Schulalltag in der DDR

  • Seite 1 von 13
17.01.2010 13:14
avatar  ( gelöscht )
#1
avatar
( gelöscht )

Hallöchen,
wir machen ein Projekt mit den Thema:Jugend in der DDR und ich mache das Thema Schule.Jetzt habe ich zwar sehr viele Informationen dazu gefunden (polytechnische Oberschule,etc.)aber ich finde es viel interessanter wie eigentlich der Schulalltag war,wie die Schüler es empfunden hatten.Wurde man durch die Schule politsch beeinflusst? Gab es Fächer die eigentlich niemand mochte,aber trotzdem Pflicht waren? Wie waren die Lehrer? Wie denkt ihr später über die Schulzeit?
Also eigentlich alles was in irgendeiner Weise mit Schule in der DDR zu tun hat,egal was schreibt einfach wsa euch dazu einfällt.

Vielen,vielen Dank schon einmal für eure Berichte


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 14:15
avatar  ( gelöscht )
#2
avatar
( gelöscht )

Hmmm ja Schulaltag Bäumchen....

....nun ja, bevor ne Unterrichtsstunde begann gab es immer ne Meldung...einer aus der Klasse musste neben dem Lehrer stehen, die Klasse stand auf, der blöde Pioniergruss wurde gemacht und der der vorne stand drehte sich zum Leher und meldete Frau Sowiso, die Klasse ist zum Unterricht bereit.....darauf sgate die Lehrerin zur Klasse: *Pioniere seid bereit*, worauf die Klasse dann schmettern sollte: *immer bereit*....daraus wurde allerdings meistens ein desinteressiertes Raunen: *immer breit*

Auf dem Schulhof gab es zu besonderen Anlässen immer nen Fahnenappell mit genausolchen Grussritualen und Auszeichnungsausreichen und so...echt nich sehr beliebt, eher alles andere als das....

Naja, der Unterricht war frei von Idiologien soweit es die naturwissenschaftlichen Fächer betraf....man hatte ansonsten schon mächtig Rotlicht verpasst bekommen....dazu gab es extra ein Fach, das sich Staatsbürgerkunde schimpfte....elend langweilig und man war froh, wenn die Stunde zuende war....

....ab der 8ten Klasse in etwa kam dann noch ein Fach dazu, das war dann der Wehrkundeunterricht.....den gabs aber nich im regulären Stundenplan, nein einmal mussten wir Tage unserer Winterferien dazu opfern und einmal mussten wir im Sommer zwei Wochen in ein paramillitärisches Camp...mit Uniformen und allem....es glich der Grundausbildung bei der Armee und sollte uns auf die Dienstzeit bei der NVA vorbereiten....

....in der Schule selbst wurde der Sport sehr gefördert....ich war in mehreren Mannschaften, zB beim Volleyball, Fussball und Handball....mit der Handballmannschaft sind wir sogar mal Kreismeister gewesen....

Was auch typisch für die DDR war, ist das man seid der ersten Klasse zu den Kinderorganisationen gehören musste....erst die Jungpioniere, dann Thälmannpionieren und später zur FDJ, der Freien Deutschen Jugend...sich dessen zu verweigern hatte Folgen...ich wollte mal aus den Thälmannpionieren austreten weil es mir eh nichts brachte, es gab ne Klassenkonferenz und ich hatte das Gefühl als Abtrünnige betrachtet zu werden....ich hab klein bei gegeben, bin aber eh nich mehr auf die Pioniernachmittage gegangen jeden mittwochs Nachmittag...das blieb dann aber allerdings ohne Folgen....

Ich war übrigens zwischen 1976 und 1986 in einer POS, der Politechnischen Oberschule....später in der Berufsschule war alles sehr sehr locker und die beiden Rotlichtfächer Staatsbürgerkunde und Sozialistisches Recht sitzte man halt aus und der Lehrer sagte einem nur, was man eben zum Abfragen alle paar Wochen vortragen musste, damit es ne gute Note gab, das dauerte dann immer 10 Minuten, den Rest der Stunde ham wa dann Karten gespielt oder uns anders beschäftigt....

