Nachruf Werner Großmann

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30.01.2022 11:01
#1
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Nachruf auf den letzten Chef der DDR-Auslandsaufklärung: "Das war nicht das Ende der Geschichte!"

Werner Großmann, der letzte Chef der DDR-Auslandsaufklärung im Rang eines Generalobersts, ist am 28. Januar nach kurzer, aber schwerer Krankheit verstorben. Mit seinen 92 Jahren war er bis zuletzt bei Gesprächen am Krankenbett mit glasklarem Verstand und ungetrübten Erinnerungen gesegnet.

Von Rainer Rupp und Karl Rehbaum

Mit Großmann ist ein großer, geradliniger und aufrechter Mann von uns gegangen, der nach der Übernahme der DDR durch die BRD sogar bei ehemaligen Gegnern aus ausländischen Nachrichtendiensten Respekt und Anerkennung genoss. Nur in der BRD konnten sich weder die westdeutschen Politiker noch deren Geheimdienste und noch viel weniger die Medien wenigstens zu einem fairen und unvoreingenommenen Umgang mit der DDR und ihrer Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) durchringen.

Für die tiefverwurzelte und teils verbitterte Feindseligkeit, die selbst 30 Jahre nach dem Ende der DDR den Ehemaligen der HVA von westlich-deutscher Seite immer noch entgegenschlägt, wie jetzt wieder im Fall Großmanns, haben ausländische Kenner des Kalten Krieges und der damaligen Geheimdienstszene ihre eigene Erklärung: Damals war allgemein bekannt, dass nach dem israelischen Mossad die HVA weltweit als der erfolgreichste Geheimdienst für Auslandsaufklärung galt. Hinzu kam, dass die HVA mit erstaunlich geringen finanziellen Mitteln spektakuläre Spionageerfolge gegen den BND, gegen Parteien und Politiker der Bundesregierung in Bonn und gegen die NATO in Brüssel einfuhr.

Das alles habe das Selbstverständnis der Westdeutschen derart gekränkt, dass sie bis heute nachtragend seien und mit ihren ehemaligen Gegnern der HVA nicht "sportlich-fair" umgehen könnten, wie das zum Beispiel Vertreter der britischen Dienste und oder der CIA taten. Dafür, dass selbst die NATO-Verbündeten, vor allem die USA, vom westdeutschen BND nicht viel hielten, spricht auch aus der Aussage eines hohen CIA-Vertreters bei einem Gespräch in Washington Anfang der 1980er-Jahre, als er Rainer Rupp gegenüber in Bezug auf den BND von den "Boy Scouts (Pfadfindern) in Pullach" sprach.

Dagegen bescheinigten am 17./18. November 2007 anlässlich der Internationalen Konferenz an der Süddänischen Universität Odense zum Thema "Geschichte, Aufgaben und Einsichten in die HVA" eine ganze Reihe von ehemaligen Gegnern aus NATO-Ländern den anwesenden Führungskadern der aufgelösten HVA außerordentliche Effizienz und große Professionalität. Zugleich sprachen sie ihnen wegen ihrer Beiträge zu Sicherung des Friedens in den gefährlichsten Zeiten des Kalten Krieges ihre Anerkennung aus.

Bereits drei Jahre zuvor hatte auf einer ähnlichen Konferenz am 7. Mai 2004 in Berlin Mr. Milton Bearden, der u. a. in Deutschland Stationschef der CIA gewesen war und später zum Leiter der Sowjet- und Osteuropaabteilung im CIA-Hauptquartier aufstieg, den Beitrag der HVA zur Erhaltung des Friedens explizit gewürdigt. In seinem Vortrag sagte Bearden, dass es im Kalten Krieg in Situationen zugespitzter Spannungen auf beiden Seiten, sowohl in den USA als auch auf in der Sowjetunion, immer wieder zu gefährlichen "Fehleinschätzungen" und "schwerwiegenden Fehlkalkulationen" gekommen sei.

Wörtlich sagte Bearden: "In der Tat ist hier die Frage angebracht, wie sehr das allgemeine Niveau des Verständnisses über die Lage auf der anderen Seite dafür gesorgt hat, dass der Kalte Krieg kalt geblieben ist. Das ist auch durch die von der HVA … gesammelten Erkenntnisse zusätzlich befördert worden." Abschließend betonte der hochdekorierte CIA-Mann, dass die HVA nicht nur der DDR, "sondern auch der Sache des Friedens gut gedient hat".

