Der Intershop

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16.01.2010 15:54
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#1
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Habe gerade eine gute Doku zum Thema Intershop gefunden. Eine Frage vorab:
1977 nahm Honecker erstmals Stellung zu den Intershops. Wer weiss, was er gesagt hat?


Intershop war eine Einzelhandelskette in der DDR deren Waren nur mit konvertierbaren Währungen bzw. später Forumschecks und nicht mit Mark der DDR bezahlt werden konnten. Ein nicht gewollter Nebeneffekt war dass der normale DDR-Bürger dadurch einen begrenzten Einblick in das Warenangebot des Westens bekam und mit dem Konsumgüterangebot der DDR vergleichen konnte.

Am 14. Dezember 1962 wurde in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) die staatliche Handelsorganistation Intershop gegründet. Es sollten frei konvertierbare Währungen erwirtschaftet werden. An Valuta herrschte in der DDR solch ein Mangel dass sogar kleinste Mengen willkommen waren. Zielgruppe sind Transitreisende und Besucher aus dem westlichen Ausland. Die erste noch mobilen Verkaufsstände wurden in Berlin im Bahnhof Friedrichstraße eingesetzt. Hier wurden hauptsächlich Zigaretten zu einem wesentlich günstigerem Preis als in Westberlin verkauft. Nach und nach kamen dann auch Alkohol und andere Waren hinzu. Schon 1962 wurden so 1 Million DM Umsatz gemacht.

Anfangs wurde der Intershophandel von der Mitropa organisiert. Mit der Einrichtung der ersten Interhotels wurden dann auch dort ein so genannter Zimmerservice eingeführt. Diese wurden meist in einem Hotelzimmer untergebracht und sollten auch dort zum Ausgeben von Valutawährungen animieren. Nach und nach wuchsen diese Geschäfte immer mehr.

Später wurden dann auch Geschäfte an Grenzübergangsstellen auf Rastplätzen an den Transitstrecken zwischen der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin und auf Bahnhöfen Flug- und Fährhäfen eingerichtet. Bezahlt werden konnte mit jeder frei konvertierbaren Währung vor allem mit Deutsche Mark (DM). Das Sortiment umfasste Nahrungsmittel Kleidung Spielwaren Schmuck Kosmetika technische Geräte Tonträger und vieles mehr. Diese Produkte gab es in der DDR für die offizielle Währung Mark der DDR gar nicht oder nur in minderer Qualität zu kaufen.

Bis 1974 war es DDR-Bürgern verboten Valuta zu besitzen. Durch Erlass der Ministerrates der DDR wurde dieses Verbot dann aufgehoben und DDR-Bürger durften auch in den Intershops einkaufen. Sie konnten Valuta jedoch nicht legal für Mark der DDR eintauschen. Legal waren nur Valutageschenke von Verwandten aus dem westlichen Ausland oder Arbeitsentgelt für Tätigkeiten im westlichen Ausland das anteilig in Valuta ausgezahlt wurde.

Valuta etablierten sich in der DDR neben Sachwerten wie Antiquitäten oder hochwertigen Lebensmitteln als Schattenwährung mit der man aber nicht in Läden und Verkaufseinrichtungen einkaufen konnte sondern nur im Intershop oder bei Bekannten. Ein üblicher (illegaler) Umtauschkurs war 1 DM für 4 Mark der DDR oft musste man aber noch deutlich mehr Mark der DDR für DM zahlen (bis zu 1:25). Umtauschwünsche werden sogar in Zeitungen der DDR annonciert. Dabei wurde kurzzeitig die Umschreibung "blaue Fliesen" in Anlehnung die Farbe von 100-DM-Scheinen verwendet. (Das war mir auch neu, AZ)
Der offizielle Umtauschkurs der DDR war 1:1. Dieser fand jedoch nur bei dem legal möglichen Umtausch von DM in Mark der DDR Anwendung zum Beispiel beim Zwangsumtausch für Bürger der BRD und West-Berlins beim Besuch der DDR oder die Bereitstellung von 15 DM Reisegeld für DDR-Bürger die ins westliche Ausland reisen dürfen. Die Mark der DDR war eine Binnenwährung sie durfte das Staatsgebiet der DDR nicht in westliche Richtung verlassen nur in andere Länder des RGW .

1974 gab es mittlerweile 271 Intershops. 1977 nahm Erich Honecker öffentlich im DDR-Fernsehen während einer Rede zu den Intershops Stellung. Aber die Bevölkerung sah ständig die unterschiedlichen Warenangebote.

Ab April 1979 mussten Valuta bei der Staatsbank der DDR in so genannte Forumschecks umgetauscht werden. Eine Forumscheck-Mark entsprach einer DM.

