Vorstellung Bahndamm 68

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05.05.2022 18:32
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#31
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94

Zitat von Freienhagener im Beitrag #18
Ja, gegrillt wird auf dem Rost.

Gebraten wird in Öl oder Butter in der Pfanne.

Daß eine Grillwurst Bratwurst genannt wird, das dürfte nur ganz Pingelige stören.
Hmm, wie nennts man wenns aus der Grillpfanne kommt *fragendes_grins*
Na egal, der Begriff Brat- bei der Bratwurst hat übrigens nichts mit der Zubereitungsart zu tun.

So, *klugscheißer_modus_aus* und dem Banndamm68 mal auch mal Hallo! sag. Ich lasse die Frage mal offen wieso sichs eine so detailierte Schilderung seiner Fahnenflucht, insbesondere was die Freiwilligkeit seines Postens angeht, nicht schon vor Jahren ... Ähm, nein ... einfach nur ein Willkommen zurück.

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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05.05.2022 18:42
#32
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Ja auch das Thema Wurst ist vielschichtig ....

Irgendwo nennt man die Knackwurst Bratwurst.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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05.05.2022 18:54
#33
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Danke für das hallo,

Zitat von 94 im Beitrag #31
So, *klugscheißer_modus_aus* und dem Banndamm68 mal auch mal Hallo! sag. Ich lasse die Frage mal offen wieso sichs eine so detailierte Schilderung seiner Fahnenflucht, insbesondere was die Freiwilligkeit seines Postens angeht, nicht schon vor Jahren ... Ähm, nein ... einfach nur ein Willkommen zurück.

Auch darauf möchte ich eine Antwort geben, aber nicht auf das Essen.
Was die Flucht angeht, da bestimmt der Ton die Musik. Die hier geschriebenen Kommentare sind bisher, ich hoffe es geht so weiter, in einem ganz anderen Jargon geschrieben.
Vor Jahren, ich formuliere es ruhig und sachlich, da war der Flüchtling hier ein Feind. Da sind Unterstellungen abgelaufen, auf die ich einfach nicht eingehen wollte und habe mich zurückgehalten.
Zwischenzeitlich hat es auch verschiedene Treffen gegeben, wo man sich persönlich kennengelernt hat. Dann sieht die Welt hinterher ganz anders aus.
Der ehemalige Berliner Bürgermeister würde sagen, „Und das ist auch gut so“:
Bahndamm 68


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05.05.2022 19:04 (zuletzt bearbeitet: 05.05.2022 19:05)
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#34
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94

Nun, eine Fahnenflucht und dann noch aus dem Grenzdienst ist für mich schon eine, hmm ... wie sag ichs jetzt ohne das ers gleich wieder in den flaschen Hals bekommt, na um beim Nebenthema zu bleiben, also es ist nicht Wurscht. Es hätte auch andere, elegantere Wege gegeben sich aus der Truppenverpflegung des Warschauer Vertrages abzumelden.

P.S. Doch solls nicht das Thema sein, also nicht hier in der Wiederanmeldung.

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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06.05.2022 01:19
avatar  andyman
#35
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Zitat von 94 im Beitrag #34
Nun, eine Fahnenflucht und dann noch aus dem Grenzdienst ist für mich schon eine, hmm ... wie sag ichs jetzt ohne das ers gleich wieder in den flaschen Hals bekommt, na um beim Nebenthema zu bleiben, also es ist nicht Wurscht. Es hätte auch andere, elegantere Wege gegeben sich aus der Truppenverpflegung des Warschauer Vertrages abzumelden.

P.S. Doch solls nicht das Thema sein, also nicht hier in der Wiederanmeldung.

