#57177

Michael Gartenschläger ein Held oder nur leichtsinnig ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.11.2008 16:38
von altgrenzer • ( Gast )
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Der schwarze Mann

Ende April 1976 kam ich als frischgebackener Uffz an die Grenze. In einer Spätschicht kam hoher Besuch in den Abschnitt, der Stabchef vom Bat. Mein PF war ein Feldwebel. Der Stabchef erklärte, warum an meinem Postenplatz Scheinwerfer aufgestellt sind:

Es gäbe eine besondere Situation, vom Westen her würde sich ein schwarz gekleideter Mann am Zaun zu schaffen machen und SM 70 Minen abzubauen. Der besondere Befehl lautet in diesem Fall: Licht an, Feuer. Sofern tagsüber westliche PKW mit Kennzeichen HL oder HH gesichtet werden, sind diese zu melden.

Es kam die Nachtschicht zum 1. Mai und die Maidemonstration in Heiligenstadt. Zwei Politoffiziere vom Regiment unterhielten sich fröhlich und der eine sagte: Das Schwein ist tot (hab ich damals jedoch als Jägerzeugs verstanden). Niemand sprach wieder über die Scheinwerfer die dann vor sich hinrosteten. Kein Wort über den schwarzen Mann.

Viele Jahre später....

Ich recherchierte im Internet zur Selbstschussanlage G 501 bzw. SM 70 und fand eine Website über Michael Gartenschläger. Auf dieser Website stand, dass G. im April 1976 Minen SM 70 abgebaut hat und in der Nacht zum 1. Mai 1976 in einem Hinterhalt erschossen wurde von einem Sonderkommando der Stasi.

Sofort nahm ich Kontakt zum Webmaster der Seiten auf, ein sehr netter Beamter vom Grenzzolldienst GZD. Wir führten viele Telefonate und mein ehemaliger Feind schickte mir CD's und weiteres Material zum Fall Gartenschläger und zur Grenze. Der Zöllner hatte, kurz bevor Michael G. erschossen worden ist, einen Kontrollgang in diesem Abschnitt bei Lübeck. Er vermittelte mich weiter zu einem Freund Gartenschlägers, der in der besagten Nacht dabei war, als es passierte.

L., der Zeitzeuge Michael Gartenschlägers interessierte sich ganz besonders für den Befehl, den mir der Stabchef damals gab: Licht an, Feuer. Er sagte, dass das genauso gewesen ist, M.G. wollte nur mal eben eine Mine zünden, lief auf DDR-Gebiet, dann ging plötzlich das Licht an und drei Magazine wurden leergefeuert.

Gartenschläger war ja auch leichtsinnig, nachdem er 2 Minen abgebaut hatte, erzählte er überall von weiteren seiner Vorhaben. Weder der BRD-Regierung noch der DDR waren die abgebauten Minen recht. Die BRD (damals Brandt) wollte Normalisierung der Beziehungen und die DDR anerkennen (was zum Glück nicht passierte). Mielke soll getobt haben, nach dem Vorfall und gab seinen Frust an die Grenzer weiter so nach dem Motto, lasst euch was einfallen. Vermutlich war der Befehl, den ich vom Stabchef bekam, ein Arbeitsfehler des Stabchef, der i, übrigen heute auch nicht mehr lebt: Er ist bei einer Sauferei erschossen worden.

Kurze Zeit später, als ich L. aus HH kennenlernte, wurde ein Film gedreht "Gegen die Grenze" in dem es auch um Michael Gartenschläger ging. L. bat mich darum, in diesem Film den besonderen Befehl "Licht an, Feuer" zu erläutern. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit sagte ich zu und ein Kamerateam aus München war dann bei mir, um die Szene zu drehen. Wer den Film anschaut, sieht mich jedoch nur als Schatten.

Juristisch hat meine Aussage keinerlei Bedeutung. Die Mörder Gartenschlägers sind freigesprochen worden.

Der Hinterhalt war feindwärts vom 3m Zaun. Es waren keine Grenzer, sondern ein Killerkommando der Stasi.


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zuletzt bearbeitet 17.11.2009 13:27 | nach oben springen

#57178

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.10.2014 14:17
von Thunderhorse | 5.887 Beiträge | 9068 Punkte

Zitat von Ari@D187 im Beitrag #542
Zitat von 94 im Beitrag #528
Zitat von Barbara im Beitrag #499
Aber vielleicht kann einer von ihnen etwas mehr dazu sagen.

