Rätselhaftes Ausweiskonvolut (?)

  • Seite 1 von 3
28.09.2021 22:36
#1
avatar

Hallo an alle,

seit einiger Zeit befindet sich ein rätselhaftes DDR- Ausweiskonvolut in meinem Besitz.
Es handelt sich um zwei Dienstausweise (darunter ein Klappfix), eine Betretungskarte, zwei Parkausweise sowie um eine Clubkarte. Der Besitzer war nach meinen Informationen Mitarbeiter des MfS (früher HA IX, zuletzt im Rang eines Oberst Leiter der HA II Abt. 11 - Sicherung und Kontrolle der diplomatischen Einrichtungen in Berlin -).
Handelt es sich bei den Dokumenten also um Tarnausweise, um sich im diplomatischen Umfeld bzw. bei anderen Organen (z.B. Zollverwaltung) nicht gleich als MfS-Mitarbeiter "enttarnt" zu werden?




Viele Grüße, Objektleiter


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 21:32
avatar  polsam
#2
avatar

Hallo @Objektleiter , schön das du den Weg in unser Forum gefunden hast. Wenn ich irgend wo in einen "Verein" eintrete stelle ich mich kurz vor und stelle dann Fragen. Kannst du ja noch nachholen.

Vor vielen Jahren musste ich (Volkspolizei)einen betrunkenen, randalierneden Bürger in der Öffentlichkeit einsammeln. Dieser wurde zu seiner Wohnung verbracht und sollte an die Ehefrau übergeben werden. Diese lehnte die "Aufnahme" ihres Mannes ab weil er im Suff immer handgreiflich werde. Da er bis zu diesem Zeitpunkt kein Personaldokument vorweisen konnte und immer nur etwas von MfS faselte baten wir die Frau uns einen Ausweis zu geben. Diese brachte uns eine kleine Tasche in der mehrere Ausweise des Betrunkenen waren. Ich kann mich an den Dienstausweis des MfS erinnern, weiterhin war ein Ausweis der Deutschen Post, eines Rates des Kreises, ein Dienstausweis der Volkspolizei und noch ander dabei. Details zu den Dokumenten sind mir nicht mehr erinnerlich. Wir haben den Suffi dann zur Dienststelle verbracht um ihn , wie bei Volltrunkenen üblich, in Gewahrsam zu nehmen. Nach kurzer Zeit kam die Order den Suffi der Kreisdienstelle des MfS zuzuführen. Wurde erledigt, er wurde seinen "Kollegen" übergeben. Am nächsten Tag zum Dienstbeginn wurden wir (mein Kollege und Ich ) zum S-Leiter zitiert. Am Tisch zwei Herren in Zivil, der Polit, der S-Leiter der Zugführer unserer Diensteinheit (ZKS) und wir. Wir wurden vegattert über das Vorgefallen, insbesondere über die zur Kenntnis genommennen Dienstausweise, mit Keinem zu reden. (war ja schon geschehen, man redet ja in der Schicht in den Pausen mit den Mitstreitern) . Begründet wurde die Trunkenheit von den anwesenden Zivilisten mit dem besonders schweren Dienst des Genossen an der Güst. Ständig mit dem Klassenfeind konfrontiert löst auch mal so eine Situation aus.
Es hat nicht lange gedauert und die Wohnung, wo wir ihn abliefern wollten, war leergezogen. (man achtet als aufmerksamer Schupo schon auf Sachen wo man mal zum Einsatz war)


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 21:52
avatar  icke46
#3
avatar

Hallo @polsam ,

danke für deinen Bericht aus dem damaligen „Real Life“. Solche Berichte sind das, was dieses Forum für mich so wertvoll machen, leider werden die so über die Jahre immer seltener, statt dessen wird es zum Allgemeinsport, auf den einzuhacken, der etwas äußert, was einem - warum auch immer - gegen den Strich geht.

Den Schlusssatz mit der leergezogenen Wohnung bringt einen ein bisschen ins Grübeln. Es kann sich da ja eigentlich nicht um einen „normalen“ MfS-Mitarbeiter gehandelt haben, sondern einen, der Undercover aktiv war, zumindest könnte man das aus den ganzen Ausweisen folgern.

Aber, wie gesagt, ein interessanter Bericht. Es wäre schön, sowas mal häufiger zu lesen.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 21:58
avatar  Alfred
#4
avatar

Da dürfte der Mitarbeiter noch schwere Probleme bekommen haben. Suff schützte nicht vor Strafen.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:02
avatar  Alfred
#5
avatar

Da dürfte der Mitarbeiter noch schwere Probleme bekommen haben. Suff schützte nicht vor Strafen.

Und Ausweise von verschiedenen Stellen waren kein Problem, wenn dies für die Arbeit notwendig war. Aber da gab es klare Regeln, wie diese aufzubewahren sind.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:02
avatar  Mike59
#6
avatar

#3 - war einfach eine Dienstwohnung und der Bewohner hat auf Grund seiner "Entgleisung" das Anrecht darauf verloren. Das ging manchmal ganz schnell, eine Versetzung ging halt fix.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:04
avatar  Mike59
#7
avatar

Zitat von Alfred im Beitrag #5
Da dürfte der Mitarbeiter noch schwere Probleme bekommen haben. Suff schützte nicht vor Strafen.

