Netzfund # Gong (Zahlensender)

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20.09.2022 12:37
#1
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Der Gong, auch bekannt unter der ENIGMA2000-Kennung G03, war ein vom Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR betriebener Zahlensender, der vermutlich seit 1973 im Betrieb war. Die Sendungen enthielten verschlüsselte Botschaften für die Agenten der DDR in westlichen Staaten, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland. Die letzte Sendung erfolgte am 9. Mai 1990, wenige Monate vor der Deutschen Wiedervereinigung.

Die geisterhaft klingenden Gong-Töne aus dem Äther und die anschließend folgenden, mit Automatenstimme vorgelesenen langen Zahlenkolonnen, über deren Bedeutungsinhalt und Adressaten man nur rätseln konnte, beflügelten die Fantasie von Hörern und politischen Kommentatoren in der Bundesrepublik Deutschland. Am 9. Mai 1990 war die letzte Sendung mit Agenteninstruktionen zu hören. Die letzte der Öffentlichkeit bekannt gewordene Sendung des Agentenfunks der DDR erfolgte am 23. Mai 1990 um 23:30 Uhr. Der Funkamateur Jochen Schäfer zeichnete sie auf. Nach dem bekannten Gong-Signal folgten allerdings keine Zahlenkolonnen, sondern eine männliche Stimme verkündete: „Hier ist die Sendung für das aufgeweckte Kind“. Anschließend war scheinbar aus dem Hintergrund ein Gesang aus mehreren Männerstimmen zu hören, der ein Kinderlied intonierte:

Alle meine Entchen
schwimmen auf dem See,
Köpfchen in das Wasser,
Schwänzchen in die Höh’.

Die singenden Männerstimmen machten dabei einen angetrunkenen Eindruck. Ob dieser Sendung eine Bedeutung zugrunde lag, wurde verschieden bewertet. Manche sahen darin einen letzten launigen Abschiedsgruß der schon in Auflösung begriffenen DDR-Spionageabteilung. Andere meinten, darin eine Aufforderung an die DDR-Agenten im Ausland („Alle meine Entchen“) zu erkennen, abzutauchen („Köpfchen in das Wasser“) und gegebenenfalls neue Identitäten anzunehmen. aus wikipedia



Es war in der DDR nur sehr wenigen bekannt, dass außer d e m Ministerium für Staatssicherheit
(MfS) noch ei n zweiter Geheim-(Nachrichten) Dienst etabliert war, d e r des Ministeriums für Nationale
Verteidigung (MfNV) . Dieser Dienst wurde bereits bei Bildung der NVA i m März 1956 aufgestellt, nannte sich zuerst „Verwaltung für allgemeine Fragen “, später in „Verwaltung für Koordinierung“, „ 12. Verwaltung“,
„Verwaltung für Aufklärung“ u n d danach bis 1989 Bereich Aufklärung.
http://www.hurcks.de/funkempfang/newslet...2007-11NL26.PDF


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20.09.2022 12:48
#2
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G03
Aus UTDX-Wiki

Der Sender G03 war ein Zahlensender, der auch unter dem Spitznamen (The) Gong Station bzw. (The) Chimes Station bekannt wurde. Er wurde durch den militärischen Geheimdienst des Ministerium für Nationale Verteidigung, genauer dessen „Verwaltung Aufklärung“, betrieben. Die Hauptaufgabe des Militärgeheimdienstes der DDR war die „Verhinderung der Überraschung durch den Gegner“.[1] Dazu hatte der Militärgeheimdienst viele Agenten in die Bundeswehr und die NATO sowie deren Umfeld eingeschleust.

G03 ist einer der bekanntesten Zahlensender und war mehr als 20 Jahre in seiner zuletzt bekannten Form auf der Kurzwelle aktiv.

Betrieben wurde der Sender durch den Militärnachrichtendienst der Nationalen Volksarmee der DDR. Dieser Nachrichtendienst unterstand dem Stellvertreter des Ministers und Chef des Hauptstabes des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV). Die Truppenaufklärung war im MfNV zunächst unter der Bezeichnung „Verwaltung Aufklärung“ personell und organisatorisch vom militärischen Nachrichtendienst der NVA bis zum Jahre 1964 getrennt. Bis dahin gab es einen Chef Aufklärung im Hauptstab des MfNV und einen Chef der 12. Verwaltung, die für die Militärspionage im Ausland zuständig war. Die 12. Verwaltung und die Verwaltung Aufklärung wurden am 1. September 1964 zusammengefasst. Der Chef der neuen Verwaltung Aufklärung war von nun an in Personalunion Chef Aufklärung des Ministeriums für Nationale Verteidigung.[2]

