Zusammenarbeit BGS ZGD etc

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08.02.2022 15:43
#76
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Zitat von hslauch im Beitrag #75
Auch ein Dankeschön für die zwei sehr interessanten Foto`s vom "IM Wallis" ....
Von ihm erhielt ich bald nach Erscheinen seiner Artikel in der Zeitung weitere Abzüge von Fotografien der Sprengungen, die Negative sind, so, wie es aussieht, auf dem schnellsten Weg nach Osten verbracht worden.
Zugute halten möchte ich ihm, dass er liebenswürdigerweise beide Seiten, Ost und West, versorgte.
Zitat von hslauch im Beitrag #75
Es hätte sich ja jederzeit um einen "Grenzverletzer" sprich Flüchtling handeln können, der bereits zwischen den beiden Zäunen im Grenzabschnitt war. Und "viel Verkehr auf dem Kolonnenweg" war ja auch ein untrübliches Zeichen einer "Lage" ...
Zitat von hslauch im Beitrag #75
Also die Rundumleuchten gab es zu meiner Dienstzeit 1988- 1990 im Grenzabschnitt Ifta nicht mehr ... aber die Signalgeräte und Handleuchtzeichen schon...
Meine Schilderung betrifft einen Zeitrahmen ab ungefähr der 1970er Jahre. Wenn ich zurückblicke, gab es mit den RuL das eine oder andere Mal Fehlalarme durch Sturm und Wild.

Wurden die RuL bzw. später installierten Signalgeräte ab und auch geplant ausgelöst, um die Alarmgruppen auf die Probe zu stellen? Kein Plan mehr bei mir, im Dunkeln der Vergangenheit entschwunden. Wie war der Ablaufplan beim Grenzalarm (zu Übungszwecken), wer war involviert und wer löste aus?
Zitat von IM Kressin im Beitrag #74
„LK- 3 Stern-Rot, 2-Stern-Grün, 1-Stern-Gelb“ waren für uns immer "Alarmierend"

Nur noch eine Frage zur Signalmunition. Im Nachdienst war bei Doppelstreifen neben MP5 bei uns auch eine LP (Leuchtpistole) mitzuführen. Bedarf hatten wir in natura an und für sich nicht, in der Theorie logischerweise nur, um nach Lage der Dinge in pechrabenschwarzer Nacht ein unübersichtliches Gelände zu erhellen nach Erfordernis und Notwendigkeit.

Habt ihr Leuchtsignale verwendet auch für Meldewege bei Erreichen bestimmter Grenzpunkte oder zum Anzeigen für Beginn und Ende von Einsatzübungen @hslauch ?

Mitmischen und sich einklinken in den Gesprächsfaden, dürfen sich selbstverständlich @all !
B208 sende ich einen Dreizeiler,

Zitat von B208
"... verfolge gerade im Forum das Thema BGS/GZD"


ob seine grauen Zellen in diesem Zusammenhang noch was hergeben, ob und wie im Grenzdienst die LP beim BGS oder nach seinen Erfahrungen bei der Grenztruppe verwendet wurde!

Als Abschluss für meine Person ein Beispiel für den Einsatz der LP im Grenzdienst.

Gemeinsam mit einem jungen Kollegen befuhr ich während einer Nachtstreife einen Wirtschaftsweg im Grenzraum. Unerwartet und ohne Überleitung trat überfallartig ein Mann, bekleidet mit einem Fleckentarnanzug auf die Straße und gab uns Haltezeichen.

Mein Kollege und ich glaubten anfänglich an einen Angehörigen der Grenztruppe.
Wir bemerkten schnell unsere falsche Annahme und erkannten weitere Personen sowie am Straßenrand abgestellte Fahrzeuge. Die Maisernte war beendet, es handelte sich bei der Personengruppe um eine Jagdgesellschaft.

Der junge Mann im Fleckentarn entpuppte sich als Sohn des Jagdberechtigten. Eindringlich erklärte er, dass wir aus diesem Anlass nicht durchfahren dürfen. Die Jagdberechtigten und ihre Gesellschaften mit den sich wiederholenden Anlässen waren Routine und gehörten zu unserem Tagesgeschäft.

