Grenzkompanie Hildebrandshausen Gelbsuchtausbruch

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15.08.2021 07:37
#1
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Dorfbevölkerung erfuhr nichts von der Gelbsucht

Wie dramatisch die Situation hinter den Fassaden jener Grenzkompanie im Südeichsfeld über viele Monate gewesen sein muss, verbirgt sich hinter Eintragungen aus den Jahren 1974/75. Denn neben den militärischen Erfolgsmeldungen, gibt es auch eine Fülle an Details aus dem Leben der Soldaten.

„Für unsere Einheit gab es eine sehr böse Epidemie“, beginnt der kurze Absatz über eine monatelange Gelbsucht-Welle unter den Grenzsoldaten. „Die Gelbsucht zog sich bis Ende April hin. Zwölf Genossen mussten vorzeitig den Wehrdienst beenden, weil bei ihnen Schäden durch Gelbsucht festgestellt wurden.“

Als Infektionsquelle für die Hepatitis-Erkrankungen führt der Chronist unter anderem die schlechte Reinigung von Cola-Flaschen durch eine damalige Brauerei an. Von der brisanten Situation vor ihrer Haustür erfuhr die Dorfbevölkerung so gut wie nichts.

Auch angesichts der geschwächten Soldaten schien das Grenzregime nicht gefährdet: Im Januar 1975 hatte ein Feldwebel zwei Jugendliche festgenommen, „die versuchten, die Staatsgrenze im Bereich Keudelstein zu durchbrechen.“

Quelle HNA


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15.08.2021 07:46 (zuletzt bearbeitet: 15.08.2021 07:56)
#2
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In der Kompanie Freienhagen bei Heiligenstadt wurden damals Desinfektionsmittel für die Hände eingesetzt.

Es hieß in Dingelstädt hätte Hochwasser den Friedhof überflutet und den Brunnen eines Getränkebetriebes mit Gelbsucht verseucht. Angeblich deswegen war die Vita Cola von dort betroffen.
Bei uns mußten wir einen Durstigen davon abhalten, eine Flasche zu trinken.

Erkrankt ist Keiner von uns.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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15.08.2021 08:50 (zuletzt bearbeitet: 15.08.2021 08:53)
avatar  Fall 80
#3
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Ich bin ja erst im Frühjahr 76 nach Weidenbach gekommen und auch immer mal in Hildebrandshausen gewesen. Da war im Buschfunk nichts mehr von Gelbsuchtfällen zu hören.

Zu meiner Zeit muss aber mal mit Ruhr oder Typhus etwas gewesen sein. Jedenfalls kam der Feldscher aus dem Bati und hat uns schriftlich über Hygienemaßnahmen belehrt. Da standen dann auch mehrere Wochen Schüsseln mit Desinfektionslösung zum Händewaschen vor der Essensausgabe.

Ich denke mal, solche Probleme wurden schon ernst genommen, schon aus Gründen der Grenzsicherung. Das musste auch nicht unbedingt im Ort bekannt gemacht werden.


Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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15.08.2021 21:23
#4
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Antwort Fall 80. Ich kann mich noch dunkel erinnern, dass während meiner Seefahrtszeit auf der Eisenbahnfähre auch irgend etwas mit Schieterei war. In den Toilettenräumen und in den Messen (Essenräume) standen Schüsseln mit Desinfektionsmitteln. Das muss so in der zweiten Hälfte der 70ziger Jahre gewesen sein, könnte also im Zusammenhang mit Deinem Fall gewesen sein.
Peter, der Zaunkönig

März 1959 bis Mai 1962 an der Grenze in Berlin vom Norden bis an die Stresemannstraße


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16.08.2021 00:35
avatar  andyman
#5
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In bestimmten Bereichen mit vielen Menschen und ungenügenden sanitären Anlagen gibt es immer wieder Infektionen mit Noro-,Rotaviren oder E.Coli Bakterien die sich unter günstigen Umständen rasant vermehren und Ruhr oder Typhusähnliche Krankheiten auslösen können.Zum Glück heute seltener geworden weil mehr auf Hygiene geachtet wird,sowie Trinkwasser oder Lebensmittelbereiche besser überwacht werden.
Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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16.08.2021 20:12
avatar  Fall 80
#6
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Aus hygienischen Gründen habe ich die Feldflasche aus Plaste nur sehr selten genutzt. Die Reinigung war ja etwas schwierig.