Guck Dir in Ruhe mal das Buch (Link vom @ERT) an ...
http://books.google.de/books?id=duKgtkXX6ToC&pg=PA807

Offiziell wurde es Grenzgebiet genannt werden, Grund wie schon im oben genannten Buch angegeben, waren die Wiener Verhandlungen (MBFR). Achso, der §8(2)GG war da schon eindeutig bezüglich der Begrifflichkeiten, um so überraschender wenn dann im ND 'militärisches Sperrgebiet' steht. Das es nun de facto ein solches war, na da braucht man nur mal einen Blick auf eine Missions-Karte zu werfen ...
Gesamtkosten aller Grenzsicherungsanlagen 1961- 1989 #44
[...]

Sehr schön zusammengefasst.
Als Ergänzung, da ich mit angesprochen war: Da das Grenzgebiet vom sonstigen Territorium abgegrenzt und militärisch gesichert war, hat das Grenzgebiet (theor. 5000 m) bzw. der Schutzstreifen (theor. 500 m) in meinen Augen den Charakter eines militärischen Sperrgebiets. Dem wird entgegengehalten, daß sich im Schutzstreifen Ortschaften mit entsprechender Zivilbevölkerung befanden, was diesem Charakter wiederum widerspricht.

Stellt sich die Frage, wie es sich dann bei einem offiziell als militärisches Sperrgebiet deklariertem Gebiet, welches von einem zivilen Wachdienst bewacht wird, verhält.

Gruß
Ari


Die Eintragungen auf den Karten für die MVM waren kein militärisches Sperrgebiet, es waren Sperrgebiete für die MVM, die auf den Verkehrsstraßen von diesen auch durchquert werden konnte bzw. Tankstopp, Kaffeetrinken, etc. war möglich..
Aber woher soll der unbedarfte bzw. eine 0013 auch Wissen.

Ari, Du müßtest inzwischen, nach längerter Zeit in diversen Foren, Wissen welche konkreten Aufgaben die GT, NVA-Kdo Grenze hatte. Wenn nicht, mach Dich mal schlau.
Auch so wegen der Einstufung des Grenzgebietes in eine Sperrzone (hinterer Bereich des Grenzgebietes bis zum Schutzstreifen) und einen Schutzstreifen (Grenzverlauf bis Beginn Sperrzone)
Und Bevölkerung im Umfang von so round about 180 000 Personen in den 80er Jahren, in einem militärischen Sperrgebiet (Grenzgebiet, Anmelkrung), macht sicherlich Sinn.

Im übrigen gibts die dafür vorhandenen Dokumente hier im Forum, Alfred oder eine Doppel-0 können da sicherlich beim Suchen helfen.

Und Deine letzte Frage als ehemaliger BW-ler kannste sicherlich selbst beantworten. So auf räumliche Grenzen beschränkt.

Ansonsten weiterhin, frohes Produzieren von Schrott.


"Mobility, Vigilance, Justice"



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zuletzt bearbeitet 26.10.2014 14:19 | nach oben springen

#57179

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.10.2014 14:18
von Thunderhorse | 5.887 Beiträge | 9068 Punkte

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #554
Zitat von 94 im Beitrag #552


Achso, wieso gut sichtbar am Zaun hängende Minen perfider sein sollen, wie die in den Minenfeldern verbuddelten, erschließt sich mir nicht. Und als einen Zivilisten habe ich einen in den Abschnitt eingdrungenen Angreifer auch nicht wahrgenommen, also zumindest nicht bis zu seiner erfolgreichen Festnahme.



Nun, könnte vielleicht damit zu tun haben: So weit ich weiß, war die Sprengkraft der verbuddelten Minen so, das es "nur" zu Extremitäten-Verletzungen bzw. Amputationen gekommen ist. Okay, ist scheiße genug. Die SM 70 wurden nach meiner Kenntnis eigentlich dafür entwickelt, in Bodenhöhe angebracht zu werden. Aus gewissen Gründen klappte es aber nicht, sie so einsatzfähig zu bekommen. Bis irgendwer die Idee hatte, sie einfach höher anzubringen........wodurch eine tötliche Verletzung wahrscheinlicher wird. Das könnte man dann schon als perfide bezeichnen......


Auch so ein besonders fachlicher Beitrag.


"Mobility, Vigilance, Justice"



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#57180

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.10.2014 14:47
von 94 | 12.952 Beiträge | 9534 Punkte

Wie wärs denn, wenn Du mal einen fachlichen Beitrag leistest, hä? Hier zum Beispiel wird explizit nach dem Donnergaul gerufen ... Suche nach einer ganz "speziellen" Grenz-Übergangsstelle


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Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!