...achja noch was, ich hatte oft Ärger wegen meinen Klamotten....ich bekam ja nu fast alles aus dem Westen und das stass den Lehrern oft bitter auf...ich hatte zB einen Bundeswehrparker mit der Fahne auf dem Ärmel...wo das moniert wurde, zog ich einen Kulli aus der Tasche und malte da HammerZirkelÄhrenkranz stillistisch drauf und frachte ob et den nun gut sei....der Lehrer kochte beinahe, riss sich dann aber doch zusammen und ich trug meinen Parker noch bis er auseinanderfiel....auch mit bedruckten T-Shirts hab ich ähnliche Probs gehabt wenn sie allzu politisch waren....hatte mal eins, wo die Erdkugel drauf war mit beiden politischen Lagern und der russische und amerikanische Leiter mit grimmiger Mine und Raketen die ihnen aus den Köpfen entwuchsen und dann halt nen passenden Spruch dadrunter....kam nich gut an, da ja angeblich nur die im Westen die Schlechten sein sollten....

groetjes

Mara


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 14:50
avatar  ( gelöscht )
#3
avatar
( gelöscht )

Hallo Baumchen,

nun ja, aus er Schule bin ich schon einige Zeit raus. Die meisten meiner noch heute lebenden Lehrer grüße ich immer noch freundlich. Und mit dem einen oder anderen schnacke ich regelmäßig im Supermarkt oder anderswo.

Läßt man mal den ganzen politischen Ballast (z.B. Staatsbürgerkunde 1 bis 2 Stunden die Woche oder die lästigen Fahnenappelle) ) weg und verhielt sich einigermaßen systemkonform, so waren die meisten der Lehrer bemüht, uns Rüstzeug für den späteren Beruf und das Leben mit zu geben. Hoch angebunden waren während meiner Schulzeit die naturwissenschaftlichen Fächer - also Mathe, Physik, Chemie, Biologie. Aber auch Deutsch und natürlich Russisch waren Hauptfächer.

In den oberen Klassen gab es dann einmal im Monat den „UTP“ – Unterrichtstag in der Produktion. Da waren wir dann einem Betrieb zugeteilt, welcher uns in die Arbeitswelt einführte – wirklich nicht die schlechteste Erfindung !

Nicht schlecht fand ich auch die Vergabe von sogenannten Kopfnoten auf dem Zeugnis für „Betragen“, „Fleiß“ und „Mitarbeit“ während des Unterrichts.

Und: Die Disziplin an meiner Schule war eine ganz andere, als heute. Vor den meisten Lehrern hatten wir als Schüler noch Respekt. Das äußerte sich zum Beispiel daran, dass wir uns von unseren Plätzen erhoben, wenn der Lehrer zu Unterrichtsbeginn die Klasse betrat.

Im Prinzip hatten wir in der DDR das, worüber sich die Kultusminister der Länder heute noch streiten, nämlich eine Ganztagsschule.
Der Unterricht umfasste etwa 4 bis 7 Schulstunden (a 45 min). Anschließend konnte man in den Hort, um seine Hausaufgaben zu erledigen oder sich in diversen Arbeitsgemeinschaften (Sport, Kunst, Musik, Zeichnen, Basteln usw..) betätigen. All diese Angebote waren in der Regel kostenlos. Für das tägliche Mittagessen in der nahegelegenen Schulspeisung bezahlten wir 50 Pfennige pro Tag.

Etwas nervig fand ich die zunehmende Politisierung in den Schulen. Das am meisten „gehasste Fach“ war mit Sicherheit „Staatsbürgerkunde“. Eigentlich ging es hier darum, als Schüler seine Verbundenheit zum Staate zu demonstrieren. Im Prinzip war es ein pures Nachplappern irgendwelcher Parolen. Das Problem: Es zählte zu den Hauptfächern.
Rückblickend würde ich heute trotzdem sagen: Ich erinnere mich sehr gerne an meine Schulzeit.

