Günter Bazyli: Auch der Staatsdiener haftet für staatliches Unrecht

26.10.2009 17:36
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Im Brandenburger Stasi-Thread hatten wir das Thema schon aufgegriffen, aber da jener Thread inzwischen etwas unübersichtlich geworden ist, mache ich mal ein eigenes Thema auf:

Günter Bazyli: Auch der Staatsdiener haftet für staatliches Unrecht --- ein ehemaliger Oberst der DDR-Grenztruppen gesteht seine Schuld ein und erntet dafür nicht nur Beifall

http://www.gar-40.de/00052.html

Hier ein paar Aussagen des Artikels:

Indem Bazyli nicht mehr die DDR gegenüber dem Westen verteidigte, durchbrach er die Solidarität, ein Tabu, das mit den Prozessen um die Toten an der Mauer aufgebaut wurde. "Ich bin der erste hohe Militär, der das macht. Deshalb werde ich jetzt verteufelt", erklärt er sich die scharfen Reaktionen seiner Kameraden. Drohbriefe hatte er in den vergangenen Monaten erhalten. Seine Frau wurde im Dezember vergangenen Jahres auf der Straße krankenhausreif geschlagen. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt.
Auf der Suche nach Motiven für die starre Haltung seiner Mitangeklagten kommt Bazyli zu dem Ergebnis, daß sie sich dem neuen System nicht beugen wollen. Schon oft habe er angeboten, auf Versammlungen des Solidaritätskomitees und der PDS über seine Erfahrungen zu berichten. Doch bislang habe er keine Einladung bekommen. "Das werden sie auch nicht machen", sagt Bazyli. "Sie haben Angst."
Für den Ex-Oberst ist klar, daß die Schüsse "von oben gewollt waren". Jeder Grenzübertritt sei zu verhindern gewesen, "aus Angst vor Massenflucht und weil die Führungsgewalt bedroht und demokratische Wahlen nicht gewollt" gewesen seien. "Das gibt es nur in einer Diktatur", zieht Bazyli Bilanz.


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26.10.2009 17:48
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#2
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Auch Bazyli half u.a. dabei mit, Schabowski zu überführen:

Als Angeklagter behauptete Schabowski im Berliner Kriminalgericht, er habe von der Verminung der Grenze erst nach dem Abbau der Minen (1985) aus Westmedien erfahren. Dabei war im Spiegel, der dem SED-Funktionär Schabowski zur Verfügung stand, schon Jahre zuvor sogar eine Röntgenaufnahme der berüchtigten Splittermine SM-70 abgebildet, die tausendfach an der DDR-Grenze installiert war.

Zu den Todesschüssen sagte Schabowski vor Gericht, er habe sich immer eingeredet, dass der Grenzsoldat „vielleicht aus Notwehr gehandelt“ habe, oder dass die Tötung eines DDR-Flüchtlings „ein unglücklicher Zufall war“, etwa durch „unpräzisen Umgang mit der Waffe“. Niemals habe er die Vorstellung gehabt, dass zur Fluchtverhinderung getötet werde. Er sei kein Militär gewesen, er habe „andere Aufgaben“ gehabt.

Der Zeuge Günter Bazyli, einst Stabs-Chef des Grenzkommandos Mitte, sagte im Politbüro-Prozess aus, Schabowski sei als 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin regelmäßig über Fluchtversuche an der Mauer und Maßnahmen zu ihrer Verhinderung informiert worden, auch über getötete oder verletzte Flüchtlinge.


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26.10.2009 18:09
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Schabowski,

hatten wir doch schon ?

Der war sehr gut informiert, immerhin war er auch Chef der BEL.

Er erhielt immer Informationen über die Grenze in Berlin, 1 x von Grenzkommando, 1 x vom MdI und auch noch vom MfS.


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26.10.2009 18:13
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#4
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Ex DDR-Oberst Bazyli:"Ich stehe nicht vor Gericht, weil ich über 30 Jahre Mitglied der SED war, 35 Jahre eine Uniform getragen habe oder aktiv an der Gestaltung einer sozialistischen Ordnung mitwirkte, sondern weil die alte Partei- und Staatsführung unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Faschismus und Krieg eine neue Parteidiktatur aufgebaut hat und ich als Offizier der Grenztruppen durch den sicherheitspolitischen Kampf des Staates gegen die eigene Bevölkerung für die Toten an der Grenze mit verantwortlich bin."
Zur ähnlichen Einschätzung kommt auch das Gericht. Die DDR-Bürger seien an die Kette gelegt worden, heißt es in der Urteilsbegründung. "Brutal offen richteten sich die Sicherungsmaßnahmen an der Grenze gegen die eigene Bevölkerung", betont der Vorsitzende Richter Hartmut Füllgraf. "Das Lebensrecht der Flüchtenden wurde dem staatlichen Machtinteresse ausgesetzt." Besonders menschenverachtend sei die Auffassung gewesen, wer fliehe, sei schuld, daß auf ihn geschossen werde.


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26.10.2009 19:12 (zuletzt bearbeitet: 26.10.2009 19:14)
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#5
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Zitat von Augenzeuge
Ex DDR-Oberst Bazyli:"Ich stehe nicht vor Gericht, weil ich über 30 Jahre Mitglied der SED war, 35 Jahre eine Uniform getragen habe oder aktiv an der Gestaltung einer sozialistischen Ordnung mitwirkte, sondern weil die alte Partei- und Staatsführung unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Faschismus und Krieg eine neue Parteidiktatur aufgebaut hat und ich als Offizier der Grenztruppen durch den sicherheitspolitischen Kampf des Staates gegen die eigene Bevölkerung für die Toten an der Grenze mit verantwortlich bin."
Zur ähnlichen Einschätzung kommt auch das Gericht. Die DDR-Bürger seien an die Kette gelegt worden, heißt es in der Urteilsbegründung. "Brutal offen richteten sich die Sicherungsmaßnahmen an der Grenze gegen die eigene Bevölkerung", betont der Vorsitzende Richter Hartmut Füllgraf. "Das Lebensrecht der Flüchtenden wurde dem staatlichen Machtinteresse ausgesetzt." Besonders menschenverachtend sei die Auffassung gewesen, wer fliehe, sei schuld, daß auf ihn geschossen werde.


.......sondern weil die alte Partei- und Staatsführung unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Faschismus und Krieg eine neue Parteidiktatur aufgebaut hat und ich als Offizier der Grenztruppen durch den sicherheitspolitischen Kampf des Staates gegen die eigene Bevölkerung für die Toten an der Grenze mit verantwortlich bin."
Meine Hochachtung Herr Bazyli! Besser hätte ich es in meinem Buch nicht formulieren können.Mit dem kleinen Unterschied: Den Befehl zum Schusswaffengebrauch habe ich nicht gegeben,


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