Enteignung von über 10 000 Betrieben in der DDR wird 50 Jahre

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09.02.2022 07:02 (zuletzt bearbeitet: 09.02.2022 07:10)
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#1
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https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/b...eipzig-100.html

Die Enteignung von über 10 000 kleineren und mittleren Betrieben und über 1000 Produktionsgenossenschaften im Handwerk wird 50 Jahre.

Die Folgen waren schon wenige Jahre danach bei der Versorgung der Bevölkerung und beim Runterwirtschaften der Bausubstanz deutlich zu erkennen.

Nur wenige der ehemaligen Betriebe konnten nach 1990 wieder neu beginnen und sich am Markt etablieren.

Uli


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09.02.2022 07:55 (zuletzt bearbeitet: 09.02.2022 17:11)
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#2
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Nicht nur, dass die neuen Herrenmenschen selber nichts auf die Beine stellen konnten, nein sie haben auch noch vielen der enteigneten Betriebe und der Bausubstanz den Gnadenstoß gegeben.

Uli


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09.02.2022 09:17
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#3
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Zitat von Fall 80 im Beitrag #2
Nicht nur, dass die neuen Herrenmenschen selber nichts auf die Beine stellen konnten, nein sie haben auch noch die vielen der enteigneten Betriebe und der Bausubstanz den Gnadenstoß gegeben.

Uli


erstaunlich was da Anfang der 70er Jahre für ein Potential an Dummheit bei den SED Oberen geparkt war, die habe überhaupt nicht über den Tellerrand(Stacheldrahtzaun )geschaut was da in der Welt abging. Hier in der Bundesrepublik begannen zu dieser Zeit 2 sehr gute Jahrzehnte. Ich erinnere noch, mein Einkommen wuchs Jahr um Jahr in sehr guten Erhöhungsraten. Die Wirtschaft brummte. Allerdings gab es dazwischen in 1974 einen kleinen Knick, nämlich die erste große Ölkrise. Diese war aber durch politische Ereignisse ausgelöst und egalisierte sich danach wieder. Das braune Gesindel verschwand nach und nach aus der Polizei, der Justiz, der Politik, dem BND usw.. Es kamen jüngere unbelastete Leute in die politische Verantwortung. Es war eine gute Zeit.

Stil ist nicht das Ende des Besens.
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Umgang mit Idioten!


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09.02.2022 09:24
avatar  Gert
#4
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Meinen Vater, einen selbstständigen Handwerksmeister haben sie auch fertig gemacht. Er musste seinen Handwerksbetrieb schließen und dann in der PGH arbeiten bis zur Rente. Es hat ihn auch menschlich sehr getroffen.

Stil ist nicht das Ende des Besens.
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Umgang mit Idioten!


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09.02.2022 09:43
avatar  Lutze
#5
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Damit begann die Mangelwirtschaft in der DDR,Private Firmen in VEB's umzuwandeln, wo sollte es auch sonst hinführen?
Es gab auch Aushängeschild er von diesen Zwangseinteigenen,aber wo gingen gute Produkte aus diesen Betrieben hin? In das verhasste westliche Ausland,bin ich froh,diese Idiologie nicht mehr erleben zu müssen
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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09.02.2022 17:16 (zuletzt bearbeitet: 09.02.2022 17:20)
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#6
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Zitat von Gert im Beitrag #3
Zitat von Fall 80 im Beitrag #2
Nicht nur, dass die neuen Herrenmenschen selber nichts auf die Beine stellen konnten, nein sie haben auch noch die vielen der enteigneten Betriebe und der Bausubstanz den Gnadenstoß gegeben.

Uli


erstaunlich was da Anfang der 70er Jahre für ein Potential an Dummheit bei den SED Oberen geparkt war, die habe überhaupt nicht über den Tellerrand(Stacheldrahtzaun )geschaut was da in der Welt abging. Hier in der Bundesrepublik begannen zu dieser Zeit 2 sehr gute Jahrzehnte. Ich erinnere noch, mein Einkommen wuchs Jahr um Jahr in sehr guten Erhöhungsraten. Die Wirtschaft brummte. Allerdings gab es dazwischen in 1974 einen kleinen Knick, nämlich die erste große Ölkrise. Diese war aber durch politische Ereignisse ausgelöst und egalisierte sich danach wieder. Das braune Gesindel verschwand nach und nach aus der Polizei, der Justiz, der Politik, dem BND usw.. Es kamen jüngere unbelastete Leute in die politische Verantwortung. Es war eine gute Zeit.