Sicherlich hat Mara Recht: Wenn man sich öffentlich als Schüler gegen bestehende Regeln des Systems auflehnte, bekam man erhebliche Probleme. Zu meiner Zeit – Ende der 60-iger, Anfang der 70-ger Jahre - waren das aber wirklich Ausnahmen.

Vielleicht konnte ich dir ein wenig helfen.

Einen netten Gruß
Daniel


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 15:14
avatar  ( gelöscht )
#4
avatar
( gelöscht )

Da kann ich gar nicht so viel schreiben, wie mir einfällt. So werde ich (wenn nötig) meinen Senf dazu nach Bedarf in Etappen zugeben. ich möchte den kollegen ja nicht verschrecken, denn ich könnte auch Sachen berichten, die nicht repräsentativ waren und somit das Gesamtbild verfälschen würden.

Zitat von Daniel
n den oberen Klassen gab es dann einmal im Monat den „UTP“ – Unterrichtstag in der Produktion. Da waren wir dann einem Betrieb zugeteilt, welcher uns in die Arbeitswelt einführte – wirklich nicht die schlechteste Erfindung !



Wenn ich daran denke, mit welchen unterschiedlichen, natürlich vollkommen neuen "Modellprojekten" heute daran gebastelt wird, den Kindern und Jugendlichen den Weg in die Berufswelt zu zeigen, kann einem schon übel werden. Der UTP war dazu bestens geeignet, ist aber eben DDR-Relikt und somit nicht einfach so zu übernehmen. Natütlich gab es da auch Unterschiede in der Qualität der Durchführung, aber man bekam einen Einblick in die Produktionswelt und konnte schon einmal seine Interessen und Eignungen in bestimmten Bereichen testen.

In der Abiturstufe hatten wir dann das Fach "Wissenschaftlich-Praktische Arbeit", also UTP auf eher wissenschaftlichem Niveau. Ich erinnere mich, dass wir da z. B. in einem Aluminiumwerk eine Vereinfachungsformel für den Temperaturverlauf an Gießwalzbandagen aufgestellt haben, weil der Großrechner in Leipzig nicht im gewünschten Umfang zur Verfügung stand. Das fand ich schon recht anspruchsvoll.

OH


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 17:48
#5
avatar

In der 9.und 10.Klasse wurde Zivilverteitigung unterrichtet.Die Jungens mußten in ein GST Lager fahren.
Da wurden verschiedene Themen behandelt wie verhalten bei nuklear oder chemischen Angriff,Rot Kreuz Lehr-
gang,Taktig im Gelände und natürlich politischer Unterricht.Zur Krönung gab es zum Abschluss immer ein
Orientierungslauf durch`Gelände.Dieser Unterricht war Pflicht mußte von jeden wahr genommen werden.In der Berufsausbildung stand sogar auf dem Abschlußteugnis:erfolgreich an der vormilitärischen
Ausbildung teilgenommen,sonst hätte es kein Facharbeiter gegeben!
Nur die die den Dienst an der Waffe verweigerten brauchten nicht zu schiessen(KK)!


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 19:06
#6
avatar

Ich gestehe: ich war Ausbilder Ing.-Päd) im Schulsystem der DDR. UTP/PA . Unterrichtstag in der Produktion/ Praktische Arbeit. Damals konnten unsere Schüler noch Fahrradschläuche wechseln, Nägel in
die Wand schlagen, Vogelhäuser bauen, beim Moped Zündkerzen wechseln u.s.w.
Jetzt wird ein Dienstleister beauftragt

Gruß RF


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 19:15
avatar  ( gelöscht )
#7
avatar
( gelöscht )

Noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Beitrag:

In der DDR gab es ein einheitliches Bildungssystem mit zentralen Lehrplänen. An allen Schulen wurde also das Gleiche – in der Regel auch zur gleichen Zeit – gelehrt. Ein Schüler aus dem Norden hatte also zu einem bestimmten Zeitpunkt annähernd den gleichen Wissensstand wie sein „Kollege“ aus dem Süden, Osten oder Westen der DDR.