Unser Kämpfer im Fleckentarn war ahnungslos, er wußte offenbar nicht oder ignorierte in und mit voller Absicht, wer sein Gesprächspartner war. Meinen Hinweis: „Leuchte doch mal mit Deiner Taschenlampe auf das Kennzeichen und lies mal den Aufdruck und das Etikett über dem Kühlergrill!“ lächelte er weg.

Ich lächelte mit und bat ihn, die Fahrbahn zu räumen, um das Fahrzeug am Fahrbahnrand abzustellen, was er gern bemerkte. Ich selbst nahm die mitgeführte Ausrüstung, DF, FuG, MP 5 an mich und bat meinen Kollegen, die LP (Leuchtpistole) mitzunehmen. Im Verlauf der Fußstreife in Richtung Grenze, nach ca. 10 Minuten, fragte ich ihn, ob er auch ein nicht klar zuzuordnendes, knisterndes Geräusch im Vorfeld vor uns gehört hätte.

„Nein, absolut nicht, hier ist alles ruhig!“ entgegnete er. „Ich bin absolut sicher, hier ist irgendwer. Hast Du schon einmal mit der Leuchtpistole geschossen?“ fragte ich. Er verneinte. Die Bedingungen waren perfekt. Auf Grund starker Niederschläge am Vortag war eine Brandgefahr nicht gegeben.

„Wir verschießen nun eine 1-Stern-Gelb, um das vorgelagerte Hoheitsgebiet aufzuklären und zu erhellen!“
Ich beschrieb und verdeutlichte die Handhabung, ein unüberhörbarer, lauter Knall beendete meine Vorführung.
Zwei weitere Leuchtpatronen verballerte der Kollege unter meiner Anleitung.
Mein Kollege hatte Recht behalten, hier war tatsächlich nicht das Mindeste aufzuklären.

In der Ferne hörten wir aus westlicher Richtung das Klappern von Autotüren und Kofferräumen. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, die Schwarzwildjagd war ohne tote Sau zu Ende gegangen. Meinem Kollegen dämmerte es.

Augenzwinkernd bemerkte ich, dass viele Dinge sich durch Zeitablauf von selbst regeln.

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"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner!
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08.02.2022 16:20 (zuletzt bearbeitet: 09.02.2022 07:27)
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#77
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( gelöscht )

@IM Kressin
Aus meinem Jahr 76/77 kann ich nur so viel beisteuern, dass Probealarme nur bis zum Objekttor aber nie bis in den Abschnitt gingen.
Die Rundumleuchten zeigten ja einen Kontakt oder Defekt am Signalzaun (durch was auch immer) oder eben auch eine Öffnung des Signalzauntores an. Beim Öffnen des Tores musste eine Schraubkupplung getrennt und nach dem Schließen wieder verbunden werden. Erfolgte das innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe ging die Rundumleuchte und der Büffel auch wieder aus, oder eben auch nicht. Falls nicht, hatte man ja die Öffnung des Tores schon zur Füst gemeldet. Einige haben dann den vorhandenen Schaltschrank geöffnet, einen Schütz gezogen und wieder eingeschoben. Diese Selbsthilfe war aber nicht unser Aufgabenbereich.

Handleuchtzeichen wurden ja zur Signalgebung und auch zur Beleuchtung genutzt. Viele waren geil darauf die Dinge hochzulassen. Die Schraubkappen wurden gesammelt und einige schnitzten da Initialen ein um ihre Briefe zu siegeln.
Nachdem sich die sinnlose Benutzung hochgeschaukelt hatte, wurden da schärfere Einsatzbedingungen angeordnet. Von der dicken Berta (Gefechtsfeld Beleuchtung wimre 35 mm) wurden die Fallschirme als Trophäen fieberhaft gesucht. Leere HLZ mussten zurück gerechnet werden.

Uli


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08.02.2022 21:24
avatar  hslauch
#78
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Zitat von IM Kressin im Beitrag #76
Wurden die RuL bzw. später installierten Signalgeräte ab und auch geplant ausgelöst, um die Alarmgruppen auf die Probe zu stellen? Kein Plan mehr bei mir, im Dunkeln der Vergangenheit entschwunden. Wie war der Ablaufplan beim Grenzalarm (zu Übungszwecken), wer war involviert und wer löste aus?


