Verschwiegenheit über Grenztätigkeit

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21.11.2009 16:10von ( gelöscht )
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Verschwiegenheit über Grenztätigkeit

Hallo

Wie war das eigentlich über die Auskunftfreudigkeit des Grenzsoldaten was seine Tätigkeit betrifft ?
Was und wieviel konnte man im privaten Bereich,also in der Familie,im Bekanntenkreis,im Freundeskreis usw erzählen.
Es galt ja keinen Weidezaun zu schützen,sondern die Schnittstelle Ost-West.

16.05.2010 09:14von ABV
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@chris
In Erkner befand sich das -Kommando 2- des Wachregimentes Feliks Dzierzynski.Im Standort Erkner waren Wacheinheiten untergebracht, die zum Beispiel für folgende Wachobjekte zuständig waren: Waldsiedlung Wandlitz, Oberstes Gericht, Palast der Republik, Gebäude des ZK der SED, AdM – Amtssitz des Ministerrates sowie das Staatsratsgebäude in Berlin-Mitte; Gosen, Hans-Loch-Straße (Fahrbereitschaft MfS), Normannenstraße, Gotlindestraße, Regierungskrankenhaus Berlin-Buch sowie in Groß Dölln in der Schorfheide und in Berlin-Hohenschönhausen.(Quelle Wikipedia) Das die Jungs von Felix allerdings Aufgaben in der Grenzsicherung erfüllten, wage ich zu bezweifeln. Warum auch?
Mit den Postenführerlitzen meint @Granate sicherlich die grünen Postenführerstreifen, die man gut sichtbar auf den Schulterstücken trug.

Viele Grüße
an alle
Uwe

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ABV
21.11.2009 16:45von S51
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Zitat von Zermatt
Hallo

Wie war das eigentlich über die Auskunftfreudigkeit des Grenzsoldaten was seine Tätigkeit betrifft ?
Was und wieviel konnte man im privaten Bereich,also in der Familie,im Bekanntenkreis,im Freundeskreis usw erzählen.
Es galt ja keinen Weidezaun zu schützen,sondern die Schnittstelle Ost-West.



Null, niente, gar nichts. So lässt es sich am besten umschreiben. Nicht mal, dass ich mir noch 1986 aus meiner Zeit ein privates Album fertigte, habe ich zu Hause erzählt. Noch weniger auf Arbeit/im Dienst/in der Freizeit. Das ging nur zu Treffen mit, die es mal da, mal dort mit ehemaligen und aktiven Genossen vom Kanten gab. Und immer, wenn man vermutete, mal wieder aus irgendwelchen Gründen besonders im Focus zu sein, war es bei völlig Ahnungslosen als "Irgendwas" deponiert. Soweit ich weiß, hatte die Abwehr davon auch keine Ahnung. Außerhalb dieses Kreises sprach man nur über das, worüber zu reden ohne weiteres möglich war. Also, wie gut das Wetter war. Was bei Gewitter so alles passieren konnte (da hat man schon mal etwas übertrieben), wo man gedient hatte. Auch meine Auszeichnungen waren bekannt. Jedoch die ganzen Details, nein, kein Wort.
Etwas anderes war es dann, wenn man eine Freundin im Ort hatte. Die wusste schon mal, wo man wann im Hinterland zu finden war. Das durfte natürlich keiner merken. Viel mehr jedoch wusste sie auch nicht.

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S51
21.11.2009 17:13von ( gelöscht )
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Das könnte ich so nicht stehenlassen,S51. Meine Frau wusste über vieles Bescheid, durch die Briefe, die fast tägliche Post. Deswegen bin ich auch sehr im Zweifel, das es eine Briefkontrolle gab?
Gut, wo berechtigt, da gehe ich mit aber bei allen Anderen, da wäre ich der potenzielle Kandidat gewesen, der in Schwedt gelandet wäre, siehe die 501- Anlage.
Nach der Armeezeit habe ich mich über die Anlage noch mit Arbeitskollegen unterhalten, nenn es jugendliche Naivität oder sonstwas, nichts passierte, keiner zerrte mich Mitternacht aus dem Bett, um mich zur nächsten Stasiverhöhrzentrale zu schleifen, der Rainer- Maria schlief den Schlaf der Gerechten.
Deswegen bin ich auch heute noch skeptisch, was die ganze Problematik " IM" angeht, oder nennen wir es " Zuträger" bzw. " Spitzel".
Vielleicht war ich ein Glückspilz, keine Ahnung.

