Walpurgisnacht vor 45 Jahren

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01.05.2021 06:50
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#1
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In der Walpurgisnacht vor 45 Jahren wurde Michael Gartenschläger kaltblütig erschossen.

Nur wenige Tage zuvor wurde ich auf eine GK versetzt und diese Aktion war keine gute Einstimmung auf das kommende Jahr.
Zum Glück habe ich solch eine Aktion in dem Jahr nicht erleben müssen. Das aufregendste war die Festnahme der zwei BGS Beamten im Juni 76 und die FF im September.

Uli


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01.05.2021 13:24
#2
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Bei-der-Demontage-einer-DDR-Splittermine-erschossen,
https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenbu...hlaeger124.html

=========================================
Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.
Konfuzius


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01.05.2021 13:42 (zuletzt bearbeitet: 01.05.2021 13:55)
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#3
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Ich finde es auch beim hundertsten Mal immer wieder interessant, wie doch eigentlich erwachsenen Menschen spontan jeden Mist nachplappern.

Kaltblütig erschossen? - kann man das bitte mal sezieren?
Wer bitte ist kaltblütig, wenn man bewaffnet das Hoheitsgebiet eines anderen Staates in einer über die Maßen politisch brisanten Angelegenheit betritt? Was wäre einem schlecht ausgebildeten oder ungenügend motivierten Grenzposten aus Grundwehrdienstleistenden der DDR geschehen- diese Soldaten wären dann von M.G. womöglich vorbeugend in Notwehr erschossen, oder nur belehrt worden und er hätte einen Platzverweis an die Grenzer ausgesprochen, weil er da ja jetzt etwas an den Minen vorhatte? Ist es nicht eher schon idiotisch sich an scharfen Minen mit deren Abbau zu beschäftigen, nur weil man glaubt, die "Sache im Griff zu haben" ? An einer angeschalteten Anlage 501/SM 70 herum zu werkeln, das hätte nicht einmal ein ausgebildeter Pionier der "Minentrupp`s" selber versucht.
Beim M.G. ist das aber ok. und legitim, weil er ja ein Freiheitskämpfer war.


Wie angenehm einfach ist es doch, wenn man heute nur noch das nachplappern muss, was man nicht beweisen muss.
Da will ich ganz bestimmt keinerlei Wertung der politischen Art treffen- dazu hat die Geschichte ihr Wort gesprochen.
Bin ja selbst vor ca. 2 jähren mal dort gewesen, habe mich (so weit das geht,..) umfassend mit der Materie (soll heißen allen zugänglichen Unterlagen) befasst.
Grausam und sinnlos war der Tod von Michael Gartenschläger allemal. Aber die Nachplapperer vergessen oder wissen nicht, dass selbst die bundesdeutsche Polizei und Andere Herrn Gartenschläger eindringlich gewarnt hatten. Nach meinen Erkenntnissen waren sogar seine Bewaffnung ebenso, wie die Bewaffnung seiner Begleiter nicht legal im Besitz der Schützen. Niemand von den dreien war im Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis.
Allein die Tatsache, dass er gegen die DDR gehandelt hatte, das macht ihn zum Helden. Diesem Tribut wird jede Wahrheit zum Opfer gebracht und man verschließt mit aller Kraft sogar einen Seitenblick auf das tatsächlich Bekannte in dieser gesamten Angelegenheit. Man geht sogar noch weiter. Wenn ein bundesdeutsches Gericht einen so genannten "Mauerschützen" oder einen befehlshabenden General wegen Grenztoten verurteilt, dann findet man das in Ordnung- spricht aber ein Gericht die in der Angelegenheit Gartenschläger Handelnden frei, so wird es gerne als "Sauerei" oder als ungerecht postuliert. Hauptsache man kann ja die Freiheit seines eigenen Wortes genießen.
Für mich grenzt es schon fast an ein Wunder , dass selbst eine unversöhnliche Presse den Fakt nicht bestreitet, dass Gartenschläger zuerst geschossen habe und erst darauf hin das Feuer eröffnet wurde. Das man sogar zugibt, dass der Vorfall auf DDR-Gebiet passiert ist.
Diese Fakten machen leider Nichts ungeschehen- weder die damalige Situation, noch das Handeln der Akteure der Beteiligten beider Seiten.
Deshalb sollte aus meiner Sicht dieser Tod auch immer ein Symbol der Mahnung bleiben.

Ich würde aber erwarten, dass Jemand der einen Beitrag schreibt versuchen sollte, zumindest die unbestritten feststehenden Fakten zu akzeptieren.
Das hat deshalb noch lange keine Abwertung der politische Wertung von Minen, SM 70 oder 501 (was für mich fast das Gleiche ist) zur Folge, oder dem diesen Dingen unversöhnlich gegenüberstehenden Freiheitsgedanken.
Nur mal so aus taktischer Sicht sollte man sich das Geschehen vor Augen führen.