Und: Es gab zentrale Prüfungen sowie ein zentrales Abitur.

Gruß
Daniel


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 19:19
avatar  ( gelöscht )
#8
avatar
( gelöscht )

Damit hätte es also nicht passieren können, dass ein Mensch mit seinem Abitur zwar in England aber nicht in Bayern studieren konnte, wenn er dann dort hin gelangt wäre. OK zuviel Konjunktiv, aber ihr wißt schon, was ich meine.

OH


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 19:46
avatar  ( gelöscht )
#9
avatar
( gelöscht )

Ich möchte ja nicht das Thema gleich wieder zum entgleisen bringen, aber was machen wir denn im schönen Deutschland, und das nicht nur in der Bildung.
Wie im 17/18.Jahrhundert, jeder kocht sein Süppchen, der lehrt dies und der lehrt das und am Ende wundern wir uns, das der Schüler unheimliche Defizite auf X Gebieten hat.
Aber das war nur mal so ein Gedanke, einer für die Einführung der Ganztagsschulen, so wie die politechnischen Oberschulen der DDR.

R-M-R


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 20:16
avatar  PF75
#10
avatar

im großen und ganzen kann ich Danny_1000 nur zustimmen,nin auch 62-72 zur schule gegangen.zum respekt Lehren gegenüber,wer negativ auffiel wurde auch schon mal grob angefasst unddann gings wiederund keiner fand das schlimm.soeit ich mich erinnern kann waren ja die westdeutschen schulen und betriebe positiv überrascht vom ausbildungsstand der jugendlichen aus der DDR,also kann das bißchen "ROTLICHT" was man überall bekommen hat keinem geschadet haben und ihn negativ beeinflußt haben.


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 20:17
avatar  ( gelöscht )
#11
avatar
( gelöscht )

Zum eigentlichen Thema:

Bis zur vierten Klasse hab ich´s ja geschafft... - nee, es war sogar Anfang der Fünften.
Ich erinnere mich an die Riesen-Zuckertüte bei der Einschulung. Ein Cowboy-Kutsche war drinnen - das war was feines. Ich fand später, dass die Schultüten im Westen viel zu klein waren. Das Ding sollte gefälligst größer als ich sein - und das war sie auch.
Ab und zu gab es vor Schulbeginn Appell - aber nicht jeden Tag, wie das manche Medien einem weismachen wollen. Ich hab die sogar ganz gut gefunden - so wie mir der ganze Aufmarschkram und frühzeitliche Militärerziehung gefallen haben.
Letzter kam bei uns wohl mehr vor, als in anderen Familien, da wir mit Vater öfter zu irgendwelchen Schautagen der NVA durften - das war als kleiner Hüpfer schon gut.
In der Schule hatten wir unseren eigenen Schulgarten - richtig geackert haben wir da. Den Schwung eines Blecheimers, den ein Mitschüler lustvoll umherschleuderte, kann man heute noch als Narbe auf meinem Kopf bewundern. So kam ich wenigstens mal in den Genuss, einen Blaulicht-Barkass von innen zu sehen. In den kam meine Mutter Jahre zuvor auch - allerdings war das ne andere Farbe.
Heimatkunde hieß unsere politische Erziehung in den jungen Jahren - wenn man heute mal überlegt, dass kleine Stöpsel bereits den Angriff der Nazis auf die russischen Freunde durchnahmen... - ich erinnere mich besonders an die Bilder in den Schulbüchern, wo weinende Mütter ihre Gefallenen Söhne betrauern.
Regelmäßige Pionierveranstaltungen, Gesangswettbewerbe, viel in der Natur unterwegs.
Ja, die Schulzeit konnte auch schön sein.
Unangenehm in Erinnerung sind die vielen Auftritte bei unserer Direktorin, die (wie ich heute weiß) nach unserem Ausreiseantrag häufiger wurden. Wenn ich so aufmüpfig gewesen wäre, wie die mich hingestellt hat und wie mein Hausaufgabenheft aussah (jeden Tag rote Tadel), dann wäre ich wohl heute ein Knastbruder - aber eigentlich war ich das stillste Wasser überhaupt.
Sport war bei uns hammerhart - ein ehemaliger NVA-Ausbilder jagte uns durch den Saal einer Gaststätte bis zur Selbstaufgabe. Als Horror empfand ich immer das Klettern an der Kletterstange. In vier Jahren gab es nicht ein einziges Fussballspiel oder eine sonstige Mannschaftssportart - das war bestimmt nicht die Regel.
Nach der Schule ging´s in den Hort - da schreib ich nix zu - das habe ich gehasst.
Aber der 5. Klasse ging man dann in den Club Mittagessen und dann gings heim - das rote Hausaufgabenheft von der grinsenden Mama unterschreiben lassen.