Zu einer derartigen Anerkennung, selbst in sehr abgestufter Form, sind die westdeutschen Gegner der HVA bis heute nicht fähig. Der Tod Großmanns hätte für ein solches Signal eine gute Gelegenheit geboten. Stattdessen wird sein Tod in perfider Weise dazu benutzt, erneut alte mediale Messer zu wetzen und mit abgedroschenen Parolen gegen DDR und HVA das Andenken an den Toten zu beschmutzen.

Der von der dpa verbreitete Text zum Tod Großmanns, der vom Spiegel über zahlreiche andere Medien bis hin zur Neuen Zürcher Zeitung aufgegriffen wurde, unterscheidet sich von der Wortwahl und im Sprachduktus kaum von den westdeutschen Schmähschriften gegen die HVA aus den Zeiten des Kalten Krieges. Der Text ist gekrönt von einem Porträtfoto Großmanns, nach dem man in Fotoarchiven sicher sehr lange suchen musste. Denn selbst seine langjährigen Freunde hatten auf den ersten Blick Probleme, in dem finster und böse dreinblickendem Mann auf dem Foto ihren ehemaligen Chef wiederzuerkennen. Seine Kollegen und Bekannten kannten ihn nur mit freundlich-offenem Gesicht, das auch seine innere Einstellung widerspiegelte.

Aber für das Gros der in Bezug auf die DDR gehirngewaschenen westdeutschen Leserschaft von Spiegel und Co. entspricht dieses dpa-Foto sicherlich dem verbreitetem Vorurteil, wie ein böser Stasi-Offizier auszusehen hat. Großmann war jedoch das genaue Gegenteil. Er war der hochkompetente Chef eines der erfolgreichsten Nachrichtendienste der Welt. Zugleich hatte er eine typische DDR-Karriere, die im ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden vom gelernten Maurer bis nach ganz oben führte. Aus der Arbeiterklasse kommend, wusste Großmann schon als Jugendlicher, auf welche Seite er gehörte. Er wurde Mitglied der FDJ und der SED. Von 1952 bis 1990 gehörte er dem Außenpolitische Nachrichtendienst (APN) bzw. der HVA an. In verschiedenen Dienststellungen, vom Mitarbeiter bis zum Leiter der Hauptverwaltung ab 1986, erzielte er persönlich und mit von ihm angeleiteten Kollektiven vorbildliche Ergebnisse.

Seine hohe politische und fachlich-operative Bildung und praktische Erfahrung in der Bearbeitung gegnerischer Objekte und Parteien führten zu außerordentlich wertvollen Kenntnissen über deren Pläne und Absichten. Unter seiner Anleitung gelang es, mit nachrichtendienstlichen Quellen bedeutsame Positionen einzunehmen, und mit deren Informationen konnte ein tatsächlicher Beitrag zur Erhaltung des Friedens und zur Entspannung geleistet werden. Dass die HVA unter den weltweit agierenden Nachrichtendiensten einen Spitzenplatz einnahm, ist auch mit dem Namen Werner Großmann verbunden.

Großmann war in seinen Dienststellungen ein geachteter, korrekter, fordernder Leiter, der sich durch Sachkenntnis, politisches Urteil und Konsequenz Anerkennung unter den Mitarbeitern und Leitern erwarb. Seine Beurteilung der Ergebnisse war durchaus kritisch, auch auf Leitungsebene hielt er mit seiner Meinung nicht zurück. Von seinen Kollegen und Untergebenen wurde er wegen seiner einfachen und direkten Art sehr geschätzt. Überheblichkeit und Anmaßung waren ihm fremd. Er führte und hörte kollegial zu und stand stets hinter seinen Leuten.

