Erinnerungen an die DDR was ist geblieben?

  • Seite 1 von 8
08.10.2008 15:51
avatar  Angelo
#1
avatar

Wir erinnern uns in Ost und West gerne an das grüne Ampelmännchen (Es kann doch nicht alles schlecht gewesen sein). Wir denken aber auch an das DDR-Schulsystem, von dem wir hier Einiges übernommen haben, vor allem die Tendenz der Regelschule bis zur 10. Klasse. Hätte es den Euro nicht gegeben, hätten auch die Ostbürger heute die D-Mark. Wegen der D-Mark und der Reisemöglichkeiten haben die DDR-Bürger 89 ihre friedliche Revolution angezettelt. Sie haben sie auch bekommen und die Freiheit dazu. Merkwürdig, viele wünschen sich die alte DDR zurück oder so etwas wie eine DDR light. Aber die ist nicht zu haben. Das sozialistische Wunschdenken von Arbeit für alle, und dann auf hohem finanziellen Niveau wie im Westen ist unrealistisch.

Von der DDR bleiben sicher auch Träume. Von gut nachbarschaftlichen Beziehungen, die unter politischem Druck besonders gedeihen konnten, oder zerbrachen. Wo Hilfe und Fürsorge aber auch Kollegialität ein besonderes Gütezeichen waren. Not schweißt zusammen, besonders wenn man ein gemeinsames Feindbild hat. Das schwankte. Mal war es Westdeutschland, oft nur die eigene Partei, mal war es aber auch die verhasste Stasi.

Wir erinnern uns gerne der Grillfeten mit Rostbrätchen, Thüringer Bratwürsten und Broiler, die ein ganz eigenes Flair hatten. Und die in Spezialläden bestellten Schinkenplatten waren ein Gedicht für uns Westler. Die Läden waren so ähnlich aufgezogen wie die Exquisitläden im Textilbereich. So eine Schinkenplatte kostete 20,- DM West, einfach herrlich!.

Welche Erinnerungen haben Sie denn noch an die gute alte DDR??


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 12:36
#2
avatar

Zitat von Angelo im Beitrag #1
Wir erinnern uns in Ost und West gerne an das grüne Ampelmännchen (Es kann doch nicht alles schlecht gewesen sein). Wir denken aber auch an das DDR-Schulsystem, von dem wir hier Einiges übernommen haben, vor allem die Tendenz der Regelschule bis zur 10. Klasse. Hätte es den Euro nicht gegeben, hätten auch die Ostbürger heute die D-Mark. Wegen der D-Mark und der Reisemöglichkeiten haben die DDR-Bürger 89 ihre friedliche Revolution angezettelt. Sie haben sie auch bekommen und die Freiheit dazu. Merkwürdig, viele wünschen sich die alte DDR zurück oder so etwas wie eine DDR light. Aber die ist nicht zu haben. Das sozialistische Wunschdenken von Arbeit für alle, und dann auf hohem finanziellen Niveau wie im Westen ist unrealistisch.

Von der DDR bleiben sicher auch Träume. Von gut nachbarschaftlichen Beziehungen, die unter politischem Druck besonders gedeihen konnten, oder zerbrachen. Wo Hilfe und Fürsorge aber auch Kollegialität ein besonderes Gütezeichen waren. Not schweißt zusammen, besonders wenn man ein gemeinsames Feindbild hat. Das schwankte. Mal war es Westdeutschland, oft nur die eigene Partei, mal war es aber auch die verhasste Stasi.

Wir erinnern uns gerne der Grillfeten mit Rostbrätchen, Thüringer Bratwürsten und Broiler, die ein ganz eigenes Flair hatten. Und die in Spezialläden bestellten Schinkenplatten waren ein Gedicht für uns Westler. Die Läden waren so ähnlich aufgezogen wie die Exquisitläden im Textilbereich. So eine Schinkenplatte kostete 20,- DM West, einfach herrlich!.

