Gedanken bezüglich einem etwaigen späteren Volksaufstand, ähnlich dem von 1953?

04.10.2021 22:26
#1
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Zitat von Gert im Beitrag Tag der Deutschen Einheit 03.10.2021
Zitat von birx20 im Beitrag Tag der Deutschen Einheit 03.10.2021
...Die wirtschaftliche Katastrophe der DDR (Zahlungsunfähigkeit) wurde durch Kredite der BRD nur zeitlich hinausgeschoben.




.. und das war gut so. Man hat dadurch Zeit gekauft. einige Jahre vor 1989 wäre das politisch nicht möglich gewesen. Die Sowjetführer a la Breshnew kannten nur eine Sprache und das war die Sprache der Gewalt. Sie hätten die Proteste der DDR Bürger mit Gewalt zusammengeschlagen also eine Wiederauflage des 17.Juni 53...


Was wäre Eure Vermutung, hätte die Mehrheit der NVA, die grundwehrpflichtigen Soldaten z.B. auch die in den knapp 30 Mot.-Schützen-Regimentern ab etwa 1970 bei einem weiteren Bürgeraufstand ähnlich 1953 tatenlos zugeschaut oder hätte sogar noch widerspruchslos mit eingegriffen, wäre die CA wieder mit Waffengewalt vorgegangen?

1. Kompanie, MSR 3, Soldat, Gefreiter


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05.10.2021 00:20
avatar  Ebro
#2
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Wer soll Dir denn diese spekulative Frage beantworten?

ich werde nicht mehr diskutieren mit dummen Menschen, um meine Argumente zu erklären. Hat hier sowieso keinen Sinn. Ich werde lernen, diese Menschen zu meiden. Nichts ist wichtiger, als die persönliche Ausgeglichenheit im Alter


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05.10.2021 03:06
#3
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War eine Mehrheit der Waffentragenden in dieser Zeit schon so weit, sich mehrheitlich auf die Seite der Aufständischen zu stellen ? Ich denke, die große Unzufriedenheit mit den zuständen kam erst etwas später. Die Zeit wäre in den 70ern für einen umfassenden Bürgeraufstand m.E. noch nicht reif. Da sollteste Du eher von der Variante ausgehen, daß es Ende der 80er, als die Zeit allmählich reif wurde, noch keinen Gorbatschow gegeben und die SU noch wirtschaftlich potent war. Also etwa auch 1989, aber dann mit einer dogmatischen KPdSU.


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05.10.2021 08:15
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#4
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Anfang der 70iger Jahre war der Leidensdruck in der DDR noch nicht gross genug für einen Aufstand ähnlich 1953.
Das änderte sich in den 80iger Jahren, wo nur noch Stillstand und zunehmender Zerfall (politisch und wirtschaftlich) zu verzeichnen waren.
Ohne Gorbatschow wäre dieser Zerfallsprozess bis zur endgültigen wirtschaftlichen Pleite (Zahlungsunfähigkeit) weitergegangen, denn unter Breshnew und Co. wäre jeder Volksaufstand selbst unter Beteiligung der NVA militärisch niedergeschlagen wurden.
Ich vermute, ohne Gorbatschow und seine Perestroika Politik, wäre die DDR um die Jahrtausendwende zahlungsunfähig gewesen.


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05.10.2021 09:38 (zuletzt bearbeitet: 05.10.2021 09:41)
#5
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Man hat tatsächlich mal aus der Geschichte gelernt und 1989 keinen chaotischen und gewalttätigen Aufstand angezettelt.
Auch ohne die CA wäre bei einer Wiederholung dessen eine "Rote Linie" überschritten worden.
So aber war die wesentliche Friedlichkeit entwaffnend. Die Demo-Organisatoren schützten beim Marsch um den Ring mit einer Menschenkette und Transparenten "Keine Gewalt" die Leipziger Stasizentrale, um eine Eskalation zu verhindern.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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05.10.2021 11:59
#6
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #3
War eine Mehrheit der Waffentragenden in dieser Zeit schon so weit, sich mehrheitlich auf die Seite der Aufständischen zu stellen ?...


Ist schwer zu beurteilen, bezog mich mit eingangs bezifferten 'Anfang der 70er' auf meine Grundwehrdienstzeit von 70-72 in Brandenburg/Hohenstücken(MSR-3). Ob sich bereits damals schon Soldaten meines Muckerregiment auf die Seite von etwaigen Aufständischen geschlagen hätten, keinen Dunst, wahrscheinlich aber schon.

Als ich dann aber mit 32 Jahren 1983 zum Reservistendient in das MSR-27 nach Schwerin/Sternbuchholz befohlen wurde, war die Situation bereits eine ganz andere.
Mir fiel besonders der Niedergang der militärischen Disziplin gegenüber damals in Hohenstücken auf, des weiteren die Einschätzung der momentanen militärischen Situation durch die Oberen...man wäre lieber heute noch als morgen gegen den Feind marschiert. Dazu passte alledings nicht, dass dann ab etwa 16/17Uhr, wenn die Vorgesetzten begannen das Objekt zu verlassen, aus vielen, vielen offenen Fenstern der Blocks in vielfachem Stereo lautstark immer nur ein und derselbe Sender zu hören war, egal ob Musik oder Nachrichten, nämlich der NDR2.