Am Zaun habe ich da trotz Verbot immer Glasflaschen mit Cola/Brause mitgenommen und das Leergut selbstverständlich nicht in der Botanik entsorgt. Wenn es möglich war habe ich auch Wasser aus den vielen Quellen im Gebiet getrunken.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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17.08.2021 01:20
avatar  andyman
#7
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Zitat von Fall 80 im Beitrag #6
Aus hygienischen Gründen habe ich die Feldflasche aus Plaste nur sehr selten genutzt. Die Reinigung war ja etwas schwierig.
Wenn es möglich war habe ich auch Wasser aus den vielen Quellen im Gebiet getrunken.
Uli

Die Feldflasche ist schon ok,sollte aber oft gereinigt werden und muß danach austrocknen können,aber das weißt du sicher als Grenzer.Im Ernstfall geht auch eine Spülung mit Essigessenz und Trocknung danach um alle Keime unschädlich zu machen.
Das Quellwasser ist erstmal unbedenklich wenn es frisch und kalt ist aber das gilt auch nicht überall,es können auch Keime von toten Tieren oder ähnliches darin sein also Vorsicht ist angesagt.
Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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17.08.2021 07:12
avatar  Fall 80
#8
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Zitat von andyman im Beitrag #7
Zitat von Fall 80 im Beitrag #6
Aus hygienischen Gründen habe ich die Feldflasche aus Plaste nur sehr selten genutzt. Die Reinigung war ja etwas schwierig.
Wenn es möglich war habe ich auch Wasser aus den vielen Quellen im Gebiet getrunken.
Uli

Die Feldflasche ist schon ok,sollte aber oft gereinigt werden und muß danach austrocknen können,aber das weißt du sicher als Grenzer.Im Ernstfall geht auch eine Spülung mit Essigessenz und Trocknung danach um alle Keime unschädlich zu machen.
Das Quellwasser ist erstmal unbedenklich wenn es frisch und kalt ist aber das gilt auch nicht überall,es können auch Keime von toten Tieren oder ähnliches darin sein also Vorsicht ist angesagt.
Lgandyman


@andyman

Wir hatten da viele Überläufe von gefassten Quellen, welche auch die Dörfer versorgt haben. Das war auch noch eine andere Zeit, heute würde ich nur in extremen Notfällen Wasser aus einer Quelle nehmen.

Kann mich nicht erinnern, dass wir Flaschenbürsten für die Reinigung der Feldflaschen hatten. Meist wurde nur mehrmals ausgespült. Manche haben da auch Tee eingefüllt, da kann man sich vorstelle wie die nach einiger zeit aussieht.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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23.08.2021 20:50 (zuletzt bearbeitet: 23.08.2021 21:04)
avatar  HG76
#9
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Hallo; Anfang Januar 1975 wurde ich nach einer kurzen Komandierung mit einem Kameraden auf die GK Hildebrandshausen zurück versetzt.Der Spieß empfing uns mit den Worten: Ihr dürft nicht absitzen, wir haben nach Gelbsuchtfällen Quarantäne.Nach seiner Rücksprache mit einem Verantwortlichen durften wir dann doch in die Kompanie.
Zu dieser war in der Kompanie wieder Zugsicherung eingeführt.
Die Inkubationszeit war von den üblichen 56 Tagen auf 28 halbiert worden,warum? Wenn in dieser Zeit 3 oder mehr
bestätigte Gelbsuchtfälle auftraten wurde die Quarantäne vom letzten bestätigten Fall um weitere 28 Tage verlängert.
Im Dezember konnte die erste geplante " Festtagsrate" noch auf Urlaub fahren.Dann war die Kompanie bis
Ende März `75 dicht, kein Ausgang,kein Urlaub! Im Februar waren die 28 Tage einmal für 2 Tage überschritten und ein paar Mann konnten in den Ausgang . Wir hofften alle es ist vorbei .Weit gefehlt ,die 3.GK war ,wie gesagt ,danach bis Ende März in Quarantäne.Ins Objekt kamen nur Offiz. und Berufsuffz. die im Ort wohnten,sowie Mediziner. Unsere Kraftfahrer die vor der Schicht eine "Probefahrt" oder nach der Schicht die "Bremsen trocken fahren" mussten brachten aus der Kneipe in Lengenfeld u. Stein Broiler oder .Schnitzel mit rein. Sonst gab es kein Kontakte nach draußen(außer Post).
Nach einem neuen Gelbsuchtfall wurde dem Posten oder PF die mit ihm auf den letzten 3 Schichten waren durch einen Feldscher Blut abgenommen.
Ende Februar meldete der Buschfunk,es gibt eine Impfung gegen Hepatitis.Darauf kam Unruhe unter der Truppe auf und zwei Ärzte aus dem Grenzkomando Süd erklärten uns das es durch die lange Inkubationszeit zu gefährlich wäre mit der Impfung.