Die anderen,eleganteren Wege sind doch sehr rar und langwierig anzusehen,da kommt eine FF ,zumal mit dem eigenen Posten doch sehr gelegen,schnell ,risikoarm und unter 1A örtlichen Kenntnissen.
Verachtenswürdig hätte ich den Verrat am Kameraden angesehen der unbewußt in eine vielleicht tödliche Falle gelaufen wäre.
"weiter mit Wiederanmeldung"
Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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06.07.2022 09:59
#36
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54. Jahrestag, der Wendepunkt in meinem Leben

Mittwoch, den 11. Juli1968, ein ganz normaler Diensttag. Entsprechend nach gehaltener Nachtruhe, einer Nachtschicht ohne besondere Vorkommnisse, ging der verschlafene komplette Zug, bestehend aus 12 Gefreiten und Soldaten zum Mittagessen. Was es zu Essen gab, kann ich heute nicht mehr sagen. Nur eins, wir haben fast immer gesättigt den Essenraum wieder verlassen. Mit anderen Worten, die Mahlzeiten waren ausreichend. Wer mit dem Hauptgericht nicht einverstanden war, der konnte sich mit den ausgiebig unterschiedlichen Zutaten sein Sättigungsgefühl erfüllen. Im reichlichen Überfluss gab es immer und ewig Kürbis. Heute im hohen Alter kann ich Kürbis oder ähnliches nicht mehr hören und sehen, geschweige noch essen.
Bedingt durch das Dreischichtsystem waren die Essenzeiten in der Küche recht lang gehalten. Über ca. 80 Personen hätten sowieso keinen Platz in den kleinen Essenraum gefunden. Was ich Positiv empfunden habe, dass für Soldaten und Offiziere immer das gleiche Essen gab. Ausnahme kann vermutlich der Kompaniechef, im Rang eines Oberleutnants gewesen sein. Er hat selten mit seiner Mannschaft zusammen gegessen.
In den Ausbildungsmonaten, in Dingelstedt, da gab es Unterschiede. Zum einen gab es da Tische nur für die Offiziere, die unter sich waren und blieben. In der Grenzkompanie gab es diese Distanzierung nicht. Hier saßen die Offiziere, Unteroffiziere je nach Lust und Laune mit Soldaten an einem Tisch. Schnell bekam ich die Einstellung, dass wir eine größere Familie waren, ein gutes Selbstwertgefühl. Nach über 40 Jahren kam ich dann zu einer anderen Erkenntnis.
2010 hatte ich mein erstes TV-Interview, Fuji TV Tokio. Vermittler war der ehemalige Grenzdenkmalvorsitzender Achim Walther aus Hötensleben. Sie erstellten Filmaufnahmen mit mir vor den ehemaligen und heute noch stehenden Originalgrenzanlagen in Hötensleben, am Brandenburger Tor in Berlin, sowie in meiner Wohnung. Am Ende stellten sie mir die Frage, ob ich eine Stasi-Akte hätte. Kurz und bündig, nein, ich war zu faul und bequem und außerdem wollte ich nach all den Jahren keinen Menschen mehr verurteilen oder anklagen. Ich vertrete die Meinung, dass im Leben auch vergeben und verzeihen, dazugehört. Sie zeigten großes Interesse an dieser Akte. Ich erteilte die Freigabe.
Nach vier Wochen unterrichteten mich die Filmemacher, dass es eine 400-seitenlange Akte gibt. Nun wurde auch ich neugierig und beantragte diese Schriftstücke. Aus der Erkenntnis dieser Akte und ohne mein Wissen nahm das TV-Team in Zeitz sogar mit einem Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) von mir, Kontakt auf.
In der Summe waren es rund 8,5 Stunden Filmaufnahmen. Das Ergebnis davon war ein Videoclip von 2 Minuten und 23 Sekunden. Ich war sehr überrascht und zu gleich enttäuscht mit dem Ergebnis.

Fortsetzung folgt zum nächsten Tag


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06.07.2022 10:16 (zuletzt bearbeitet: 06.07.2022 10:25)
avatar  Fred.S.
#37
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zu 36
Als Stadtteilfotograf vom Datzeberg, Bahndamm, kenne ich das auch. Bei besondere Ereignisse waren auch die Filmemacher von NEU EINS mit dabei und drehten und drehten. Dann wie Du es sagst: Nur max. 3 Minuten.
Bilder: 24.04.2008 Einweihung Plattenpark bei der Uns Hüsung 29/31. Fred
Bei dem Bild 047. Der Herr mit den Händen am Gesäß ist der persönliche Fotograf des Vorsitzenden Geschäftsführer von Neuwoges gewesen.
Und der da am Laternenmast sich anlehnt, gehört zu der Filmgruppe ( 2 Mann ). In den silbernen Koffer wurde die Kamera transportiert.