@Gert Mir wird ja immer wieder mal Neid unterstellt, obwohl ich nicht weiß wie jemand darauf kommen kann.

Bei den Enteignungen war es war aber der Neid eine der Hauptursachen.

Der Pöbel hat nur gesehen was ein Handwerker oder Besitzer eines Betriebes hatte, was er dafür rackern musste haben die in ihrer Blindheit nicht erkannt.

Das war aber keine Erfindung der Genossen in der DDR, sondern diese Neidkultur hat es seit dem Zeitpunkt der Arbeitsteilung gegeben.

Uli


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09.02.2022 18:52
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#7
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Zitat von Fall 80 im Beitrag #6


Der Pöbel hat nur gesehen was ein Handwerker oder Besitzer eines Betriebes hatte, was er dafür rackern musste haben die in ihrer Blindheit nicht erkannt.

Nur mal zur näheren Erkenntnis: Wen meinst du denn mit "Pöbel"?


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09.02.2022 19:18
#8
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Man muß schon angestrengt nachdenken, um nach so langer Zeit seinen damaligen Blick auf das letzte verbliebene Unternehmertum der DDR zu reflektieren.
Als wirklich reich habe ich die Unternehmer meines Heimatortes keinesfalls wahrgenommen, sehr interessant sind übrigens die Häusergeschichten mit denen man an diese Fragmente des DDR- Alltags erinnert.
Oft ging es sogar in Richtung Mitleid, wenn ich an die Bäckerei F. am Spielplatz denke, der Sohn war damals ein Spielgefährte und mußte montags immer eine Riesenfuhre Briketts mit einfahren, der Vater stand vor vier Uhr am Backofen, mittags kamen die Brote noch aus dem Ofen, das Haus war nichts besonderes, ihr Trabi auch nicht.
Der Elektroladen B. war ebenfalls privat geführt und auch das Zeitschriftengeschäft G. wo man nach langer Wartezeit mal ein Abo erben konnte, beide Inhaber besaßen nichtmal ein Auto, überhaupt war keiner von den Gewerbetreibenden wirklich abgehoben oder irgendwie pompös unterwegs, allein diejenigen von denen bekannt war, daß sie einigermaßen wohlhabende Westverwandtschaft hatten, standen finanziell etwas über uns Gleichen, auch alles was man so als Schieberpack bezeichnete, Leute, die Futter klauten um privat Schweine zu mästen oder immer anderweitig immer am Klauen waren, immer etwas zu tauschen hatten, woher auch immer stachen gelegentlich hervor, der Dacia und 2107er Lada war da bereits eine Auffälligkeit.
Die Enteignungen waren das Stumpengleis der DDR- Geschichte, die Weiche zum Prellbock, Honeckers Haß auf diese Klientel scheint genausowenig erforschbar zu sein wie der von Hitler auf die Juden.
Beide hatten eine Meise und keiner hat sie stoppen können.

Auf dem Foto sehen wir links den Zeitschriftenhandel und am Straßenende eine der drei privaten Fleischereien des Ortes, die zwar Honecker überlebt haben aber inzwischen trotzdem vor die Hunde gegangen sind.
Die Mitschüler dieser Unternehmer landeten fast immer auch in den Betrieben der Eltern, hatten bei Wandertag oder Stadtbummel auch bloß keinen Kapitalvorsprung, hin und wieder meinten sie nachträglich, daß man ihnen mit Neid begegnet ist, das kann ich aus eigenem Erleben nicht bestätigen, es kann allerdings trotzdem stimmen.
Diese privaten Krauter waren nicht nur eine Wirtschaftsgröße sondern auch identitätsstiftend, unvergessen die Besuche in der Schusterstube P. wo der Meister uns gerne zusehen ließ während wir auf unsere Reparaturen warteten oder der Pelzhändler, der uns die Felle der ausgebuddelten Feldhamster oder die Haut vom geschlachteten Schwein abkaufte.
Man hatte einen ganz anderen Bezug und eine gewisse Wertschätzung dem Handwerk gegenüber, die Produktionsstätten des Mansfeldkombinats oder Reichsbahnausbesserungswerk mit ihren FDJ- Initiativen Konsumgüterproduktion waren weit weg, sowohl von der Wahrnehmung als auch von einer sinnvollen Geschäftstätigkeit, das war einfach keine Lösung um die Lücken der ausgebombten Privatunternehmen zu schließen.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein und kein Sofa.