Welche Erinnerungen haben Sie denn noch an die gute alte DDR?? [ich auch]


Auf der Suche nach einem Landeplatz für diese regionale Kostbarkeit aus dem DDR- Alltag grabe ich mal eine uralte Anregung von Angelo aus, da für fast alles ja das Leitthema schon vorhanden ist.
https://www.youtube.com/watch?v=WVfrsuPOjes
Die Stadt Querfurt verbinde ich mit sehr vielen Erinnerungen und diese witzige Reportage ist kein bißchen propagandistisch angehaucht, einfach nur authentisch.
Hier ist der Alltag in der DDR 1:1 dargestellt, leider spricht nur der Esel, aber die Bilder sind allemal sehenswert, erst recht wenn man dort Bekannten wieder begenet....
Es sind diese unbekannten Zeitdokumente, die unsere alte Heimat lebendig halten, auch Tatsachen, daß jene unbekannte Burg Querfurt viel größer als die Wartburg war spricht Bände, unvergessen auch die Burgfest, die bis heute dort gefeiert werden.
Bemerkenswert ist auch, wie flächendeckend selbst in einer solch kleinen ehemaligen Kreisstadt die Kultur abgedeckt wurde, Alltag in der DDR wie sie eben war.


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 18:43
#3
avatar

Leider nur mit kurzer Einblendung für den Bahnfan, umso bemerkenswerter aber die Aufnahmen einer Tanzschule in Altenburg mit blumigen Erinnerungen der Tanzlehrerin und ihren Schilderungen der Nachkriegszeit (speziell ab 0:20) aber auch alle anderen Beiträge sind sehr sehenswert trotz der echt schwatzhaften beiden Frauen am Anfang.
Da wurden Jahrzehnte in eine kaum zehnminütige Zugfahrt komprimiert, das hätte nur Gisela Schlüter noch schneller gekonnt, aber es sind eben authentische geschilderte Lebensläufe ohne Spinnereien und Selbstdarstellungstrieb.

https://www.youtube.com/watch?v=aDIqCP5FKTU


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 20:04
#4
avatar

Ja, was ist geblieben ? Gute Frage. Kulturgüter, die nicht den Bilderstürmern zum Opfer gefallen sind, ein "Grünes Band", um dessen Ökosystem uns heute so manche ausländische Ökologen beneiden (auch wenn dessen Entstehung alles andere als positiv besetzt war), Fachleute, die in aller Welt beweisen, daß in der DDR gute Bildung vermittelt wurde und ausländische Fachkräfte, die ihre Ausbildung in der DDR hatten und vor allem, das Wissen und die Erfahrung all der bis zum "bitteren Ende" Durchgehaltenen, daß es zur heutigen Gesellschaftssituation auch realistische Alternativen geben kann und die dieses Wissen und Erfahrungen der nachfolgenden Generation weitergeben können. Erfahrungen die uns kein noch so eifriger H.K. nehmen oder besserwissender Unwissender einreden kann.


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 20:19
avatar  ( gelöscht )
#5
avatar
( gelöscht )

@ DoreHolm. Genau auf den Punkt gebracht.


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 21:13 (zuletzt bearbeitet: 20.01.2013 21:22)
avatar  ( gelöscht )
#6
avatar
( gelöscht )

Für mich bleibt die Erleichterung, dass es keine Mauer mehr gibt. Gerade in West-Berlin hat es einen ständig beschäftigt, es gab überall geflüchtete ex-DDR-ler (Nachbarn, Eltern von Schulkameraden, Leute in meiner Familie), die teilweise bittere Lebensgeschichten hatten und absolut bei null wieder anfangen mussten und es trotzdem geschafft haben. Ich bin wirklich froh, dass an der Grenze keiner mehr erschossen wird und dass Stadt und Umland wieder normal zueinander sind.

Die SBZ und DDR entstanden zu Stalins Zeiten. Und auch die SED. Das hat, glaube ich, viel von der Verwirklichung einer ursprünglichen, abstrakten "Hoffnung Sozialismus", die einige Idealisten gehabt haben mögen, früh und für immer ausgeschlossen, schon in der Anlage des politischen Systems. Und wer nicht mitmachen wollte, durfte auch nicht weggehen. Und dann noch die wirtschaftliche Idee der Planwirtschaft, die in der Praxis nicht realisierbar wirkte und wo jeder Mittelstand einging. Tut mir Leid, aber das konnte doch nichts werden. Dabei geht es gar nicht um Schuld oder so, einfach um das unvollkommene System.
Das ist auch alles nicht als Provokation gedacht. Ich hoffe, niemand fühlt sich auf den Schlips getreten.


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 21:15
avatar  ( gelöscht )
#7
avatar
( gelöscht )

Wie soll Margot Honecker einmal gesagt haben ?

Die nachfolgenden werden einmal von uns lernen........ Wer weis das schon.............?


