Versuchte "Fahnenflucht" während der A-Gruppe

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09.11.2009 17:41
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#1
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Heute möchte ich einen kleinen Erlebnisbericht meiner Grenzerzeit in Riebau aus dem Sommer 82’ wiedergeben.
Ich hatte mal wieder A-Gruppe. Diesmal im Führungsturm unseres Grenzabschnittes 5.Der befand sich genau vor der damaligen westd.Ortschaft Lübbow.Der Turm steht heute noch und wenn man die Ortschaft Hoyersburg in Richtung Lübbow passiert hat,bekommt man ihn rechter Hand zu Gesicht.
Hierzu Dateianhang öffnen:

Zur Erklärung:Ganz oben war der Raum für die verantwortl..Führungsoffiziere.Da gab’s eine Lage/Geländekarte vom Grenzabschnitt drin,sowie Funk,Telefon und die ganzen Lämpchen für die SM70,halt die ganze Technik.Hatte irgendwo eine Mine ausgelöst,wurde von dort oben sofort gesehen,wo dies passierte.Ebenso verhielt sich das mit dem GSZ- Zaun.Wenn da Drähte zusammen kamen,löste dies nicht nur einen “Stillen Alarm “aus,sondern machten bei uns richtig Rabatz.Es gingen in diesem Bereich Rundumleuchten an und solch elender Hupton.Das hieß bei uns immer “der Büffel” ruft.
In der Mitte des Turms war der Bereitschaftsraum der “A-Gruppen “ untergebracht.Diese Räume waren sehr spartanisch eingerichtet.Da standen Doppelstockbetten drin und weiter nichts.Außerdem stank es in diesen Räumen immer fürchterlich.Es war voll eklig und keimig!( A-Gruppe=Alarmgruppe )Diese war ständig im Turm in Bereitschaft,also 24 Std.rund um die Uhr präsent und wurde immer abwechselnd von den Kompanien gestellt.Wenn man öfters Mist baute,hatte man oft A-Gruppen zur Bestrafung.Ich hatte sehr viele A-Gruppen-Schichten………
An jenem besagtem Tag im Sommer 82’ war es sehr warm.Öfters flog solch Ding am Zaun in die Luft.Dann mußte man zu dieser Stelle so schnell wie möglich hinfahren und sichern.Nun wurde eine Meldung über den Grund der “Auslösung” abgesetzt.Meistens waren es irgend welche Tiere,Vögel,Füchse,Rehe etc.Die sahen danach meistens nicht gut aus und ich hoffte nur immer,dass ich dort mal nie einen Menschen finden werde!Jedenfalls mußten wir so lange vor Ort bleiben,bis der “Mumpeltrupp” neue “Teile” anbaute.Da kamen dann noch extra welche von der SiK=Sicherungskompanie zum “aufpassen“.Denn für die Zeit der Neumontage wurde Streckenweise der Minenzaun in dem betroffenen Abschnitt abgeschalten.Vor dem Typ SM 70 gab es glaub ich den Typ SM 50?Bitte verbessert mich,wenn die anders hießen.Jedenfalls waren diese Anlagen sehr anfällig gegen Blitzschlag bei Gewitter!Wenn der Blitz dann einschlug,fiel manchmal der halbe Zaun um.Das gab ein Gescheppere!
Das hieß dann Überstunden bei meist vorhandenem Mistwetter.Wenn so etwas kurz vor der Ablösung passierte,war der Tag gelaufen,wie ihr euch sicher vorstellen könnt.Die SM 70 waren dann resistenter gegen Blitze.Nun ja,damit nur ja keine lange Weile bei den A-Gruppen aufkam,wurde öfters mal ein Übungsalarm ausgelöst.Man(n) sollte sich ja da keinen "Fetten" machen und noch denken hier ist Freizeit.Jedenfalls war es in der Nachmittagszeit,als wir zum Einsatz rausflogen.Doch diesmal rief der Führngsoffizier des Abschnittes hektisch…“Dies ist keine Übung….versuchter Grenzdurchbruch”!!
Wir dann raus mit der Tesi zu besagtem Ort,der so ziemlich am Anfang unseres zu sichernden Geländes lag.Ich dachte eh nur wieder an Verarsche,was mir aber immer noch lieber war als in eine echte heikle Sache zu geraten.Wir kamen jetzt bei der angegebenen Stelle an.Diese befand sich rechts vom Gassentor des GSZ,wenn man aus Richtung Riebau/Jeebel einfuhr.Vor dem Minenzaun war damals noch diese “Hundetrasse”mit den armen Kötern dran,die einem aber nie was zu Leide taten.Die Viecher waren Lammfromm.