Nach dem Untergang der DDR galt seine große persönliche Sorge den verfolgten Agenten im ehemaligen Operationsgebiet und auch den Mitarbeitern der Zentrale in der DDR. Vielfältig waren seine Initiativen, sein öffentliches Agieren, sein Eintreten für Gerechtigkeit und gegen Hetze und Verleumdungen. In Interviews und Publikationen setzte er sich vehement für die Verbreitung der Wahrheit ein. Viele der ehemaligen Kundschafter verband in diesen Jahren eine enge Freundschaft mit Großmann. Anlässlich seines Todes schrieb uns z. B. einer von ihnen, Klaus von Raussendorff, folgende Zeilen:

"Ich bewunderte ihn für seine unerschütterliche, aufrechte Haltung, die immer zu spüren war, wenn er sich in der Öffentlichkeit zu Fragen unserer früheren Tätigkeit äußerte. Er war immer noch unser Chef. Man konnte zu ihm aufschauen. Das bestärkte uns in dem Gefühl, einem Nachrichtendienst angehört zu haben, der in einzigartiger Weise auf Solidarität und gemeinsamer Überzeugung beruhte, und wir können zu Recht sagen: 'Wir haben der Sache des Friedens und des Sozialismus gedient.' Werner gab uns Rückhalt. Ich werde seinen stets heiteren, gelassenen Gesichtsausdruck nie vergessen. Seine Stimme war klar. Was er sagte, klang wie selbstverständlich. Er war ein außergewöhnlicher Mensch."

Die von einschlägigen Kreisen immer wieder in den Medien platzierten Gerüchte, die Großmann aller möglicher Vergehen beschuldigten, erwiesen sich alle als hinterhältiger Rufmord. Selbst die westliche Generalbundesanwaltschaft konnte ihm nach akribischer Durchsuchung der DDR-Archive und Anhörung von Zeitzeugen keine Schweinerei zur Last legen.

Da sähe es mit dem BND ganz anders aus, wenn auch nur ein Bruchteil von dessen Akten an die Öffentlichkeit käme. Zur Erinnerung: Die HVA wurde aus gestandenen Antifaschisten gegründet, die aktiv entweder in russischer Uniform oder in Zivil im Ausland oder im Untergrund gegen die Nazis gekämpft hatten. Der BND war mit US-Hilfe aus einem Sammelsurium von Kommunisten- und Russenhassern, aus alten Nazis, Gestapo-Schergen und SS-Killern gegründet worden. Etliche diese Kriegsverbrecher tummelten sich noch in den 1970er-Jahren im BND.

Großmann konnte am Ende auf ein arbeitsames, erfolgreiches und erfülltes Leben zurückblicken, das wie überall auch seine Höhen und Tiefen hatte. Was die Tiefen betrifft, so teilten wir seine Trauer über das Scheitern unseres Versuchs, in der DDR dauerhaft eine florierende und gerechtere Gesellschaft ohne Ausbeutung und Kriegstreiber aufzubauen. Aber dieses Streben der Menschen nach einer solchen Gesellschaft ist mit dem Verschwinden der DDR nicht gestorben. Angesichts der in den letzten 30 Jahren gemachten Erfahrungen im entfesselten, real existierenden Kapitalismus kann weltweit beobachtet werden, dass das Pendel der historischen Entwicklung wieder zurückzuschwingen beginnt.

Lieber Werner, sei gewiss: Das war nicht das Ende der Geschichte!

Quelle: https://de.rt.com/inland/130734-nachruf-auf-den-letzten-chef-der-ddr-auslandsaufklaerung/

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Man lebt ruhiger, wenn man nicht alles sagt, was man weiß, nicht alles glaubt, was man hört und über den Rest einfach nur lächelt.

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30.01.2022 11:43
avatar  Merkur
#2
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Ein würdiger und realistischer Beitrag.


