10.1990 sicherlich seine Vorteile.

Manchmal standen noch Säcke mit Schnipsel umher. Waren aber wohl eher weniger von der HA I. Selbst gesehen im April 1990 in Räumen der GT..
Was dann vorher irgendwann an andere Bereiche des MfS abgegeben wurde oder (teilweise) archiviert wurde ist eine andere Sache.
Nicht alles wurde weitergegeben.
Einfach ausgedrückt.
Motto, jeder nur dass was er Wissen soll oder benötigt.

P.S.: Selbst zu bestimmten Fluchtfällen gibt es da, seitens des MfS (HA I), nur spärliche Akten.

"Mobility, Vigilance, Justice"

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09.08.2020 21:03
avatar  Gert
#756
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Zitat
13 - 14 Jahre war Damals der Bengel. Und 1990 stand er vor meiner Tür und so erfuhr ich Einiges. Fred



erzähl ma, bitte

Warum muss es uns eigentlich noch besser gehen, wenn es uns gut geht?

*Hubert Joost

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09.08.2020 21:10
avatar  BRB
#757
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BRB

Da brauch jemand ne Gute Nacht Geschichte.
In meine Akte lag nur ein Blatt. Darauf stand .
Fast unbestechlich aber nicht zuverlässig wenn Westschokolade ins Spiel kommt.
Dabei gab es die Bambina doch im Osten. Lol.


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10.08.2020 18:34
#758
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Zitat
Man sollte nicht zuviel erwarten.



Ich erwarte da nicht zuviel. Dass sind alles nur kleine Puzzelteilchen (teils aus dem toten Winkel), die meinen eigenen subjektiven Eindruck von damals bestätigen oder gegebenenfalls auch nicht. Da hilft z. B. auch die Aussage des im Januar/78 geflüchteten Soldaten (in Schätzleins Buch) über die Verhältnisse in unserer Kompanie weiter. Konkrete Erinnerungen und Fakten (aus meinen Briefen) haben ich selbst genug. Aber es geht mir auch darum, die Grauzone ringsherum besser zu kennen.
Auch wenn ich mich zum Start von jemand inspirieren lies, der nach Eurer Kenntnis einiges hingebogen hat, so gilt das nicht für mich.
Ich will mit den Fakten so weit wie das noch möglich an die objektive Wahrheit von damals ran. Das diese dann natürlich von meiner subjektiven Meinung von damals und von heute kommentiert wird ist genau so logisch.

Sojus


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10.08.2020 18:44 (zuletzt bearbeitet: 10.08.2020 18:46)
avatar  Fred.S.
#759
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zu757.
Meine Akte wird in ein oder zwei Ordner passen. Juckt mich nicht, BRB.
Kenne ein Großteil da ich die " Erlebnisse " der IM bei mir an Bord, Selber ins Reine übertragen habe. Und nicht nur die.
Zu Unbestechlich, BRB.
Das wurde mir in einen MfS-Schloss gesagt, das ich das sei. Man könnte mich auf einer Buhne paar Tage sitzen lassen, Zollboote mit was zu Essen und Obst an der Buhne ranfahren,
mir das anbieten, ich würde nichts annehmen.
Das aber nur bis so 1972. Fred


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12.08.2020 22:08
avatar  Rudi66
#760
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Hallo Sojus,
"Aber diese Zusammenhänge werden sich erst in meinem Buch voll erschließen."
Worum geht es in deinem Buch?
Ich schreibe auch eins.
Gruß
Rudi


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13.08.2020 05:48
#761
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Hallo Rudi,
in dem Buch geht es hauptsächlich um meinen Grundwehrdienst an der Grenze, aber mit allen Rahmenbedingungen der DDR z. B. von der Offizierswerbung an der Schule angefangen. Viele menschliche Befindlichkeiten und Einschätzungen kommen auch darin vor. Etwa 15 % des Buches sind mit Originalzitaten aus den Briefen, die ich damals geschrieben habe. Dabei bin ich ja nur ein Beispiel für die Situation von Tausenden anderen Grenzern und versuche so unsere damalige Situation verständlicher zu machen.
Komische Geschichten und der Humor sollen aber auch nicht zu kurz kommen.
Viele Grüße!
Sojus


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13.08.2020 11:49 (zuletzt bearbeitet: 13.08.2020 11:50)
#762
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Aber es gab noch eine Akte, eine die immer präsent war, egal wie oft man die Arbeitsstelle, die Schule wechselte......es war die Kaderakte.
Sie wurde immer von der alten Wirkungsstätte zur neuen geschickt, Einblick hatte man da selber keinen.
Eingetragen wurde da alles, deine Ausbildungsergebnisse, deine Abschlüsse und .........deine gesellschaftliche Einstellung, eventuelle
Verstöße und auch gesetzliche Bestrafungen.........einfach alles. Selbst Dinge die eigentlich sehr privat sind, z.B. oft wechselnde Verhältnisse.
Ich denke diese Kaderakte war für Behörden sehr aufschlussreich um bei Bedarf zu wissen wo der Hebel am besten angesetzt werden konnte.

Jene, die ihre Schwerter zu Pflugscharen schmiedeten, pflügen heute für diejenigen die ihre Schwerter behielten.

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13.08.2020 12:05
avatar  Fred.S.
#763
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zu 760.
Uff, da haben wir, Rudi 66, aber viele " Schriftsteller " hier im Forum die ihre Erlebnisse nieder schreiben.
Ich zähle mit dazu. Fred


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13.08.2020 12:42
avatar  Rudi66
#764
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Hallo Sojus,
im Gegensatz zum 13.8.61 war der 13.8.57 sicher ein erfreulicher Tag für deine Familie. Von mir erstmal die besten Wünsche, dass es für dich noch lange erfreulich weitergehen möge.
Wie ich deiner Nachricht entnehmen kann, sind wir hier im Forum also mindestens 3 Mitglieder, die sich schriftstellerisch mit alten Zeiten befassen. Bei mir geht es um die Zeit seit 1944 und was mir und in der Zeit danach noch so passierte. Einschließlich Fahnenflucht und zweitem Leben im Westen (Berlin). Wenn du möchtest, sende ich dir gerne mein vorläufiges Inhaltsverzeichnis. Dann bekommst du vielleicht noch einige Ideen zu deinem Buch. Ich bin jetzt bei 530 Seiten (ohne Bilder). Vielleicht sollten wir 'mal miteinander telefonieren. Weiterhin viel Erfolg wünscht dir
Rudi


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