In den 1980er Jahren gab es mittlerweile 380 Filialen und der Umsatz ging in die Milliarden. Seit 1962 wurden in der DDR die Filalen von Exquisit (für hochwertige Bekleidung) und seit 1976 Delicat (für hochwertige Nahrungsmittel) aufgebaut und sollten so auch Bürgern der DDR ohne Westgeld den Zugang zu hochwertigen Waren ermöglichen. Dies war immer auch einer der Hauptkritikpunkte vieler Bürger der DDR die allein mit ehrlicher Arbeit nie etwas im Intershop hätten kaufen können.

Das MfS überwacht die Intershops sehr stark. Teilweise wurden auch Überwachungskameras eingesetzt und anfangs wurden sogar Pässe kontrolliert. Auch der Warentransport war gut gesichert. Trotzdem kam es aber zu zahlreichen Diebstählen und einigen teilweise bewaffneten Überfällen auf Intershop-Filalen. Bei der Aufklärung war neben der Volkspolizei immer auch das MfS beteiligt. Man stellte fest das auch Filalleiter und Angestellte häufig zur Tätergruppe gehörten. Man führte so in den 1980er Jahren ein dass das Verkaufspersonal einen Teil des Lohns in Westgeld bekommt und die Trinkgeldern nach festen Regeln abgeführt werden mussten.

Da man im Intershop nicht fotografieren durfte existieren nur sehr wenige Fotos aus dem Inneren der Läden. Die meisten stammen vom MfS. Im August 1984 erhielt der westdeutsche Fotograph Günther Schneider eine Sondergenehmigung. Er erstellte eine Fotoserie über die Intershopläden. Davon erhoffte man sich eine Umsatzsteigerung.

Eine Besonderheit stellten die Intershops im Bahnhof Berlin-Friedrichstraße dar.
Hier gab es auf den Bahnsteigen einige Intershops wo man auf der Fahrt im westlichen S- und U-Bahn-System (durch die Geisterbahnhöfe ) hier aus- und umsteigen konnte ohne die Grenzkontrolle passieren zu müssen.

Das bedeutete: Kein Zwangsumtausch beim Einkauf von billigen Spiritousen und Zigaretten. Im Szene-Jargon hieß der Bahnhof dafür Lodz (vielleicht nach dem Lied Theo wir fahr'n nach Lodz ). Hier existierte also zu der Zeit ein staatlich betriebener Markt der von mittellosen Menschen stark genutzt wurde. Die Kontrollen auf westlicher Seite waren quasi nicht vorhanden und die DDR brauchte die Devisen .

Im Gegensatz zu den Intershops auf den Transitautobahnen durch die DDR gab es hier auch richtige DDR-Produkte zum Kurs 1:1 zu kaufen. Es gab sogar auf dem U-Bahnsteig einen kleinen Buchladen bei dem man alles bestellen konnte was in der DDR lieferbar war. Da keiner nach einem Pass gefragt hat war dies gleichzeitig ein Treffpunkt ehemaliger DDR-Bürger die nicht mehr einreisen durften. Freilich konnten DDR-Bürger ohne Ausreisevisum nicht in diesen Bereich des Bahnhofs gelangen. Er diente ausschließlich dem Geschäft mit innerstädtischen Transitfahrgästen.

Aus http://www.uni-protokolle.de


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16.01.2010 17:47
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#2
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Jörg, eine Sache muss ich einmal in Frage stellen, diese" Delikatläden erst ab 1976 in der DDR?"
Das kann irgendwie nicht stimmen, denn meine ersten Zigaretten( Marlboro), die ich als dreizehnjähriger Bengel( 1966) geraucht habe, die haben wir vorher in der Gruppe Kumpels im Delikat geklaut, und zwar in den Innenstadtpassagen von Leipzig.
Aber vielleicht hat jemand andere Quellen, es kann auch sein, das die Läden am Anfang andere Bezeichnungen hatten.

R-M-R


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16.01.2010 18:03
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Duty Free Shops/Intershops-auch Basar genannt,gab es ab 1962 in der DDR.

seaman


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16.01.2010 19:00
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#4
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Delikatläden erst ab 1976 in der DDR?"

Also mir ist auch so, als wenn es Delikatläden schon eher gegeben hat.
Ich kann natürlich kein Datum angeben, aber als Stift hab ich leere Zigarrenkisten aus dem Deli gesammelt. Und ich schätze es war vielleicht 1970.
VG Affi


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16.01.2010 19:13 (zuletzt bearbeitet: 16.01.2010 20:20)
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#5
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http://de.wikipedia.org/wiki/Intershop_(Handel)
so ne gekürzte 1:1 Kopie (größtenteils Wortwörtlich) ist was tolles. Zumal es bei uni-Protokolle sogar als Wikipedia Klon gekennzeichnet ist. Großes Tennis


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16.01.2010 19:22
#6
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Zitat von Affi976
Delikatläden erst ab 1976 in der DDR?"