Also ... die installierten Signalgeräte (zumindest bei uns im Abschnitt Ifta und wohlgemerkt zu meiner Dienstzeit) waren unter anderem auch oder gerade in vom Osten aus gut einsehbaren Grenzabschnitten (zwischen den Grenzzäunen) aufgebaut, so zum Beispiel im Bereich Stange - in einem bereits auch von der Stadt Creuzburg aus "einsehbarem Gebiet"(Creuzburg gehörte nicht zur Sperrzone und war somit für Jedermann erreichbar)

Es gab dort in diesem Bereich den "taktischen Nachteil" für den Grenzposten, dass er vom Kolonnenweg aus in Richtung Hinterland
so gut wie "Nichts" einsehen konnte, weil Bäume, dichtes Strauchwerk und Büsche eine Sicht zum Grenzsignalzaun oft verhinderte.

Also kaum die Möglichkeit, auf einen geduckt oder gar kriechenden "Grenzverletzer" reagieren zu können...wenn er sich entsprechend gut auskannte und sich entsprechend vorsichtig und leise bewegen würde...
Deshalb wurde auf dieser Waldlichtung in verschiedenen Abständen mehrere Signalgerätanlagen mit Platzpatronen ab und zu auch mit Leuchtmunition versehen "installiert".
Diese Anlagen "funktionierten" mittels Verbindung durch Signaldraht ... (sicherlich bekannt) und zwischen den Anlagen war in unregelmäßigen Abständen eine "Lauftrasse" für den / die Grenzposten ...beziehungsweise den Waffen-Uffz. der Kompanie, der sich um diese Anlagen "kümmern" durfte.

Es kam vor , auch einer meiner Posten hatte es mal geschafft, in der Dämmerung bei "Feindsendersuche" mit unserer "Postenspule"(Radio) trotz aller Vorsicht die Signalgeräte auszulösen....
War auch nicht sooo selten ...aber soweit mir bekannt ... immer ungewollt.

Einen "Probealarm" für diese Signalgeräte gab es soweit ich mich erinnern kann nie, außer der Waffenunteroffizier meldete es zur "Kontrolle" der Signalgeräte auf der Führungsstelle vorher an (natürlich dann mit Info an die eingesetzten Posten von der Füst).

Denn wenn das passierte, war mindestens 1 Boiler (große Kanne Kaffee) fällig ... wenn du es dann als Posten nicht schnell genug der FüSt melden konntest und ein "paar ganz Fleißige und Unruhige" das in der Nähe auch noch mitbekamen ohne "nach zu fragen"
... flog auch schon mal die Alarm-Gruppe ...dann konnte es richtig teuer werden ... wenn Unvorsicht und unterlassene "Meldung" im Spiel war...



im Bild zu sehen, die von mir nur mal als Beispiel angesprochene Waldlichtung...(Blick vom Wasserkraftwerk Spichra in Richtung Grenze).
Spichra gehörte zur 5 km Sperrzone, also für Personen mit "kleinem Passierschein" wie ich es immer nannte .. einsehbar !
Die zu sehende Baumgruppe ( in der Mitte vom Bild ... direkt vor der Waldlichtung) waren der Verlauf des K2 und Grenzsignalzauns
Die Signalgeräte standen in Dreier- bis Vierer-Reihen und versetzt angeordnet ... ca. ab der Mitte der Lichtung

Zirka in der Mitte der dicht bewachsenen Wald-/Baumgruppe am Ende der Lichtung verlief der Grenzzaun 1 (Kolonnenweg)

Es kam natürlich auch Auslösung durch Wild usw. vor.

Du hattest als "Stange Posten" immer den "Sackgang" wenn du auf dem Kolonnenweg unterwegs warst und es knallte , dich durch das Geäst und Gebüsch "zu kämpfen" um nach zu sehen, was los war.

Deshalb waren gerade zur Nachtschicht die Posten am Waldrand mit Blickrichtung Hinterland eingesetzt, um im "Falle eines Falles" entsprechend was zu sehen und schnell reagieren bzw. melden zu können.

Ähnliche Anlagen gab es auch im Bereich Willershäuser Weg (von der Ortschaft Ifta aus einsehbare Lichtung) oder auch an der "Engstelle" im Bereich Gasse Jagdhaus in der Nähe des Dreherrensteins.. . am ehemaligen Postenpunkt 502... dort war der Abstand zwischen Grenzsignalzaun und Grenzzaun 1 kleiner als 20 m !! ..

