Michael Gartenschläger ein Held oder nur leichtsinnig ?

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14.11.2008 16:38von ( gelöscht )
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Michael Gartenschläger ein Held oder nur leichtsinnig ?

Der schwarze Mann

Ende April 1976 kam ich als frischgebackener Uffz an die Grenze. In einer Spätschicht kam hoher Besuch in den Abschnitt, der Stabchef vom Bat. Mein PF war ein Feldwebel. Der Stabchef erklärte, warum an meinem Postenplatz Scheinwerfer aufgestellt sind:

Es gäbe eine besondere Situation, vom Westen her würde sich ein schwarz gekleideter Mann am Zaun zu schaffen machen und SM 70 Minen abzubauen. Der besondere Befehl lautet in diesem Fall: Licht an, Feuer. Sofern tagsüber westliche PKW mit Kennzeichen HL oder HH gesichtet werden, sind diese zu melden.

Es kam die Nachtschicht zum 1. Mai und die Maidemonstration in Heiligenstadt. Zwei Politoffiziere vom Regiment unterhielten sich fröhlich und der eine sagte: Das Schwein ist tot (hab ich damals jedoch als Jägerzeugs verstanden). Niemand sprach wieder über die Scheinwerfer die dann vor sich hinrosteten. Kein Wort über den schwarzen Mann.

Viele Jahre später....

Ich recherchierte im Internet zur Selbstschussanlage G 501 bzw. SM 70 und fand eine Website über Michael Gartenschläger. Auf dieser Website stand, dass G. im April 1976 Minen SM 70 abgebaut hat und in der Nacht zum 1. Mai 1976 in einem Hinterhalt erschossen wurde von einem Sonderkommando der Stasi.

Sofort nahm ich Kontakt zum Webmaster der Seiten auf, ein sehr netter Beamter vom Grenzzolldienst GZD. Wir führten viele Telefonate und mein ehemaliger Feind schickte mir CD's und weiteres Material zum Fall Gartenschläger und zur Grenze. Der Zöllner hatte, kurz bevor Michael G. erschossen worden ist, einen Kontrollgang in diesem Abschnitt bei Lübeck. Er vermittelte mich weiter zu einem Freund Gartenschlägers, der in der besagten Nacht dabei war, als es passierte.

L., der Zeitzeuge Michael Gartenschlägers interessierte sich ganz besonders für den Befehl, den mir der Stabchef damals gab: Licht an, Feuer. Er sagte, dass das genauso gewesen ist, M.G. wollte nur mal eben eine Mine zünden, lief auf DDR-Gebiet, dann ging plötzlich das Licht an und drei Magazine wurden leergefeuert.

Gartenschläger war ja auch leichtsinnig, nachdem er 2 Minen abgebaut hatte, erzählte er überall von weiteren seiner Vorhaben. Weder der BRD-Regierung noch der DDR waren die abgebauten Minen recht. Die BRD (damals Brandt) wollte Normalisierung der Beziehungen und die DDR anerkennen (was zum Glück nicht passierte). Mielke soll getobt haben, nach dem Vorfall und gab seinen Frust an die Grenzer weiter so nach dem Motto, lasst euch was einfallen. Vermutlich war der Befehl, den ich vom Stabchef bekam, ein Arbeitsfehler des Stabchef, der i, übrigen heute auch nicht mehr lebt: Er ist bei einer Sauferei erschossen worden.

Kurze Zeit später, als ich L. aus HH kennenlernte, wurde ein Film gedreht "Gegen die Grenze" in dem es auch um Michael Gartenschläger ging. L. bat mich darum, in diesem Film den besonderen Befehl "Licht an, Feuer" zu erläutern. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit sagte ich zu und ein Kamerateam aus München war dann bei mir, um die Szene zu drehen. Wer den Film anschaut, sieht mich jedoch nur als Schatten.

Juristisch hat meine Aussage keinerlei Bedeutung. Die Mörder Gartenschlägers sind freigesprochen worden.

Der Hinterhalt war feindwärts vom 3m Zaun. Es waren keine Grenzer, sondern ein Killerkommando der Stasi.