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zuletzt bearbeitet 26.10.2014 14:48 | nach oben springen

#57181

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.10.2014 15:12
von Ari@D187 | 2.228 Beiträge | 750 Punkte

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #561
[...]Ansonsten weiterhin, frohes Produzieren von Schrott.

Dieser letzte Satz ist eines Experten unwürdig und qualifiziert den kompletten Beitrag für die Schrott-Tonne!

Ansonsten sind mir alle wiederholten Belehrungen bekannt, ich hatte ja auf die Diskrepanzen hingewiesen.


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...



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#57182

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.10.2014 15:50
von kein Name angegeben • ( Gast )
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Eigentlich müßte das Thema lauten:
"Wir basteln einen Helden".......


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#57183

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.10.2014 19:02
von SET800 • ( Gast )
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Zitat von Barbara im Beitrag #547

Da bist du ja fester im Glauben als sogar das ehm. Politbüro.



Hallo,
die müssen ja sich anders äussern um in Verfahren betreff Strafverfogung oder Rente nicht Nachteile zu erlangen, sich am regierungseitig politisch gewollten also ausrichten. Ansonsten meine ich NICHT daß die Lösung befestigte Staatsgrenze zu bejubeln war. Ich bin aber der Meinung daß aufgrund der realpolitischen Situation, des kalten Krieges und volkswirtschaftlich daraus sich ergebenden Zwängen zum Wohle der DDR-Gesamtbevölkerung keine andere Lösung machbar erschien, auch nicht die der wirtschaftlichen Kapitulation vor der BRD, mit Sicherheit nicht ohne Zustimmung der UdSSR. Und eben nur die zu Schaden kammen die weder staatliche Anweisungen und Gesetze beachteten noch bereit waren die politische Notwendigkeit inviduell zu akzeptieren, leider war es so.
Und wie hier geschrieben, es wurde mit deutlichem Vorfeldaufwand aus Überwachung, Zugangskontrollen und Warnschildern versucht Zwischenfälle möglichst zu vermeiden.

Schrieb nicht hier einer daß bei Festnahmen am Zaun deutlich nachgeforscht wurde warum der Störer ( und wenn der nur den Dienstablauf störte ) bis dahin gelangen konnte?




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zuletzt bearbeitet 26.10.2014 20:03 | nach oben springen

#57184

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.10.2014 19:07
von kein Name angegeben • ( Gast )
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Das Thema ist doch eigentlich ausgekaut. Jeder Grenzer kann doch froh sein, dass in seiner Zeit niemand so ein Ding abgeschraubt oder hochgejagt hat. Der war kein Held und sollte auch nicht dazu gemacht werden. Stellt euch doch mal vor ihr hättet bei sowas zusehen oder eingreifen müssen. Da habe ich doch lieber Hasen und Rehe beobachtet.

Der Hesselfuchs




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#57185

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 16:51
von ABV | 4.386 Beiträge | 1551 Punkte

Zitat von Merlini im Beitrag #567
Das Thema ist doch eigentlich ausgekaut. Jeder Grenzer kann doch froh sein, dass in seiner Zeit niemand so ein Ding abgeschraubt oder hochgejagt hat. Der war kein Held und sollte auch nicht dazu gemacht werden. Stellt euch doch mal vor ihr hättet bei sowas zusehen oder eingreifen müssen. Da habe ich doch lieber Hasen und Rehe beobachtet.