Gruß Rainer- Maria

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21.11.2009 17:31von ( gelöscht )
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Die Ursprungsfrage von Zermatt war ja durch den Begriff "Grenzsoldat" eigentlich auf die östliche Seite begrenzt
worden. Ich möchte mich aber trotzdem mal dazu äußern. Ich habe mich innerhalb der Verwandtschaft, Freunden und
Bekannten immer sehr ausgiebig über Angelegenheiten unterhalten welche die Grenze betrafen. Es war natürlich bei
bestimmten Dingen eine Verschwiegenheitspflicht vorhanden, VS-Sachen fielen da natürlich drunter. Aber über alles
andere wie z. B. auch Einsätze wie Brokdorf o. aber Karlsruhe konnte man reden.

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21.11.2009 17:43von ( gelöscht )
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Hallo,

ich hab's immer so gehalten, dass ich nur Leuten über meine Erlebnisse gesprochen hatte, die ich 100%ig kannte. Damit bin ich am Besten gefahren.
Zu Hause habe ich auch über meine "Ängste" gesprochen - hoffentlich muss ich nicht schießen, oder hoffentlich bleibt alles ruhig und ich muss keinen an der Flucht hindern.
Heute kann ich über meine Eindrücke auch mit Leuten reden, die nicht am Kanten waren. Bis jetzt habe ich keine negativen Reaktionen erlebt.

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21.11.2009 17:46von S51
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Nun ja. Nach der Wende habe ich mitbekommen, dass meine Westverwandtschaft noch etwas zahlreicher als früher bekannt war. Auch Polizeibeamte aus Niedersachsen sind darunter. Ohne ihren Beruf zu kennen, hatte ich einige kurz nach Grenzöffnung mal besucht. Der Staunfactor auf beiden Seiten war groß.
Am "Besten" aber war der Hinweis, dass ich für die Nachbarschafft ein "Verwandter aus Westberlin" sein musste, weil es damals für Ossis noch ein Kontaktverbot gab.
Inwieweit meine Presspappe zu dieser "Legende" passte entzieht sich noch heute meiner Logik. Es war wohl weit genug weg.

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S51
21.11.2009 17:51von ( gelöscht )
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@S51,

das ist was ganz Neues, was ich da von lese. Es gab hier kein Kontaktverbot für Verwandtschaft in der DDR.
Und wenn der Pol. Beamte nicht gerade in der Staatsschutzabteilung gearbeitet hat, bin ich mir da auch durch
eigene Erfahrung innerhalb der Verwandtschaft sicher. Auch Beamte des gehobenen Dienstes konnten jederzeit
in die DDR reisen, bzw. durchreisen, nur mußten sie sich die Reisen vorher genehmigen lassen. Diese Praxis
war auch beim BGS gängig. In Braunschweig gab es Kollegen, die in Berlin wohnten, und mind. 1 mal im Monat
nach Hause fuhren.