Und Ausweise von verschiedenen Stellen waren kein Problem, wenn dies für die Arbeit notwendig war. Aber da gab es klare Regeln, wie diese aufzubewahren sind.

Sehe ich auch so. Im Gegensatz zu heute waren Vergehen unter Alkohol in der DDR nicht Strafmindernd.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:11
avatar  polsam
#8
avatar

Zitat von Alfred im Beitrag #5
Und Ausweise von verschiedenen Stellen waren kein Problem, wenn dies für die Arbeit notwendig war. Aber da gab es klare Regeln, wie diese aufzubewahren sind.


@Alfred , aus heutiger Sicht glaube ich auch, das seine Ehefrau uns dieses kleine Täschchne (glaube Handgelenktasche nannten sie die Dinger) nicht umsonst ausgehändigt hat.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:14 (zuletzt bearbeitet: 29.09.2021 22:17)
avatar  Alfred
#9
avatar

Ich kenne ja den Fall nicht genau.
Entsprechendes durfte nie passieren.

Ich kenne dies so, dass es - wenn es einen seltenen Fall gab - die Personen auf die Wache der VP kamen. Über Namen etc. war es schnell möglich zu klären um welche person es sich handelte. Da gab e kurze Dienstwege.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:16
avatar  icke46
#10
avatar

Zitat von polsam im Beitrag #8
Zitat von Alfred im Beitrag #5
Und Ausweise von verschiedenen Stellen waren kein Problem, wenn dies für die Arbeit notwendig war. Aber da gab es klare Regeln, wie diese aufzubewahren sind.


@Alfred , aus heutiger Sicht glaube ich auch, das seine Ehefrau uns dieses kleine Täschchne (glaube Handgelenktasche nannten sie die Dinger) nicht umsonst ausgehändigt hat.


Wie soll man das jetzt verstehen? Meinst Du, die Frau sah eine günstige Gelegenheit, den Suffkopp loszuwerden?


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:18
avatar  Alfred
#11
avatar

Welche Beweggründe die Frau hatte kann ich nicht einschätzen.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:20
avatar  Mike59
#12
avatar

Zurück zu #1
Kann es sein, das es ein Mitarbeiter (MfS) war welcher für verschiedene Auslandsvertretungen verantwortlich war? So etwas wie ein Koordinator, der Ausweis vom Zoll brachte mich da drauf. Bei Auslandsvertretungen gibt es immer wieder Steuer- sowie Einfuhr/Ausfuhrprobleme.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:22
avatar  polsam
#13
avatar

Zitat von Mike59 im Beitrag #6
#3 - war einfach eine Dienstwohnung und der Bewohner hat auf Grund seiner "Entgleisung" das Anrecht darauf verloren. Das ging manchmal ganz schnell, eine Versetzung ging halt fix.


Ist ja vollkommen in Ordnung, aber es war eine "verbrannte " Dienstwohnung., Suffi wurde versetzt, ich glaube nicht das da noch mal ein Mitarbeiter von HuG eingezogen ist. (HuG war das Pseudonym für dieses "Truppenteil" bei uns )


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:25 (zuletzt bearbeitet: 29.09.2021 22:26)
avatar  Mike59
#14
avatar

Zitat von polsam im Beitrag #13
Zitat von Mike59 im Beitrag #6
#3 - war einfach eine Dienstwohnung und der Bewohner hat auf Grund seiner "Entgleisung" das Anrecht darauf verloren. Das ging manchmal ganz schnell, eine Versetzung ging halt fix.


Ist ja vollkommen in Ordnung, aber es war eine "verbrannte " Dienstwohnung., Suffi wurde versetzt, ich glaube nicht das da noch mal ein Mitarbeiter von HuG eingezogen ist. (HuG war das Pseudonym für dieses "Truppenteil" bei uns )

Du meinst - keine normale Dienstwohnung sondern so eine undercover? Tja das wäre schön doof - aber es soll ja auch einfach nur Dienstwohnungen gegeben haben welche nicht in einem Getto lagen.


 Antworten

 Beitrag melden
29.09.2021 22:30 (zuletzt bearbeitet: 29.09.2021 22:32)
avatar  Alfred
#15
avatar

Zitat von Mike59 im Beitrag #12
Zurück zu #1
Kann es sein, das es ein Mitarbeiter (MfS) war welcher für verschiedene Auslandsvertretungen verantwortlich war? So etwas wie ein Koordinator, der Ausweis vom Zoll brachte mich da drauf. Bei Auslandsvertretungen gibt es immer wieder Steuer- sowie Einfuhr/Ausfuhrprobleme.


Nein kann es nicht sein.

Es gab für verschiedene Auslandsvertretungen verschiedene Abteilungen, u.a. der Spionageabwehr , der Hauptabteilung II.
So gab es Z.B. eine Abteilung für die Ständige Vertretung oder eine Abteilung für den bereich Botschaft USA.

Das waren dann die HA II / 3 oder II / 12.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!