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30.01.2022 12:02
#3
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Zum Glück war Genosse Grossmann kein Sportler, sonst wären noch Dopingvorwürfe dazu gekommen.
Die Stärke des Geheimdienstes ist womöglich auch mit der überwiegenden Zufriedenheit des Volkes zu erklären, der Bereitwilligkeit eben doch die sozialistische Ordnung als Wert an sich anzuerkennen und Störgrößen gemeinsam auszuschalten.
Ich selbst war damals relativ unerschrocken, Schiebereien und offensichtliche Kriminalität im Arbeitsumfeld offen zu kommunizieren obwohl ich mit Anfang 20 kaum etwas Großen einzubringen vermochte abseits der eigenen Arbeitskraft und ehrenamtlichen Engagement in FDJ und Anglerverband aber wenn ein Lokleiter 1/4 der Ziegelsteine, die für den Fahrradschuppen bereit standen, im Kofferraum des Ladas verschwinden ließ und ich ständig wie eine Sau fahren mußte um die Verspätung wieder rauszuholen, die durch das Abladen von geklauten Futterabfällen für eine private Schweinezucht am Stedtner Bahnsteig entstanden war, so habe ich mich offen dazu geäußert und das auch mit viel Bissigkeit kommuniziert, ohne damit direkt zum Chef zu rennen, mir war es trotzdem schlicht egal, wenn solche dann dran gekriegt wurden.
Das was je nach persönlicher ethischer Disposition vielleicht als Anscheißer- Status oder Zivilcourage zertifiziert würde, bezeichne ich als Verbundenheit und Loyalität dem Staat gegenüber, der mich selbst weitgehend gerecht behandelt hatte.
Was ich meine ist, daß so etwas eben auch ein Teil der effizienten Arbeitsweise eines Gemeinwesens ausmachte, wenn man sich mit seiner Gesellschaftsordnung identifizierte, in die man hineingeboren wurde und so im Rahmen seiner Möglichkeiten zum innenpolitischen Erfolg des Geheimdienstes beigetragen hat.
Vielleicht hätte man die hohen Funktionäre von damals hin und wieder mit den einfachen Arbeitern zusammenbringen müssen, um einerseits Verständnis für gewisse Zwänge seitens der „niederen Ränge“ die z. B. nicht im Traum daran dachten, daß eine Schürer- Kommission bereits die Wahrheit kannte, zu erlangen und andererseits die Eliten einmal die Perspektive des kleinen Arbeiters einnehmen mögen um Mißstände effizienter angehen und Zusammenhänge besser erklären zu können.
Ich kann mich erinnern bei einem Treffen mit dem stellvertretenden Präsidenten der RBD Halle, Genossen P. ein solches Gespräch einmal geführt zu haben, dabei ging es um einen Konflikt mit der B&V- Sparte (Betrieb& Verkehr, heute hieße das DB Netz- Trassen Betreiber, EIU) und dem Schiebebetrieb auf dem Blankenheimer Berg, wonach es meiner Meinung nach Sinn machte, besser zwei Loks vorn zu haben, wenn die Zughakenlast das zuließ als ständig in der Kali- Sand- und Kohlenstaubwolke hinten zu fahren, woraufhin er mir (unerwartet sachkundig) die Zwänge der Infrastruktur erklären konnte, wonach das Risiko von Zugtrennungen, unterlassener Kommunikation der Zugstärke (Zugfunk fehlte) und unerwarteter Umfahrungsmöglichkeit (vordere Lok wegsetzen, wenn Gleise besetzt sind) und einigen anderen Faktoren bestehen würde.
Er ließ aber auch meine Argumente gelten und versprach mir in Einzelfällen solche Verfahren zu überdenken und sie nachgeordneten Stellen vorzuschlagen, direkte Kommunikation eben zwischen oben und unten und dem Aufbau von Vertrauen, eben wichtige Dinge nicht nur im sozialistischen Alltag.
Ein wenig war aber fühlbar, daß die alten Genossen auch anderswo große Hoffnung in die Jugend gesetzt hatten, den schweren Staffelstab endlich loszuwerden, das war auch so bei Begegnungen der SED- Kreisleitung in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre, die ich noch 2-3 Mal miterleben durfte bevor alles vorbei war.
Ob solche Formen der Kommunikation in diesen hier thematisierten Kreisen der Sicherheitsdienste realistisch und sinnvoll gewesen wären, kann man nur mutmaßen.
Auf jedem Fall wurden Kriminalfälle doch auch allgemein gut publiziert, Hintergründe erklärt (Zeitschrift „Wochenpost“ Serie „Der Staatsanwalt hat das Wort“ u.a.) und Konsequenzen gezogen, das Grundsätzliche aber nie in Frage gestellt.
Die war wohl oft eben doch falsch, z. B. indem man hoffnungslose Fälle (die ewig Unzufriedenen) eben ohne Probleme hätte in den Westen gehen lassen müssen und Fehlentwicklungen eben doch öffentlich machen müssen, das hat der Apparat eben unterlassen, ob aus Angst, wegen Unlösbarkeit, Parteidisziplin oder was auch immer.
Leider wird Genosse Grossmann nicht mehr erfahren, wie sich die aktuelle neofeudalistische Revolution mit der sich extrem verschärfenden Ungleichheit zwischen den Menschen verteidigen wird, seine böse Vorahnung dazu teile ich aber schon mal.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein aber kein Sofa.