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26.10.2014 13:15von ( gelöscht )
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Sind denn die genannten Personen in ihren Aussagen vor Gericht Pappkameraden gewesen oder haben dort die ganze Zeit gelogen? Wohl eher nicht.


Das Buch ist übrigens fast über 1.000 Seiten stark, da hat sich also jemand richtig Mühe gegeben.
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26.10.2014 13:17von ( gelöscht )
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Alfred, schreib doch einfach mal deine persönliche Meinung zu der ganzen Thematik, gerne aus damaliger Sicht und aus heutiger Sicht.

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26.10.2014 13:35von ( gelöscht )
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Zitat von Schuddelkind im Beitrag #554
Zitat von 94 im Beitrag #552


Achso, wieso gut sichtbar am Zaun hängende Minen perfider sein sollen, wie die in den Minenfeldern verbuddelten, erschließt sich mir nicht. Und als einen Zivilisten habe ich einen in den Abschnitt eingdrungenen Angreifer auch nicht wahrgenommen, also zumindest nicht bis zu seiner erfolgreichen Festnahme.



Nun, könnte vielleicht damit zu tun haben: So weit ich weiß, war die Sprengkraft der verbuddelten Minen so, das es "nur" zu Extremitäten-Verletzungen bzw. Amputationen gekommen ist. Okay, ist scheiße genug. Die SM 70 wurden nach meiner Kenntnis eigentlich dafür entwickelt, in Bodenhöhe angebracht zu werden. Aus gewissen Gründen klappte es aber nicht, sie so einsatzfähig zu bekommen. Bis irgendwer die Idee hatte, sie einfach höher anzubringen........wodurch eine tötliche Verletzung wahrscheinlicher wird. Das könnte man dann schon als perfide bezeichnen......


Hingen nicht jeweils 3 untereinander??
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26.10.2014 14:12von ( gelöscht )
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Zitat von 94 im Beitrag #552
Zitat von Alfred im Beitrag #551
Einige Aussagen waren mehr als peinlich.
Kann man ja nun von Deinen Beiträgen hier nun nicht gerad behaupten, odär?

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #541
Ich lese immer von versuchter Festnahme, wenn ich die DDR gewesen wäre ich hätte den nicht festnehmen wollen, womöglich mit Prozess anschließend der garantiert zumindest paar westliche Wellen geschlagen hätte.
Eine Festnahme mit anschließendem 'Schauprozeß' hätte propagandistisch schon mehr gebracht wie der ADN-Dreizeiler vom 4.Mai, na wie auch immer ... mal eine Hörempfehlung für nächsten Sonntag ...
http://www.hr-online.de/website/radio/hr...cument_52082191

Achso, wieso gut sichtbar am Zaun hängende Minen perfider sein sollen, wie die in den Minenfeldern verbuddelten, erschließt sich mir nicht. Und als einen Zivilisten habe ich einen in den Abschnitt eingdrungenen Angreifer auch nicht wahrgenommen, also zumindest nicht bis zu seiner erfolgreichen Festnahme.
Und der Literaturhinweis kam vom @eisenringtheo , bitte keine Fremdfedern!


Die sind nicht weniger perfide, zu meiner Zeit hatte ich aber nur mit denen am Zaun zu tun.
Das mit den Zivilisten, wieviel, prozentual auf die Masse der Angreifer bezogen, waren wohl keine?

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26.10.2014 14:12von berlin3321
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Zitat
3 untereinander?



Ja.

Aber da wäre was dran. Hätten die nur unten gehangen wären tödliche Verletzungen eher unwahrscheinlich gewesen.

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26.10.2014 14:17von Thunderhorse
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Zitat von Ari@D187 im Beitrag #542
Zitat von 94 im Beitrag #528
Zitat von Barbara im Beitrag #499
Aber vielleicht kann einer von ihnen etwas mehr dazu sagen.

Guck Dir in Ruhe mal das Buch (Link vom @ERT) an ...
http://books.google.de/books?id=duKgtkXX6ToC&pg=PA807

Offiziell wurde es Grenzgebiet genannt werden, Grund wie schon im oben genannten Buch angegeben, waren die Wiener Verhandlungen (MBFR). Achso, der §8(2)GG war da schon eindeutig bezüglich der Begrifflichkeiten, um so überraschender wenn dann im ND 'militärisches Sperrgebiet' steht. Das es nun de facto ein solches war, na da braucht man nur mal einen Blick auf eine Missions-Karte zu werfen ...
Gesamtkosten aller Grenzsicherungsanlagen 1961- 1989 #44
[...]