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24.08.2021 11:09
#10
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Hallo, schön was aus Hildebrandshausen zu hören, auch wenn das ja alles nicht so toll klingt. 28 Tage Quarantäne - oje.
10 Jahre später wurde darüber jedenfalls nicht mehr gesprochen, ich lese das hier zum ersten mal!
Danke für die Geschichte!

Grüße von einem ehemaligen Hildebrandshausener (1987/88)


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24.08.2021 21:07
avatar  mibau83
#11
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Zitat von Fall 80 im Beitrag #8

Wir hatten da viele Überläufe von gefassten Quellen, welche auch die Dörfer versorgt haben. Das war auch noch eine andere Zeit, heute würde ich nur in extremen Notfällen Wasser aus einer Quelle nehmen.

Kann mich nicht erinnern, dass wir Flaschenbürsten für die Reinigung der Feldflaschen hatten. Meist wurde nur mehrmals ausgespült. Manche haben da auch Tee eingefüllt, da kann man sich vorstelle wie die nach einiger zeit aussieht.



ot

ich hatte noch nie bedenken hier am rennsteig aus einer quelle zu trinken!

wer hat denn als grenzer draußen an der linie noch aus feldflaschen getrunken??
wir hatten postentaschen mit thermosflaschen. die reinigung dieser durch das zweite diensthalbjahr, wurde von den ek's überwacht.
darin befand sich kaffee oder tee, im sommer auch mal was kaltes.

in der feldflasche befand sich auf der gk mein postenradio.


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24.08.2021 22:00
avatar  Fall 80
#12
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Zu meiner Zeit gab es keine Thermosflaschen aus der Küche. Einige Kaffeetrinker hatten eigene Flaschen und haben auch selber gekocht. Wasserbereitung mit dem Atomino. Die Flaschen waren auch schnell hinüber. Solche stabilen Thermosflaschen wie nach der Wende gab es damals noch nicht.

Meine Feldflasche habe ich nur in der Ausbildung benutzt und auch nur mit Wasser.

Man kann auch heute noch an jeder Quelle trinken, wenn man sich keine Gedanken darum macht was da alles drin ist. Im Wald ist das Risiko geringer als in der Feldflur, aber PSM werden auch im Wald eingesetzt und viele Belastungen im Wasser sieht und schmeckt man nicht. Bei einer 08/15 Wasserprobe wird da auch nichts gefunden, es sei denn man sucht nach konkreten Wirkstoffen.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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24.08.2021 22:43
avatar  mibau83
#13
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thermosflaschen aus der küche gab es zu meiner zeit nicht! die flaschen waren personenbezogen und wie bereits geschrieben, deren reinigung wurde strengstens überwacht!

ein bißchen gesunder menschenverstand ist allzeit von nöten!


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24.08.2021 22:57 (zuletzt bearbeitet: 24.08.2021 22:59)
avatar  ( gelöscht )
#14
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( gelöscht )

Wir konnten ja auf dem Weg zum Tor zu zweit am Konsum vorbei.
Haben uns da Limo, Cola und auch mal ein Bierchen mit raus genommen.
Allerdings nicht vorne am Eingang zur Straße, die Posten-Versorgung war hinten im Hof falls vorn mal ein Klumpen vorbei fuhr.
Feldflasche hat keiner benutzt.


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26.08.2021 19:21
avatar  HG76
#15
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Zu dieser Zeit kam auch an 2-3 Tagen der "Kammerjäger" und desinfizierte u.a. alle Unterkunftsräume.
Um den Ausfall von PF auszugleichen wurden im März mehrere Soldaten des 2.Dhj. vorzeitig zu PF ernannt.
Gleichzeitig sollten bei weiterem Bestehen der Quarantäne im April die zu entlassenden des 3.Dhj. in das wohl schon vorbereitete Reserveobjekt Katharienberg umziehen.Dazu kam es aber nicht mehr.Ende März wurde die Quarantäne aufgehoben. Da die meisten von uns, auf Grund der langen Urlaubssperre, noch mehrere Tage Urlaub hatten fuhren im April fast ausnamslos angehende Reservisten auf Urlaub.
Abschließend denke ich das die Bevölkerung der umliegenden Orte, u.a. durch die Zivielangestellten(Küche, Hausmeister usw.) über den Gelbsuchtausbruch Bescheid wussten.
HG756


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