Agitatoren und Sendekollektive in den Grenzkompanien

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11.02.2010 01:49
#1
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Sie waren keine inhaltlich tragende Säule der politischen Arbeit, aber theoretisch müssen es viele gewesen sein. Man bezeichnete sie als Agitatoren. Das war keine politische Funktion, es wurden einfach Soldaten und Unteroffiziere ausgewählt und bestimmt, dass sie jetzt "Agitatoren" sind. Es wurde auch vom sogenannten Agitatorenkollektiv der der Kompanie gesprochen. Der Stellvertreter des Kompaniechefs für politische Arbeit war für die Auswahl der Agitatoren, ihre Anleitung und die Organisation von Beratungen des Agitatorenkollektivs verantwortlich. Ein oder zwei dieser Agitatoren wurden auch zur Unterstützung der Sichtagitation (Wandzeitungen) eingesetzt.

Daneben gab es noch das sogenannte Sendekollektiv, das nach der Einführung der ELA-K (Kompaniesende- und Empfangsanlage) Anfang bzw. Mitte der 80-er Jahre in jeder Kompanie zu gründen war.

Theoretisch hätten aus jedem Zug 2 Grundwehrdienstleistende, dazu pro Kompanie 2-3 Unteroffiziere, mindestens 1 Spezialist und 1-2 Grenzaufklärer im Agitatorenkollektiv sein müssen.

Soweit die hohe Theorie. Meine Frage ins Forum: Wer von Euch war damit konfrontiert und welche Erfahrungen damit habt Ihr damit gemacht?

ciao Rainman


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11.02.2010 02:08
avatar  S51
#2
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S51

Bei den GAK hat das regelmäßig die Gruppenführer/BU erwischt. Es gab wohl wenig, wovor sie sich so eifrig gedrückt haben. Wandzeitung - und dann liest das noch womöglich wer! "Mach du doch mal! Wie, keine Ahnung? Dann lass dir etwas einfallen. Irgendwas mit sozialistischem Wettbewerb. Dafür kriegste Ausgang nach Wernigerode!"
Also hat man ein paar Bildchen aus dem ND oder (lieber) der Jungen Welt mit irgendwelchen, gut klingenden Texten garniert und an die Tafel gepinnt. Diese Ehre hatte ich aber nicht zu oft, weil ich mir ab und an die falschen Themen ausgesucht habe. Oder unser Polit Ros.. die Kombinationen als etwas zu doppelbödig empfand.


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11.02.2010 07:51
avatar  a1 otti
#3
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Aaalso:

Agitator war ich nicht, aber ich habe zusammen mit einem anderen Uffz. an der SiK Marienborn das "Sendekollektiv" gebildet, wo wir dann (meist am WE) eine Art kleines Rundfunkprogramm mit eigenen (!!!) Musikkassetten gemacht haben. Irgendwelche Vergünstigungen gabs dafür nicht. Aber Spaß hats trotzdem gemacht und ich denke, dass es vielen auch gefallen hat.

Ralf


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11.02.2010 08:45
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#4
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Zitat von a1 otti
Aaalso:

Agitator war ich nicht, aber ich habe zusammen mit einem anderen Uffz. an der SiK Marienborn das "Sendekollektiv" gebildet, wo wir dann (meist am WE) eine Art kleines Rundfunkprogramm mit eigenen (!!!) Musikkassetten gemacht haben.



Ralph, das war dann ja wohl ziemlich derb an der Grenze zu illegalen Dingen was.....eigene Musikkasetten....ooh Mann, mir wurden meine Kasetten und mein Walkman weggenommen weil eigene Tonträger und Abspielgeräte strikt verboten waren....

groetjes

Mara


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11.02.2010 08:45
avatar  Grete85
#5
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Hallo,
bei uns in Spahl gabs auch ein Sendekollektiv.Ich war auch mit von der Partie.Wir haben auch eine "Hitparade"gemacht.Mit mitgebrachten Kassetten.Haben eine Liste mit Titeln in der Kompanie rumgehn lassen und dann die meist gewünschten gespielt. Bei Marcus "Ich will Spaß" war ich etwas langsam mit leise drehen.Bei der Stelle, wo er singt"Deutschland,Deutschland hörst du mich"(oder so ähnlich) ist der Polit ausgeflipt.Ok, der Titel ist dann von der Liste geflogen.Aber es hat trotzdem Spaß gemacht.

