Warum sind die Amis Besatzer und die Russen Befreier?

  • Seite 8 von 8
28.05.2021 07:25 (zuletzt bearbeitet: 28.05.2021 08:39)
avatar  Hanum83
#106
avatar

Bei der Wache in Halberstadt musste ich auch um das Munilager meine Runden drehen, nachts kamen da vom Regiment nebenan Koljas an den Zaun und schnorrten nach Zigaretten, da sie wohl auch eine Art Wache hatten standen sie mit der Flinte da, irgendwie war mir da leicht mulmig, man wusste ja nie wie gerade der Pegelstand war bei den Waffenbrüdern.
Jedenfalls war es rein anzugstechnisch wie zwei Welten, ich stand gebügelt und geschniegelt da wie der Bilderbuch-Preuße und die Jungs wie abgerissene Gestalten, der eine hatte einen Mantel an der mindeststens 3 Nummern zu groß war und bis zur Erde reichte, die Stahlhelmschüssel direkt auf die Schapka geknietscht.
Beim offiziellen Besuch nebenan, hat man uns auch gezeigt wie der sowjetische Soldat ins Gefecht geht, nix mit Spind am Koppel, nur diesen Rucksack und da ist ein Brot drin und eine Tüte Sonnenblumenkerne, kam der sowjetische Soldat paar Tage hin damit.

--------------------------------------------------------------------------
Wer nichts weiß muss alles glauben.

 Antworten

 Beitrag melden
28.05.2021 08:05
#107
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #101
Zitat von birx20 im Beitrag #100
Wir sollten aufhören ständig die Begriffe Ossi und Wessi zu gebrauchen, den schon mit der Verwendung dieser Begriffe fängt die Pflege der Vorurteile an.
Die Pauschalisierungen helfen nicht weiter, sondern reissen nur alte Wunden auf und schaffen neue Gräben oder Mauern in den Köpfen.
Mehr als 30 Jahren nach der Wende dürfte die geografische Herkunft keine Rolle mehr spielen.


Ein frommer Wunsch. Ossi/Wessi finde ich auch etwas zu herabwürdigend für Beide. Ich sage Ostdeutsche und Westdeutsche. Es geht nicht anders, daß es da nun mal immer noch partiell Unterschiede in der Denkweise gibt, schon aus unterschiedlichen Erfahrungen heraus.
Selbst die gleich nach 1990 Geborenen werden gelegentlich noch damit konfrontiert. Es wird mindestens noch eine oder gar zwei Generationen vergehen, bis das wirklich keine Rolle mehr spielt. Wir erleben es doch selbst hier im Forum, daß Ost- und Westdeutsche mitunter typische unterschiedliche Ansichten haben.




Momentan scheint es so, als würde sich wieder verstärkt ein ostdeutschen Nationalgefühl entwickeln.

Das hat spätestens seit der Flüchtlingskrise begonnen und setzt sich in der Corona Zeit fort. Diese Zweiteilung hat ihre Wurzeln in einer romantisierenden Betrachtung der DDR. Es werden dabei oft ziemlich falsche Parallelen gezogen.
So besteht schon ein Unterschied ob ich meine Meinung nicht sagen darf oder ob ich nur nicht gehört werde.

Ich glaube auch, dass es gewisse Kräfte gibt, die solchen Tendenzen Vorschub leisten, indem versucht wird Ost und West gegeneinander auszuspielen.
Wir sollten versuchen, dass hier im Forum zu vermeiden


 Antworten

 Beitrag melden
28.05.2021 08:24
avatar  R-363
#108
avatar

Zitat von Hohenstücken7072 im Beitrag #103
Eine Art Herrendünkelgetue erlebte ich allerdings auch bei einfachen sowjetischen Muschkoten und Sergeanten,

Das war einfach nur Rassismus in Reinkultur obwohl es sowas ja in der „großen sozialistischen Völkergemeinschaft“ in der Sowjetunion ja niiiimals gab. Ich hab selber erlebt, dass Offiziere ihre Soldaten aus den südlichen Republiken einfach nur in abfälligem Ton als „Asiat“ angesprochen heben, nix von Dienstgrad und Namen wie wir es gewohnt waren.

Soldat vom 01.11.1971 bis 30.06.2006 StOFä (NVA) a.D.; StFw a.D.

 Antworten

 Beitrag melden
28.05.2021 09:06
avatar  Ebro
#109
avatar

Zitat von Hanum83 im Beitrag #102
Ihr habt die tatsächlich gefangen?