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 20:45
#12
avatar

Hallo Baeumchen,

das ist wieder eine dieser herrlichen Fragen aus dem schwer beschreibbaren Raum, den man als das Spannungsfeld zwischen der Person und der Gesellschaft ansehen kann. Ich pick mir mal eine Kleinigkeit raus, die letztlich auf die Antwort: "Man kann die Dinge nunmal so oder so sehen" hinausläuft.

Ein großer Teil der Politik spielte sich in der Schule über die Massenorganisationen ab. Also zunächst die Jungpioniere, dann die Thälmannpioniere und zuletzt durch die FDJ. Diese Organisationen waren durchorganisiert. Bei den Pionieren, bei denen bleibe ich jetzt mal, gab es in der Klasse dei Pioniergruppe und den sogenannten Gruppenrat (Leitung mit 5 - 7 Pionieren). Auf Ebene der Schule gab es den Freundschaftsrat. Im Freundschaftsrat war in der Regel aus jeder Klasse ein Pionier. Für die Anleitung gab es pro Schule ja nach Stärke ein oder zwei Pionierleiterinnen (mir sind da keine Männer bekannt), die genauso ausgebildet wurden, wie Lehrer. Die Gremien (Freundschaftrat und Gruppenrat) tagten in der Regel einmal im Monat und die Pioniergruppe (= Klasse - Nichtpioniere) versammelte sich auch regelmäßig. Den Turnus weiß ich da aber nicht mehr. Das Lernen war offiziell Tei der Arbeit des Pioniers und er hatte sich im Gelöbnis auch entsprechend dazu verpflichtet. So etwas konnte einem am Ar... vorbeigehen, man konnte sich aber auch stolz fühlen, wenn man wegen guter Leistungen auch mal nicht nur gute Noten, sondern auch ein Lob über die Pionierorganisation bekam. Seitens der Schule bemühte man sich, Unterricht und gesellschaftliche Arbeit inhaltlich in Einklang zu bringen. Eines der markantesten Beispiele bot zu Pionierzeiten (in der 4. oder 5. Klasse ?) im Deutschunterricht das Buch: "Timur und sein Trupp" von Arkadi Gaidar. Dabei ging es um Kinder, die in der Zeit des 2. Weltkrieges in der Sowjetunion einen Trupp gebildeten hatten, der Menschen half, deren Söhne oder Angehörige in der Armee dienten, oder gefallen waren. Die literarische Figur des Timur, eines Jungen, der diesen Trupp aufgebaut hatte und leitete, wurde wie so vieles in der DDR zur "Bewegung". Die Timurbewegung oder auch Timurarbeit schuf aus uns sogenannte Timurhelfer, die vorzugsweise alten Menschen halfen beim Einkaufen, Kohlen holen etc. - und zwar unentgeltlich.