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30.01.2022 12:14
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#4
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( gelöscht )

Solch Beiträge geben die Sicht des Betrachters wieder.
Also mit Spee gewaschen. Für mich fern der Realität unter Nichtachtung der vielen Selbstdarstellungen.


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30.01.2022 12:16 (zuletzt bearbeitet: 30.01.2022 12:16)
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#5
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( gelöscht )

O.T.:

Mal so angemerkt, Grins.
Hinsichtlich Beitrag 4, Wette gewonnen. Lediglich in der Reaktionszeit etwas verschätzt.


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30.01.2022 12:26 (zuletzt bearbeitet: 30.01.2022 12:27)
avatar  Merkur
#6
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Wildhüter schrieb:
„Solch Beiträge geben die Sicht des Betrachters wieder.
Also mit Spee gewaschen. Für mich fern der Realität unter Nichtachtung der vielen Selbstdarstellungen.“

Aha. Geben denn Deine Beiträge nicht auch Deine Sichtweise wieder?
Was ist denn an dem Beitrag „fern der Realität“ und wie muss ich die „Nichtachtung der vielen Selbstdarstellungen“ in diesem Zusammenhang verstehen?


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30.01.2022 14:23
#7
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Zitat von Merkur im Beitrag #6
Was ist denn an dem Beitrag fern der Realität und wie muss ich die „Nichtachtung der vielen Selbstdarstellungen“ in diesem Zusammenhang verstehen?
Ich bin zwar kein Wildhüter, möchte dennoch reagieren auf die sachbezogene Frage.
Zitat von Merkur im Beitrag #6
"... fern der Realität"
sind beispielsweise
Zitat von sieben-seen im Beitrag #1
"selbst 30 Jahre nach dem Ende der DDR"
Ausdrucksform, der Schreibstil und Redeweise im Sprachstil des kalten Krieges in Einklang mit Verunglimpfung und Schmähung von Andersdenkenden.
Zitat von sieben-seen im Beitrag #1
"Aber für das Gros der in Bezug auf die DDR gehirngewaschenen westdeutschen Leserschaft von Spiegel und Co."
Ich bin einer der vielen Lesern von

Zitat
"Spiegel & Co"

Muß ich möglicherweise eine Erlaubnis einholen, um im Speziellen hier zu texten oder möchtet ihr per se demotivieren bzw. gar einschüchternd beeinflussen?

Zitat von sieben-seen im Beitrag #1
"Der von der dpa verbreitete Text zum Tod Großmanns, der vom Spiegel über zahlreiche andere Medien bis hin zur Neuen Zürcher Zeitung aufgegriffen wurde, unterscheidet sich von der Wortwahl und im Sprachduktus kaum von den westdeutschen Schmähschriften gegen die HVA aus den Zeiten des Kalten Krieges.
Diese und weitere, markierte Printmedien als "Schmähschriften" zu verleumden, inbesondere die "NZZ" zu diskreditieren und in eine bestimmte Ecke zu stellen, kann ich nur als Treppenwitz betrachten.
Zitat von Rimbach 86 im Beitrag Welcher Journalist ist wirklich Unabhängig?
"RT und Junge Freiheit das sind die Medien der Zukunft. Hier kann man sich informieren."
Dieser Nachruf ist inhaltsbezogen identisch mit der Publikation von "RT DE", versehen mit der Kurzinfo

Zitat von RT-DE Team
"Wir schätzen die Möglichkeit sehr, Ihnen mit der Kommentarfunktion eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten zu können. Leider müssen wir diese Möglichkeit vorübergehend einschränken, bis effektive Mittel und Wege gefunden sind sicherzustellen, dass dieses Kommunikationsmittel nicht missbraucht wird.
Das Kommentieren auf unserer Website soll für alle so sicher und so wenig einschränkend wie möglich sein, bei alledem jedoch Hass, Hetze und Beleidigungen konsequent ausschließen."

Noch während ich diesen Text verfasse, wurden die User @Lutze und @wildhüter gesperrt, der Beweggrund für meine Stellungnahme.