Der Hesselfuchs


Vielleicht können wir uns ja abschließend darauf einigen, Michael Gartenschläger als Opfer zu bezeichnen. Ja, er war ein Opfer der Zeitumstände und der deutschen Teilung. Ich weiß das klingt womöglich für einige provokatorisch. Das soll es aber nicht. Viel mehr möchte ich zum nachdenken anregen.
Michael Gartenschlägers Lebensweg ist doch im wesentlichen bekannt. 1944 geboren, war er im Jahre 1961, im Jahr des Mauerbaus, ein ganz normaler Jugendlicher. Der in Strausberg, einem noch heute nicht sehr ansehnlichen Nest, dreißig Kilometer vor den Toren Berlins gelegen, aufwuchs. Viel Abwechslung gab es schon damals nicht für junge Menschen. Mit anderen gründete er in einem Schuppen, in der Müncheberger Straße in Strausberg, einen " Ted Herold-Fanklub". Wer Ted Herold war oder ist, dürfte jeden bekannt sein: ein völlig harmloser deutscher Rocksänger. Dessen Platten Gartenschläger und die anderen Ted Herold-Fans aus Strausberg bis zum 13. August 1961 noch ohne Umstände im nahen Westberlin kaufen konnten. Bis der Bau der Mauer den Jugendlichen auch noch den letzten Spaß nahm.
Mehr noch: weil ein " Ted Herold-Fanklub" nicht in das sozialistische Weltbild passte, stürmte eines Tages die Volkspolizei den kleinen Schuppen und beschlagnahmte Poster und Schallplatten. Für die nun kein Ersatz mehr beschafft werden konnte.
Fürchteten sich die DDR-Oberen damals sogar vor einem schmalzigen Sänger wie Ted Herold? Ganz ehrlich: das ist doch an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten!
Spätestens jetzt sollte man wenigstens versuchen, sich in die Strausberger Jugendlichen um Michael Gartenschläger hineinzuversetzen. Wie hättet ihr denn gedacht und gefühlt, wenn euch so etwas widerfahren wäre? Kann man auf diese Art und Weise junge, noch unfertige Menschen für die Ideale des Sozialismus gewinnen? Wohl kaum!
Als ich sechzehn Jahre alt war, hing ich mit meinen Kumpels ebenfalls in einer Garage herum. Zum Bier trinken, rauchen und Musik hören. " AC / DC, CCR, Sweet, das ganze Spektrum eben. Alles andere als " sozialistische Kampflieder". Aber nichts was die DDR in ihren Grundfesten erschüttern würde. Jetzt stelle ich mir mal vor, wir hätten friedlich in der Garage gesessen, Musik gehört und die Seele baumeln lassen, plötzlich wäre die Tür aufgeflogen........ Ob ich dann später selbst zur Volkspolizei gegangen wäre? Bei solch einer Erfahrung mit dem Staat DDR und seinen Organen?
Jugend neigt zum Widerspruch. Zum opponieren. Manchmal schießen Jugendliche dabei leider auch über das angestrebte Ziel hinaus.
Gartenschläger und seine Freunde wollten sich mit der Schließung der Grenze nach Westberlin nicht abfinden. Anders als die stumme Masse. Die zwar "knurrte", sich ansonsten aber passiv verhielt.
Mit der Absicht ein Zeichen zu setzen, zündeten Gartenschläger und einige andere Jugendliche, eine LPG-Scheune an. Es dauerte nicht lange, bis die Gruppe um Gartenschläger der Tat überführt werden konnte. Ihnen drohte ein Gerichtsverfahren und eine langjährige Haftstrafe. So weit so gut!
Brandstiftung ist eine Straftat! Die nicht umsonst vom Gesetzgeber als Verbrechen deklariert wurde. Aber was dann mit ihnen geschah, darf man ebenfalls mit Fug und Recht als Verbrechen bezeichnen! Eines das die Brandstiftung sogar noch weit in den Schatten stellte:
Die Verhandlung fand nicht in einem Gerichtssaal statt. Sondern in einem großen Klubhaus in Strausberg. Von Anfang an sollte die Öffentlichkeit, anders als bei ähnlichen Prozessen üblich, in den Verlauf der Verhandlung einbezogen werden. Sollten doch der Ablauf der Verhandlung und mehr noch, die gefällten Urteile, eventuelle Nachahmer abschrecken. Dabei ging es nicht um " bloße Brandstiftungen", sondern um Proteste gegen den Mauerbau. Noch immer steckte der SED-Führung das Trauma des 17.Juni 1953 ganz tief in den Knochen. Alle Angeklagten erhielten langjährige Haftstrafen. Weit, weit über das für Brandstiftungen vorgeschriebene Maß hinaus. Um wenigstens den Anschein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren, wurde die Brandstiftung zum " Terrorakt" erhoben.