Sehr schön zusammengefasst.
Als Ergänzung, da ich mit angesprochen war: Da das Grenzgebiet vom sonstigen Territorium abgegrenzt und militärisch gesichert war, hat das Grenzgebiet (theor. 5000 m) bzw. der Schutzstreifen (theor. 500 m) in meinen Augen den Charakter eines militärischen Sperrgebiets. Dem wird entgegengehalten, daß sich im Schutzstreifen Ortschaften mit entsprechender Zivilbevölkerung befanden, was diesem Charakter wiederum widerspricht.

Stellt sich die Frage, wie es sich dann bei einem offiziell als militärisches Sperrgebiet deklariertem Gebiet, welches von einem zivilen Wachdienst bewacht wird, verhält.

Gruß
Ari


Die Eintragungen auf den Karten für die MVM waren kein militärisches Sperrgebiet, es waren Sperrgebiete für die MVM, die auf den Verkehrsstraßen von diesen auch durchquert werden konnte bzw. Tankstopp, Kaffeetrinken, etc. war möglich..
Aber woher soll der unbedarfte bzw. eine 0013 auch Wissen.

Ari, Du müßtest inzwischen, nach längerter Zeit in diversen Foren, Wissen welche konkreten Aufgaben die GT, NVA-Kdo Grenze hatte. Wenn nicht, mach Dich mal schlau.
Auch so wegen der Einstufung des Grenzgebietes in eine Sperrzone (hinterer Bereich des Grenzgebietes bis zum Schutzstreifen) und einen Schutzstreifen (Grenzverlauf bis Beginn Sperrzone)
Und Bevölkerung im Umfang von so round about 180 000 Personen in den 80er Jahren, in einem militärischen Sperrgebiet (Grenzgebiet, Anmelkrung), macht sicherlich Sinn.

Im übrigen gibts die dafür vorhandenen Dokumente hier im Forum, Alfred oder eine Doppel-0 können da sicherlich beim Suchen helfen.

Und Deine letzte Frage als ehemaliger BW-ler kannste sicherlich selbst beantworten. So auf räumliche Grenzen beschränkt.

Ansonsten weiterhin, frohes Produzieren von Schrott.

26.10.2014 14:18von Thunderhorse
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Zitat von Schuddelkind im Beitrag #554
Zitat von 94 im Beitrag #552


Achso, wieso gut sichtbar am Zaun hängende Minen perfider sein sollen, wie die in den Minenfeldern verbuddelten, erschließt sich mir nicht. Und als einen Zivilisten habe ich einen in den Abschnitt eingdrungenen Angreifer auch nicht wahrgenommen, also zumindest nicht bis zu seiner erfolgreichen Festnahme.



Nun, könnte vielleicht damit zu tun haben: So weit ich weiß, war die Sprengkraft der verbuddelten Minen so, das es "nur" zu Extremitäten-Verletzungen bzw. Amputationen gekommen ist. Okay, ist scheiße genug. Die SM 70 wurden nach meiner Kenntnis eigentlich dafür entwickelt, in Bodenhöhe angebracht zu werden. Aus gewissen Gründen klappte es aber nicht, sie so einsatzfähig zu bekommen. Bis irgendwer die Idee hatte, sie einfach höher anzubringen........wodurch eine tötliche Verletzung wahrscheinlicher wird. Das könnte man dann schon als perfide bezeichnen......


Auch so ein besonders fachlicher Beitrag.

26.10.2014 14:47von 94
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Wie wärs denn, wenn Du mal einen fachlichen Beitrag leistest, hä? Hier zum Beispiel wird explizit nach dem Donnergaul gerufen ... Suche nach einer ganz "speziellen" Grenz-Übergangsstelle

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94
26.10.2014 15:12von Ari@D187
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Zitat von Thunderhorse im Beitrag #561
[...]Ansonsten weiterhin, frohes Produzieren von Schrott.