Gruß Grete


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11.02.2010 09:11
avatar  a1 otti
#6
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@grete
"ich will spaß".... war das nicht der Titel, wo man an der bestimmten Stelle immer LAUT drehen musste ? Jedenfalls war das bei uns der Fall, allerdings nur, wenn die Kompanie nicht von KC oder Polit (nee, Pitti, du bist damit nicht gemeint) besetzt war. Der Hauptfeld hat das einigermaßen locker gesehen

@mara
ja, das war schon teilweise sehr grenzwertig, aber glücklicherweise waren sowohl KC als auch Polit nicht so sehr des englischen kundig und in der Musikszene auch nicht so vertraut, so dass vieles wohl durchging. Aber die Art und Weise, wie wir unsere "Sendungen" gestalteten, war schon derb....

Ralf


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11.02.2010 09:18
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#7
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( gelöscht )

"sendekollektiv" das habe ich hier das erte mal gehört (gelesen),
die wandzeitung wurde immer mal von den sed-mitgliedern erneuert.
ich habe die bücherkiste betreut, das hat richtig spass gemacht.


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11.02.2010 09:31
avatar  skbw
#8
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eine ELA-K gab es bei uns nicht und demzufolge auch kein Sendekollektiv. Auch vom Agitatorenkollektiv höre ich jetzt zum ersten Mal. In meiner GK gab´s das nicht.


bis bald, skbw


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11.02.2010 12:17
#9
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Hallo zusammen,

danke für die ersten Berichte über die Zeit.

@Mara - ich glaube nicht, dass sich irgendeiner bei den Grenztruppen in der Kompanie Gedanken über Urheberrechte gemacht hat. Für die aus dem Osten galt: Wir verteidigen auch Euch, also habt Euch nicht so. Und für die aus dem Westen galt: Kommt doch her, wenn Ihr was wollt.

@skbw: Ich finde es auch durchaus interessant, wenn Du sagt, so etwas gab es bei Euch nicht. Na gut - wenn keine ELA-K, dann kein Sendekollektiv. Das ist recht klar. Wenn es eine gab, dann war ein Sendekollektiv aufzustellen. Das war, soweit ich mich recht entsinne, eine Weisung der Politischen Verwaltung der Grenztruppen. Das galt übrigens auch für das Agitatorenkollektiv. Das stand in keiner Vorschrift und war auch kein Befehl. Es war eine Weisung der PV der GT. Es hätte so etwas geben müssen.

Also, ich bin auf weitere Rückmeldungen dazu gespannt!

ciao Rainman


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11.02.2010 13:20
avatar  Grete85
#10
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Zitat von Grete85
Hallo,
bei uns in Spahl gabs auch ein Sendekollektiv.Ich war auch mit von der Partie.Wir haben auch eine "Hitparade"gemacht.Mit mitgebrachten Kassetten.Haben eine Liste mit Titeln in der Kompanie rumgehn lassen und dann die meist gewünschten gespielt. Bei Marcus "Ich will Spaß" war ich etwas langsam mit leise drehen.Bei der Stelle, wo er singt"Deutschland,Deutschland hörst du mich"(oder so ähnlich) ist der Polit ausgeflipt.Ok, der Titel ist dann von der Liste geflogen.Aber es hat trotzdem Spaß gemacht.

Gruß Grete



Ach übrigens, die Kassetten von damals hab ich noch.(irgendwo)