Der Militärnachrichtendienst der NVA bestand von 1952 bis 1990 und änderte siebenmal seinen Namen. Die Bezeichnung „Verwaltung Aufklärung“ (VA) wurde am längsten benutzt (1964 bis 1983, danach „Bereich Aufklärung“), weswegen der Militärnachrichtendienst der DDR heute überwiegend unter der Bezeichnung „Verwaltung Aufklärung“ behandelt wird (nachfolgend als VA abgekürzt). Die VA gliederte sich im Jahre 1988 in die vier Organisationselemente „Stab“, „Agenturische Aufklärung“, „Strategische Aufklärung“ und „Operativ-Taktische Aufklärung“. Dabei war das Organisationselement „Agenturische Aufklärung“ unter anderem zuständig für die Führung der Agenten und zeichnete daher für den Betrieb von G03 verantwortlich. Die Zentrale der VA befand sich in der Oberspreestraße in Ostberlin.

Geführt wurden nicht nur die klassischen Agenten der VA. Zu den Empfängern der Zahlensendungen gehörten auch die im Ausland eingesetzten Militärattachés der DDR. Offiziell übten sie den klassischen Attachédienst in den Akkreditierungsländern aus, doch es ist viel wahrscheinlicher, dass sie der Informationsbeschaffung der VA dienten und sowohl selbst spitzelten als auch Kontaktpersonen für andere Agenten der VA waren.
https://web.archive.org/web/202006201452...e/index.php/G03

Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.
(Edwin Bauersachs)


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20.09.2022 13:20
avatar  B Man
#3
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Zitat von Zaunbetrachter im Beitrag #1
Ministeriums für Nationale
Verteidigung (MfNV)


Die haben ein paar schön Monströse Bunkeranlagen in Brandenburgs Wälder gezimmert.

Aber das kannte ich auch noch nicht.
Ziemlich schräg aus heutiger Sicht.
Danke fürs einstellen.

Gruss Andreas


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20.09.2022 22:53
avatar  Ehli
#4
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Nicht nur für Spione: Zahlensender auf Kurzwelle abhören
Ungeachtet dessen, ob sich die Welt im Kalten Krieg befindet oder nicht, sind Zahlensender seit Jahrzehnten im Einsatz, um Spione zu informieren und zu instruieren, ohne sie dabei der Gefahr einer Enttarnung auszusetzen. Das Internet konnte daran nichts ändern. Zahlensender sind nach wie vor immer noch im Einsatz. Wir können auf Wellenjagd gehen, um sie aufzuspüren und abzuhören. Aber ihre Inhalte bleiben für uns ein Mysterium.
https://elektronikbasteln.pl7.de/zahlens...zwelle-abhoeren

Ehli
Ich habe es mir nicht ausgesucht, ein Ossi zu sein....
Ich hatte einfach Glück!

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20.09.2022 22:57 (zuletzt bearbeitet: 20.09.2022 22:59)
avatar  Ehli
#5
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Ehli
Ich habe es mir nicht ausgesucht, ein Ossi zu sein....
Ich hatte einfach Glück!

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21.09.2022 18:35
avatar  RalphT
#6
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Diese Zahlensender kannte ich aus meiner Kindheit. Da ich damals immer den Draht zum Rundfunk hatte, bin ich mit meinem selbstgebauten KW-Empfänger beim Drehen des Skalenrades auch mal dort hängen geblieben. Dieses Programm hob sich natürlich deutlich von den anderen Sendern ab. Von daher zuerst sehr interessant, jedoch schnell langweilig.

Damals hatte ich mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, was das sein könnte.

Auf jeden Fall kam dieser Sender im Norden immer gut rein. Ich gehe mal davon aus, dass die DDR für einen extra guten Empfang im Westen gesorgt hatte.


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22.09.2022 11:01 (zuletzt bearbeitet: 22.09.2022 15:26)
#7
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Mit jedem guten alten Röhrenradio waren diese Sender zu empfangen.
Als PROFESSIONELLER Früher BEOBACHTER konnte ich die "Eiserne Jungfrau" in klaren Nächten auf den Häuserblock genau in Ostberlin bestimmen - mit unserer Peilbasis 😊


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22.09.2022 11:07
avatar  RalphT
#8
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Zitat von Früher Beobachter im Beitrag #7
Mit jedem guten alten Röhrenradio waren diese Sender zu empfangen.
Als PROFESSIONELLER Früher BEOBACHTER konnte ich die "Eiserne Jungfrau" in klaren Nächten auf den Häuserblock genau in Ostberlin bestimmen - mit unserer Peilbasis 😊


So genau ging das bei mir nicht. Ich hatte damals einfach nicht finanziellen Mittel. Es gab nur Taschengeld.