Dieser letzte Satz ist eines Experten unwürdig und qualifiziert den kompletten Beitrag für die Schrott-Tonne!

Ansonsten sind mir alle wiederholten Belehrungen bekannt, ich hatte ja auf die Diskrepanzen hingewiesen.

26.10.2014 15:50von ( gelöscht )
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Eigentlich müßte das Thema lauten:
"Wir basteln einen Helden".......

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26.10.2014 19:02von ( gelöscht )
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Zitat von Barbara im Beitrag #547

Da bist du ja fester im Glauben als sogar das ehm. Politbüro.



Hallo,
die müssen ja sich anders äussern um in Verfahren betreff Strafverfogung oder Rente nicht Nachteile zu erlangen, sich am regierungseitig politisch gewollten also ausrichten. Ansonsten meine ich NICHT daß die Lösung befestigte Staatsgrenze zu bejubeln war. Ich bin aber der Meinung daß aufgrund der realpolitischen Situation, des kalten Krieges und volkswirtschaftlich daraus sich ergebenden Zwängen zum Wohle der DDR-Gesamtbevölkerung keine andere Lösung machbar erschien, auch nicht die der wirtschaftlichen Kapitulation vor der BRD, mit Sicherheit nicht ohne Zustimmung der UdSSR. Und eben nur die zu Schaden kammen die weder staatliche Anweisungen und Gesetze beachteten noch bereit waren die politische Notwendigkeit inviduell zu akzeptieren, leider war es so.
Und wie hier geschrieben, es wurde mit deutlichem Vorfeldaufwand aus Überwachung, Zugangskontrollen und Warnschildern versucht Zwischenfälle möglichst zu vermeiden.

Schrieb nicht hier einer daß bei Festnahmen am Zaun deutlich nachgeforscht wurde warum der Störer ( und wenn der nur den Dienstablauf störte ) bis dahin gelangen konnte?

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26.10.2014 19:07von ( gelöscht )
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Das Thema ist doch eigentlich ausgekaut. Jeder Grenzer kann doch froh sein, dass in seiner Zeit niemand so ein Ding abgeschraubt oder hochgejagt hat. Der war kein Held und sollte auch nicht dazu gemacht werden. Stellt euch doch mal vor ihr hättet bei sowas zusehen oder eingreifen müssen. Da habe ich doch lieber Hasen und Rehe beobachtet.

Der Hesselfuchs

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( gelöscht )
27.10.2014 16:51von ABV
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Zitat von Merlini im Beitrag #567
Das Thema ist doch eigentlich ausgekaut. Jeder Grenzer kann doch froh sein, dass in seiner Zeit niemand so ein Ding abgeschraubt oder hochgejagt hat. Der war kein Held und sollte auch nicht dazu gemacht werden. Stellt euch doch mal vor ihr hättet bei sowas zusehen oder eingreifen müssen. Da habe ich doch lieber Hasen und Rehe beobachtet.