Die "sensible Bereiche" Ziegenthal ... Ortschaft Wolfmannsgehau und Straße Netra waren durch Hundelaufanlagen (bestückt mit kaukasischen Schäferhunden) zusätzlich gesichert.

Die Leuchtpistolen wurden eigentlich nur im "Ernstfall" eingesetzt...(soweit mir bekannt)
Ausnahme Silvester und einige EK .... letzte Nachtschicht etc. ... aber dann meist auch mit "Vorankündigung" an den "armen Uffz" auf der Füst....

Der Grenzsignalzaun wurde durch die GSZA 80 (glaub ich) auf der Füst optisch und akkustisch dargestellt..
Eine Auslösung wurde ortsgetreu mit entsprechendem Grenzsignalzaunfeld, Wasserdurchlass oder Tor mit Bezeichnung angezeigt.

Tore im Grenzsignalzaun mussten zu meiner Dienstzeit generell vom Posten zur "Öffnung" bei der Führungsstelle angemeldet werden.
Beispiel ... Grenzposten meldet im Regelfall über GMN am entsprechenden Tor "Tor 77 nach Verschluss"
Führungsstelle antwortet " Tor 77 nach Verschluss" und öffnet das Tor von der Führungsstelle aus.

Die Tore mussten zu meiner Zeit von der Führungsstelle elektrisch entriegelt werden...
Für Notfälle (Stromausfall oder Ausfall der GSZ-Anlage) gab es natürlich auch Schlüssel für die Tore.
Die Alarmgruppe und Reserve-Alarmgruppe hatten immer einen Schlüssel mit "an Bord" .. so zumindest bei uns...

Also Posten passiert das Tor , verriegelt es entsprechend dann per Hand und meldet " Tor 77 verschlossen und Spurensicherheit hergestellt"
Wenn das "Torschloss" dann entsprechend richtig eingerastet war (Kontoll-Leuchte in der Füst grün) kam die Bestätigung "Tor 77 geschlossen" von der Füst, wenn nicht dann wurde vom Posten so lange "gebastelt" bis das Tor verriegelt war... funktionierte aber in aller Regel einwandfrei


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09.02.2022 08:52 (zuletzt bearbeitet: 09.02.2022 18:30)
#79
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Vielen lieben Dank für Eure aussagekräftigen Ausführungen. Wie ich unschwer gewahr werden musste, bin ich thematisch ein klein wenig von der Route abgekommen. Themengebiet ist das Zusammenwirken zwischen Zoll und BGS. @B208 nennt das Kind beim Namen, gibt seinen Kommentar ab und merkt an

Zitat von B208
"Du rutscht nun aber thematisch etwas vom von Zoll und BGS gemeinsam genutzten Schlagbaum freundwärts in den KFZ Sperrgraben ab"

Recht hast Du @B208, muss ich Dir legitimerweise zugestehen. Passiert, aber wer abrutscht, darf nochmal, nächster Versuch. An dieser Stelle besten Dank für das übersandte, in alle Details gehende Infomaterial.

Ich beginne mit dem Bericht eines Streifenführers des Bundesgrenzschutzes. Der Bericht geht beiläufig auch auf die
von den Usern in diesem Thread während ihres Grenzdienstes geschilderten Beobachtungen mit Informationsaustausch zwischen Zoll- und BGS-Streifen ein.

Zitat von einem Streifenführer aus der Zeitschrift des Bundesgrenzschutzes,
Grenzstreifendienst – ein Streifenführer berichtet

"Gestern war ich als Streifenführer der ersten Tagesstreife eingeteilt. Vorgestern kurz vor Dienstschluß ging ich zu dem zuständigen Sachbearbeiter, um mir meinen Streifenauftrag erteilen zu lassen. Es traf sich gut, der für meine vorgesehene Abschnitt war mir in guter Erinnerung. Vor wenigen Tagenerst habe ich dort eine Grenzstreife durchgeführt. Ich ließ mich in die in der Zwischenzeit an der Grenze der DDR festgestellten Veränderungen einweisen und machte mit entsprechende Notizen.