Also mir ist auch so, als wenn es Delikatläden schon eher gegeben hat.
Ich kann natürlich kein Datum angeben, aber als Stift hab ich leere Zigarrenkisten aus dem Deli gesammelt. Und ich schätze es war vielleicht 1970.
VG Affi



Die Exquisit-Läden wurden seit 1962 auf Beschluss des Ministerrates geschaffen und 1976 durch die Delikat-Läden ergänzt. Beide Handelsketten sollten den „gehobenen Bedarf“ abdecken. Die Bürger der DDR sollten die Möglichkeit haben, Waren der gehobenen Preisklassen zu erwerben.

Rhöni

Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.


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16.01.2010 19:29
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#7
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@Rhöni,
danke für die Information, so kann man sich irren. Ich hätte Stein und Bein geschworen, dass es eher war, aber so ist`s auch gut. Übrigens, einige der Kisten habe ich immer noch. Dienen heute als Behältnis für Abzeichen etc.
Was war man froh eine leere Handelsgoldkiste zu bekommen und den Duft der "großen, freien Welt" oder so ähnlich zu riechen
VG Affi


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16.01.2010 20:01
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#8
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Zitat von ralf
http://de.wikipedia.org/wiki/Intershop_(Handel)
so ne gekürzte 1:1 Kopie (größtenteils Wortwörtlich) ist was tolles. Zumal es bei uni-Protokolle sogar als Wikipedia Klon gekennzeichnet ist. Großes Tennis



Kein Problem Ralf - anmelden und einfach selbst solche ellenlangen Beiträge schreiben.
Unser Augenzeuge hat schon Dutzende in ähnlicher Länge selbst verfasst.


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16.01.2010 22:12
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#9
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intershop gut und schön ??? aber es gab da einen katalog genex.kennt jemand diesen katalog?????? dort wurden ostprodukte angeboten von a bis z für unser gutes geld auch sachen die es im intershop zu kaufen gab was viele nicht wussten gruß granate.


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16.01.2010 22:48
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#10
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Granate, der Genexladen in Leipzig war in der Kupfergasse. Da ich ein leidenschaftlicher Kinogänger bin, waren wir oft im Kino Casino an der Ecke vorn zum Neumarkt.
Der Laden war aber immer nur mäßig bestzt, mal ein, zwei Hanseln, also so dicke sah es auch bei Vielen mit der spendierfreudigen Verwandtschaft nicht aus.
War nur mal so ein Eindruck.

R-M-R


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16.01.2010 22:57
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#11
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Der Delikatladen in unserer Stadt wurde kontinuierlich erweitert. Eine Büchse Ananas in Scheiben 10 Ostmark! Heute kauft kaum noch jemand sowas. Eine Tafel Schokolade 8 oder 9 Ostmark! Sarotti kostete im Westen 0,69 oder 0.79 DM.
Die Kommunisten haben uns doch alle furchtbar betrogen!

Gruß aus der Prignitz!


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16.01.2010 23:00
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#12
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Äh, Rainer-Maria,

es war mir neu, das Genex auch Läden unterhielt - ich kenne nur die Kataloge, die seinerzeit aus der Schweiz verschickt wurden - da konnte man dann seine Verwandten in der DDR beglücken, bis hin zu einem kompletten Einfamilienhaus.

Bist Du sicher, dass Du da nichts verwechselst?

Gruss

icke


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16.01.2010 23:08
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#13
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Nein icke, ich bin mir eigentlich sich, weil, die ganzen Intershopläden, die kannte ich in Leipzig, zumal ich eine Freundin hatte, die drin gearbeitet hatte.
Also ich denke, ich bin mir sicher und das sogar das Genex draußen dranstand.
Aber hier gibt es noch mehr geborene Leipziger im Forum, die aussagekräftig sind.
Und wie geschrieben, man sah kaum jemanden darin.

R-M-R


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16.01.2010 23:24
avatar  icke46
#14
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Hallo, Rainer-Maria,

ich muss mich wohl korrigieren - sowas kann es durchaus gegeben haben. Habe gerade festgestellt, dass es wohl 2 Genex-Kataloge gab - einmal den Devisen-Katalog und dann den für Leute, die innerhalb der DDR bestellen konnten.

Von daher kann ich mir schon vorstellen, dass in den Läden nicht so viel los war wie in den Intershops - es war ja eine reine Katalog-Bestelllannahme.

Interessanter Link hierzu:

http://www.erdgastrasse-klier.de/album1.html

Gruss

icke


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16.01.2010 23:47
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#15
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( gelöscht )

icke, ein sehr schöner Beitrag über die Trasse. Ich muss auch sagen, durch diese Zeit in den sowjetischen Kasernen der DDR( GSSD) bin ich ein Freund des, heute würde ich sagen russischen Volkes geworden.
Damals waren es alles Bürger der Sowjetunion, egal ob Jude, Mongole, Tartar, Usbeke und, und, und....
Sie kamen mir immer von der freundlichen, menschlich warmen Seite entgegen und logisch, das es Ausnahmen gibt.
Aber sonst konnte ich nie klagen. Und die von der Trasse, das war schon zu Recht, das sie bei Genex einkaufen konnten, dafür haben sie auch hart genug geschuftet.

R-M-R


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