Landwirtschaft im Schutzstreifen

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14.11.2021 17:07
avatar  Ratze
#1
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Moin
Ich habe jetzt schon angemeldet eine Gruppe von Landfrauen zur Führung im Museum
Da soll es auch um die Landwirtschaft an der Grenze gehen
Mir ist die Bodenreform von 45 und der Beginn des Aufbaus der LPG‘ en bekannt
und den Beitrag von @BerndK5 im Thema Minen zur Jagd kenne ich
Ich habe aber noch gewaltige Wissenslücken, vielleicht könnt ihr mir helfen
Wie war das mit der Anmeldung der LPG Angehörigen zum Erwerb des Passierscheines für den Schutzstreifen?
Wann erfolgte wo die Anmeldung der LPG für Arbeiten im Schutzstreifen?
Seit wann wurde nicht mehr ständig für die Arbeitet eine GT Wache abgestellt?
Welche Arten von Pflanzen gab es im Schutzstreifen, sicher keinen hohen Mais.
Wusste GT wann bis zum Schutzstreifen Agrarflieger im Einsatz waren?
Das reicht erst mal
Wäre schön wenn ich Infos bekäme


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14.11.2021 17:39
avatar  birx20
#2
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Aus meiner Kenntnis aus der Hohen Rhön war im Schutzstreifen nur Weideauftrieb für Jungrinder möglich.
Das lag an der Bodenbeschaffenheit in der Rhön und an dem geringen Arbeitsbedarf für die Betreuung der Rinder.
Die LPG Mitglieder welche die Rinder im Schutzstreifen betreuen durften, waren handverlesen ( vom VPKA/MfS) und wohnten fast ausnahmslos im Grenzgebiet und im Schutzstreifen.
Die Arbeiten wurden von der LPG Leitung vor Beginn der Arbeiten an die Kompanieführung mit Namenslisten der Beschäftigten gemeldet.
Bei grösseren Aktionen wurde der Posteneinsatz zur Absicherung der Arbeiten im Schutzstreifen verstärkt.
Ähnlich verhielt es sich bei Forstarbeiten im Schutzstreifen.


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14.11.2021 18:00 (zuletzt bearbeitet: 15.11.2021 17:03)
avatar  Fall 80
#3
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@Ratze In dem Zeitraum 76/77 waren im Bereich des 1. GB Geismar also von der Werra bei Treffurt bis nach Sickenberg (39 Kilometer) eine noch betriebene Kiesgrube in Treffurt und Rinderställe von zwei ehemaligen Gütern im Schutzstreifen.
Die Kiesgrube wurde über eine Feldbahn betrieben. Die Arbeiter wurden gegen 8 Uhr eingelassen mussten Mittags eine Stunde raus und dann bis gegen17 Uhr wieder rein.

In den Rinderställen standen Jungrinder/Färsen und das auch in der Winterfütterungsperiode. Die Betreuer wurden zu festgelegten Zeiten rein und rausgelassen.

Das Grünland wurde teilweise gemäht und als Welksilage abgefahren. Mais oder Kartoffeln habe ich in dem Jahr nicht gesehen. Ansonsten nur Getreide.

Das Stall des Gutes Kleintöpfer wurde nach der Fahnenflucht im September 76 komplett abgerissen. Beim Keudelgut war auch ein durchfahrt Silo aus DDR Zeiten. Die Stallgebäude wurden erst nach meiner Entlassung abgerissen.

Ich habe öfters die Betreuer eingelassen und vor den BBU geschützt. Forstarbeiten waren auch manchmal zugange, wurden aber meist von einer Sicherungsgruppe aus dem Bati geschützt. Die Kiesgrubenarbeiter habe ich nicht reingelassen, weil sie ohne Perso und ohne Passierschein kamen. Danach brauchte ich tagsüber dort nicht mehr hin und das war mir recht.

Uli

Nachtrag: Über die Praxis der Passierscheinvergabe weiß ich nichts, denn damit hatten wir Posten nichts zu tun.

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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14.11.2021 18:19
avatar  Fall 80
#4
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Ich denke noch mit grausen an die Ernte der Welksilage. Ein selbst fahrender Häcksler E 280 und drei Abfahrer ZT300 mit HW80 Schwerhäckselaufbauten.

Ich stand am Signalzauntor und habe die Abfahrer ständig rein und rausgelassen. Den Häcksler habe ich nur gehört, den er sammelte die Schwaden auf unzähligen Kleinflächen auf die in dem lockeren Waldbewuchs verstreut lagen.

Theoretisch hätte ich bei jedem einfahrenden Traktor den Hänger hochkippen lassen müssen, denn hineinsehen konnte man ja nicht.

Stelle sich einer mal vor, die BBU hätte einen Überfall gemacht und die Leute mitgenommen. Hätte ich erst mitbekommen wenn der Häcksler nicht mehr brummt bzw. keine volle Fuhre raus will.

Uli

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14.11.2021 18:23 (zuletzt bearbeitet: 14.11.2021 18:32)
avatar  Fall 80
#5
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@ Ratze hier kannst Du dir mal ein Bild von den Gebäuden machen, bevor die Vandalen gehaust haben. Ich kannte nur noch einige Ställe.

https://keudelstein.de/hauptseite/bildar...rte-tellgmann1/

http://www.treffurt.net/stadt/bilder/kleintoepfer.pdf

Du kannst aber auch gleich in diesen Pfad nachsehen.

Verlorene Kulturgüter im Eichsfeld 1945 bis 1989
Thema von Fall 80 im Forum Reste des Kalten Krieg... am 11.09.2019 19:35

Da sind auch Bilder drin von den Objekten wo ich nur noch Fragmente gefunden habe.