Meine Gedanken gingen zurück zu meiner letzten Grenzstreife in diesem Abschnitt. Es hat doch einige Änderungen gegeben. Hinzu kommt noch, daß sich jetzt eine „Baustelle“ in diesem Abschnitt befindet, und ich erinnere mich, daß mir bei meinem letzten Streifendienst Vorbearbeitungsarbeiten aufgefallen sind. Richtig deuten konnte ich diese erst jetzt und ich bin froh, daß ich meine Feststellungen umfangreich gemeldet hatte. Mir wurde nämlich klar, daß diese Beobachtungen für den Sachbearbeiter von großem Interesse gewesen sein müssen. Nun war ich interessiert, wie diese Änderungen in der Natur aussehen würden.

Ich ertappte mich dabei, daß mir immer wieder der Begriff „Baustelle“durch den Kopf ging. Bei meinen weiteren Gedanken werde ich durch den Sachbearbeiter gestört. Er will wissen, ob mir mein Auftrag völlig klar sei. Jetzt erst merkte ich, daß ich bisher nur von dem mir zugewiesenen Abschnitt Kenntnis genommen hatte. Es steckte aber noch wesentlich mehr in meinem Auftrag.

Verschiedene Beobachtungspunkte mit festgelegten Aufenthaltszeiten, eine Fußstreife von 6 Km Länge und verschiedene kleine Punkte. Alles stand in meinem Streifenbefehl. Für mich ergeben sich weitere Fragen. Bis zum Abmarsch hatte ich noch die ganze Nacht vor mir. Eine Stunde vor Verlassen des Standortes wies ich meine Streifenposten und den Kraftfahrer in den Auftrag ein. Der Empfang der Waffen schloß sich der Einweisung an. Nun mußten noch die Funkgeräte empfangen werden. Abmelden beim Diensthabenden und ab ging´s.

Auf der Fahrt zum Anfangsort der eigentlichen Grenzstreife hatte ich noch Zeit zum Nachdenken. Die Sonne kam gerade über die Berge. Mir gefällt diese Landschaft. Bei uns daheim ist es nicht so schön. Es ist ebenes Gelände und so weit man sehen kann, gibt es Industrieschornsteine. Inzwischen fühle ich mich hier sehr wohl. Ich habe nicht nur Kameraden gefunden, sondern auch Freunde in der Bevölkerung. Mir ist klar, daß wir von der Grenzbevölkerung gern gesehen werden. Oft wird uns unterwegs zugewinkt. Meine Gedanken wurden beendet, der kraftfahrer bremste. Unsere Grenzstreife begann.

Der erste Auftrag war eine Fußstreife. Das Fahrzeug setzte um und hielt über die Funkgeräte Verbindung zu uns und zu unserer Standortfunkstelle. Alle Beobachtungen trug ich in mein Notizbuch ein. Damit nichts vergessen werden konnte. Mein Streifenbericht würde sonst unvollständig sein.

Während des Streifenganges trafen wir mit einer Streife des Grenzzolldienstes zusammen. Ein kurzer Austausch der Beobachtungen erfolgte und wir setzten jeweils unseren Streifenweg fort, jedoch in verschiedener Richtung.

Plötzlich entdeckte ich etwas für mich Neues. Allerdings nicht jenseits der Grenze. Da standen doch Schilder , die bei meiner letzten Grenzstreife noch nicht da waren. Ich erinnerte mich, daß die Regierungen in Bonn und Ost-Berlin eine Vereinbarung über die Nutzung von Wegen an der Grenze getroffen haben. Jetzt konnte ich lesen, daß die Grenze in der Wegmitte verläuft. Mir war von einer Belehrung bekannt, daß für uns ein Betreten des Weges nur bis zur Wegmitte zulässig ist, daß aber andere Bürger den Weg in voller Breite benutzen dürfen.

Im weiteren Verlauf fielen mir noch weitere Grenzhinweisschilder aus, die erst neu eingebracht waren. Grenzverlauf in Flußmitte und Bachmitte konnte ich lesen. Auch der Hinweis auf den Grenzverlauf am jenseitigen Ufer war neu für mich. Die Kameraden haben bei diesem Wetter mit dem schweren Boden ziemliche Arbeit mit dem Aufstellen dieser neuen Schilder gehabt.

Bei Fortsetzung der Grenzstreife beobachten wie einen Hubschrauber."

Ich unterbreche hier für einen kurzen Moment den Bericht des Streifenführers und rufe meinen Flug mit der Alouette ins Gedächtnis zurück, genauer gesagt mit der Fliegerstaffel des BGS, dürfte vor langer Zeit, 1983 gewesen sein, ich war unter den Teilnehmenden mit Fotoausrüstung des ZKom dabei.

