Parteikommunismus

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17.08.2022 06:58
#1
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Michael Brie, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung, mit einer sehr lesenswerten und überaus ausführlichen Betrachung des Parteikommunismus. Eine hervorragende Analyse von Herrn Brie.
Wert, diskutiert zu werden.


>>>Tragödie des Parteikommunismus Michael Brie
Niemals hat eine politische Bewegung in so kurzer Zeit so viele Menschen in ihren Bann gezogen und so viele Gesellschaften nach ihrem Bilde geformt, wie der von Lenin begründete Parteikommunismus des 20. Jahrhunderts. Und niemals zuvor wurden so viele Anhänger einer solchen Bewegung von deren Führern und ihren Apparaten unterdrückt, verfolgt, eingekerkert und ermordet wie in jener Zeit, die mit dem Stalinismus (und auch Maoismus) verbunden wird. Die Größe und das Elend des Parteikommunismus sind weltgeschichtlich beispiellos.
Auf dem 20. Parteitag der KPdSU von 1956 ging Nikita Sergejewitsch Chruschtschow mit den folgenden Worten auf den Großen Terror Stalins ein: „Und gerade in dieser Periode (der Jahre 1935 bis 1937) kam es zur Praxis der massenweisen Repressalien von Staats wegen, zuerst gegenüber den Gegnern des Leninismus: gegenüber den Trotzkisten, Sinowjew- und Bucharinleuten, die schon seit langem politisch von der Partei zerschlagen waren, später auch gegenüber vielen ehrlichen Kommunisten, gegenüber denjenigen Parteikadern, die die schwere Last des Bürgerkrieges sowie der ersten und schwierigsten Jahre der Industrialisierung und Kollektivierung auf ihren Schultern getragen hatten, die aktiv gegen die Trotzkisten und Rechtsabweichler um eine leninistische Parteilinie gekämpft hatten.“1 Immer noch wurde die Unterscheidung zwischen denen, die jemals in einen Konflikt mit Lenin geraten waren, und den „ehrlichen Kommunisten“ gemacht. Welch irrwitziges Kriterium von „Ehrlichkeit“!

(...)

Die parteikommunistische Strömung des 20. Jahrhunderts war derart konsequent auf die Bekämpfung des radikal Bösen fixiert, dass sie glaubte, sich der Dialektik des Guten, entziehen zu können. Es gehört jedoch zur conditio humana, dass Menschen als soziale Wesen gezwungen sind, „Zwang als Nutzung von Mitteln des Bösen“ akzeptieren müssen, um soziale Beziehungen zu stabilisieren. Ordnung kann nur verwirklicht werden, wenn sie sich – auch – der Gewalt bedient. Eine völlige Trennung des Guten vom Bösen ist prinzipiell unmöglich. Damit muss der Zweck immer im Zusammenhang und im Verhältnis zu den Mitteln bedacht werden.

Der Parteikommunismus geriet in Versuchung, sich genau dem zu entziehen. Jeder Konflikt wurde fast ohne Grautöne in den Gegensatz Sozialismus oder Barbarei, Sozialismus oder Faschismus übersetzt. Das schlimme Unwort vom Sozialfaschismus, als Diffamierung der Sozialdemokratie, war nur einer der Ausdrücke dieses manichäischen Reduktionismus. Die entstehende Bundesrepublik erschien in der Propaganda als Fortsetzung des deutschen Faschismus durch die Bourgeoisie mit anderen Mitteln.
Unter den Bedingungen einer solchen Zuspitzung wurde Gewalt gegen Menschen zu einem kleineren Übel, zu einem notwendigen Übel oder sogar zu etwas Gutem. Und als Inkarnation des Bösen verlor der Andersdenkende, Andershandelnde auch die Menschenwürde. (....) <<<

der gesamte Beitrag unter:
https://rosalux.nyc/de/the-tragedy-of-party-communism/


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17.08.2022 12:59
#2
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Zitat von DoreHolm im Beitrag ein Blick in die Geschichte

Mal ´ne Frage, rein interessenhalber. Welcher Witzbold hat eigentlich die Bezeichnung "Parteikommunisten" kreiert ? Na, es melde sich der Urheber und kann seine Rechte am Gebrauch dieser Bezeichnung einfordern.