Michael Gartenschläger wurde als Haupttäter, zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Noch einmal für alle: dieses Urteil traf einen siebzehnjährigen Jugendlichen! Der das ganze Leben noch vor sich hatte! Nein, das war kein " überhartes Urteil". Das war ein politisch motiviertes Verbrechen! Begangen von einem Staatsanwalt und einem Richter. Also studierten Juristen!! Ähnlichkeiten mit dem Volksgerichtshof der Nazis sind durchaus erkennbar! Auch wenn man mich für diesen Satz schelten sollte.
Michael Gartenschläger verbrachte die nächsten zehn Jahre, bis zu seinem Freikauf durch die Bundesrepublik, in Haft. Zehn grausam harte Jahre! Vor allem für einen jungen Mann. Andere gründen in diesem Alter Familien, oder genießen anderweitig das Leben. Während Gartenschläger hinter Gittern schmorte. Das sich in ihm unvorstellbarer Hass auf die DDR anstaute, ist doch wohl mehr als verständlich! Aus menschlicher Sicht völlig normal.
Andere wären daran wahrscheinlich zerbrochen. Nicht so Michael Gartenschläger. Außenstehende mögen seine Aktionen gegen die DDR nach dem Freikauf verwundern. Setzte er sich doch damit erneut der Gefahr aus, in die Fänge der verhassten DDR zu geraten. Aber genaugenommen waren die oft wahnwitzig anmutenden " Husarenstreiche" doch nur konsequent! Die DDR hatte ihm wertvolle Lebensjahre gestohlen. Gartenschläger zahlte es dem verhassten Staat mit Zinsen wieder zurück.
Spätestens mit dem Abbau des ersten " Todesautomaten" versetzte er der um internationale Anerkennung ringenden DDR einen heftigen Schlag. Hatte doch Honecker die Existenz dieser mörderischen " Automaten" vehement bestritten!
Jetzt auch noch mal für alle: die Trichter der "Todesautomaten" zielten nach Osten! Sie waren dazu bestimmt, " Arbeiter und Bauern vor der Flucht aus dem Paradies abzuhalten". Und nicht etwa als Schutz vor dem " Bitterbösen Klassenfeind". Wie einige besonders verbohrte noch heute glauben.
Gartenschlägers Aktion blamierte die DDR bis auf die Knochen! Was für ein Staat, der seine Bürger mit heimtückischen "Todesautomaten" im eigenen Land halten muss!
Ob man Gartenschläger dafür als Held betrachten darf? Nun ja, hätte er solch ein Ding vom Zaun eines KZ geklaut, für den die "Automaten" ursprünglich konzipiert waren, dann wäre die Antwort wohl nicht schwer gefallen!
Möglicherweise besaß Gartenschläger auch eine Menge negativer Eigenschaften. Die ihn immer wieder, im blinden Hass gefangen, gegen die Grenzanlagen anrennen ließen. Vielleicht wollte er ja auch das angenehme mit dem nützlichen verbinden? Immerhin brachten die von ihm abgebauten "Automaten" eine Menge Geld ein. Was jedoch den Heldenstatus arg erschüttert!
Ohnehin gibt es echte Helden, ohne Fehl und Tadel, nur im Märchen. Zumindest sagt die Erfahrung, dass sich auch Menschen mit charakterlichen Defiziten zuweilen heldenhaft verhalten. Ich denke da nur an Oskar Schindler. Der als Trinker und Weiberheld bekannt war. Und doch unzähligen Juden das Leben rettete.
Wer weiß wie das Leben dieses Michaels Gartenschläger, ohne Mauerbau und Schandurteil, verlaufen wäre? Möglicherweise völlig normal. Genauso wie das Leben von Grenzsoldaten. Die von einer Sekunde auf die andere über Leben und Tod entscheiden mussten. Oder an der Grenze, an der sie überhaupt nicht sein wollten, selbst getötet wurden.
Gartenschläger war weder ein lupenreiner Held, noch ein Terrorist. Aber ein Opfer der deutschen Teilung!!