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 21:25
#8
avatar

Zitat von Jawa 350 im Beitrag #7
Wie soll Margot Honecker einmal gesagt haben ?

Die nachfolgenden werden einmal von uns lernen........ Wer weis das schon.............?



Warum sollten sie nicht ? An jeder Uni, die sich mit Politik, Geschichte, Kultur, Wirtschaft und Militärwesen beschäftigt, werden die Handlungen der damaligen Akteure seziert und daraus Schlüsse gezogen. Ob es die richtigen Schlussfolgerungen sind, steht auf einem anderen Blatt, aber es wird sich damit beschäftigt.


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 21:26
#9
avatar

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #6
Für mich bleibt die Erleichterung, dass es keine Mauer mehr gibt. Gerade in West-Berlin hat es einen ständig beschäftigt, es gab überall geflüchtete ex-DDR-ler (Nachbarn, Eltern von Schulkameraden, Leute in meiner Familie), die teilweise bittere Lebensgeschichten hatten und absolut bei null wieder anfangen mussten und es trotzdem geschafft haben. Ich bin wirklich froh, dass an der Grenze keiner mehr erschossen wird und das Stadt und Umland wieder normal zueinander sind.

Die SBZ und DDR entstanden zu Stalins Zeiten. Und auch die SED. Das hat, glaube ich, viel von der Verwirklichung einer ursprünglichen "Hoffnung Sozialismus", die einige Idealisten gehabt haben mögen, früh und für immer ausgeschlossen, schon in der Anlage des politischen Systems. Und wer nicht mitmachen wollte, durfte auch nicht weggehen. Und dann noch die wirtschaftliche Idee der Planwirtschaft, die in der Praxis nicht realisierbar wirkte und wo jeder Mittelstand einging. Tut mir Leid, aber das konnte doch nichts werden. Dabei geht es gar nicht um Schuld oder so, einfach um das unvollkommene System.
Das ist auch alles nicht als Provokation gedacht.


Da mein Wissen über die damaligen Zustände im Westteil der Stadt nur von der Literatur und Filmbeiträgen gespeist wurde, interessiert mich mal eine ehrliche Antwort darauf, inwiefern die geöffnete Grenze tatsächlich die Idylle in der Frontstadt gestört hat.
Ich habe eines der amüsantesten Bücher der Nachwendezeit "Herr Lehmann" im Hinterkopf (ist auch verfilmt worden) und da war sehr häufig zu hören, daß es nun (mit der Grenzöffnung) Schluß mit lustig ist.
Wie ernst ist es zu nehmen, wenn man da behauptet, daß sich die überwiegende Zahl der Westberliner die Vorwendezeit zurück wünscht ?
Ich gebe aber zu bedenken, daß sich diese Handlungen auf das Kneipen- und Künstlermillieu im Mikrokosmaos Kreuzberg beschränkt haben, aber das kann man wohl nicht auf Westberlin hoch rechnen ?


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 21:29 (zuletzt bearbeitet: 20.01.2013 21:34)
avatar  ( gelöscht )
#10
avatar
( gelöscht )

Kein "echter" Berliner (Ost oder West) wünschte sich jemals die Mauer zurück.
Bin selber sog. "waschechter" Berliner mit Eltern und Großeltern auch von hier.

Wirtschaftlich war es teilweise trotzdem hart. Keine Berlinzulage mehr, Berlinförderung über Nacht gestrichen mit Wegfall von vielen Industriearbeitsplätzen z. B. Zigarettenindustrie und Bekleidung, die bald in den Osten abgewandert sind (und dann noch weiter ostwärts...), Ost-Handwerker, die alles für die Hälfte machen, plötzliche Wohnungsknappheit, alles Geld geht in den Osten, etc. So wirkte es auf manchen. Trotzdem hat es die Grundmeinung nicht geändert.


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 21:37
#11
avatar

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #10
Kein "echter" Berliner (Ost oder West) wünschte sich jemals die Mauer zurück.
Bin selber sog. "waschechter" Berliner mit Eltern und Großeltern auch von hier.

Wirtschaftlich war es teilweise trotzdem hart. Keine Berlinzulage mehr, Berlinförderung über Nacht gestrichen mit Wegfall von vielen Industriearbeitsplätzen, Ost-Handwerker, die alles für die Hälfte machen etc. So wirkte es auf manchen. Trotzdem hat es die Grundmeinung nicht geändert.


