08.08.2021 18:53von Speedbus
Frage
3 1/2 Stunden

Hat gestern jemand den Film gesehen?

Gab es tatsächlich eine Lokführerin der DR die den Zug in Ludwigstadt (BRD) abholen konnte?

Ich persönlich fand den Film, bis auf die Requisiten und das man den Film stark digitalisiert hat, gut gemacht.
Furchtbar auch die Zerrissenheit der Passagiere, aussteigen oder weiter nach Hause?

3 1/2 Stunden

Viel Freude und Spannung beim Schauen!

08.08.2021 19:22von ( gelöscht )
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...hab den Film nur geschaut weil Szenen in meiner Heimatstadt gedreht wurden wo ich Zaungast beim Dreh war . Wahnsinn was für diese Szenen für ein Riesenaufwand betrieben wurde. Die hatten sogar eigene Küche mit. Aber vom Film war ich enttäuscht, langweilig und teilweise weit an der Realität vorbei. Vor allem die Lokführerin . Sauber, gestylt allein im Führerstand einer Dampflok. War sie nun Heizer oder Lokführer , eigendlich braucht man ja beides . Aber eben alles Sache des Betrachters....

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( gelöscht )
09.08.2021 09:27von buschgespenst
Antwort

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Na ja jedenfalls wird über den Film heftig in Eisenbahn-Foren diskutiert:

Zitat

Ich denke, dass Diskussionen, warum ein Interzonenzug von München über Bamberg nach Berlin im Westen mit Diesel, hier eben V 200 033, traktioniert wurde, müßig sind - künstlerische Freiheit bzw. der zur Verfügung stehenden Infrastruktur geschuldet: Da hing halt kein Draht. Trotzdem sind sowohl die Zuggarnituren als auch die Bahnsteigausstattungen im Rahmen des Möglichen in sich stimmig

Aus Historiker-Sicht ist dies auch das weitaus "kleinere Übel" an diesem Film, denn im Gegensatz zu vielen anderen vergleichbaren Produktionen - gestern wie heute, von Hollywood über Babelsberg bis Geiselgasteig - hat man sich offensichtlich um eine in sich stimmige Darstellung des damaligen Bahnumfeldes bemüht. In dieser Hinsicht ist es ja schon bemerkenswert, dass den Verantwortlichen bei der Produktion und am Set vorab klar war, dass es 1961 bereits zwei deutsche Staatsbahnen mit selbst für Laien problemlos ersichtlich deutlich unterschiedlich aussehenden Fahrzeugen gab, und dass an der "Zonengrenze" ein Lokwechsel von DB auf DR und umkehrt stattfand. Das ist - vollkommen ohne Ironie gemeint - schon weit über dem Durchschnitt derartiger Filmproduktionen, insbesondere bei noch verhältnismäßig günstig zu produzierenden Fernsehfilmen und Serien. Man denke nur an die vollkommen missglückte "Darstellung" der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) um 1930 in dem so genannten "Fernsehevent" Babylon Berlin...

Das weitaus größere Problem stellt die aktive Umdeutung historischer Fakten aus der selbstgestellten Verpfichtung heraus, dem aktuellen Zeitgeist unbedingt rechnung tragen zu müssen, dar: Es gab bei der DR der DDR schlicht und ergreifend zu keiner Zeit Dampflok-Führerinnen! Zwar wurden um 1960 tatsächlich die ersten Frauen bei der Reichsbahn zum Lokomotivdienst zugelassen, doch sie fanden sich nach Abschluss ihrer Ausbildung ausschließlich auf den Führerständen von Diesel- und Elektroloks wieder, insbesondere im Nahverkehrs- und S-Bahn-Dienst. Der Dienst auf Dampfloks, welcher ja als Heizer beginnt, wurde auch in der DDR - ähnlich wie z.B. klassischer Untertage-Bergbau als Hauer im Vortrieb - für Frauen als körperlich zu Anstrengend empfunden und daher die durchaus vorbildlich organisierte Gleichstellung der Geschlechter in diesem ansonsten meist wenig vorbildlichen Staat in diesem Punkt nachvollziehbar ausgesetzt. So entsteht bei den Zuschauern dieses Filmes, die dies nicht wissen und die falsche Darstellung daher als filmisch umgesetze historische Tatsache ansehen dürften, ein vollkommen krummes Bild des Lokomotiv-Fahrdienstes bei der DR und damit eine verzerrte Wahrnehmung dieses Aspekts der (Eisenbahn-)Geschichte. Das ist für mich eigentlich schon das K.O.-Kriterium dieses ansonsten sicherlich gut gemeinten und wohl auch gut gemachten Filmes, das auch nicht mehr mit der in solchen Angelegenheiten so gerne bemühten "künstlerischen Freiheit" zu rechtfertigen ist! Das ist mehr als schade, aber der derzeitige Zeitgeist erzwingt wohl eine solche fast schon revisionistische Darstellung historischer Tatsachen (wie u. a. auch in der "Neuverfilmung" von Das Boot als TV-Serie).