Gruß an alle
Uwe


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#57186

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:11
von Alfred | 8.663 Beiträge | 7708 Punkte

ABV,

nur mal als Hinweis.

Die "Trichter" konnten ja nicht nach Westen ausgerichtet werden, denn das "beschießen" eines fremdes Landes ist verboten !




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#57187

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:13
von Krepp | 694 Beiträge | 1591 Punkte

Zitat von ABV im Beitrag #568

Jetzt auch noch mal für alle: die Trichter der "Todesautomaten" zielten nach Osten!

Nöö, das machten die nicht, sondern immer Quer zum Grenzverlauf - also auch mal nach Norden, Osten, Süden und Westen.

Zitat

Gartenschläger war weder ein lupenreiner Held, noch ein Terrorist. Aber ein Opfer der deutschen Teilung!!


. Das unterschreibe ich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das nicht!


Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin



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#57188

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:16
von SET800 • ( Gast )
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Welche Perspektive hätte er denn ohne Freikauf aber mit guter Führung nach weiteren 2, 5 oder 8 Jahren gehabt?

Wie war die DDR-Justizpraxis mit lebenslänglich, regelmäßig oder immer grundsätzlich bis zum Tod?




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#57189

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:19
von exgakl | 7.960 Beiträge | 3744 Punkte

@ABV Uwe für mich Gartenschläger ein Krimineller.. nicht mehr, auch nicht weniger..... mit deiner Herangehensweise kann ich auch U-Bahn Schläger als Opfer bezeichnen und das liegt mir fern!

VG exgakl


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#57190

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:34
von Alfred | 8.663 Beiträge | 7708 Punkte

ABV,

Du musst das Strafmaß auch in die damalige Zeit einordnen. Dies sollte nicht ausgeblendet werden. Keiner hat das Recht aus irgendeinen Grund eine Scheune oder auch einen anderen Gegenstand in Brand zu setzen. Für ein solches Verhalten gibt es keine Entschuldigung. Und einige deiner Ansätze mit Richtung NS - Zeit sind aus meiner Sicht schwer daneben.

Man sollte aufpassen, dass man mit einer gewissen Logik bestimmten Personen keinen Freifahrtsschein für Gewalttaten ausstellt.


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#57191

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:35
von ABV | 4.386 Beiträge | 1551 Punkte

Zitat von exgakl im Beitrag #572
@ABV Uwe für mich Gartenschläger ein Krimineller.. nicht mehr, auch nicht weniger..... mit deiner Herangehensweise kann ich auch U-Bahn Schläger als Opfer bezeichnen und das liegt mir fern!

VG exgakl

Hallo Karsten!
Im Prinzip hat jede Straftat eine Ursache. Da ist zuvor etwas gewaltig schief gelaufen in der Entwicklung. Um einen Täter wieder auf den richtigen Weg zu bringen, bedarf es vieler Maßnahmen. Mit " Kanonen auf Spatzen schießen", sprich einen siebzehnjährigen wegen einer abgefackelten Scheune zum Terroristen zu erklären und lebenslänglich hinter Gitter zu sperren, gehört nicht dazu . Diesen Kriminellen hat die Justiz selbst erschaffen.

Gruß Uwe


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#57192

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:36
von Alfred | 8.663 Beiträge | 7708 Punkte

Zitat von ABV im Beitrag #574
Zitat von exgakl im Beitrag #572
@ABV Uwe für mich Gartenschläger ein Krimineller.. nicht mehr, auch nicht weniger..... mit deiner Herangehensweise kann ich auch U-Bahn Schläger als Opfer bezeichnen und das liegt mir fern!

VG exgakl

Hallo Karsten!
Im Prinzip hat jede Straftat eine Ursache. Da ist zuvor etwas gewaltig schief gelaufen in der Entwicklung. Um einen Täter wieder auf den richtigen Weg zu bringen, bedarf es vieler Maßnahmen. Mit " Kanonen auf Spatzen schießen", sprich einen siebzehnjährigen wegen einer abgefackelten Scheune zum Terroristen zu erklären und lebenslänglich hinter Gitter zu sperren, gehört nicht dazu . Diesen Kriminellen hat die Justiz selbst erschaffen.

Gruß Uwe


ABV,

er war wohl erst kriminell ...


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#57193

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:37
von exgakl | 7.960 Beiträge | 3744 Punkte

Zitat von ABV im Beitrag #574
Zitat von exgakl im Beitrag #572
@ABV Uwe für mich Gartenschläger ein Krimineller.. nicht mehr, auch nicht weniger..... mit deiner Herangehensweise kann ich auch U-Bahn Schläger als Opfer bezeichnen und das liegt mir fern!

VG exgakl

Hallo Karsten!
Im Prinzip hat jede Straftat eine Ursache. Da ist zuvor etwas gewaltig schief gelaufen in der Entwicklung. Um einen Täter wieder auf den richtigen Weg zu bringen, bedarf es vieler Maßnahmen. Mit " Kanonen auf Spatzen schießen", sprich einen siebzehnjährigen wegen einer abgefackelten Scheune zum Terroristen zu erklären und lebenslänglich hinter Gitter zu sperren, gehört nicht dazu . Diesen Kriminellen hat die Justiz selbst erschaffen.

Gruß Uwe


Ja mit dem Huhn oder Ei ist es immer so ein Ding... man sollte die damalige Zeit nicht vergessen, die war eben eine völlig andere....


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#57194

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:42
von ABV | 4.386 Beiträge | 1551 Punkte

Zitat von Alfred im Beitrag #575
Zitat von ABV im Beitrag #574
Zitat von exgakl im Beitrag #572
@ABV Uwe für mich Gartenschläger ein Krimineller.. nicht mehr, auch nicht weniger..... mit deiner Herangehensweise kann ich auch U-Bahn Schläger als Opfer bezeichnen und das liegt mir fern!