Es untermauert den Schwerpunkt einmal mehr, in welcher, gleicher Art und Weise, den Erwartungen entsprechend, mit Nonkonformität verfahren wird.

Zitat von sieben-seen im Beitrag #1
"In Interviews und Publikationen setzte er sich vehement für die Verbreitung der Wahrheit ein."
Die "Wahrheit" ist reichhaltig an Facetten, ihr habt sie also, die reine, ehrliche, volle und ganze Wahrheit. Das ist gut zu wissen, konträr dazu erfahre ich hier in anderen Themengebieten, dass Graubereiche vorhanden sind, in diesem Thread offensichtlich und unumstößlich nicht.
Zitat von sieben-seen im Beitrag #1
sein Eintreten für Gerechtigkeit und gegen Hetze und Verleumdungen.

Widerspruch und Kritik muss man aushalten können und hinnehmen, nicht stets und ständig als Hetze darlegen.
Zitat von Thunderhorse im Beitrag #5
Hinsichtlich Beitrag 4, Wette gewonnen. Lediglich in der Reaktionszeit etwas verschätzt.
Hoffen wir mal, dass Du meinetwegen und wegen meines Beitrages Deine Wette bzw. eine Brotzeit nun nicht verlierst, wie heißt es so schön bei Dir
Zitat von Thunderhorse im Beitrag Bonner Bundestag und das MfS
Brauchst nicht darauf antworten.
Weniger dick aufgetragen, mit weniger Agitation und Propaganda, wäre der Nachruf glaubhaft rübergekommen.
Zitat von Hackel39 im Beitrag #3
Leider wird Genosse Grossmann nicht mehr erfahren, wie sich die aktuelle neofeudalistische Revolution mit der sich extrem verschärfenden Ungleichheit zwischen den Menschen verteidigen wird, seine böse Vorahnung dazu teile ich aber schon mal.
Ab sofort seid ihr wieder ohne die anderen und unter "Genossen".
Mit sozialistischen Grüsssen
Kressin

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"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner!
Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”
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30.01.2022 14:46 (zuletzt bearbeitet: 30.01.2022 14:49)
#8
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Zitat von IM Kressin im Beitrag #7
Zitat von Merkur im Beitrag #6
. [quote="Hackel39"|p829000]Leider wird Genosse Grossmann nicht mehr erfahren, wie sich die aktuelle neofeudalistische Revolution mit der sich extrem verschärfenden Ungleichheit zwischen den Menschen verteidigen wird, seine böse Vorahnung dazu teile ich aber schon mal.
Ab sofort seid ihr wieder ohne die anderen und unter "Genossen".
Mit sozialistischen Grüsssen
Kressin


Nanu, das wird doch nicht zu Zerfallserscheinungen entlang der Foristengrenze führen ?
Es ist ein Nachruf für einen Genossen, der sich nicht weit genug aus dem Fenster gewagt hat als es nötig gewesen wäre, hätte er die Plattformen von heute gehabt, wäre er vielleicht ein Gauland, ein Sarrazin, ein Lafontaine geworden, eben einer der auf den Pfad seines Gewissens zurück gefunden hätte, mal jetzt unabhängig von der jeweiligen weltanschaulich- ideologischen Bewertung.
Die Zeitschriften „Spiegel“ und „NZZ“ haben bei mir persönlich einen sehr guten Ruf, die hätten wir früher gebraucht und im FDJ- Studienjahr sicher eher was damit anfangen können als mit der „Jungen Generation“ und der „Jungen Welt“.
Wir waren ja keine Geierküken, die nur ausgewürgtes wiedergekäutes Futter vertragen, wir hatten einen eigenen Magen, Darm und….sowieso in der Hose und sogar einen Kopf.
Das ist übrigens auch die Tragik der alten Genossen und zugleich ein Vorwurf, sie hatten uns nicht zugetraut diese „Hetzblätter“ qualifiziert zu konsumieren, schade drum.
Aber Ede hat ja alles für uns rausgesucht wobei ich fürchte, das ich das sogar besser gekonnt hätte, meine propagandistische Angelschnur wäre viel dünner als dessen Schiffstaue.
Vor allem hat er das Anfüttern vergessen, darüber zu erzählen das vieles auch o.k. drüben war um trotzdem gleichzeitig vor den jeweiligen Preisschildern zu warnen, das ist aber keine Geschichte für‘s Trauerportal.
Ich freue mich ehrlichen Herzens, daß er so ein hohes Alter geschafft und sich doch noch als Zeitzeuge einbringen konnte.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein aber kein Sofa.