Viele Grüße an das DSO-Forum,

Alexander Bergner

weibliche Dampflokführer gab es es bei der DR nun wirklich nicht und ich stelle mir die Dame gerade bei ihrer Ausbildung als Heizer vor, was ein Teil der Ausbildung zum Lokführer auf einer Dampflok ist...
Oder wie ein User im DSO Forum schrieb..

Zitat
die Existenz der "Edith Salzmann, Lokführerin aus Leidenschaft" im Jahr 1961 wurde halt schon damals von der Lückenpresse verschwiegen, nur damit bei der Reichsbahn nicht gegendert werden muß.


Danken wir dem "Das Erste", das es mit dieser Lüge endlich aufräumt.

08.08.2021 20:08von eisenringtheo
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Die ersten weiblichen Lokführer der Reichsbahn wurden in 1960er Jahren ausgebildet. Bis man als ausgebildeter Lokführer D-Züge im Interzonenverkehr fahren durfte, weiß ich nicht, denke aber, das dauerte damals ziemlich lange. Was mich auch interessiert, ist die Frage, ob Heizer bei der DR ein eigenständiger Beruf war oder ein "Durchlaufposten" für junge Lokführer.

08.08.2021 20:29von Zappel-EK-79-2
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Gefühlsmäßig sage ich "einfach nur Film" ....aber ich glaube auch das man die damalige Realität gar nicht abbilden kann.
Ich war ja damals gerade 6 Jahre alt und ich erinnere mich schwach wie das zu Hause bei uns und im Dorf ablief, was es für Diskussionen, Tränen Heimlichkeiten gab.

08.08.2021 21:18von Gert
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Ich habe diese Zeit als fast Erwachsener erlebt ( ich war im 18.Lebensjahr, also 17 jahre alt ). Ich habe die Bilder heute noch vor Augen, wie die Mauer an diesem 13. August 1961 hochgezogen wurde. Mir war auch bewusst, dass diese politische Entscheidung mein ganzes Leben stark beeinflussen wird und zwar in eine Richtung die ich absolut nicht wünschte. Die DDR hatte mich in jungen Jahren schon so diskriminiert, was meinen weiteren Lebensweg betraf, dass ich wirklich fast depressiv wurde, als ich erkannte welche Falle hier von einem auf den anderen Tag zuschnappte. Meine Freunde und Freundinnen in meiner Heimatstadt sahen das ähnlich, wir hatten kein anderes Gesprächsthema mehr. Dass so etwas technisch möglich war, eine ganze Stadt und einen Staat in ein Ghetto zu verwandeln, wie ich es zuvor nur vom Warschauer Ghetto kannte, konnte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen. Diese Vorstellung war genauso abwegig für mich wie am Ende die Implosion der DDR innerhalb weniger Tage. Sie traf mich ebenso unvermittelt wie der Mauerbau.
Die Szenen im Zug, wie hin- und hergerissen die Menschen waren, zu entscheiden, fahr ich zurück oder oder steige ich aus, konnte ich sehr gut nachvollziehen. Ich wäre wahrscheinlich in Ludwigstadt ausgestiegen, aber das sagt sich heute so leicht. Es ist schwer zu entscheiden, will ich frei sein und alles hinter mir lassen, Familie, Heimat, Freunde oder will ich mir die Schikanen, Beschränkungen, Kränkungen einer Riege von senilen Parteifunktionären bis an mein Lebensende antun. Ich selbst habe auch lange mit mir gerungen, zumal nach gründlicher Planung und Risikoabwägung meine / unsere Fluchtchancen sehr gut standen. Der Westen war für mich in greifbarer Nähe aber ich musste mit meinem Inneren ringen- Eine sehr ähnliche Situation, außer der Zeitspanne. Die war bei den Zugpassagieren sehr kurz, ich konnte länger und ruhiger das überlegen. Das war dann nicht ganz so stressig, wie unter dem Zeitdruck der 3 1/2 Stunden-
Nach diesem Film lief ja noch eine Doku " Wir Kinder der Mauer ", die ich beinahe noch interessanter fand-
Ich sah, bei den Berichten der Augenzeugen, dass dieser Staat reihenweise um sich schlug um Biongrafien zu vernichten von Menschen die auch nur einen Millimeter von ihrem kleinen Karo abwichen- Es war einfach schlimm, was man da von anderen Zeitgenossen hörte. Sie waren ja alle so in meinem Alter oder etwas älter. Und das schlimmste war die Ohnmacht, sich nicht dagegen wehren zu können, nicht vor Gerichten klagen zu können, niemanden fragen zu können, warum man dieses oder jenes nichtmachen kann. Wenn man fragte, kam oft die arrogante Antwort: Bürger, wir haben hier das Sagen und sie machen das gefälligst so oder so ....
Dankenswerterweise ist dieser Politspuk schließlich beendet worden, wie er es vedient hat. Ich persönlich kann mich nur dem einen Augenzeugen anschließen , der da in etwa sagte, ich habe es keine Sekunde bereut, auf die andere Seite der Barrikade zu gehen.
Ich selbst konnte ein sehr gutes Leben führen, natürlich auch manchmal mit Dellen aber die Tendenz als Ganzes war positiv. Das hätte mir in der DDR niemals gelingen können, was ich hier erleben konnte, was ich hier geschaffen habe und davon heute noch profitiere. Dieses Deutschland ist aus meiner Sicht das bessere Deutschland auch mit all seinen kleinen oder größeren Fehlern, die es zweifelsohne auch hat. Aber der Mainstream stimmt und das ist für mich entscheidend- Es ist gut, dass wir diesem 60. Jahrstag gedenken, als abschreckendem Beispiel , dass so etwas nie wieder passiert