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09.02.2022 19:58
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#9
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #7
Zitat von Fall 80 im Beitrag #6


Der Pöbel hat nur gesehen was ein Handwerker oder Besitzer eines Betriebes hatte, was er dafür rackern musste haben die in ihrer Blindheit nicht erkannt.

Nur mal zur näheren Erkenntnis: Wen meinst du denn mit "Pöbel"?

ich glaube es zu wissen , es waren die SED Bonzen, Funktionäre der Pseudogewerkschaften und andere "staatstragenden "Funktionäre der kommunistischen Bewegung. Die habe noch nie in ihrem Leben ein konstruktives Produkt hergestellt, Steuern haben sie auch nicht bezahlt.
Ich denke Horch und Guck kann man auch dazuzählen die haben sich auch gut bezahlen lassen, von denen die sie verfolgt, beschnüffelt, schikaniert haben. Das kostete doch Geld und irgendwoher musste es doch kommen. Also nahm man es den "Feinden" der soz. Gesellschaft ab im vollen Bewusstsein ihrer Allmacht, die die eingangs erwähnten Sicherheitsleute herstellten und bewahrten- So ungefähr müsste es gelaufen sein, oder ?

Stil ist nicht das Ende des Besens.
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Umgang mit Idioten!


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09.02.2022 20:00
avatar  Gert
#10
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #8
Man muß schon angestrengt nachdenken, um nach so langer Zeit seinen damaligen Blick auf das letzte verbliebene Unternehmertum der DDR zu reflektieren.
Als wirklich reich habe ich die Unternehmer meines Heimatortes keinesfalls wahrgenommen, sehr interessant sind übrigens die Häusergeschichten mit denen man an diese Fragmente des DDR- Alltags erinnert.
Oft ging es sogar in Richtung Mitleid, wenn ich an die Bäckerei F. am Spielplatz denke, der Sohn war damals ein Spielgefährte und mußte montags immer eine Riesenfuhre Briketts mit einfahren, der Vater stand vor vier Uhr am Backofen, mittags kamen die Brote noch aus dem Ofen, das Haus war nichts besonderes, ihr Trabi auch nicht.
Der Elektroladen B. war ebenfalls privat geführt und auch das Zeitschriftengeschäft G. wo man nach langer Wartezeit mal ein Abo erben konnte, beide Inhaber besaßen nichtmal ein Auto, überhaupt war keiner von den Gewerbetreibenden wirklich abgehoben oder irgendwie pompös unterwegs, allein diejenigen von denen bekannt war, daß sie einigermaßen wohlhabende Westverwandtschaft hatten, standen finanziell etwas über uns Gleichen, auch alles was man so als Schieberpack bezeichnete, Leute, die Futter klauten um privat Schweine zu mästen oder immer anderweitig immer am Klauen waren, immer etwas zu tauschen hatten, woher auch immer stachen gelegentlich hervor, der Dacia und 2107er Lada war da bereits eine Auffälligkeit.
Die Enteignungen waren das Stumpengleis der DDR- Geschichte, die Weiche zum Prellbock, Honeckers Haß auf diese Klientel scheint genausowenig erforschbar zu sein wie der von Hitler auf die Juden.
Beide hatten eine Meise und keiner hat sie stoppen können.