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06.07.2022 13:12
#38
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Hallo @Bahndamm68
Vielen Dank für Deine bisherigen, sehr interessanten Schilderungen!


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06.07.2022 23:20
#39
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Zitat von Fred.S. im Beitrag #37
zu 36
Als Stadtteilfotograf vom Datzeberg, Bahndamm, kenne ich das auch. Bei besondere Ereignisse waren auch die Filmemacher von NEU EINS mit dabei und drehten und drehten. Dann wie Du es sagst: Nur max. 3 Minuten.
Bilder: 24.04.2008 Einweihung Plattenpark bei der Uns Hüsung 29/31. Fred
Bei dem Bild 047. Der Herr mit den Händen am Gesäß ist der persönliche Fotograf des Vorsitzenden Geschäftsführer von Neuwoges gewesen.
Und der da am Laternenmast sich anlehnt, gehört zu der Filmgruppe ( 2 Mann ). In den silbernen Koffer wurde die Kamera transportiert.


Hallo @Fred.S. Danke,
nach den Japanern, waren es noch andere Sender, die mit mir Aufnahmen gemacht haben. An Anfang, ich gestehe, gab es immer ein großes Herzklopfen in mir. Es gab Aufnahmen, da musste ich den Inhalt 3 Mal wiederholen. Nur Punkt und Komma waren an anderer Stelle. Vielfach war es zu langatmig. Ich sollte mich auf das Wesentliche halten. Die Frage ist natürlich, was das Wesentliche ist?
Selbst auch mein Hinweis, sie könnten doch außer dem Wesentlichen alles herausschneiden, wollten sie auch nicht.
Das Problem lag darin, vor Ort. Kamera auspacken, drehen, sprechen, einpacken und am selben Tag noch im Sender zeigen, natürlich nur das Wesentliche.
Bei den Japanern ging alles ruhiger zu.
Bei einem anderen Sender, Namen möchte ich nicht nennen, sie waren 2,5 Stunden in der Wohnung. Ich konnte erzählen ohne Ende, herausgekommen ist dann ein Schnitt von 1 Minute.
Auch dies war für mich in Ordnung.
Als sie jedoch den Schießbefehl auf ihre Art zerlegten und nicht alles Gesagte zeigten, da habe ich mir dann gesagt, mit mir ein zweites Mal nicht mehr.
So ist das Leben mit der Pressefreiheit.
Interessant war eine Begegnung mit Joel Kelly bei seinem Marsch auf dem Grünen Band. Er kam verspätet in Hötensleben an. Die Redakteurin teilte mir mit, nur max. 30 Minuten oder kürzer. Ich gab ihr zu verstehen, dann sollten sie mir die Fragen stellen.
Joel Kelly war gut vorbereitet und er, sowie seine beiden Söhne stellten die Fragen. Es dauert auch wieder 2,5 Stunden. Die Redakteurin im Hintergrund stehend, machte immer wieder Handzeichen für ein Ende, aber Joel fragte immer weiter. Er hatte an diesem Tag noch ca. 30 km zu laufen.


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07.07.2022 06:24 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2022 06:34)
avatar  Fred.S.
#40
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zu 39
Ja, Bahndamm, mit den Reportern kann man so einiges erleben.
Und auch hier in unseren Forum sind sie aktiv, d.h. sie schauen sich auch aus den net. Beiträge von uns an und die sie für ihre Berichte gebrauchen können, da melden sie sich dann per Mail bei Einen.
In meinen Unterlagen habe ich schon so Einige. Der Witz ist nur der ... sie wollen Informationen von Einen haben, aber rausrücken mit Hinweisen, was sie schon haben, das sagen sie nicht. Haben sie die Info, dann herrscht Ruhe, man meldet sich nicht mehr. Gleiches ist mit Dingen
( So wie Du es sagtest mit den Schießbefehl )wenn man nicht so aussagt wie sie es möchten, die Wahrheit über den täglichen Grenzdienst erzählt ---- weg sind sie. Das interessiert nicht. mfg. Fred
P.S.
In einer meinen Videos über den Teilrückbau der Uns Hüsung Straße 2007 habe ich so ein Filmteam auch mit dokumentiert.
Zuerst wurde ausgiebig gespeist dann rauf auf der Baustelle. Sie sahen mich nicht. Drei Mann. Eine Frau die das Zepter in der Hand hielt und Anweisungen gab. Der Filmreporter und der Techniker fürs Hören und der Bauleiter. Die Arbeiter wollten so arbeiten wie immer, durften nicht, da funkte die Frau dazwischen. Nur mit den " Nachdruck " des Bauleiter haben die Arbeiter dann das gemacht was die Frau wollte. Von Morgens bis Abends gefilmt und --- Bahndamm, Du ahnst es --- richtig, nur 3 Minuten dann im NDR. Habe das auch aufgenommen.