Du solltest dich gründlicher informieren, @DoreHolm Dann würdest du nicht zu solchen Aussagen kommen.

Michael Brie ist garantiert kein Witzbold. Die besten Analysen über die Verwerfungen im Parteikommunismus kommen von undogmatischen Linken.


Auf der Seite der Rosa-Luxemburg-Stiftung findet sich auch ein hervorragender Artikel über die Stalinisierung und Gleichschaltung der KPD.



Parteikommunismus in der Weimarer Republik
Utopie Kreativ Heft 117 Juli 2000
Rund zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus reduziert sich das Interesse an der Geschichte der Arbeiterbewegung auf eine kleine Schar von Wissenschaftler/innen und Hobbyhistoriker/innen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten – Forschungsgelder dafür fließen bekanntlich spärlich – die nunmehr zugänglichen Archivalien, etwa zur Geschichte des deutschen Parteikommunismus, auswerten.
https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_upl.../117_Becker.pdf


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17.08.2022 13:06
#3
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Na da kannst Du ja mal wieder mit deinem angelesenem Wissen angeben. Bist eben doch jedem Anderen überlegen. Ich weiß, daß es da eine menge Schattenseiten gibt, aber ich mache mir nicht die Mühe, das alles aufzulisten, nur um jemand anders doof dastehen zu lassen.


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17.08.2022 13:18 (zuletzt bearbeitet: 17.08.2022 13:21)
#4
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Wer stellt Andere als doof dar?
Du bezeichnest Menschen, die nicht deine dogmatischen Ansichten vetreten, als Witzbolde.
Du ziehst über die Polen und Balten her und erhebst dich über die sogenannten "Grenzgänger"

andere schreiben Schrott:

Zitat von DoreHolm im Beitrag "Regime um Putin zunehmend faschistisch" -
Du überfliegst einen Text nur und schreibst dann Schrott.



Aber mit Gegenwind kommst du nicht klar.

Es gab nicht nur eine Menge Schattenseite, der Parteikommunismus war totalitär.
Ich freute mich auf sachliche Diskussionen mit dir.


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17.08.2022 21:07
avatar  B Man
#5
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Zitat von Grenzläufer im Beitrag #4
Aber mit Gegenwind kommst du nicht klar.

...........der Parteikommunismus war totalitär.


Die Partei die Partei die hat immer Recht .....

Gruss Andreas


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17.08.2022 21:49 (zuletzt bearbeitet: 17.08.2022 21:57)
#6
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Zitat von Grenzläufer im Beitrag #4
Wer stellt Andere als doof dar?
Du bezeichnest Menschen, die nicht deine dogmatischen Ansichten vetreten, als Witzbolde.
Du ziehst über die Polen und Balten her und erhebst dich über die sogenannten "Grenzgänger"

andere schreiben Schrott:
Zitat von DoreHolm im Beitrag "Regime um Putin zunehmend faschistisch" -
Du überfliegst einen Text nur und schreibst dann Schrott.

Aber mit Gegenwind kommst du nicht klar.

Es gab nicht nur eine Menge Schattenseite, der Parteikommunismus war totalitär.
Ich freute mich auf sachliche Diskussionen mit dir.



Einmal bezweifle ich aus den Erfahrungen aus anderen Beiträgen mit Dir, daß daß eine sachliche Diskussion möglich ist, zweitens hattest Du mich schon von Anfang an in eine Schublade gesteckt und drittens kennst Du bei der Beurteilung von ehemaligen SED-Mitgliedern, die Deine Ansichten nicht teilen und Gegenargumente bringen, nur schwarz und weiß. Du kannst sicher sein daß ich eine Menge Dinge, die im Namen des Kommunismus, in Deutschland oder anderswo in der Welt geschehen sind, verabscheue. Mehr dazu nicht.
Und, B-man, nur zur Erinnerung. "Die Partei, die Partei, hat immer recht", ich hatte bereits vor einiger Zeit in einem Thema geschrieben, daß ich mich in der GK schon mal mit einem Berufs-Uffz. angelegt hatte und versuchte, ihm zu beweisen, daß die Partei eben nicht immer Recht hat. Das war in dem Zusammenhang, daß ich mit illegalem Radio und Westsender erwischt wurde und versucht wurde, mich als Spitzel anzuwerben. Ohne Erfolg, klar abgelehnt, ohne Rumeierei. Aber an sowas erinnert sich hier keiner. Ist doch einfacher, den Dore gleich irgend wo hin zu stecken.