Der Hesselfuchs


Vielleicht können wir uns ja abschließend darauf einigen, Michael Gartenschläger als Opfer zu bezeichnen. Ja, er war ein Opfer der Zeitumstände und der deutschen Teilung. Ich weiß das klingt womöglich für einige provokatorisch. Das soll es aber nicht. Viel mehr möchte ich zum nachdenken anregen.
Michael Gartenschlägers Lebensweg ist doch im wesentlichen bekannt. 1944 geboren, war er im Jahre 1961, im Jahr des Mauerbaus, ein ganz normaler Jugendlicher. Der in Strausberg, einem noch heute nicht sehr ansehnlichen Nest, dreißig Kilometer vor den Toren Berlins gelegen, aufwuchs. Viel Abwechslung gab es schon damals nicht für junge Menschen. Mit anderen gründete er in einem Schuppen, in der Müncheberger Straße in Strausberg, einen " Ted Herold-Fanklub". Wer Ted Herold war oder ist, dürfte jeden bekannt sein: ein völlig harmloser deutscher Rocksänger. Dessen Platten Gartenschläger und die anderen Ted Herold-Fans aus Strausberg bis zum 13. August 1961 noch ohne Umstände im nahen Westberlin kaufen konnten. Bis der Bau der Mauer den Jugendlichen auch noch den letzten Spaß nahm.
Mehr noch: weil ein " Ted Herold-Fanklub" nicht in das sozialistische Weltbild passte, stürmte eines Tages die Volkspolizei den kleinen Schuppen und beschlagnahmte Poster und Schallplatten. Für die nun kein Ersatz mehr beschafft werden konnte.
Fürchteten sich die DDR-Oberen damals sogar vor einem schmalzigen Sänger wie Ted Herold? Ganz ehrlich: das ist doch an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten!
Spätestens jetzt sollte man wenigstens versuchen, sich in die Strausberger Jugendlichen um Michael Gartenschläger hineinzuversetzen. Wie hättet ihr denn gedacht und gefühlt, wenn euch so etwas widerfahren wäre? Kann man auf diese Art und Weise junge, noch unfertige Menschen für die Ideale des Sozialismus gewinnen? Wohl kaum!
Als ich sechzehn Jahre alt war, hing ich mit meinen Kumpels ebenfalls in einer Garage herum. Zum Bier trinken, rauchen und Musik hören. " AC / DC, CCR, Sweet, das ganze Spektrum eben. Alles andere als " sozialistische Kampflieder". Aber nichts was die DDR in ihren Grundfesten erschüttern würde. Jetzt stelle ich mir mal vor, wir hätten friedlich in der Garage gesessen, Musik gehört und die Seele baumeln lassen, plötzlich wäre die Tür aufgeflogen........ Ob ich dann später selbst zur Volkspolizei gegangen wäre? Bei solch einer Erfahrung mit dem Staat DDR und seinen Organen?
Jugend neigt zum Widerspruch. Zum opponieren. Manchmal schießen Jugendliche dabei leider auch über das angestrebte Ziel hinaus.
Gartenschläger und seine Freunde wollten sich mit der Schließung der Grenze nach Westberlin nicht abfinden. Anders als die stumme Masse. Die zwar "knurrte", sich ansonsten aber passiv verhielt.
Mit der Absicht ein Zeichen zu setzen, zündeten Gartenschläger und einige andere Jugendliche, eine LPG-Scheune an. Es dauerte nicht lange, bis die Gruppe um Gartenschläger der Tat überführt werden konnte. Ihnen drohte ein Gerichtsverfahren und eine langjährige Haftstrafe. So weit so gut!
Brandstiftung ist eine Straftat! Die nicht umsonst vom Gesetzgeber als Verbrechen deklariert wurde. Aber was dann mit ihnen geschah, darf man ebenfalls mit Fug und Recht als Verbrechen bezeichnen! Eines das die Brandstiftung sogar noch weit in den Schatten stellte:
Die Verhandlung fand nicht in einem Gerichtssaal statt. Sondern in einem großen Klubhaus in Strausberg. Von Anfang an sollte die Öffentlichkeit, anders als bei ähnlichen Prozessen üblich, in den Verlauf der Verhandlung einbezogen werden. Sollten doch der Ablauf der Verhandlung und mehr noch, die gefällten Urteile, eventuelle Nachahmer abschrecken. Dabei ging es nicht um " bloße Brandstiftungen", sondern um Proteste gegen den Mauerbau. Noch immer steckte der SED-Führung das Trauma des 17.Juni 1953 ganz tief in den Knochen. Alle Angeklagten erhielten langjährige Haftstrafen. Weit, weit über das für Brandstiftungen vorgeschriebene Maß hinaus. Um wenigstens den Anschein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren, wurde die Brandstiftung zum " Terrorakt" erhoben.