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21.11.2009 17:51von ( gelöscht )
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@ RMR,
ganz sicher gab es eine Briefkontrolle. Kann ich aus eigenem Erleben erzählen.
Um ins Stabsmusikkorps Berlin zu kommen, mußte man 4 Wochen Grundausbildung im Wachregiment "Friedrich Engels" ( NVA )machen. Das war die Truppe, die "Unter den Linden" den Wachaufzug gemacht hat und alle millitärischen Objekte der NVA bewacht hat. Der Regimentskommandeur, ein Oberst G.... hatte, rein zufällig, denselben Nachnamen wie meine damalige Freundin. Alle, aber auch alle meiner Zimmergesellen haben Post ohne Ende bekommen, nur Onkel Achim nicht.
Bis ich eines Tages zum KC gerufen wurde und die Frage kam, was ich denn mit der Tochter unseres Reg.kom. zu tun hätte.
Heute könnte man sagen, die hatten Angst, dass sie selber ausspioniert werden, so was da alles läuft und es ihnen dann auf die Füße fallen könnte, auch konnten sie sich nicht erklären, wie ein Berliner in Berlin zur Armee kommen kann.Da kann ja nur der Oberst die Finger im Spiel gehabt haben. Vielleicht hatte ja die Tochter des Obersten sogar noch den gleichen Vornamen??? Wer kann das sagen???? Jedenfalls bekam ich dann einen Packen Briefe, die natürlich alle durchforstet waren, war mir aber sch...egal war, ich hab noch nie was zu verbergen gehabt!
VG Affi

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21.11.2009 17:54von ( gelöscht )
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Also ich für meinen Teil habe mich nicht getraut, irgendwas über den Dienst oder gar den Aufbau der Grenze zu erzählen.
Man hatte ganz einfach "Schiß", daß irgendwas von irgendwem aufgeschnappt und an die falsche Stelle getragen wird.
Wir hatten in der Einheit einen Hobby-Maler, der Top-Bilder gemalt hat. Bei einer "Filze" kam ein detailgetreues
Bild mit BT-11, Minensperre, Kolonnenweg aus dem SiA 10 in Spechtsbrunn zutage. Der arme Kerl wurde sofort mitgenommen,
wir haben dann nur von seiner versetzung in den Reg.-Stab erfahren-
Folgendes Erlebnis hat mich noch mehr gezwungen, die Klappe zu halten:

Am 1.Abend nach meiner Versetzung in die 12.GK kam gegen 21.00 der UvD und überbrachte mir den Befehl, sofort
in Ausgangsuniform beim KC zu erscheinen. (Nanu, heute schon Ausgang ? ), Weit gefehlt. Im Zimmer saß der
KC, der Polit und ein Herr in Zivil (taucht übrigens im Buch von Roman Grafe auf). Sofort die knallharte
Frage ohne Smalltalk: Sie haben Briefkontakt in die Vereinigten Staaten ??? Rums! Zum Glück hatte ich meine
Brieffreundin informiert, daß ich erstmal nicht weiter schreiben und Post kriegen darf. Die hat das natürlich
nicht verstanden! Mit mehr oder weniger freundlichen Worten hat man mir die möglichen Konsequenzen aufgezeigt.

Also, bis lange nach meiner "Versetzung in die Reserve" kein Wort über den Dienst !

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21.11.2009 18:04von S51
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Zitat von karl143
@S51,

das ist was ganz Neues, was ich da von lese. Es gab hier kein Kontaktverbot für Verwandtschaft in der DDR.
Und wenn der Pol. Beamte nicht gerade in der Staatsschutzabteilung gearbeitet hat, bin ich mir da auch durch
eigene Erfahrung innerhalb der Verwandtschaft sicher. Auch Beamte des gehobenen Dienstes konnten jederzeit
in die DDR reisen, bzw. durchreisen, nur mußten sie sich die Reisen vorher genehmigen lassen. Diese Praxis
war auch beim BGS gängig. In Braunschweig gab es Kollegen, die in Berlin wohnten, und mind. 1 mal im Monat
nach Hause fuhren.



Ich weiß nicht, welche abteilung es ist/war. Problematisch war eher die Tatsache, dass ich mit meiner Vorgeschichte ein Kriminaler aus dem Osten war. Mit solchen wie mir durfte er eigentlich nicht reden, es sei denn er hätte vorher eine Meldung gemacht. Da wir gegenseitig unsere Profession nicht kannten, hatten weder er noch ich um so eine Erlaubnis nachgesucht.

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S51
21.11.2009 18:19von ( gelöscht )
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Ich glaube die wenigsten haben direkt etwas über den Grenzdienst erzählt.Das mag auch ein Grund sein das man sich keine Gedanken machte als es hieß:Eingezogen zur Grenze.