Zitat von Kressin
"Start und Landepunkt war der Sportplatz in RZ, BGS-Kaserne. Nach Kurzeinweisung (die gleichen Pedalen unterhalb des Nebensitzes wie auf der Pilotenseite unter „gar keinen Umständen weder zu berühren, belasten oder zu betätigen“) Anlegen und Benutzung des Headsets, führte der Flug längs der Grenze von RZ über Lübeck bis Travemünde, nach Erreichen der Viermastbark zurück längs der Grenzanlagen über Gudow-Autobahn bis GKSt Lauenburg, anschl. retour nach RZ.

Es war sehr beindruckend, die Grenzanlagen völlig frei von Beeinträchtigungen durch Bewuchs oder anderen Hindernissen im Gelände zu betrachten und zu fotografieren.

Leider keine Ahnung, wo die Aufnahmen nach Auflösung des Zollkommissariats verblieben sind, ich gehörte zu den Ersten, die frühzeitig von der Dienststelle „gegangen worden sind“. Die Nachhut war bis ca. Mitte 1991 noch beschäftigt mit der Auflösung oder was auch immer.

Im wahrsten Sinne des Wortes verfolgte der Staffelführer „hochgesteckte Ziele“.
Ich befand mich im dritten Heli, konnte voraussehen, welches Flugmanöver bevorstand, welches der Pilot unseres Hubi demnächst umsetzen würde. Die Fliegersprache beherrsche ich nicht, kann daher nur amateurhaft den Flug beschreiben.

Die erste Maschine setzte zum Steilflug in luftige Höhen an, die zweite Maschine folgte noch dem steilen Aufstieg, während der erste Heli (für mich unvermutet) abrupt nach backbord „abschmierte“ und (nach meinem Gefühl) drastisch an Höhe verlor. Falls jemand dieses Flugmanöver kennt, darf er gern den Fachausdruck benennen.

Meinem Aussehen nach bemerkte der Pilot mein „Unwohlsein“, sorgte für Frischluft in dem er ein Fenster der verglasten Kanzel einen spaltbreit öffnete.

Es war ein Erlebnis, eine besondere Erfahrung mit „Supertypen“, den Fliegern vom BGS."

Steigen wir nun wieder um, in den VW-Bus der Grenzstreife vom BGS und machen weiter mit den Beobachtungen des Streifenführers.

Zitat von einem Streifenführer aus der Zeitschrift des Bundesgrenzschutzes,
Grenzstreifendienst – ein Streifenführer berichtet

"Wir wissen, daß die Kameraden der Fliegerstaffel einen Grenzüberwachungsflug durchführen und wir uns somit ergänzen. Schnell schalte ich das Funkgerät ein und rief den Hubschrauber an. Es ist ein Verständigungsverkehr. Dennoch bin ich erstaunt, daß die Besatzung noch einen Hinweis auf eine bedeutsame Beobachtung gab. Nach kurzer Zeit waren wir an der angegebenen Stelle und konnten das Ereignis noch eingehend beobachten.

Nach Beendigung des Streifenauftrages und der Rückkehr füllte ich meinen Streifenbericht sorgfältig aus. Mir war klar, daß jede Beobachtung von Interesse ist. Mein Bericht ergibt mit dem der Hubschrauberbesatzung und dem der Grenzzollbeamten den notwendigen Überblick über die Veränderungen im Grenzgebiet der DDR.

Wie war das mit der Baustelle. Es wurde zwar etwas gebaut, nämlich der neue Sperrzaun. Um ihn zu errichten, wurde aber auch „abgebaut“, nämlich mit Räumgeräten die Erdoberfläche. Ein Berg wurde sogar „abgehobelt“.

Ein merkwürdiger Begriff – dieses „Baustelle“

In dem Bewußtsein, zu den notwendigen Beurteilungsgrundlagen unseren Beitrag geleistet zu haben, beendeten meine Kameraden und ich unseren Dienst an diesem Tage."

Vorläufiges Ende der gemeinsamen Grenzstreife.