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17.08.2022 22:11
#7
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Gleich irgendwo hin zu stecken !!!!
An deinem Charisma hast du selbst einiges zu beigetragen. Trotz guter Beiträge hier sind immer richtige Klopse dazwischen. Angefangen von deiner US Phobie bis zum Positionsbeziehen für den Aggressor Putin für den du viel Verständnis hast. So nimmt das eben seinen Lauf.


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17.08.2022 22:42 (zuletzt bearbeitet: 17.08.2022 22:45)
avatar  Gert
#8
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Zitat von B Man im Beitrag #5
Zitat von Grenzläufer im Beitrag #4
Aber mit Gegenwind kommst du nicht klar.

...........der Parteikommunismus war totalitär.


Die Partei die Partei die hat immer Recht .....


das Liedchen war das Gegenstück zum Horst Wessellied-. So hat jede Diktatur eben auch ihr Gesangsbuch.

Stil ist nicht das Ende des Besens.
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Umgang mit Idioten!


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17.08.2022 23:04
avatar  Ehli
#9
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Ein wunderschönes Thema, könnte nicht besser sein um die Stimmung anzuheizen.

Ehli
Ich habe es mir nicht ausgesucht, ein Ossi zu sein....
Ich hatte einfach Glück!

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17.08.2022 23:46
avatar  Pitti53
#10
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Ich beobachte die Akteure schon genau.


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18.08.2022 01:01
#11
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Zitat von Ehli im Beitrag #9
Ein wunderschönes Thema, könnte nicht besser sein um die Stimmung anzuheizen.


Es ist auch ungeheuerlich, dass Michael Brie von Rosa-Luxemburg-Stiftung den Parteikomminismus kritisch aufarbeitet.

Michael Brie (* 24. März 1954 in Schwerin) ist ein deutscher Philosoph. Er ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Theorie und Geschichte des Sozialismus und Kommunismus. Michael Brie ist der Sohn des DDR-Diplomaten Horst Brie und dessen Frau Sonja sowie Bruder von André Brie.
https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Brie

Michael Brie, Prof. Dr., Philosoph.
Arbeitsschwerpunkt: Theorie und Geschichte des demokratischen Sozialismus.
Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland und des Kuratoriums Institut Solidarische Moderne.
https://www.rosalux.de/stiftung/ifg/pers...ws/michael-brie


Ich kann dir die Beiträge der Rosa-Luxemburg-Stiftung wärmstens empfehlen @Ehli

https://rosalux.nyc/de/the-tragedy-of-party-communism/


Geschichte linker Politik in Deutschland jenseits von Sozialdemokratie und Parteikommunismus
(mit links zum Thema)
https://zzf-potsdam.de/de/forschung/proj...tik-deutschland


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18.08.2022 07:01
#12
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Zitat von B Man im Beitrag #5

Die Partei die Partei die hat immer Recht .....


Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!
Und, Genossen, es bleibe dabei;
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht


und wohin dieses "Recht" der Partei im Parteikommunismus führen kann, beschreibt Michael Brie am Schicksal von
Walter Janka:
>>> Einer derer, der im Faschismus und Parteikommunismus im Gefängnis saß, war Walter Janka, mit Wolfgang Harich Kopf der wohl wichtigsten Oppositionsgruppierung der frühen, der 50er Jahre.3 Zwei Mal war Janka im „Gelben Elend“, dem Gefängnis von Bautzen, eingekerkert – zum ersten Mal für anderthalb Jahre nach 1933 und zum zweiten Mal für vier Jahre 1957. Welche Perfidie! Beim ersten Mal wurde ihm Vorbereitung zum Hochverrat vorgeworfen – wie hätte er den nationalsozialistischen Richtern widersprechen können! –, zum zweiten Mal wurde er „als unmittelbarer Hintermann und Teilnehmer einer konterrevolutionären Gruppe“ wegen Boykotthetze zu fünf Jahren Zuchthaus mit verschärfter Einzelhaft verurteilt. Dieses Verdikt hat er, ganz anders als das erste, niemals akzeptiert.
Wie aber lautete der entsprechende Paragraph der DDR-Verfassung (Art. 6, § 2) von 1949, auf den sich das Urteil gegen Walter Janka und die Mitangeklagten bezog? „Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen, Mordhetze gegen demokratische Politiker, Bekundung von Glaubens-, Rassen-, Völkerhass, militärischer Propaganda sowie Kriegshetze und alle sonstigen Handlungen, die sich gegen die Gleichberechtigung richten, sind Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches.“4 Walter Janka wurde in der DDR also mit Berufung auf genau jenen Paragraphen verurteilt, der dem offensiven Schutz der Demokratie vor faschistischen Angriffen dienen sollte. Der nachfolgende entscheidende Satz – „Ausübung demokratischer Rechte im Sinne der Verfassung ist keine Boykotthetze“ – wurde dagegen ignoriert.
Kurzum: Der behauptete Schutz der Demokratie wurde in ein Mittel der Zerstörung der Demokratie und der Negierung der elementaren, in der Verfassung verbrieften demokratischen Grundrechte verwandelt. Kritik an der aktuellen Partei- und Staatsführung der DDR – vornehmlich unter dem Gesichtspunkt mangelnder Demokratie artikuliert – wurde mit antidemokratischer Haltung identifiziert.
Diese Paradoxa sind dem Parteikommunismus sowjetischer Prägung wesenseigen.
<<<
https://rosalux.nyc/de/the-tragedy-of-party-communism/


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18.08.2022 09:23 (zuletzt bearbeitet: 18.08.2022 09:23)
#13
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Parteikommunisten ? Hat es auch andere Kommunisten als Parteikommunisten gegeben ? Den Begriff finde ich, egal von wem er stammt, irgendwie etwas absurd. Dafür hats Du, grenzläufer, doch bestimmt in Deinem Fundus eine Erklärung, in der schon mal jemand den Unterschied zwischen einem Kommunisten und einem Parteikommunisten dargelegt hat. Kommunist ist, wer diese Gesinnung hat und auch lebt, zum Parteikommunisten wird er, wenn er sich in einer komm. Partei organisiert, also ihr Mitglied wird. Wäre die einzige Erklärung, die mir einfällt. Wobei, Menschen, auf die dieser Begriff wirklich zutrifft, wird es nicht viele geben, weil das, wenn es wörtlich genommen wird bedeutet, jegliche Eigeninteressen hinten an zu stelle und zusehen, wie einem die anderen im sozialen Gefüge davonlaufen. Obama wurde auch als Kommunist beschimpft. Also ein Begriff für einen Menschen, der je nach Standpunkt, äußerst dehnbar ist. Für mich war Kommunismus von Anfang an, seit ich mich als junger Mensch für Politik interessiere, von Anfang an eine Utopie, ein angestrebter Idealzustand, der mit dieser Menschheit mit diesen Veranlagungen nicht machbar ist. Diverse Anführer von revolutionären Bewegungen der Jahrhunderte sind in der Verkennung dieser Tatsachen (weil die Wissenschaften der menschlichen Psyche das damals nicht erkennen ließ) daran gescheitert. Es haben sich am Ende immer diejenigen durchgesetzt, denen es mehr um eigenen materiellen Wohlstand als um Ideologie ging und wenn die Ideologie tatsächlich führend war, dann aber mit ziemlichen Abstrichen.


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18.08.2022 09:37
avatar  icke46
#14
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Ohne da jetzt tiefer in die Diskussion einsteigen zu wollen: Es gibt durchaus noch eine andere Form als Parteikommunisten, zum Beispiel die Salonkommunisten bzw. Bolschewisten: https://de.wikipedia.org/wiki/Salonbolschewist


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18.08.2022 12:15
avatar  Gert
#15
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Zitat von Ehli im Beitrag #9
Ein wunderschönes Thema, könnte nicht besser sein um die Stimmung anzuheizen.



daran bist du ja im Moment aktiv beteiligt, wenn ich das richtig sehe.

Stil ist nicht das Ende des Besens.
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Umgang mit Idioten!


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