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07.07.2022 06:51
avatar  Alfred
#41
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Beiträge müssen auch verkauft werden. Und leider verkauft sich die Wahrheit nicht immer gut.


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07.07.2022 10:42
#42
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Wieder einen Tag vom Wendepunkt des Lebens nähergekommen.

Fortsetzung von #36
Gleichzeitig und damit verbunden der Beginn eines eventuellen Wendepunktes in meinem Leben, mit dem Ergebnis des Wechsels zum Übertritt in die Bundesrepublik, dem vermeintlichen Aggressor gegenüber der DDR. So die Differenzierung von vielen Politstunden, aber auch in den Medien.
Wochen vorher hatte ich mich vom Elternhaus, Freunden und Bekannten innerlich verabschiedet. Ein Zustand, der genauso tiefsinnig in mir heute noch lebt. Mit einem Ziel vor Augen zu haben und mit dem Großteil von Personen nicht darüber sprechen zu können, war sehr schwierig. Ich hatte eine gute bis sehr gute Bindung zum Elternhaus. Einfach „Tschüs“ zu sagen, das war es, das gab es nicht für mich. Es hätte ein Vertrauensbruch mit dem Elternhaus gegeben. Die Zeit bis zum wirklichen Ende meiner Wehrpflicht wäre für meine Eltern nicht zu ertragen gewesen. Letztendlich waren aber meine Emotionen so stark, dass es doch eine Verabschiedung mit meinem Großvater gegeben hatte.
Meine Tante, die Tochter vom Großvater, verdiente ihren Unterhalt durch private Schneiderarbeiten. Im Wohnzimmer waren noch zwei andere Personen und mein Großvater. Ihm musste ich in meine Arme schließen und stark drücken. Ich schaute ihm tief in die Augen und sagte lauthals, „Leb wohl, wir sehen uns nicht wieder“. Sekundenlange Stille im Raum, mein Puls stieg ins Unermessliche. Meine Tante unterbrach diese Situation mit den Worten, „Na, im Oktober bist Du ja wieder zu Haus und alles ist vorbei“. Ich nickte mit dem Kopf, meine Hände lösten die Umklammerung vom Großvater und entfernte mich ohne einen weiteren Blick in das Wohnzimmer. Ich wollte einfach nicht meine anstehenden Tränen offenbaren. Eine dramatische, innerliche Situation.

Einer anderen Person musste ich mein Vorhaben auch anvertrauen.
Vier Freunde fuhren mit dem Auto in einen Nachbarort zum Tanzvergnügen. Was gang und gäbe nach öffentlichen Veranstaltungen war, am Ortsende stand eine Verkehrskontrolle. Die obligatorische Frage an den Fahrer, ob er Alkohol getrunken hätte, wurde nicht bestätigt. Großes Herzklopfen wieder in mir. Sofort kam in meinem Sinn, ob irgendetwas bekannt geworden wäre, weil ich im April Kontakt mit einer bundesdeutschen Fußballmannschaft aufgenommen und den Vereinsvorsitzenden angesprochen hatte. Ob er für mich den Bundesgrenzschutz in Hannover oder Braunschweig informieren könnte. Ich habe die Absicht zu flüchten und habe Angst. Es muss aber der BGS sein und nicht die bundesdeutschen Zöllner.
Durch die vielen Politstunden waren oder wurden die BGS-Männer aggressiver gegenüber den Zöllnern eingeschätzt. Sie sollten mir Rückendeckung geben, wenn Waffen mit in das Spiel gekommen wären, so meine jugendliche Leichtsinnsdenke.