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09.02.2022 09:35
avatar  Ratze
#80
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So einen aufmerksamen Streifenführer gab es kaum mal
Das kann nur ein Hesse oder ein Bayer gewesen sein
Hubschrauberflug war schon klasse
Ich bin nur bei gutem Wetter mitgeflogenen auch wenn Pirol 808 flog, habe ich andere fliegen lassen, der machte immer Konturenflug
Vor dem Knick kurz hoch und dann gleich wieder runter
Scheußlich!!!!


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09.02.2022 12:05
avatar  Ratze
#81
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Moin jetzt reden alle miteinander, GT, Zoll und BGS, dies war damals ein Fluchtgrund, wenn es bekannt wurde.
Hier eine WE Meldung der Polizei RZ zu so einem Vorfall, der Grenzpolizist hatte sich mit einem Zollbeamten unterhalten
Quelle: Kreisarchiv Herzogtum Lauenburg KA 7875


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10.02.2022 11:13 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2022 11:30)
#82
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Zitat von hslauch im Beitrag #78

"Im Bild zu sehen, die von mir nur mal als Beispiel angesprochene Waldlichtung...(Blick vom Wasserkraftwerk Spichra in Richtung Grenze).Spichra gehörte zur 5 km Sperrzone, also für Personen mit "kleinem Passierschein" wie ich es immer nannte .. einsehbar !Die zu sehende Baumgruppe ( in der Mitte vom Bild ... direkt vor der Waldlichtung) waren der Verlauf des K2 und GrenzsignalzaunsDie Signalgeräte standen in Dreier- bis Vierer-Reihen und versetzt angeordnet ... ca. ab der Mitte der LichtungZirka in der Mitte der dicht bewachsenen Wald-/Baumgruppe am Ende der Lichtung verlief der Grenzzaun 1 (Kolonnenweg)


Deinem Beitrag #78 entsprechend ein Fundus von @B208.
Eine gemeinsame Grenzlagemeldung von BGS und Grenzzolldienst aus dem Jahre 1984 zu Handlungen der Grenztruppe und den in diesem Gesamtbild beschriebenen Veränderungen im 270 Km langen Grenzabschnitt.
Eine Verletzung des bundesdeutschen Luftraumes am 13. November 1984 durch einen DDR-Hubschrauber bei Herleshausen wurde ebenso dokumentiert, wie am 23. November 1984 die Demontage der letzten SM70 in Eurem Abschnitt.


Zwei weitere Fotos des IM Wallis zum Beitrag #74 komplettieren dessen nachrichtendienstliche Aktivitäten in unserem Zuständigkeitsbereich, Überwachungsraum 23, Grenzabschnitt 3.

Am 16. November 1988 fotografierte der IM eine Grenzeinweisung des BGS am Grenzinformationspunkt Wietingsbek mit Gästen der Landesregierung Schleswig-Holsteins, bestehend aus Parlamentariern, Beobachtern, Personal und Journalisten von 16 NATO-Mitgliedsstatten anläßlich einer Tagung in Hamburg.

Die östliche Seite war aufgrund der Tätigkeiten des in unserem Zuständigkeitsbereich agierenden IM vorbereitet auf das Erscheinen der NATO-Angehörigen an der Grenze, hatte darauf ein besonderes Augenmerk und die Veranstaltung im Blick.

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10.02.2022 11:54 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2022 12:26)
#83
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@IM Kressin

auf dem letzten Bild sehe ich einen B1000, der gehörte meines Wissen aber nicht zur Ausrüstung der Grenztruppen,oder?
Desweiteren sind dort mindestens 2 Personen in Zivil, ebenfalls also ungewöhnlich, kannst du zu dem Bild noch mehr sagen?

Etwas über mich zu schreiben, um sich dann daraus ein Bild von mir machen zu können , wäre ungefähr so, wie der Versuch Architektur zu tanzen...


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10.02.2022 12:40
#84
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Zitat von mannomann14 im Beitrag #83
@IM Kressin
auf dem letzten Bild sehe ich einen B100, der gehörte meines Wissen aber nicht zur Ausrüstung der Grenztruppen oder?
Absolut richtig! Protokolliert wurde die Beobachtung nach sichtbarer Lage der vorhandenen Personen und Fahrzeuge. Demensprechend die Anzahl der Zivilisten, AGT sowie deren Dienstgrade, sofern erkennbar, nebst Ausrüstung, Bewaffnung, etc. pp.
Zitat von mannomann14 im Beitrag #83
Desweiteren sind dort mindestens 2 Personen in Zivil, ebenfalls also ungewöhnlich, kannst du zu dem Bild noch mehr sagen?
Am 29. Oktober 1988 wurden in der Lübecker Innenstadt Flugblätter verteilt mit der Information über die NATO-Tagung in Hamburg und eine Mahnwache angekündigt.