VG exgakl

Hallo Karsten!
Im Prinzip hat jede Straftat eine Ursache. Da ist zuvor etwas gewaltig schief gelaufen in der Entwicklung. Um einen Täter wieder auf den richtigen Weg zu bringen, bedarf es vieler Maßnahmen. Mit " Kanonen auf Spatzen schießen", sprich einen siebzehnjährigen wegen einer abgefackelten Scheune zum Terroristen zu erklären und lebenslänglich hinter Gitter zu sperren, gehört nicht dazu . Diesen Kriminellen hat die Justiz selbst erschaffen.

Gruß Uwe


ABV,

er war wohl erst kriminell ...


Stimmt! Brandstiftung ist ein Verbrechen. Aber der Richter der einen siebzehnjährigen deshalb ein Leben lang wegsperrt, ist nicht weniger kriminell!!
Strafen sollen auch erziehen!

Gruß Uwe


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#57195

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 17:57
von eisenringtheo | 10.552 Beiträge | 5502 Punkte

Die Anklage hat so richtig zugeschlagen...
Vom Amerika-Haus aufgeputscht
Jugendliche Provokateure vor dem Bezirksgericht
Strausberg (ND). Vor dem I. Strafsenat des Bezirksgerichts Frankfurt (Oder) begann am Mittwoch in Strausberg ein zweitägiger Prozeß gegen eine konterrevolutionäre Gruppe. Angeklagt sind wegen Diversion, staatsgefährdender Gewaltakte, Hetze und Propaganda der Oberschüler Gerd Resag, der Lehrling Michael Gartenschläger, der Schlosser Karl-Heinz Lehmann, der Malergehilfe Gerd-Peter Riediger und der Oberschüler Jürgen Höpfner aus Strausberg. Sie haben von Januar 1961 bis zum 18. August in Strausberg und Umgebung fortgesetzt und planmäßig die Grundlagen der volksdemokratischen Staats- und Gesellschaftsordnung in der DDR angegriffen. Sie versuchten, durch Gewaltakte und Drohungen die Bevölkerung in Furcht und Schrecken zu versetzen und ihr Vertrauen zur Arbeiter-und-Bauern- Macht zu erschüttern. Sie schmierten konterrevolutionäre Losungen und forderten Tätlichkeiten gegen fortschrittliche Bürger.
Die Angeklagten setzten eine mit Erntegut gefüllte Feldscheune der LPG Typ III in Wilkendorf in Brand, wodurch ein volkswirtschaftlicher Schaden von 50 000 DM entstand. Mit Sprengstoff und Waffen wollten sie gegen Fahrzeuge der Nationalen Volksarmee, der Deutschen Volkspolizei und gegen Angehörige der sowjetischen Armee vorgehen. Im Wald von Strausberg bauten sich die Mitglieder der konterrevolutionären Gruppe einen Erdbunker als Ausweichlager. Höhepunkt fand ihr Staatsverbrechen in den Vorbereitungen zu einem bewaffneten Grenzdurchbruch nach Westdeutschland und darin, daß sie auf dem Wege dorthin im Raum von Sachsen und Thüringen weitere Gewaltakte verüben wollt en.
Die Angeklagten Gartenschläger und Riediger gründeten im Jahre 1960 in Strausberg einen „Ted Herold Club". Innerhalb dieses Klubs organisierten sie Fahrten nach Westberlin. Aufgeputscht von der Schmutz- und Schundliteratur, von Filmbesuchen in den Grenzkinos und das 'Hören von Feindsendern verbanden sich die Angeklagten im Januar 1961 zu einer staatsfeindlichen Gruppe. Entsprechend ihrer konterrevolutionären Zielstellung standen die Angeklagten mit dem berüchtigten „Amerika-Haus in Westberlin in Verbindung. Sie waren auch dabei, mit anderen Spionage- und Agentenzentralen in Westberlin „Kontakte" herzustellen. Ermuntert und aufgeputscht durch das Auftreten von Brandt und dem Westberliner Frontstadtmob, verstärkten sie nach den Maßnahmen unserer Regierung vom 13. August ihre staatsfeindliche Tätigkeit.
Der Prozeß wird am Donnerstag fortgesetzt.

