Die Flucht eines amerikanischen Soldaten und seine ungewollte "Landung" in der DDR

29.11.2009 14:09 (zuletzt bearbeitet: 29.11.2009 17:07)
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Mitten im Kalten Krieg entschied sich Grossman, seiner Zeit noch Stephen Wechsler, zur Flucht vor seinem Heimatland, das gerade Krieg gegen Korea führte und eine neue Runde der Kommunistenhatz im Innern ausrief. 1952 erhielt der in Bayern stationierte Soldat ein Schreiben der obersten Militärjustizbehörde in Washington, das ihm verheimlichte Kontakte zu diversen linken Gruppen in der Heimat unterstellte, verbunden mit der kargen Aufforderung, sich umgehend beim US-Militärgerichtshof in Nürnberg zu melden. Der Brief vermerkte drohend die Möglichkeit einer Geldstrafe in Höhe von 10 000 US-Dollar "und/oder fünf Jahren Gefängnis". Wechsler sah rot.

Allein die Vorstellung von kommunistischen Schauprozessen und Militärgefängnis war Wechsler, der im antifaschistischen Milieu groß geworden war, Grund genug für einen raschen Wechsel ins andere Lager. Hals über Kopf nahm der GI den nächsten Zug nach Linz, schwamm durch die Donau und hoffte über das in vier Besatzungszonen geteilte Österreich in die Sowjetunion zu entkommen. In die DDR wollte Wechsler ursprünglich auf gar keinen Fall. Das sozialistische Deutschland war in seiner Sicht zwar das bessere Deutschland, eines ohne Nazis, aber trotzdem hatte er nach eigener Aussage von den Deutschen "erst einmal genug". Aber vom sowjetischen Hauptquartier in Baden bei Wien ging es über die Tschechoslowakei dann doch in die DDR. Dort riet ihm ein sowjetischer Offizier zu einem neuen Namen, damit seine Verwandten in den USA nicht gefährdet und seine Spuren besser verwischt würden.

Stephen Wechsler hätte die panikhafte Flucht in den Warschauer Pakt nicht ergreifen müssen, meint der US-Historiker Mark Solomon im Nachwort von Crossing the River. "Seine Entscheidung zu desertieren erscheint im Nachhinein betrachtet irrational". Solomon glaubt im Blick auf vergleichbare Fälle, daß die Armee Wechsler allenfalls unehrenhaft entlassen hätte. Eine Gefängnisstrafe wäre ihm mit großer Sicherheit erspart geblieben, so Solomon.

Quelle und weitere Infos: http://parapluie.de/archiv/pakt/grossman/

Ein Interview mit Steve Wechsler alias Victor Grossman:
http://tiltonline.net/tilt/hefte/tilt9802/grossman.htm

Nach langer Suche hat die US-Armee Deserteure gefunden, die in die DDR geflohen waren:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9181911.html


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02.12.2009 12:10
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#2
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was es nicht alles so gab,ich kenne nur einen amerikaner in der ddr um dessen tod sich auch so manches geheimnis rankte-""dean reed""


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02.12.2009 12:33
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Zitat von bleschen
was es nicht alles so gab,ich kenne nur einen amerikaner in der ddr um dessen tod sich auch so manches geheimnis rankte-""dean reed""



Stimmt, der wohnte in unserem Nachbarort und soll auf der anderen Seeseite mit dem Auto im Wasser gelegen haben, irgendwie unter Drogen. Da gibts Parallelen zu Elvis. Er hiess ja auch Elvis des Ostens. Wurde aber großes Geheimnis um seinen Tod gemacht. Ich mochte den, hatte auch mal ne Platte von ihm.

Gruss Spider


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08.12.2009 12:06
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#4
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Ga gibt (gab) es auch einen autobiografischen Bericht in Buch form. " Der Weg über die Grenze" von Victor Grossman. 1985 Verlag Neues Leben, Berlin
Kostete damals 9,20 Mark
Mike59


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26.05.2010 22:53
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#5
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Weil es zum Thema passt, ein Textauszug aus " Die Welt,Mittwoch,30.Dezember 2009 aus dem Essay" Der Tag, an dem Ulrike Meinhof kam".

Wir schreiben den 14./15.Juni 1972.....
Da der 33-jährige Fritz Rodewald, ein Gastwirts-und Bauernsohn aus der niedersächsischen Provinz, in der Vergangenheit häufiger desertierenden US-Soldaten bei der Flucht behilflich war, indem er sie auf ihrem Weg nach Stockholm bei sich aufnahm, stellte er keine weiteren Fragen.
Textauszug Ende.

Wer weiß etwas über diese oben beschriebenen "häufigen Fahnenfluchten" im damaligen Westdeutschland...siehe Anzahl, Statistiken usw?

R-M-R


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