Es ist davon auszugehen, dass die teilnehmenden Gäste der Delegation an der Grenzführung bei der Grenzinformationsstelle aufgrund des Presserummel in Bonn und Kiel ohnehin erwartet wurden, allerdings das konkrete, abgestimmte Programm der Grenzführung wird der Zeitungsmann durch seine Connections zum BGS und Zoll erfahren und zügig weitergegeben haben.

Deshalb, nicht überraschend, ein nicht alltägliches Begrüßungskomitee an der Staatsgrenze auch von östlicher Seite, weiteres ist mir nicht bekannt.

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10.02.2022 12:48 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2022 12:49)
#85
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Moin
Den B 100 gab es schon bei der GT, zb. als San Fahrzeug.

Gruß


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10.02.2022 13:08
#86
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Den B1000 hab ich schon mal bei uns in der GK auf den Hof stehen gesehen. Kam aber vom Regiment. Aber in was für einen Zusammenhang, es sich handelte, ist mir unbekannt. Kann sein, das man den Wehrsold geliefert hat.
Selber auf den Grenzkompanien , gehörte der B1000 nicht zum Kfz Bestand.


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10.02.2022 13:59
#87
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Danke für die Ausführungen und gleichzeitig eine kurze Entschuldigung das ihr meinen Fehler leider mit übernommen habt(auch eine vergessene Null hat ihren Wert)

Noch mal zu den Zivilisten. In meiner kurzen Zeit an der Grenze sind zweimal in Begleitung von Oberst Gottschlik und Oberst Bär Zivilisten in den Abschnitt mit eingefahren, diese hatten aber zumindest eine Jacke mit Einstrich-kein Strich anbekommen, daher gehe ich mal in der Annahme davon aus ,das diese Bekleidungsform schon etwas außergewöhnliches war?

Etwas über mich zu schreiben, um sich dann daraus ein Bild von mir machen zu können , wäre ungefähr so, wie der Versuch Architektur zu tanzen...


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10.02.2022 14:09
#88
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Moin,
B 1000 wurde auch von der Abteilung 2000 gefahren, das würde die "Zivilisten" erklären.
Andere Möglichkeit sehe ich noch. Der 1. Sekretär der SED-Kreisleitung der Grenzkreise war ja auch gewissermaßen den Grenztruppen in seinem Bereich Vorgesetzter, aslo, man bekam ihn vorgesetzt.
Könnte ich mir auch vorstellen.

Schnorchel

mors corporis poena peccati est


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10.02.2022 15:08
avatar  Zange
#89
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Ich habe ja von 82 bis 86 in Lübeck, Walderseekaserne, u.a. Grenzdienst verrichtet. Ich kann nur sagen, dass wir als "Streifenhörnchen" keinen Kontakt zum GZD hatten. Nur einmal, ich war Streifenführer und wir spielten nachts an der Schwedenschanze (Schlutup) Skat, als plötzlich eine Lampe in den Bomber (VW-Bus) leuchtete. Nach einer Schrecksekunde, wir dachten es ist der U.v.K (Unterführer vom Kontrolldienst), haben wir dann mit dem Zollbeamten gemütlich Kaffee getrunken.
Was meine Kameraden und ich jedoch niemals verstanden hqabe, dass wir uns bei Streifenantritt bei "Baldur", ich meine HZA Lübeck Ost, anmeldem mussten.
Uns wurde gelehrt, wir seien primär an der Grenze zuständig, also hätte sich m.E. der Zoll bei unserer Funkstelle anmelden müssen.
@Ratze kann bestimmt etwas dazu sagen.

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen (Helmut Schmidt)


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10.02.2022 15:44
avatar  Ratze
#90
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Moin @Zange
Es wurde sich immer bei den Funkstellen angemeldet die besetzt waren, also in unserem Fall bei Baldur und Rappe
Warum die Zollstreifen das nicht gemacht haben, keine Ahnung habe ich bisher auch nicht drüber nachgedacht


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