Man ignorierte es oder schrie rum, schickte irgendwelche ihnen gerade begegneten Unterstellten in irgendein Zimmer mit offenem Fenster aus dem man meinte, diesen Sender zu hören. Alles sinnlos, waren der Fenster zu viel...vereinzeltes lautes höhnisches Geschrei aus irgendwoher tat ein Übriges. Ich bin überzeugt, diese Soldaten hätten im Gros niemehr auf eigene Bürger geschossen, die hätten ihren Knarren eine andere Zielrichtung gegeben.

Während dieser Zeit war auch ein Regimentsschießen angesagt, irgendwo auf einem Übungsplatz. Und gerade in dieser Nacht wurde von der SU dieses Flugzeug mit der Flugummer Korean-Air-Lines-Flug 007 vom Himmel geholt. Wir bekamen es mit unseren kleinen Radios mit und man befahl nachts unseren KC irgendwo hin zur Einweisung. Kann mich noch genau erinnern, dass er wiederkam und in seine Zelt den Politnik anschrie, ob die alle denken, dass die Soldaten blöd seien!

Des Nachts dann, wir, die einfachen Muschkoten des gesamten Regiment schliefen in zu Zweimannzelten zusammen geknüpften Zeltbahnen, plötzlich lautes Panzergetrön, eine Menge von sowjetischen Panzern umstellte unsere Zeltstadt, Panzer an Panzer, dicht nebeneinander...das Schießen fand nicht mehr statt.

Wenn ich mich an die Stimmung damals erinnere, die Gesamtstimmung im Regiment, diese Leute alle hätten nicht zusammen mit der CA auf ihre Mitbürger geschossen, diese Messe war gelesen!


Zusammengefasst, es ist nur ein selbst erlebtes Beispiel, verallgemeinern kann ich es allerdings nicht.

1. Kompanie, MSR 3, Soldat, Gefreiter


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05.10.2021 12:10
#7
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #5
Man hat tatsächlich mal aus der Geschichte gelernt und 1989 keinen chaotischen und gewalttätigen Aufstand angezettelt.
Auch ohne die CA wäre bei einer Wiederholung dessen eine "Rote Linie" überschritten worden.
So aber war die wesentliche Friedlichkeit entwaffnend. Die Demo-Organisatoren schützten beim Marsch um den Ring mit einer Menschenkette und Transparenten "Keine Gewalt" die Leipziger Stasizentrale, um eine Eskalation zu verhindern.


So wie in Erfurt, als Bürgerrechtler verhinderten, daß jugendliche Hitzköpfe (oder auch gern mal Rambo spielende) versuchen wollten, eine Kaserne der NVA zu stürmen, um sich dort Waffen zu holen. So in einem Vortrag von damaligen Akteuren in der MfS-Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt.


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05.10.2021 13:13
#8
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Zitat von birx20 im Beitrag #4
Anfang der 70iger Jahre war der Leidensdruck in der DDR noch nicht gross genug für einen Aufstand ähnlich 1953.
Das änderte sich in den 80iger Jahren, wo nur noch Stillstand und zunehmender Zerfall (politisch und wirtschaftlich) zu verzeichnen waren.
Ohne Gorbatschow wäre dieser Zerfallsprozess bis zur endgültigen wirtschaftlichen Pleite (Zahlungsunfähigkeit) weitergegangen, denn unter Breshnew und Co. wäre jeder Volksaufstand selbst unter Beteiligung der NVA militärisch niedergeschlagen wurden.
Ich vermute, ohne Gorbatschow und seine Perestroika Politik, wäre die DDR um die Jahrtausendwende zahlungsunfähig gewesen.


... und hierzu habe ich die Meinung das es Franz Josef Strauß war welcher diese Lage erkannte und als alter Kommunistenfresser (aber Realpolitiker)die DDR 1984 mit dem Kredit vor dem Zusammenbruch rette, weil eben die Zeit noch nicht reif war und er sicher dachte "wenn die DDR zusammenbricht kommt es zum Krieg weil die Sowjets zu dieser Zeit noch eingegriffen hätten und es zumindest in Berlin aber wohl insgesamt an der Grenze zu Fluchtbewegungen gekommen wäre die im Blut gemündet hätten".
FJS dachte sicher weiter und wusste den "Apfel DDR" (und nicht nur die)kann man nicht pflücken aber über kurz oder lang fällt der vom Baum und uns in den Schoß.
Ich für mich sage ... man kann über FJS denken was man will, ich finde es traurig das er den 9. November 89 nicht mehr erleben durfte.