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30.01.2022 14:57 (zuletzt bearbeitet: 30.01.2022 14:57)
#9
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Rainer Rupp war da nicht was.

Er kann seinem Herrgott dankbar sein, das ihm ein demokratisches Rechtssystem ermöglicht heute solche Nachrufe zu schreiben.

Aber eben unbelehrbar.


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30.01.2022 15:22 (zuletzt bearbeitet: 30.01.2022 15:26)
avatar  Merkur
#10
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Du schreibst „unbelehrbar“.
Rainer Rupp schreibt:
„In der Aufgabe mitzuhelfen, einen Krieg zu verhindern, habe ich meine oberste moralische Pflicht gesehen.“
Ein m.E. humanistisches Motiv.
Aber da gehen die Sichtweisen wohl auseinander….


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30.01.2022 15:43
#11
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657200 DM haben wohl auch eine gewisse Rolle gespielt
Das war ja der Lohn für seine Dienste.
Einen Krieg hatte er ja auch preiswerter verhindern können.


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30.01.2022 15:52 (zuletzt bearbeitet: 30.01.2022 15:53)
#12
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Im übrigen glaube ich kaum, dass amerikanische Dienste so sportlich fair mit ihren Gegnern umgegangen wären.
Eiine Rente hatte die USA bestimmt nicht gezahlt.
Das ist durchaus auch fair.


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30.01.2022 15:58
avatar  Merkur
#13
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Was die Operativgelder betrifft, lohnt ein Blick in die Prozessunterlagen. Finanzielle Eigeninteressen waren da kein Thema.


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30.01.2022 16:04
#14
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Nichts zu bereuen, eine sehr arrogante Ansage möchte man spontan behaupten und die hat er wohl tatsächlich auch so gemacht.
Das große Aber ist aber nun mal der Zusammenhang, wonach er das im Moment übelster Anfeindungen und Attacken trotzig so geäußert hat, das ist ein bißchen wie hier im Forum aber das nur nebenbei.
Ein fairer Umgang auf Augenhöhe würde uns der objektiven Wahrheit näher bringen, diese Fairness hatte die Siegerjustiz gegenüber dem Delinquenten in den ansonsten vollen Regalen nicht im Angebot als die Prozesse liefen, die ihm allerdings nur einen Tag Gefängnis am 1. Einheitsfeiertag einbrachten weil die strafrechtsrelevanten Fakten in der juristischen Mangelwirtschaft des Klassengegners einfach nicht für mehr ausreichten.

Der Umstand, daß der Genosse Generaloberst stellvertretender Minister für Staatssicherheit war, macht ihn aber doch zu einem Hauptverantwortlichen für die Irreparabilität der DDR insbesondere deshalb weil die Synapsen der führenden Köpfe zwischen Wirtschaft und innerer Sicherheit einfach nicht intakt waren bzw. maßgebliche Informationen im Kommunikationszentrum nicht weiter verarbeitet wurden.
Man hätte sich dem früher stellen müssen, diese Einsicht wäre schon nötig gewesen wie man heute weiß.
Aber innerhalb der vorgegebenen Qualität (der sozialistischen Gesellschaftsordnung) hätte es wohl auch keine so schnelle Lösung (auf Kosten fremder Brüder und Schwestern) zur Wohlstandsrettung und -Steigerung gegeben, da wäre der Einheitsskeptiker wieder im Gleichschritt.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein aber kein Sofa.


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30.01.2022 16:07 (zuletzt bearbeitet: 30.01.2022 16:07)
#15
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Zitat von Merkur im Beitrag #13
Was die Operativgelder betrifft, lohnt ein Blick in die Prozessunterlagen. Finanzielle Eigeninteressen waren da kein Thema.




Ja das meine ich doch.
Das Gericht hat auch entlastende Anhaltspunkte gewertet, er bekam nicht die Höchststrafe und wurde auch vorzeitig entlassen.

Alles Punkte, die im umgekehrten Fall der Geschichte ganz anders gehandhabt worden wären.


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