Michael Gartenschläger wurde als Haupttäter, zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Noch einmal für alle: dieses Urteil traf einen siebzehnjährigen Jugendlichen! Der das ganze Leben noch vor sich hatte! Nein, das war kein " überhartes Urteil". Das war ein politisch motiviertes Verbrechen! Begangen von einem Staatsanwalt und einem Richter. Also studierten Juristen!! Ähnlichkeiten mit dem Volksgerichtshof der Nazis sind durchaus erkennbar! Auch wenn man mich für diesen Satz schelten sollte.
Michael Gartenschläger verbrachte die nächsten zehn Jahre, bis zu seinem Freikauf durch die Bundesrepublik, in Haft. Zehn grausam harte Jahre! Vor allem für einen jungen Mann. Andere gründen in diesem Alter Familien, oder genießen anderweitig das Leben. Während Gartenschläger hinter Gittern schmorte. Das sich in ihm unvorstellbarer Hass auf die DDR anstaute, ist doch wohl mehr als verständlich! Aus menschlicher Sicht völlig normal.
Andere wären daran wahrscheinlich zerbrochen. Nicht so Michael Gartenschläger. Außenstehende mögen seine Aktionen gegen die DDR nach dem Freikauf verwundern. Setzte er sich doch damit erneut der Gefahr aus, in die Fänge der verhassten DDR zu geraten. Aber genaugenommen waren die oft wahnwitzig anmutenden " Husarenstreiche" doch nur konsequent! Die DDR hatte ihm wertvolle Lebensjahre gestohlen. Gartenschläger zahlte es dem verhassten Staat mit Zinsen wieder zurück.
Spätestens mit dem Abbau des ersten " Todesautomaten" versetzte er der um internationale Anerkennung ringenden DDR einen heftigen Schlag. Hatte doch Honecker die Existenz dieser mörderischen " Automaten" vehement bestritten!
Jetzt auch noch mal für alle: die Trichter der "Todesautomaten" zielten nach Osten! Sie waren dazu bestimmt, " Arbeiter und Bauern vor der Flucht aus dem Paradies abzuhalten". Und nicht etwa als Schutz vor dem " Bitterbösen Klassenfeind". Wie einige besonders verbohrte noch heute glauben.
Gartenschlägers Aktion blamierte die DDR bis auf die Knochen! Was für ein Staat, der seine Bürger mit heimtückischen "Todesautomaten" im eigenen Land halten muss!
Ob man Gartenschläger dafür als Held betrachten darf? Nun ja, hätte er solch ein Ding vom Zaun eines KZ geklaut, für den die "Automaten" ursprünglich konzipiert waren, dann wäre die Antwort wohl nicht schwer gefallen!
Möglicherweise besaß Gartenschläger auch eine Menge negativer Eigenschaften. Die ihn immer wieder, im blinden Hass gefangen, gegen die Grenzanlagen anrennen ließen. Vielleicht wollte er ja auch das angenehme mit dem nützlichen verbinden? Immerhin brachten die von ihm abgebauten "Automaten" eine Menge Geld ein. Was jedoch den Heldenstatus arg erschüttert!
Ohnehin gibt es echte Helden, ohne Fehl und Tadel, nur im Märchen. Zumindest sagt die Erfahrung, dass sich auch Menschen mit charakterlichen Defiziten zuweilen heldenhaft verhalten. Ich denke da nur an Oskar Schindler. Der als Trinker und Weiberheld bekannt war. Und doch unzähligen Juden das Leben rettete.
Wer weiß wie das Leben dieses Michaels Gartenschläger, ohne Mauerbau und Schandurteil, verlaufen wäre? Möglicherweise völlig normal. Genauso wie das Leben von Grenzsoldaten. Die von einer Sekunde auf die andere über Leben und Tod entscheiden mussten. Oder an der Grenze, an der sie überhaupt nicht sein wollten, selbst getötet wurden.
Gartenschläger war weder ein lupenreiner Held, noch ein Terrorist. Aber ein Opfer der deutschen Teilung!!

Gruß an alle
Uwe

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ABV
27.10.2014 17:11von Alfred
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ABV,

nur mal als Hinweis.

Die "Trichter" konnten ja nicht nach Westen ausgerichtet werden, denn das "beschießen" eines fremdes Landes ist verboten !

27.10.2014 17:13von Krepp
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Zitat von ABV im Beitrag #568

Jetzt auch noch mal für alle: die Trichter der "Todesautomaten" zielten nach Osten!

Nöö, das machten die nicht, sondern immer Quer zum Grenzverlauf - also auch mal nach Norden, Osten, Süden und Westen.

Zitat

Gartenschläger war weder ein lupenreiner Held, noch ein Terrorist. Aber ein Opfer der deutschen Teilung!!


. Das unterschreibe ich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das nicht!

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