Jedenfalls war es genau der Bereich,wo kurz vorher die Tretminen vom Typ 66 durch einen Minenpanzer geräumt und auch sämtliche Bäume und Büsche im Minenfeld entfernt wurden.Das ehemalige Minenfeld befand sich also genau zwischen zwei ca.2m hohen Zäunen aus Maschendraht.Wir waren nun vor Ort und ich fragte meinen Kameraden,wo denn der besagte “Gnu” sei?Denn ich erblickte nichts.Er zeigte ins Gras und dort sah ich dann (“Einstrich/Keinstrich“) liegen.Oh Shit,dachte ich mir,ist ja einer von uns.Mir wurde ganz anders.Ich mußte mit meinem Posten so lange vor Ort bleiben,bis der “Delinquent” und sein Kamerad abgeholt wurde.Der Gefreite,der abhauen wollte,wurde wie ein Stück Vieh von den Offizieren behandelt,die in abholten.Er wurde auf die Ladefläche des Ellos geschmissen und erst mal zur Führungsstelle gebracht.Dort wurde er draußen hinter dem Turm gefesselt und bewacht,bis er von einem “Sonderkommando” abgeholt wurde.Wir sollten nie wieder von ihm was sehen oder hören.Der andere Gefreite,der die Flucht verhinderte,wurde ebenfalls ausgelöst und weggebracht.Er wurde dann zwar belobigt verschwand aber aus unserer Kompanie,also er wurde versetzt.Beide Kameraden waren aus meiner Kompanie und im gleichen Diensthalbjahr.Ich kann es eigentlich bis heute nicht nachvollziehen,wieso es der “Flüchtling" nicht geschafft hat!Leichter war eine Flucht kaum möglich.Der Vorgang war dieser:Beide Gefreite machten ein Nickerchen,der-ich nenn ihn mal “Verhinderer”wurde dann wach und wollte ein “Geschäft” unter/hinter einer Baumgruppe verrichten.Seine Kalasche ließ er liegen (machten wir fast alle so).
Nun stand der 2.Mann auf und nahm die Kalasche seines Kameraden an sich.Er rennt über den K 6 zum Zaun ,wirft beide MPI’s drüber und ja…….man glaubt es kaum….schafft es nicht über diesen zu klettern.Es war ein ganz normaler Maschendrahtzaun,wie er heute noch in unzähligen Gartenanlagen steht.Wo man noch richtig schön reingreifen konnte oder den Fuß durch die Löcher bekam.Ich dachte mir nur,wie bekloppt muß man sein,beide Gewehre über den Zaun zu schmeißen und wie unsportlich, um nicht über das “Zäunchen” zu kommen.Ich muß dazu sagen,dass der Kollege schon immer physisch schwach war,eben körperlich labil und schwächlich.
Fazit:Hätte,ja hätte er seine Kalaschnikow zur Abschreckung behalten,wäre die Sache sicherlich anders ausgegangen.Ich kannte ihn relativ gut und im innersten tat er mir Leid.Er kam aus Halle und wollte nach der Armeezeit studieren.Aus Hobby sammelte er Modelbahnen,Modelautos usw.
Er war auch der Typ,den ich es nie im Leben zugetraut hätte,weil er immer so ängstlich und unauffällig bzw. korrekt gegenüber den Vorgesetzten war.
Mich interessiert bis heute,was sie wohl mit diesem Jungen gemacht haben,wo und wie lang er saß.
Unsere Kompanie mußte ihn mit dem Ausschluß aus der FDJ bestrafen.Das konnte man wohl noch verkraften.Aber wer weiß was sie im Armeeknast mit ihm veranstaltet haben.Ich will nicht daran denken!
Eine andere Sache war jetzt wieder die Angst und das Mißtrauen, was bei einigen umging.Aber es legte sich relativ schnell wieder.
Anbei noch eine Aufnahme,wo sich diese Drama abspielte.Ungefähr dort,wo Hundetrasse steht.Bitte wieder Dateianhang öffnen.

Mein Fazit:Ich bin froh das diese Grenze nicht mehr existiert und jeder dort leben kann wo er möchte.