Ich hatte damals (70er) kein Radio. Es gab bei uns im Hause nur ein Radio. Und das war son Küchenbrüllwürfel der einfachen Art.
Ich hatte aber zu dieser diese Philips Experimentierkästen (http://norbert.old.no/kits/ee2001/) gehabt. Nach ein paar Zusatzkästen konnte auch mal ein Radio bauen. Das war für mich damals schon ein echtes Highlight.
Und als Kind hatte ich Null Ahnung von DDR und von Spionage schon garnicht.


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22.09.2022 11:49 (zuletzt bearbeitet: 22.09.2022 12:27)
avatar  Kalubke
#9
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Wer einiges zu den Chiffrierverfahren der Zahlensender wissen will wird hier fündig:

http://scz.bplaced.net/m.html

Der BND z B. verwendete bis 1989 die Codetabelle "DEIN STAR".

Über die Chiffrierverfahren der HVA steht hier einiges:

https://kryptografie.de/kryptografie/chi...genten-code.htm

Funkspruch des MfS an IM "Otto Bohl" alias Karl Heinz Kurras, Westberliner Polizeibeamter, der am 2. Juni 1967 während der Proteste gegen den Schah- Besuch den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat.



Dateianhänge

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22.09.2022 12:17
avatar  RalphT
#10
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Habe den Link mir mal eben ganz kurz angesehen. Die OTP-Listen sehen aus wie eine TAN-Liste einer Bank.
Das ganze Thema Verschlüsselung ist eine hochinteressante Sache. Allerdings auch kompliziert. Große Ähnlichkeiten gibt es zu den Zertifikaten vom Computer. Wer sich damit mal mehr auseinander gesetzt hat, merkt dann erst, wie komplex das ganze Thema ist.


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22.09.2022 12:19 (zuletzt bearbeitet: 22.09.2022 12:26)
avatar  Kalubke
#11
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Das sind sog. irreguläre Verschlüsselungen mit Primzahlentabellen (Wurmtabellen) praktisch unknackbar.


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22.09.2022 12:40 (zuletzt bearbeitet: 22.09.2022 12:47)
avatar  Tobeck
#12
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Zitat von RalphT im Beitrag #6
Diese Zahlensender kannte ich aus meiner Kindheit. Da ich damals immer den Draht zum Rundfunk hatte, bin ich mit meinem selbstgebauten KW-Empfänger beim Drehen des Skalenrades auch mal dort hängen geblieben. Dieses Programm hob sich natürlich deutlich von den anderen Sendern ab. Von daher zuerst sehr interessant, jedoch schnell langweilig.

Damals hatte ich mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, was das sein könnte.

Auf jeden Fall kam dieser Sender im Norden immer gut rein. Ich gehe mal davon aus, dass die DDR für einen extra guten Empfang im Westen gesorgt hatte.

Das war bei mir genauso wie von Dir beschrieben. Wenn man kurze Zeit die Zahlenkolonnen gehört hat, wurde es schnell langweilig und man schaltete wieder ab. Das es einem Agentennetz diente, Anweisungen/Nachrichten für diese übermittelte, war aber damals kein großes Geheimnis.


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22.09.2022 12:46 (zuletzt bearbeitet: 22.09.2022 12:51)
avatar  Kalubke
#13
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Zitat von Früher Beobachter im Beitrag #7
Mit jedem guten alten Röhrenradio waren diese Sender zu empfangen.
Als PROFESSIONELLER Früher BEOBACHTER konnte ich die "Eiserne Jungfrau" in klaren Nächten auf den Häuserblock genau in Ostberlin bestimmen - mit unserer Peilbasis 😊


Waren das wechselnde Standorte von mobilen Sendern?

Die HVA hatte m.E. auch einen stationären Agentensender südlich von Berlin (HVA Funksendeobjekt Zeesen).




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22.09.2022 15:27
#14
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Der von mir gepeilte Sender hatte immer denselben Standort


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22.09.2022 15:46
avatar  Kalubke
#15
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Und wo stand der? In Grenznähe (z.B. Mitte, Prenzlauer Berg) oder weiter weg (Friedrichshain, Lichtenberg, Hohenschönhausen, etc.)?


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