09.08.2021 09:59von Gert
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also es bemerkenswert zu finden, ob da 'ne Frau als Lokführerin im Jahr 1961 bei der DR tätig war oder nicht , ist einfach an der Sache vorbei reden. Den Filmproduzenten ging es sicher nicht darum, die Personalstruktur des Jahres 1961 bei der DR darzustellen. Der eigentliche Inhalt ist der Geist dieser Zeit, die Probleme dieser Menschen, den politischen Hintergrund des Mauerbaus darzustellen. Das ist des Pudels Kern, so meine ich. Wenn man diese Zeit auf solche Nebensächlichkeiten untersucht, kommen noch weitere Abweichungen zutage. Z. B. erinnere ich mich, dass Lokführer nicht in einer solchen properen Uniform abeiteten. Sie hatten eine dunkle, oder gar schwarze Arbeitskleidung, was mir besonders im Gedächtnis blieb war die "speckige" Ledermütze, die sie trugen. Eine Schildmütze, wie sie die Reichsbahner zur Uniform trugen jedoch aus schwarzem Leder gefertigt. Ich war desöfteren am Erfurter Hbf und habe die Interzonenzüge nach FFM gesehen, mit Schnellzugloks der Baureihe 01..., 03... bespannt, da konnte man sie "bewundern "

09.08.2021 14:45von Hackel39
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Eine Zugfahrt als Symbol für eine Zeitreise, warum nicht ?
Scheinbar unaufhaltsam stampft die gewollt attraktiv besetzte Maschine ihrem Ziel entgegen, man will mit möglichst vielen Signalen unterwegs sein, die fesche Lokführerin als Kontrast zu einer Maschinerie mit der man sich bis dahin wohl unter Ausnutzung der Lücken im System überwiegend arrangiert hatte.
Etwas strapaziert hat man mit den Konzerten im Mitropawagen den Freiheitsbegriff, das war wohl genauso eine Ausnahmesituation wie die Alleinseglerin im Führerstand, aber der Film sollte emotional sein, das war unverkennbar.
Der Zuschauer denkt nun nach, über den Flugzeugbauer, der sich im volkseigenem Werk seinen Traum nicht erfüllen konnte und dafür seine Familie für den Job trennte und wohl auch bei Messerschmidt Bölkow wird Kompromisse machen müssen, vielleicht käme im Fall der vorerst verhinderten Trennung ein Jahr später dann mal was in Amerika, dann wäre Ulbricht nicht mehr schuld daran….
Die Turnerin, die mit ihrer Trainerin das Thema Doping abgrast, die linientreue Genossin, die als einzige Bescheid wußte über das was kam und auch der Vater der in einer Schlüsselszene des Films meinte „er (sein Sohn) ist schließlich abgehauen“, eine Aussage, die viele Entscheidungen der Sitzenbleiber erleichterte, sie alle standen für einen Querschnitt der damaligen Opfer des Mauerbaus.
Sicher denkt man auch an die internationale Vermarktung des Filmes und so mußte auch ein wenig Roadmovie verflochten werden, das abgängige Lokführer- Model im Finale war wohl ein Höhepunkt des Werks.
Wichtig für den Tiefgang der Geschichte war auch die Konfrontation mit dem erst 16 Jahre zurück liegenden Weltkriegsende, darüber hat man sicher auch im kleinen Kreis genauso diskutiert wie heute in der doppelt so lange Zeitdistanz des DDR- Untergangs mit ähnlich strukturierten Lagern, die im Zug ebenfalls vertreten waren.
Der eingemauerte Offizier Fuchs wird am Ende ohne sein Zutun im eigenem Bau zugebuddelt, futsch der schöne Fensterplatz aber die Sorgen waren damit nicht aus der Welt.

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