Auf dem Foto sehen wir links den Zeitschriftenhandel und am Straßenende eine der drei privaten Fleischereien des Ortes, die zwar Honecker überlebt haben aber inzwischen trotzdem vor die Hunde gegangen sind.
Die Mitschüler dieser Unternehmer landeten fast immer auch in den Betrieben der Eltern, hatten bei Wandertag oder Stadtbummel auch bloß keinen Kapitalvorsprung, hin und wieder meinten sie nachträglich, daß man ihnen mit Neid begegnet ist, das kann ich aus eigenem Erleben nicht bestätigen, es kann allerdings trotzdem stimmen.
Diese privaten Krauter waren nicht nur eine Wirtschaftsgröße sondern auch identitätsstiftend, unvergessen die Besuche in der Schusterstube P. wo der Meister uns gerne zusehen ließ während wir auf unsere Reparaturen warteten oder der Pelzhändler, der uns die Felle der ausgebuddelten Feldhamster oder die Haut vom geschlachteten Schwein abkaufte.
Man hatte einen ganz anderen Bezug und eine gewisse Wertschätzung dem Handwerk gegenüber, die Produktionsstätten des Mansfeldkombinats oder Reichsbahnausbesserungswerk mit ihren FDJ- Initiativen Konsumgüterproduktion waren weit weg, sowohl von der Wahrnehmung als auch von einer sinnvollen Geschäftstätigkeit, das war einfach keine Lösung um die Lücken der ausgebombten Privatunternehmen zu schließen.


@Hackel39 mir gefallen nicht alle deiner Abhandlungen, aber den finde ich sehr gut, sehr ausgewogen und der Bericht bringt vieles auf den Punkt.

Stil ist nicht das Ende des Besens.
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Umgang mit Idioten!


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10.02.2022 08:47 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2022 08:49)
#11
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Ich habe das als vom VEB ausgeborgter Lehrling erlebt.

Zunächst herrschte Chaos. Vor der sozialistischen Inventur wurde massiv geklaut.
Das Proletariat war nicht sozialistisch motiviert, sondern "privatisierte" Werkzeug und mehr.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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10.02.2022 08:55
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#12
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@Freienhagener

Danach doch nicht weniger, oder?

Das Auge des Herrn nährt das Vieh.

Wenn der ehemalige Eigentümer nicht mehr da oder nur noch Betriebsleiter war und nicht mehr vom Ergebnis profitierte, dann hat er bestimmt auch manches übersehen.

Neu eingesetzten Funktionären hat oftmals das entsprechende Insiderwissen gefehlt.

Uli


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10.02.2022 09:20
#13
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Der vorübergehende Kontrollverlust führte doch zu einem kleptomanen Höhepunkt.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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10.02.2022 10:41
#14
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Zitat von Fall 80 im Beitrag #12
@Freienhagener

Danach doch nicht weniger, oder?

Das Auge des Herrn nährt das Vieh.

Wenn der ehemalige Eigentümer nicht mehr da oder nur noch Betriebsleiter war und nicht mehr vom Ergebnis profitierte, dann hat er bestimmt auch manches übersehen.

Neu eingesetzten Funktionären hat oftmals das entsprechende Insiderwissen gefehlt.

Uli


So eine Gleichgültigkeit wird ihm irgendwann auf die Füße fallen und das weiß er mit Sicherheit. Auch wenn er verständlicherweise ziemlich stinkig zu den Entscheidungen steht. Er ist dann Betriebsleiter und wird daran gemessen, wie der Laden läuft. Wenn die verluste spürbar werden, ist er dann ganz schnell auch als BL weg vom Fenster, mit allen damit verbundenen Finanzeinbußen und Machtverlust. Ich kenne keinen Betriebsleiter/Direktor von den mit bekannten Betrieben, die überschaubar waren, die Klauerei toleriert hätten.


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10.02.2022 11:35
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #14
[blau]

So eine Gleichgültigkeit wird ihm irgendwann auf die Füße fallen und das weiß er mit Sicherheit. Auch wenn er verständlicherweise ziemlich stinkig zu den Entscheidungen steht. Er ist dann Betriebsleiter und wird daran gemessen, wie der Laden läuft. Wenn die verluste spürbar werden, ist er dann ganz schnell auch als BL weg vom Fenster, mit allen damit verbundenen Finanzeinbußen und Machtverlust. Ich kenne keinen Betriebsleiter/Direktor von den mit bekannten Betrieben, die überschaubar waren, die Klauerei toleriert hätten.


@DoreHolm Wenn Du keinen kennst, dann heißt es noch lange nicht, dass es keine gab.

Ich kenne sogar welche, die haben den Betrieb beklaut in dem sie Betriebsleiter waren.
Der kleine Mann klaute mit der Aktentasche und der mittlere Leiter mit dem LKW und der Chef hat es sich liefern lassen.

Uli


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