Am Ende des Tages fuhr der Freund mich nach Haus. Ich fragte ihm, ob er schweigen könnte. Wie sollte man, wie kann man nur darauf antworten, aber es war der Beginn eines ca. 15 minutenlangen Gespräches im Auto. Er hielt mir vor Augen, dass meine Eltern mich auf dem Grundstück benötigen würden und was ist, wenn alles nicht funktioniert und ich draufgehen würde? Dies würden meine Eltern nicht verkraften. Ich gab ihm zu verstehen, dass Vater Staat und somit auch die Armeeführung Bescheid wussten, dass ich Verwandte im Westen habe. Dennoch bin ich an die Grenze gekommen.
Eine führende Hand im Himmel hat mich an die Grenze gebracht, eine schützende Hand von oben wird mir schon zur Seite stehen.
Er war so konsterniert, dass er mir seine Hand zur Verabschiedung reichte. Nicht „ Auf Wiedersehen“, nicht, „Lebe wohl“, sagte er. Es waren die Worte, dass es besser gewesen wäre, ich hätte ihm diese Information nicht gegeben.
Ich war aber in der Situation, wo ich mich mit irgendeiner Person unterhalten musste. In diesem Zustand ist die Überzeugung in mir gewachsen, dass „Jeder Mensch von seinem Tun und Handeln überzeugt ist, das Richtige auszuführen“. Auch dann, wenn es sich später herausstellt, doch einen Fehler begangen zu haben. Dies ist aber nicht zutreffen für meine Flucht.

Ich stand in unserem Zimmer nach der Vergatterung mit zusammen 12 Soldaten und begann meinen Spind aufzuräumen. Die Unterwäsche, ob gewaschen oder schmutzig, legte ich auf Kante in die Zeitung der FDJ. Putzte Staub und die persönlichen Sachen verstaute ich in meine Reisetasche. Mit innerlicher Anspannung führte ich die Arbeiten durch.
Ich wusste auf welchen Postenplatz, Bahndamm, kommen würde, ich wusste welcher Kamerad, ich nenne ihm hier Peter Müller, mit mir zusammen ist. Es gab für mich keine Überlegung, ob ich ihm vorab informieren müsste. Ich schätzte ihm wankelmütig und leichtsinnig ein. Außerdem ist er am Ende der Grundausbildung noch ein Kandidat der Sozialistischen Einheitspartei (SED) geworden. Vermutlich konnte er dem Druck mit der Weigerung zur Partei nicht standhalten.
Die Voraussetzung für einen Wechsel über den Metallgitterzaun waren gegeben.

Fortsetzung folgt am nächsten Tag


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07.07.2022 11:28 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2022 16:43)
avatar  Fred.S.
#43
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Ja Bahndamm,
eine Geschichte die man nicht nur so einfach liest.
Besonders als langjähriger Grenzsoldat, der auch bereit war auf seine Besatzungsmitglieder zu schießen, falls die über Bord in die Elbe springen,
gen Westufer. ( Zweimal hatte ich solche Situation, 1x davon war er mit uns auf eine BRD-Buhne schon gejagt. )
Sich in Deine damalige Situation zu versetzen, fällt mir in der heutigen Zeit und Dank der Aufklärung vieler User, wie Gert, nicht schwer, mich da rein zu versetzen,
besonders zu den 2. Teil.
Da stehst Du vor Deiner Familie, der Du eigentlich vertrauen kannst --- UND ??? musst schweigen.
Ich freue mich schon auf den folgenden Teil, Bahndamm, der bestimmt der schwierigste von Deiner Geschichte sein wird.