Nun kann man über sozialistische Indoktrination reden oder sagen, dass das doch eigentlich kein so schlechter Gedanke war. Viele machten mit, weil es eben gemacht wurde. Kaum einer von uns wurde dadurch zum wirklichen Samariter. Aber so insgeheim, wenn man merkte, dass man jemandem geholfen hatte und dass derjenige sich wirklich freute, dann war da schon so ein kleiner Stolz ...

ciao Rainman


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 20:59
#13
avatar

Bei den Pionieren gab es noch einen Unterschied später.Nicht mehr zu meiner Zeit.Da gab es dann die Jungpioniere ´mit den blauen Halstuch und die Thälmannpioniere mit den roten Halstuch.FDJ-ler wurde man mit 14 Jahren und das war meist in der 8.Klasse.So weit noch meine Erinnerungen-


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 21:07
avatar  Jens
#14
avatar

Schultag in der DDR
Lang ist es her und immer wieder erinnert man sich gern.
Mein Schuleintritt war 1975 und ich hatte eine wunderschöne Zuckertüte. Ich dachte,
ich bekomme pro Schuljahr so eine Tüte ,aber ich wurde eines besseren belehrt.
Von der 1. bis zur 4. Klasse hatten wir vormittags Schule.Darunter Deutsch, Musik, Heimatkunde,
Mathe, Sport, Werken und auch Schulgarten. Nachmittags war Hort.
Für alle die Hort nicht kennen, ich erläutere es mal kurz.
Vormittag war Unterricht, dann gab es Mittagessen. Nach dem Mittag wurden wir weiter betreut,
das hieß erstmal Mittagsruhe, dannach Hausaufgaben und wenn man damit fertig war durfte man spielen gehen.
Der Hort ging entweder bis 16.00 Uhr oder 17.00 Uhr, das kam ganz darauf an wie die Eltern Feierabend hatten.
Ab der 5. Klasse war der Hort vorbei und es ging mit Russisch und anderen Fächern weiter.
Auch wenn wir die sogenannte Rotlichtstunden hatten,(wie es so einige meinen), haben wir aber auch viel gelernt.
Es war ja auch der PA-Unterricht. Also handwerklich wurden wir gelehrt und ich kann als Mann auch noch nähen.
Also abschließend bin ich in der DDR nicht nur Rotlichtbeleuchtung durchgelaufen, sondern man hat mir vieles gelehrt.
So sehr ich früher Lehrer gehaßt habe, umso mehr achte ich sie jetzt.

Das mal so geschrieben, Jens


 Antworten

 Beitrag melden
17.01.2010 21:33
#15
avatar

Ah, eine Sache ist mir noch eingefallen, die ich bei meinen Kindern dann auch wirklich nachvollziehen konnte. Ein Geschichtsprofessor, der auch in der BRD Vorlesungen gehalten hatte, stöhnte einmal in einer Vorlesung an der Militärpolitischen Hochschule: "Ach Mensch, hier in der DDR kennen alle nur die Zusammenhänge! Keine Sau weiß, was da zusammenhängt, aber die Zusammenhänge kennen sie!" Und dann fügte er noch grimmig gemurnelt hinzu: "Und im Westen ist das genau umgekehrt!"

Das charakterisiert einen Teil der Lehrauffassung auch bereits an den Schulen. In der neunten und zehnten Klasse konnten einige schon recht gut über Produktivkräfte, Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse reden - Geschichts- und Staatsbürgerkundeunterricht lieferten da einiges an dem "Wissen über die Zusammenhänge". So erschien uns Geschichte immer als ein geradliniger Strom, der zum Sozialismus und endlich Kommunismus führen musste. Pardautz und plötzlich war alles nicht mehr so einfach ...

ciao Rainman


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!