Auch ich habe es vorgezogen über direkte Dinge an der Grenze,selbst nach der Entlassung,lieber nicht zu reden.Wenn ich mich richtig entsinne wurde uns bei der Entlassung gesagt das wir über Vorgänge an der Grenze,deren Aufbau,Ablösungen usw. Schweigepflicht haben und bis 6 Monate nach der Enlassung noch der Militästaatsanwalt zuständig ist.Also hieße das Schwedt.

Hätte man was gesagt und es wäre rausgekommen oder noch schlimmer jemand hätte sich aus dem gehörten Aufzeichnungen gemacht und die wären gefunden worden,da kannste aber Fässer aufmachen.Ein Bayriches Bierzelt wäre zu klein für den Ärger.

Andy

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21.11.2009 20:50von ( gelöscht )
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Für meine Person gilt,dass ich mich immer mit meinen Bekannten und Verwandten über das Thema unterhalten habe,wenn eine Nachfrage von dieser Seite kam.
Die Familie wußte alles,was ich dort erlebte,wäre ja noch schöner,den Eltern etc.das Vertrauen zu entziehen.
Genauso verhielt sich das auch mit den besten Freunden.
Auch mit den Arbeitskollegen,zu denen man ein gutes Verhältnis hatte,wurde über dieses Thema gesprochen.
Fremde waren und wurden natürlich davon ausgeschlossen.
Ob die Post kontrolliert wurde,entzieht sich meiner Kenntnis.Ich habe viel über Vorgänge geschrieben und wurde nie dafür belangt.Im wenigen Urlaub hatte ich zweimal "bösen Feind/Westkontakt" mit einer Tante aus Hannover.(Ich wußte vorher,dass sie bei uns zu Besuch ist)
Nie wurde ich dafür zur Rechenschaft gezogen.
Sogar Weihnachtspost wurde von mir in Richtung Niedersachsen gesendet,aber von zu Haus aus.
Eigentlich dachte ich wirklich immer,wir werden alle überprüft,habe es drauf ankommen lassen.Es passierte wieder nichts. Vielleicht hatte ich nur Glück.Mit 19 Jahren war man noch sehr naiv.
Oder man war ein zu kleiner Fisch für die Herr'n der Abteilung HuG.
Ein Kumpel von mir war bei den Pio's Minenräumer.Der hatte dann einen Unfall.Als er solch Scheißding entschärfen mußte ging sie hoch und verletzte ihm im Gesicht schwer.
Der Kumpel hat nie über den Vorfall gesprochen,aus Angst vor Repressalien seinen Eltern gegenüber und auch um sein Studium nicht zu gefährden.Wie er mir dann später erzählte,wurde er sehr eingeschüchtert,damit er den Mund hält.
Also abschließend nochmal: Meiner "Auskunftsfreudigkeit" war im genannten Personenkreis kaum Grenzen gesetzt.
Die Grenze(n) hatte ich lange genug vor der Nase!
Jeder hat letztendlich für sich entschieden,was und wieviel er zum besten gibt,aus welchen Gründen auch immer.

ek40

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21.11.2009 21:15von ( gelöscht )
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Ich mutmaße mal, daß man mit der Aussage "Ich bin bei den Grenztruppen (und schieße ggf. auch auf Mitbürger, die Ihrem Freiheitsdrang folgen)" wohl auch nirgendwo einen Blumentopf gewinnen konnte.


LEGO

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21.11.2009 21:25von ( gelöscht )
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Lego, die Frage mit dem " Schießen auf Mitbürger" kam komischerweise nie auf, nicht im Kreis meiner Freunde, nicht im Kreis meiner Arbeitskollegen, noch in der Familie.
Da rannte keiner mit dem roten Tuch vor der Nase durch die Gegend.
Das könnte jetzt wieder zu Reaktionen reizen, aber es war so, es war die Realität.

Gruß Rainer- Maria

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