Ein riesengroßes DANKE für Deinen Bericht, den man nicht so einfach schreibt,
wo man seine Gefühle und Gedanken den Mitgliedern des Forum preisgibt.

mit einen aller schönsten Gruß. Fred

Ich denke Bahndamm,
das Du bei dem schreiben dieser Zeilen, innerlich aufgewühlt bist und alles wieder vor Dir siehst, was Damals passiert ist. Meine Hochachtung.
Bild 02: Freiheit --- der Du entgegen gesehnt hast. Und Vertrauen ? --- nur zu Dich Selber.-


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07.07.2022 21:10
#44
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Hallo @Fred.S.
Recht vielen Dank für deine Worte und natürlich auch die beiden Bildanhänge. Sie zeigen mir, dass du meine Zeilen nicht nur ein Mal gelesen hast. Ich hätte auch zum 55. Jahrestag schreiben können, aber nach Sichtung meiner Akten dieser Tage und natürlich auch die Wiederanmeldung hier im Forum haben mich veranlasst Altes Erlebtes aufzuschreiben. Und wenn das Interesse vorhanden ist, bist du gleich noch mehr motiviert.
Wenn ich heute zu Haus im Bekanntenkreis die Situation der Verabschiedung von meinem Großvater erzähle, dann ist dies für mich eine ganz normale Unterhaltung. Stehe ich aber vor einem Mikrofon vor einem interessierten Publikum, da kommen automatisch innerliche Emotionen ungewollt dazu. Meine Frau gab mir die Empfehlung, dass ich diesen Teil nicht erzählen sollte. Ich bin aber der Meinung, dass dieser eine Teil der Geschichte mit dazu gehört.
Nochmals recht herzlichen Dank für deine einfühlsamen Worte.
Viele Grüße aus Bäärlin Hermann
Anbei ein Zeitungsartikel


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08.07.2022 10:30
#45
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Der Tag rückt näher

Fortsetzung von #42
Nach dem Abendbrot legte ich mich auf mein Bett, versunken in den Gedanken an das Bevorstehende. Die Zeit war endlos. Einen Weg, wie ich ihm mein Vorhaben vermitteln wollte oder konnte, fand ich nicht. Einen Weg zurück gab es auf dem Zimmer in Gedanken auch nicht. Gegen 19Uhr kam der Befehl zum Grenzdienst „Raustreten“. Die Fahrt in die Nachtschicht auf dem Auto führte mich wieder in den Normalstand der innerlichen Ruhe, einfach durch lustige Sprüche.
Am Bahndamm angekommen, kam das ablösende Postenpaar uns entgegen. Militärische Meldung unter uns gab es nicht. Wir kannten uns alle gut. Jedoch Vertrauen untereinander gab es so nicht.
In meiner Stasi-Akte konnte ich dann 2010 lesen, dass wir angeblich noch auf einem anderen Postenplatz gewesen sein sollten. Das stimmte so nicht. Es muss also auch eine Anordnung gegeben haben, dass in der Nachtschicht die Postenplätze gewechselt werden sollten oder mussten.
Vermutlich, um die Müdigkeit der Soldaten zu überbrücken. Angeblich waren wir auf dem vorgelagerten Postenplatz „Feldscheune“ eingetragen. Dieser Platz war ca. 200-300 m diagonal hinter dem Bahndamm als Postenplatz. Er wurde sporadisch, nur nachts besetzt.

Dort waren wir aber nicht, sondern gleich am Bahndamm. Aus späteren Erzählungen konnte mir Herr Walther berichten, dass Anfang der siebziger Jahre diese Feldscheune abgebrannt ist. Von wem, konnte nie ermittelt werden. Man vermutete, dass die Stasi es selbst ausgeführt habe, wegen besseren Sichtverhältnissen in das Hinterland.
In kalten Nächten in den Wintermonaten holten wir uns dort Strohballen und brachten sie vielfach auch wieder zurück. Der Ordnung wegen. Dieses Stroh erwärmte unseren Allerwertesten. In den Januarnächten fielen die Nachttemperaturen, zu mindestens, so lang wie ich im Grenzdienst war, auf minus 18 Grad.
Mir ist nicht bekannt, dass nur ein Soldat wegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit ausgefallen ist für den Grenzdienst. Wir waren doch alle geimpft, mit welchem Stoff ist mir bis heute noch unbekannt. Geschweige, dass wir sogar gefragt wurden, auch das gab es in dieser Zeit nicht.