Gruß ek40

09.11.2009 20:42
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#2
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Hier noch Fotos ein paar Fotos von der Führungsstelle aus dem Jahr 2008.
Da hinter wurde der "Gefangene" Soldat bis zur Abholung festgehalten.

09.11.2009 20:46
avatar  glasi
#3
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hallo ek. das ist eine heftige geschichte. dann war euer dienst doch nicht so locker? lg glasi


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09.11.2009 21:03
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#4
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Hallo EK 40


Bei uns hieß das nicht SM 70,sondern Anlage 501 bzw. 701 (Rainman schrieb schon mal was darüber hier),und 1982 war bei Euch ein Maschendrahtzaun?War bei Euch Regina Zindler mit auf der Kompanie?
Also zu der Zeit dürfte doch überall ein Streckmetallzaun gestanden haben.



Gruß maja64


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09.11.2009 21:37 (zuletzt bearbeitet: 09.11.2009 22:01)
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#5
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Hallo EK 40, er wird es überstanden haben, der Deliquent, die Zeiten waren nicht leicht, aber jeder trägt einen kleinen Glücksstern in sich und wenn er dran glaubt...
Aber nicht, das jetzt einer denkt, der Rainer- Maria ist abergläubisch, er glaubt nur an die Stärke, die in jedem Menschen drinsteckt, aber die muss er dann schon selber aktivieren.
Und Mario, ob das nun 501 oder SM-70 oder wie auch sonst immer...geheißen hatte, ist doch egal, ist alles Geschichte.
Thunderhose hat doch schon in einem anderen Fred...wie auf der Hochschule...über die Dinger....da bin ich immer froh als alter Piomier, das wir hier solche Spezialisten haben.
Ist ehrlich gemeint, Thunterhorse.

Gruß Rainer- Maria


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09.11.2009 21:47
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#6
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Rainer,nur mal so zwischendurch.Bei dem User den Du ansprichst handelt es sich nicht um die Donnerhose sondern um das Donnerpferd.




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09.11.2009 21:49
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#7
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Zitat von maja64
Rainer,nur mal so zwischendurch.Bei dem User den Du ansprichst handelt es sich nicht um die Donnerhose sondern um das Donnerpferd.








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09.11.2009 21:52
avatar  Pitti53
#8
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[quote="maja64"]Rainer,nur mal so zwischendurch.Bei dem User den Du ansprichst handelt es sich nicht um die Donnerhose sondern um das Donnerpferd.



[/quote

donnerhose ist gut


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09.11.2009 22:04
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#9
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Jetzt wollte ich schon schreiben; " Oh Thunderhorse, was machen sie nur mit dir", da sehe ich, das er schon ins Bett gegangen ist. Nun ja, gleich ist Stubendurchgang, ach, jetzt ist es 22. Uhr, die Tür fliegt auf und " Achtung", aber denkste, doch nicht mit den alten Resis...ha, ha, ha
So, Männer, der Resi Rainer- Maria geht in die Koje, ich habe heute Einsatzfahrer, Urlauber abholen so gegen 2.00 Uhr früh wie damals.

Gute Nacht allen
von Rainer- Maria


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09.11.2009 22:06
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#10
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Nö, Nö Rainer-Maria,

wir waschen unsere Hände in Unschuld. Mögest du deinen Beitrag vorher nochmals genau durchlesen.


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09.11.2009 22:11
avatar  Pitti53
#11
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Hallo EK 40, er wird es überstanden haben, der Deliquent, die Zeiten waren nicht leicht, aber jeder trägt einen kleinen Glücksstern in sich und wenn er dran glaubt...
Aber nicht, das jetzt einer denkt, der Rainer- Maria ist abergläubisch, er glaubt nur an die Stärke, die in jedem Menschen drinsteckt, aber die muss er dann schon selber aktivieren.
Und Mario, ob das nun 501 oder SM-70 oder wie auch sonst immer...geheißen hatte, ist doch egal, ist alles Geschichte.
Thunderhose hat doch schon in einem anderen Fred...wie auf der Hochschule...über die Dinger....da bin ich immer froh als alter Piomier, das wir hier solche Spezialisten haben.
Ist ehrlich gemeint, Thunterhose.

Gruß Rainer- Maria



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09.11.2009 22:12
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#12
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( gelöscht )

Stubendurchgang?? Naja is schon vorbei.
Naja auf jeden Fall ist auch die Brücke auf der Stiefelsohle geputzt,die Unterwäsche liegt wohlgeordnet auf dem Hocker,und das Koppel mit der frisch gefüllten Trinkflasche hängt am Bettgestell.