Sollte auch keine Unterstellung sein, aber nach 13 Folgen "Motzki" (siehe You tube) kommt man auf die irrsinnigsten Gedanken.
Ich kann über die haarsträubenden Rededuelle mit seiner Haushälterin Edith (Jutta Hoffmann) immer wieder lachen.
Hier https://www.youtube.com/watch?v=yMC2Ncm16S4 sehen wir, wie z.B. ostdeutsche Putzfrauen einen echten Wessi tyrannisieren konnten, wie gesagt nur mal nebenbei.
Aber jeder, der über Motzki lachen kann, ist auf einem guten Weg, einmal ein Einheitsdeutscher zu werden.


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 21:42
avatar  ( gelöscht )
#12
avatar
( gelöscht )

Meine Lieben,

nun, geblieben sind z. B. die Ruinen der Gründerzeitbauten. Im "Westen" hat man diese geschliffen und hässliche Betonklötze errichtet. Im Osten hingegen waren diese Ruinen der DDR die Voraussetzung für ganz wunderbare Restaurierungen, welche Städte wie Dresden, Leipzig oder Magdeburg zu wahren Großoden gemacht haben.

Liebe Grüße

Ecki


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2013 21:49 (zuletzt bearbeitet: 20.01.2013 22:00)
avatar  ( gelöscht )
#13
avatar
( gelöscht )

Ich erinnere mich da an z.B. Halberstadt, wo in der Innenstadt in den 80ern ganze Fachwerk-Hausblöcke so verfallen waren, dass sie schon zu DDR-Zeiten abgerissen wurden. Und in Quedlinburg war es teilweise so, dass die Häuser einstürzten. Oder die Altbauten in Leipzig. Das war schon eher göttliche Fügung, dass es von denen noch welche gibt. Die Altbauten in Berlin-Mitte (Scheunenviertel), vor der Wende, waren auch auf absolutem Abbruchniveau. Und Gründerzeitvillen gibt es auch im Westen, schlimme Bausünden auf beiden Seiten. (Der gleiche schlechte Geschmack, offenbar) Beide Seiten hatten z.B. gerne die gleiche schlechte Idee, in Innenstädten aus Bombenlücken "großzügige" Schneisen für Schnellstraßen zu machen.
Wie im Osten die Altbauten verfallen sind fand ich immer ziemlich schockierend. Die Dächer und Fenster, oft völlig runtergekommen weil es keine Handwerker und Material dafür gab, oder wie oft an Altbauten die Balkons abgehackt wurden, weil sie absturzgefährdet waren.


 Antworten

 Beitrag melden
21.01.2013 08:06 (zuletzt bearbeitet: 21.01.2013 08:06)
avatar  ( gelöscht )
#14
avatar
( gelöscht )

Also dann, Ostalgiemodus an
Ein Ampelmännchen und Senf ist etwas wenig, also nachgedacht was für mich als gute Erinnerung DDR-Speziell geblieben ist.
Schulbildung gab es in Ost und West, die besseren sozialen Kontakte, nun gut, wer sich verschließt war auch früher einsam und wer offen ist hat auch heute Freunde.
Also für mich ist es die Musik, die war wirklich gut.


 Antworten

 Beitrag melden
21.01.2013 10:31
#15
avatar

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #10
Kein "echter" Berliner (Ost oder West) wünschte sich jemals die Mauer zurück.
Bin selber sog. "waschechter" Berliner mit Eltern und Großeltern auch von hier.

Wirtschaftlich war es teilweise trotzdem hart. Keine Berlinzulage mehr, Berlinförderung über Nacht gestrichen mit Wegfall von vielen Industriearbeitsplätzen z. B. Zigarettenindustrie und Bekleidung, die bald in den Osten abgewandert sind (und dann noch weiter ostwärts...), Ost-Handwerker, die alles für die Hälfte machen, plötzliche Wohnungsknappheit, alles Geld geht in den Osten, etc. So wirkte es auf manchen. Trotzdem hat es die Grundmeinung nicht geändert.


Ja, hat ein größerer Kunde aus WB auch so gemacht. Bei Königswusterhausen auf der Grünen Wiese neu gebaut. Aber gefreut hat sich mein Geschäftspartner vor allem, weil er gern Radtouren macht und nun nicht mehr nach ein paar Kilimetern wieder umdrehen mußte.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!