Ich könnte über diese Erlebnisse fast ein Buch schreiben.
Ein Einsatz hat sich richtig eingebrannt.
Sonntag Abend klingelt das Telefon, Gen. Ebro, kommen sie doch Montag etwas früher zum Dienst, so gegen 0500. Wir haben eine kleine Massnahme im Gelände...!
Als ich dann ankam und in mein Büro wollte war es schon komisch. Alles ausgeräumt, Feldbetten mit fremden Kerlen mit Knarre.
Ich zum Leiter, der mir erklärte: 2 Soldaten der nahen Kaserne in Dannenwalde sind abgängig, mit Waffe und je 2 Magazine. Zu der Zeit war Honecker gerade dort in seinem Jagdhaus und man hegte die Sorge, dass die Beiden in seine Richtung wollten.
Wir waren zu zweit, ausgerüstet wie im Film, Funke, Feldstecher, persönliche Waffe und Kaschi mit Schulterstütze.
Ausgangspunkt war ein Campingplatz im Ort Himmelpfort im damaligen Kreis Gransee.
Die beiden Abgänger hatten Käppis auf, es kamen 1000 sowj. Soldaten mit Feldmützen, zur besseren Unterscheidung, oder auch umgekehrt.
Ein General kam eingeschwebt, auf der Kühlerhaube meines Trabis wurden Karten ausgelegt in einem fürchterlichen Maßstab und eine Einteilung in Sektoren begann.
Mein Leiter gab mir vorher noch den Rat, wenn irgendwas passiert, spielen Sie nicht den Helden und passen Sie auf sich auf.
Rauf in das Führerhaus eines Ural, neben einem dicken Panzermajor gesetzt, zur "Unterhaltung" kam es nicht so richtig, ich schielte immer auf die Handgranate, die lose auf dem Armaturenbrett lag und in jeder Kure lustig hin und her rollte.
Als wir dann in unserem zugeteilten Sektor ankamen, hieß es Schützenkette, 2m Abstand. Die Soldaten waren unbewaffnet, nur die Offiziere die hinterherliefen hatten eine Knarre.
Ich bin dann als Letzter hinterher gelatscht.
Dummerweise hatten sich die beiden Abgänger in der Nacht geteilt und in unserem Sektor hielt sich Einer auf und fing sofort an zu ballern.
Ich bin gleich in die Büsche und habe mich unsichtbar gemacht. Es kamen auch Handgranaten zum Einsatz.
Als es still war, kam ich wieder zum Vorschein, gerade pünktlich um zu sehen, wie die Reste auf einer blutigen Decke an mir vorbeigetragen wurden....!
Zurück in der KD, Ebro sah wohl etwas grün im Gesicht aus, ab nach Hause und 2 Tage dienstfrei.
Das sind so Dinge, die man schwer vergessen kann. Die Bilder von diesen Erlebnissen verfolgen mich noch heute.
Meine Frau war auch hellauf begeistert, als ich ihr später davon erzählt hatte...!

Selbst Akademiker mit Diplom sind nur marginal intelligent

 Antworten

 Beitrag melden
28.05.2021 09:38 (zuletzt bearbeitet: 28.05.2021 10:21)
avatar  Hanum83
#110
avatar

Wegen Handgranaten, wir hatten ja zum Grenzdienst keine Vergatterung, hast dich nur in so ein Buch eingeschrieben wo du den Feldstecher und die Postentabelle vorm rausgehen bekommen hast, machte meistens der UvD, einmal meinte er das paar abgängige Russen mit Handgranaten unterwegs wären und wir sollten daher den Stahlhelm mitnehmen.
Also bei der Schicht haben wir tunlichst vermieden in die Nähe vom GSZ zu kommen.
Sind dann im Dorf auf dem Weg zum Zaun noch Feldwebel L. begegnet allein mit seiner TS, den haben wir gefragt ob er näheres von den Russen wüsste, er meinte sinngemäß das er auch nur wüsste das er sich gleich verpissen würde

--------------------------------------------------------------------------
Wer nichts weiß muss alles glauben.

 Antworten

 Beitrag melden
28.05.2021 10:03 (zuletzt bearbeitet: 28.07.2021 18:30)
#111
avatar

.


 Antworten

 Beitrag melden
28.05.2021 22:12
avatar  Ebro
#112
avatar

Meine Aufgabe dabei, genau wie die des anderen aus meiner KD war keine Besondere, nur Anwesenheit zeigen. Die wussten ja wer wir waren und woher wir kamen.

Selbst Akademiker mit Diplom sind nur marginal intelligent

 Antworten

 Beitrag melden
29.05.2021 01:02
avatar  SEG15D
#113
avatar

Halberstadt war für mich das Letzte, was die DDR dem treuen Staatsbürger in Unfiform antuen konnte.
Habe dort nur menschlichen Abfall kennengelernt. Vom Stabsfähnrich bis hin zu den dämlichen Uffzen.
Die waren hoffentlich nie im Grenzdienst, ansonsten hätte es mehr Tote durch friendly fire gegeben.
Ichn verachte diese menschlichen Ratten bis heute, Abschaum vom Feinsten.

SEG15D


 Antworten

 Beitrag melden
29.05.2021 10:11
avatar  Ebro
#114
avatar

Ergänzung zu meinem Beitrag 109

Der Zeitraum war März oder Februar 1988, leichte Schneedecke und ziemlich kalt. In dieser Woche wollte Honecker zu einem Staatsbesuch nach Spanien fiel mir noch ein.
Weiß sogar wieder das Kennzeichen meines weißen Trabi Kombi, (DPA 3--57)

Selbst Akademiker mit Diplom sind nur marginal intelligent

 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!