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11.02.2010 14:44
#11
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ein richtiges Sendekollektiv gab es bei uns nicht. Vielleicht auf dem Papier, aber genaueres ist mir nicht bekannt. An meinen Diensten am Wochenende (Diensthabener der Kompanie) nahm ich ab und zu mein ZK 120 T(Spulentonbandgerät) mit und konnte nach Rücksprache mit unsererem Polit über die ELA etwas Musik abspielen. Nachdem die "Sendungen" bei den Soldaten gut angekommen waren, wurde ein Mischpult (Regie 2000) sowie ein Mikrofon und die erforderlichen Kabel besorgt. Urplötzlich tauchte auch noch der ARE vom Hauptfeld auf und ich hatte schon zwei Geräte zur Verfügung um eine Musiksendung zu erstellen. Die Musiktitel auf Kassette bekam ich zum überwiegenden Teil von unserer Grenzjugend (junge Freunde der Grenztruppen). So nach und nach fanden sich u.a. der Waffenuffz. sowie unser FDJ Sekretär ein und übernahmen wenn ich keinen Kompaniedienst, hatte die Sendungen.
Richtig los ging es eigendlich erst, als ich ein Jahr Innendienstkrank (Gehörsturz) geschrieben war. Da ich fast jeden driten Tag nun DH war, konnte ich nun auch mehr Sendungen wie zu vor machen.
Um den Transport der Geräte zu vermeiden, wurde im Politzimmer extra ein verschließbarer Schrank aufgestellt in welchem nun unsere Technik gelagert werden konnte. Vom KC bekamen wir Kopfhörer geschenkt und vom ZF der GAKl ein zweites ZK 120 T sowie mehrere ORWO Tonbänder.
Musikwünsche konnten geäußert werden............ob diese immer zu erfüllen waren. Ich habe mich bemüht.
Ärger gab es nur einmal..........unser Waffenuffz. hatte ein Band aufgelegt, wo zwischen Musiktiteln laut und deutlich zu hören war "RIAS Berlin.......".
Bei Veranstaltungen der Kompanie - so z.B. zum Sportfest, erhielten wir vom GR eine mobile Sendeanlage und konnten auch im Freien senden.
Hat sehr viel Spaß gemacht und ich muß auch sagen, dass meine 24 Stunden Dienste etwas abgerundet wurden. Sogar das WSG wurde vom DH Raum ins Polizimmer verlegt, damit ggf. bei Grenzlagen der Informationsaustausch zwischen KGSi und Kp. gewährleistet war. Die Sendungen wurden nur zur Vergatterung der Posten unterbrochen.
In der Zeit, nachdem ich nach Berlin versetzt worden bin, konnte so etwas auf Grund der fehlenden Möglichkeiten nicht mehr gemacht werden. Schade..............aber es wurden auch Wege und Möglichkeiten gefunden, dem Soldaten insbesondere im Feldlager etwas Angenehmes zu schaffen. In Streganz wurde ein Lagerfeuer organisiert sowie ein Gruppenausgang. In Rütnick ein gemeinsamer Abend und in Annaburg Lagerfeuer. Zu einer Veranstaltung durften sogar pro Mann zwei Flaschen Bier a 0,33l ausgegeben werden - und dies auf Befehl des KGR.
Fazit: Befehle und Weisungen von oben waren schön und Gut. Aber die Eigeninitiative war ein entscheidener Faktor.


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11.02.2010 17:08
#12
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Bei uns gab es auch ein Sendekollektiv,es wurden viele Wunschtitel gespielt.An einen kann ich mich besonders erinnern "Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei"von Stephan Remmler.Die Musik war meißt so laut das Anrufe aus dem Ort kamen
Gruß Roland


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11.02.2010 17:34
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#13
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( gelöscht )

Hi,

in Vacha haben wir auch Kompanieradio gemacht, Chef (wenn ich mich nicht irre) war der Polit.

Es wurden ausschliesslich Wunschhits gespielt, das ging querbeet...wenn ich es noch in Erinnerung habe, war das immer am Wochenende. Ich werde die Ansage des Leutnants nie vergessen, der eine australische Interpretin ankündigte: "Jetzt kommt Kilie Minosch ( Kylie minogue ) mit ei schut bie so laggie ( i should be so lucky )! War lustig.....


MfG


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11.02.2010 19:46
avatar  sentry
#14
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...um mal Otti's Ausführungen zu bestätigen: Das war praktisch Grenzradio mit damaligen Mitteln für einen festen Hörerkreis. Der Anteil Agitation war auch ungefähr genauso hoch wie in Eurem Grenzradio.
Die Jungs haben einfach mit viel Witz (damit ist nicht nur Humor sondern auch die Art und Weise der Titelplatzierung gemeint) die Beschallung der Buden übernommen, die sonst nur Zonensender hätten übernehmen dürfen - und DA gabs ja nun unbestritten Agitation, da kann man auch "Stimme der DDR" oder DT64 nicht ausnehmen.


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11.02.2010 23:42
#15
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Ja, die Sendekollektive standen oft nur auf dem Papier. Man musste nur dafür sorgen, dass die Leute, die auf dem Papier standen, auch davon wussten. Der Deal war folgender: Du kannst natürlich gern im Sendekollektiv aktiv arbeiten oder Du hast Deine Ruhe, sagst aber bei einer Kontrolle, was wir so alles machen. In der Kompaniesicherung war nicht viel Raum für Initiative, wenn nicht so einer wie Stabsfähnrich in der Kompanie war.

Mir hatte mal eine Berufsunteroffizier eine Kassette in die Hand gedrückt. Es war der komplette Mitschnitt einer Sendung von Otto und das stammte bestimmt nicht von einem Ostsender. Als ich merkte, dass er mich gelinkt hatte, stand ich vor der Frage, das Band anzuhalten. Ich entschied, dass ich mich damit noch mehr zum Obst mache. Also habe ich es durchlaufen lassen. Die Beschwerden hielten sich in Grenzen.

ciao Rainman


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