Gute Nacht Rainer


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09.11.2009 23:03
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#13
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Mein lieber Schwan, ek40,

ist ja heftig. Der arme Kerl, ich schätze, seine Nerven waren auch nicht stark genug, das bischen Zaun zu überrennen. Genau das durften wir ja auf der Sturmbahn üben *G*. Naja, ich hoffe, es geht ihm gut!

Vieße Grüle,
Rolf

--
Sigantur? Ja, mach ich noch ;)


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09.11.2009 23:51
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#14
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( gelöscht )

Hallo EK 40


Bei uns hieß das nicht SM 70,sondern Anlage 501 bzw. 701 (Rainman schrieb schon mal was darüber hier),und 1982 war bei Euch ein Maschendrahtzaun?War bei Euch Regina Zindler mit auf der Kompanie?
Also zu der Zeit dürfte doch überall ein Streckmetallzaun gestanden haben.

Gruß maja64

hallo ek. das ist eine heftige geschichte. dann war euer dienst doch nicht so locker? lg glasi

Hallo Maja und glasi,

zum 'lockeren Dienst' für @glasi:Locker war unser Dienst schon,dass heißt aber nicht das es keine Vorkommnisse gab.Ich habe hier noch die ein oder andere Geschichte zu erzählen.

Mit den Bezeichnungen der "Selbstschußanlagen" hast du Recht @maja64.Sorry und sieh es mir bitte nach.
Der Maschendrahtzaun war definitiv vorhanden!Zu meiner Zeit befand sich dort wirklich in diesem Abschnitt bei Jeebel nur 2m hoher Maschendrahtzaun.Und das ohne eine Frau Regina Zindler,an die war da noch nicht zu denken. Dahinter lagen vor der Räumung die 66er Minen und dann kam wieder dieser Zaun.Ich schätze mal,dass der Minenstreifen zwischen den Zäunen in etwa 15-20m breit war.Vielleicht kann dazu ein Pio oder jemand von einer ehem.SiK was sagen?
Eventuell weiß auch noch Stabsfähnrich Bescheid?
Also nochmal,Streckmetall war in diesem Bereich nicht verbaut.Leider habe ich keine Fotos direkt am Kanten bzw.von dieser Stelle gemacht,denn so mutig war ich dann auch nicht,obwohl es kribbelte.Aber was dann passiert wäre,brauche ich ja wohl hier nicht zu beschreiben.

Gruß euch beiden
ek40



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10.11.2009 00:06 (zuletzt bearbeitet: 10.11.2009 00:07)
#15
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Hallo ek40,

das mit dem Maschendraht kann durchaus sein. Die alten erdverlegten Minen waren zum Teil damit abgezäunt. Es war aber sehr selten und 1982 kann das eigentlich nur noch gewesen sein, weil die Minensperre schon seit längerer Zeit beräumt werden sollte und man das Ding dann einfach noch hat so stehenlassen, bis der richtige Grenzzaun I gebaut werden sollte.

Auch wenn es nicht von großem Belang ist: Die Minen am Zaun waren vom Typ SM70. Diese waren in sogenannten Anlagen mit 2 Flanken a 10 Felder zusammengefasst. Diese Anlagen hießen dann Anlage 501 bzw. Anlage 701. In beiden wurde die SM70 verwendet. Das nur zur kurzen Ergänzung.

Dass die Offiziere mit einem, der eine Fahnenflucht versucht hat, nicht sanft umgegangen waren, kann ich nachvollziehen. Fahnenflucht ist, denke ich, in jeder Armee nichts, was man auf die leichte Schulter nimmt. Dennoch rechtfertigt das keine Misshandlungen. In der Ausbildung wurden wir durchaus angehalten, Härte gegenüber Grenzverletzern zu zeigen. Der erste Grund dafür war, zu zeigen, wer die Situation beherrscht und sich diese Kontrolle nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Wie gesagt, wo da die Grenze zwischen Härte bei der Kontrolle und Misshandlung ist, das ist schwer zu beurteilen. Unsicherheit und Angst sind oft noch dabei im Spiel.

Die von Dir geschilderte Flucht klingt nach einem Menschen, der aus einer Kurzschlussreaktion heraus so gehandelt hat. Was auch immer ihn dazu getrieben hat, ich hoffe, dass es ihm heute gut geht.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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