Auch ein Stallgebäude vom ehemals Bauernhof der Familie Meiners, wurde Anfang der siebziger Jahre abgebaut, für den besseren Sichtbereich im dortigen Grenzbereich. Hintergrund war die Versetzung des Beobachtungsturmes am Bahndamm in den Bereich der Gartenanlagen – ca. 300 m zum Ortskern zu. Es war das Gebäude mit dem geringsten Abstand, ca. 50-70 Meter, zu den Grenzanlagen. Der Postenplatz „Bahndamm“ war im gesamten Abschnittsbereich mit der geringsten Entfernung zum Metallgitterzaun. Er wurde somit auch für die Soldaten entschärft oder mit anderen Worten weiter entfernt von der Grauzone. Am Postenplatz Bahndamm war die Trennung oder Übergang der Minenanlagen südlich von Hötensleben und zum Ortskern nach dem Norden der Übergang zum 3,20 meterhohen Metallgitterzaun und dem davor gelegenen Hundelaufzaunbereich.
Gleich am Tag nach unserer Flucht wurde dieser Postenplatz aus einem Doppelposten, jetzt ein Dreierposten. Entnommen aus dem Vernehmungsprotokoll vom Hauptmann für Grenzsicherung, der es mir ermöglichte aus der Küche in den Grenzdienst wieder zu kommen.
Die Frage, warum, wird sich wohl jeder Leser dieser Zeilen selbst beantworten können.
Aus dem ehemals Beobachtungsturm aus Holz wurde jetzt ein moderner standardmäßiger Betonturm errichtet. Ausgestattet mit elektronischen Überwachungsgeräten und zusätzlichen Personal. Die waren dann schneller vor Ort, um die Grenzanlagen abzuschotten von Flüchtlingen.

Am vorgegebenen Postenplatz angekommen, war für mich, als Postenführer die erste Aufgabe über das Grenzmeldenetz mich im Führungspunkt der Grenzkompanie über eine täglich änderten Parole ordnungsgemäß anzumelden. Wir postierten uns in der Nähe vom Beobachtungsturm, der nachts aber nicht bestiegen werden durfte, egal wie die Wettersituation auch gewesen ist.

Im Schutz vom Wind legten wir uns unter einem größeren Baum, den es heute auch nicht mehr gibt, der Sichtverhältnisse wegen. Wenn wir aber durch die Vergatterung erfuhren, dass keine Streife unterwegs ist, dann sind wir auch nachts auf den Turm gestiegen. Dies war häufig an Wochentagen. An Wochenenden und selbstverständlich an Feiertagen, da gab es unaufhörlich verstärkten Dienst. Diesseits und jenseits der zu schützenden Grenzanlagen war immer mit Provokationen zu rechnen und dies war ja unsere Aufgabe, die Grenzanlagen vor Provokationen zu bewahren.
Zur Erinnerung, der Grenzbereich der 9. Grenzkompanie betrug ca. 3,2 km. Tagsüber waren 3 Postenpaare im Dienst. Nachts waren es in der Regel bis zu 16 Postenpaare und an Wochenenden, sowie Feiertagen bis zu 24 Postenpaare, zuzüglich bis zu drei Streifen. Schwachpunkte gab es immer, wenn die Postenpaare ihren ursprünglichen Platz verlassen sollten und dann selbst verständlich die generellen Übergangszeiten von einer Schicht zur anderen. Dies kannten aber die Provokateure in der Regel nicht.
Peter und ich unterhielten uns über den Alltag, genaueres kann ich leider nach über 50 Jahren nicht mehr definieren. Immer öfter war jedoch der Blick zur Uhr. Nach 24 Uhr, der eventuelle Beginn meines Wendepunktes, der 12. Juli 1968, machte ich mir Gedanken, wie ich ihm mein Vorhaben beibringen könnte. In diesen Gedankengängen, der Wind hatte zu genommen und wir bemerkten nicht, dass mit einmal eine Streife, bestehend aus einem Feldwebel und einem Unteroffizier im Abstand von ca. 3 Meter hinter uns standen.

Fortsetzung folgt am nächsten Tag


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