Uli

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14.11.2021 20:42
avatar  Ehli
#6
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13. August 1961
Grenze, Zeitzeugen, Ost
Landwirtschaft im Grenzgebiet
https://www.berlin-mauer.de/videos/landw...randenburg-786/
War mir nicht bekannt, man lernt nicht aus, traf aber für Berlin- Mitte nicht zu.
Ehli

Ehli
Ich habe es mir nicht ausgesucht, ein Ossi zu sein....
Ich hatte einfach Glück!

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14.11.2021 20:52
avatar  Fred.S.
#7
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Bei Mäharbeiten auf dem Deich und im Elbvorgelände, besonders da wo der Deich ziemlich dicht an der Elbe war,
wurde auch ein Grenzboot von Dömitz in den betreffenden Abschnitt geschickt. Angekommen, erst dann durften die Bauern rein mit den Maschinen und arbeiten. Hatte in meiner Dienstzeit oft das ' Vergnügen'. Fred


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14.11.2021 20:55 (zuletzt bearbeitet: 14.11.2021 21:37)
avatar  Fall 80
#8
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Neben der Straße Wanfried waren so terrassenförmige Koppeln auf denen Färsen standen. Da kam immer ein älterer LPG Bauer und brachte Wasser und Kraftfutter, steckte die neue Weide ab und trieb die Tiere um.

Schon um mir die Zeit zu vertreiben habe ich ihm geholfen beim Weidezaunbau bzw habe die Weidezauntore geöffnet und geschlossen, damit er nicht von seinem Pionier klettern musste. Er hat öfters zu mir gesagt, auf mich musst du nicht aufpassen, ich gehe nicht stiften. Wenn ich weg wollte würdet ihr das nicht mitbekommen. Ich kenne das Gelände wie meine Westentasche und könnte bei vollkommener Dunkelheit, Starkregen oder dichtem Nebel rüber. Wo Signalgeräte stehen sehe ich ja jeden Tag und ich denke heute noch, dass er recht hatte.

Am Ende war es vielleicht der Bauer von dem geschleiften Hof Scharfloh?

Uli

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15.11.2021 11:08
avatar  PF75
#9
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1.GK GR 8,75/76 rechts von der FÜST bis Bahnlnie waren nur Frsen ,Kam einmal am zag einer mit RS 09 und angebauter Pumpe und Hat Wasser in die Tröge gepumt un hinund wieder der Besamer.meistens mußte die mot. KS da hin und aufpassen.n der linken TL waren Ackerflächen,war da mal als Posten bei der getreideernte,wir saßen zwischen KS und Acker und ein Postenpaar war oben am Gassentor und hat Pförtner gespielt.Vor beginn schicht gabs neine Liste mit den Namen und wer wo hin durfte.


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15.11.2021 18:07
avatar  Ratze
#10
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Ich frage noch mal nach
Welche Pflanzen wuchsen denn am Kolonnenweg?
Wie war es mit Holzarbeiten, die waren doch sicher kaum vorhanden, den der Schutzstreifen sollte doch freie Sicht garantieren, oder?


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15.11.2021 18:13
avatar  Fall 80
#11
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@Ratze

Die Getreidefelder und das Grünland ging teilweise bis unmittelbar an den Kolonnenweg. Auch der Wald ging bis fast an den Kolonnenweg. Das mit dem freien Schussfeld bezog sich dann doch eher auf die Fläche zwischen dem Kolonnenweg und der eigentlichen Grenze, denn dort begann ja oft schon wieder der Wald, die Felder oder das Grünland.

Uli

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15.11.2021 18:16
avatar  mibau83
#12
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die grenze ging auch durch mittelgebirge,harz, rhön, thüringer wald/frankenwald.
unser abschnitt war fast durchgehend bewaldet. da fanden regelmäßig holzfällarbeiten zwischen den zäunen statt.
landwirtschaftliche arbeiten (grasmahd) fand bei uns nur im bereich der schmerbachwiesen, dort wo bis 1975 die ortschaft schmerbach stand statt.

über den einsatz von agrarflugzeugen im grenzsperrgebiet wurden wir posten vorne informiert.


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15.11.2021 19:12
avatar  Marder
#13
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Also im Bereich Waddekath konnte man von der Tribüne aus schon arbeiten auf den Äckern sehen und das war nicht 5 km entfernt. Ob da zusätzlich Bewachung war weiß ich nicht bzw. hat mich auch nicht interessiert.

Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.


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15.11.2021 19:51
avatar  B Man
#14
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Bei Oebisfelde / Lockstedt hatte ich vor einigen Jahren mal Reste von einem was ich als Stadtmensch Melkstation nennen würde gefunden.
https://goo.gl/maps/jHCXT58rQYrdLpo76

Sehr nah an der Grenze

Kann das sein ?
In der Gegend gibt es noch mehr davon, scheint eine regionale Besonderheit zu sein ( ? ) aber die anderen sind alle weiter weg von der Grenze.

Gruss Andreas


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15.11.2021 19:54
avatar  Fall 80
#15
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Man sollte da auch immer die örtlichen Gegebenheiten in Betracht ziehen.

Es gab Stellen, da war der Abstand zwischen dem Grenzzaun I und dem Signalzaun unter 100 Meter und an anderen Stellen waren es 2 Kilometer Waldgebiet oder gar noch mehr.

76/77 hatten wir auch noch ca. 1/4 der Länge gar keinen Signalzaun.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
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