Neues Deutschland, Do. 14. September 1961

Ted Herold:

Theo


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zuletzt bearbeitet 27.10.2014 17:59 | nach oben springen

#57196

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 18:46
von Nostalgiker | 2.881 Beiträge | 1279 Punkte

Kamen zu dieser Brandstiftung nicht auch noch ein paar "Staatsfeindliche" Parolen an Häuserwände gepinselt dazu?

Diese Mischung, Protest gegen den Bau der Mauer in Form von Parolen/Losungen an Mauerwände geschrieben, die Brandstiftung, eine offensichtliche "Verherrlichung" westlich/dekadenter Musik in Form des 'deutschen Elvis' (damals ein Milchbubi von Anfang 20) der diesen für Spießer und Kleinbürger Ost wie West schrecklichen Rock'n'Roll sang ....., also diese ganze dem angestrebten 'Sozialismus' in der DDR gegenüberstehende negativ-feindliche Einstellung und Haltung von M. Gartenschläger muß und sollte mit bei der heutigen Betrachtung der damaligen Ereignisse zumindest erwähnt werden.

Selber war ich damals, 1961/62 noch zu jung um das ganze Ausmaß dieser staatlich geschürten und gesteuerten Hysterie gegen alles was aus dem Westen kam, nur zu dem Zweck um 'unsere Jugend' zu verderben und um sie von den wirklichen Aufgaben, den mit Eifer und Freude zu begehenden Aufbau des Sozialismus in der DDR, abzuhalten zu verspüren und zu verstehen.

'Amerika' und daher kam diese schreckliche Musik, war damals die Inkarnation des Bösen. Alles was aus diesem Land kam war schlecht und nur zu einem Zweck da, nämlich die Menschen daran zu hindern zu erkennen das das Glück dieser Erde nicht auf dem Rücken der Pferde sondern bei der Vollbringung großer Aufbautaten für den Sozialismus, die neue Gesellschaft liegt.
Zu einer neuen Gesellschaft gehört auch ein neuer Mensch und der begeistert sich nicht für Musik welche nur niedere Instinkte weckt und freisetzt ......

Hm, hab ich jetzt so ungefähr die Argumentation der damaligen Zeit getroffen?

Diese Mischung aus damaliger Zeit, die strickte Trennung zwischen 'dekadenter Lebensweise' welche aus dem Westen; vornehmlich Amerika; kam und der positiven, fortschrittlichen gesellschaftlichen Lebensweise; welche die Zukunft bedeutete, krimineller und politisch motivierter Taten (aus Sicht der Staatsmacht) führte in dieser konkreten Zeit zu diesem völlig überzogenen Urteil für den 'Rädelsführer'. Ach ja, wenn Gartenschläger der Rädelsführer war, dann war die Clique mit seinen Kumpels gleich noch eine reaktionäre und konterevolutionäre Bande welche den erfolgreichen Aufbau des Sozialismus nachhaltig stören wollte.
Das man gegen "sowas" aus Sicht des Staates mit aller Härte vorgehen mußte und auch gegangen ist stößt Heute weitgehend auf Unverständnis.

Noch was zur "schiefgelaufenen" Entwicklung und zur heutigen Auffassung wie mit Intensivtätern umgegangen werden sollte.
Hallo, das war vor über 50 Jahren! Damals hatte die Jugend zu parieren und parierte auch meistens.
Frühkindliche Traumata, 'schiefgelaufene Erziehung' waren kein Thema um den Täter und seine Tat zu relativieren und ihn zu entlasten.
Eher waren da noch die Eltern schuld weil sie es zuließen das ihr Kind den sich den schlechten, westlichen Einflüssen aussetzte.

Heutiges Gutmenschengetue und ich versteh in aller erster Linie den Täter; schwere Kindheit; ist zwar nett, hilft im Ernstfall auch heute nicht wirklich weiter.

Gruß
Nostlagiker

PS.: Während ich das schrieb hat @eisenringtheo den dies ziemlich gut illustrierenden Artikel aus den ND eingestellt. Danke dafür.


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Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler


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#57197

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.10.2014 18:54
von FRITZE • ( Gast )
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Was wäre ,wenn in dem angestecktem Objekt ein Mensch zu Schaden gekommen wäre ?
Und Gartenschläger hatte nach dem Verlassen der DDR seine zweite Chance ! Weil er sie nicht genutzt hat ,ist er ein Opfer ?

Garantiert ist er das ! Aber nur ein Opfer seiner Selbstsucht ,seiner Gier und seiner Blödheit !

Wer von Euch Diskutierern war jemals am Gartenschlägereck gewesen ?




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