-------------------------------
Grün ja grün war'n alle meine Streifen
-- Harbker EK-Zappel 79-2 --


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05.10.2021 13:51
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#9
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Es gab vor zwei Jahren einen interessanten Fernsehfilm (Titel habe ich leider vergessen) darüber, wie es der BRD gelang, die DDR (seit Anfang der 80iger Jahre immer am Rand der Zahlungsunfähigkeit) mit Krediten anzufixen (Dealerjargon).
Durch die Gewährung von immer neuen relativ günstigen Krediten, kam die DDR nicht mehr weg von dieser Droge in harter Währung und musste zwangsläufig in den deutsch-deutschen Verhandlungen immer grössere Zugeständnisse machen z.B. Abbau der Splitterminen und Minenfelder an der Grenze, mehr Besuchsreisen genehmigen in die BRD, Ausreiseanträge schneller genehmigen sowie schnellerer Häflingsfreikauf und anderes.
All diese Zugeständnisse waren von Seiten der DDR Staats-und Parteiführung nicht politisch motiviert, sondern allein dem wirtschaftlichen Druck (Rückzahlung der Kredite oder Umschuldung in neue Kredite und damit höhere Verschuldung).
Die alten unfähigen Politbüromitglieder und deren Trabanten im ZK und in der Regierung, waren nicht in der Lage zu erkennen, dass die Abwärtsspirale (wirtschaftlich wie politisch) sich für die DDR immer schneller drehte.


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05.10.2021 14:17
#10
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Stimmt nicht ganz.
Der Strauß Kredit wurde nach der Wende
in voller Höhe zurückgezahlt !!
mfG


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05.10.2021 14:38
#11
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Zitat von henning194902 im Beitrag #10
Stimmt nicht ganz.
Der Strauß Kredit wurde nach der Wende
in voller Höhe zurückgezahlt !!
mfG


...das ist dann wohl schon eine andere Geschichte
Ich erinnere mich auch an Bemerkungen meines früheren Brigers (Brigadier ---- für nicht DDRler Vorarbeiter), "irgendwann verkauft uns der Russe an den Westen" was ihm so manch Vogelanzeigen einbrachte, er hat aber noch erlebt das er Recht behielt.

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Grün ja grün war'n alle meine Streifen
-- Harbker EK-Zappel 79-2 --


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05.10.2021 15:39 (zuletzt bearbeitet: 05.10.2021 15:40)
avatar  Tobeck
#12
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Zitat von Zappel-EK-79-2 im Beitrag #8


... und hierzu habe ich die Meinung das es Franz Josef Strauß war welcher diese Lage erkannte und als alter Kommunistenfresser (aber Realpolitiker)die DDR 1984 mit dem Kredit vor dem Zusammenbruch rette, weil eben die Zeit noch nicht reif war und er sicher dachte "wenn die DDR zusammenbricht kommt es zum Krieg weil die Sowjets zu dieser Zeit noch eingegriffen hätten und es zumindest in Berlin aber wohl insgesamt an der Grenze zu Fluchtbewegungen gekommen wäre die im Blut gemündet hätten".
FJS dachte sicher weiter und wusste den "Apfel DDR" (und nicht nur die)kann man nicht pflücken aber über kurz oder lang fällt der vom Baum und uns in den Schoß.
Ich für mich sage ... man kann über FJS denken was man will, ich finde es traurig das er den 9. November 89 nicht mehr erleben durfte.


Ob Strauß wirklich so weit vorausblickend war, sei dahingestellt. Vielleicht war die Intention der Kredite aber auch eine viel einfachere - Zugeständnisse von Honecker zu erhalten. Mit dem Abbau der Splitterminen als vermeintlichem Zugeständnis soll nach neuester Aktenlage Honecker Strauß über den Tisch gezogen haben, denn dieser Abbau sei schon 1982 beschlossen worden sein:

Zitat
...Nach der Bildung des neuen Kabinetts gingen die Verhandlungen tatsächlich schnell weiter. Inzwischen sprach man über eine Milliarde DM, während Honecker nun über Schalck ausrichten ließ, die DDR-Führung mache sich „ernsthafte Gedanken“ darüber, „die „Selbstschussautomaten‘“ abbauen zu lassen und zu einer international üblichen Grenzsicherung überzugehen“. Das erwies sich schließlich als entscheidendes Zugeständnis: Strauß überzeugte Kohl, und das Bundeskabinett beschloss am 29. Juni 1983, eine Bürgschaft für den Milliardenkredit des Konsortiums privater Banken zu übernehmen.
...
Tatsächlich aber zog die SED-Führung damit die Bundesrepublik über den Tisch. Denn der Abbau der SM-70 an vielen Abschnitten der innerdeutschen Grenze war bereits 1982 beschlossen worden, wie Akten der DDR-Grenztruppen im Freiburger Bundesarchiv-Militärarchiv beweisen. Sie waren unzuverlässig und für die Soldaten der DDR-Grenztruppen selbst zu gefährlich.

https://www.welt.de/geschichte/article18...-Tisch-zog.html


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