Wenn man die politische Dimension ausblenden würde (was nichts beschönigen soll) , so wäre es nichts Anderes, als das so genannte S-Bahn-Surfen (auf dem Dach mit hoher Geschwindigkeit fahrender Züge zu stehen), was vor etlichen Jahren in Berlin in Mode gekommen war und nicht wenigen Jugendlichen das Leben gekostet hat.

Man soll dem sinnlosen Tod des Michael Gartenschläger und auch der damaligen politischen Situation an dieser Grenze noch ewig und als Mahnung gedenken- einer politischen Situation, die maßgeblich vom Volk der DDR überwunden wurde.
Eine immer wiederkehrende Wiederholung von Unwahrheiten und Beleidigungen wird kaum zur Veränderung von Einsichten der damals Handelnden auch an anderen Abschnitten der DDR-Grenze führen.
Einsichten und Überlegungen darüber, ob man es hätte besser wissen oder anders hätte machen sollen können bei diesen Menschen gar nicht erst aufkommen, weil sie immer sofort unter Generalverdacht gestellt und bereits vorab verurteilt sind. Also genau das, was man ja gerne der DDR-Justiz vorwirft (ohne dass man es jetzt auch auch noch untersuchen muss) .


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01.05.2021 14:28
#4
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Das ist der Unterschied zu heute.
Das Ansinnen, unsere Grenzen vor einem Ansturm notfalls (!) mit der Schußwaffe zu verteidigen, wurde unisono empört zurückgewiesen.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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01.05.2021 15:11
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#5
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( gelöscht )

Ich habe noch nie geschrieben, dass ich die Aktion von dem Gartenschläger gut gefunden habe. Im Gegenteil ich halte ihn für einen dummen Grenzprovokateur.

Allein die Tatsache, dass genau an der Stelle zu diesem Zeitpunkt diese Einheit vor Ort war und dann auch noch so gehandelt hat, dass Projektile jenseits der Grenze eingeschlagen sind, zeugt von einer vorbereiteten Aktion.

Einem Dieb aufzulauern und diesen zu erschießen, dass ist wie eine Hinrichtung.

Uli


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01.05.2021 15:38
#6
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Einem Dieb aufzulauern und diesen zu erschießen, dass ist wie eine Hinrichtung.


Nur das der "Dieb" zuerst geschossen hatte !!!

Vom Gericht wurde die Reaktion der Festnahmegruppe als Notwehrmaßnahme anerkannt !

aus : Forschungsverbund SED-Staat

"Nach widerstreitenden Zeugenaussagen sprach das Schweriner Landgericht drei der beteiligten Schützen aus der MfS-Einsatzkompanie vom Vorwurf des versuchten Mordes frei. Ihnen wurde eine Notwehrhandlung zugebilligt, da sie übereinstimmend aussagten Michael Gartenschläger habe zuerst mit seiner Pistole auf sie geschossen."


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01.05.2021 15:47
avatar  Mike59
#7
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Zitat von Fall 80 im Beitrag #5
Ich habe noch nie geschrieben, dass ich die Aktion von dem Gartenschläger gut gefunden habe. Im Gegenteil ich halte ihn für einen dummen Grenzprovokateur.

Allein die Tatsache, dass genau an der Stelle zu diesem Zeitpunkt diese Einheit vor Ort war und dann auch noch so gehandelt hat, dass Projektile jenseits der Grenze eingeschlagen sind, zeugt von einer vorbereiteten Aktion.

Einem Dieb aufzulauern und diesen zu erschießen, dass ist wie eine Hinrichtung.

Uli

Weil du es explizit betonst - du meinst das war beabsichtig?
Eventuell solltest du dir mal die Mühe machen und das Forum zu diesem Thema durchforsten. Da kann dir eventuell in der Wahrheitsfindung geholfen werden. Die Geschichte wird nicht umgeschrieben nur weil immer mal wieder ein User der Meinung ist er müsse das Thema wieder auf das Tableau heben und seine Empfindungen kund zu tun.


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01.05.2021 20:29
avatar  berndk5
#8
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Der Vorfall war und ist tragisch - nichts auf der Welt kann das ungeschehen machen.
Wir werden damit leben müssen, dass es auch Meinungen gibt, die nicht auf tatsächlichen Begebenheiten beruhen.
Das kann ich- damit kann ich leben.
Aber ich wehre mich, wenn jemand diese Unwahrheiten dann auch noch wegen seiner mangelnden Einsicht und weil es vielleicht gerade mal wieder "schick" ist, als Behauptung herausposaunt.
Von mir aus soll er als Freiheitsheld verehrt werden, das kann man gerne verklären- er ist tot und soll seinen Frieden haben.
Aber immer wieder den anderen verbrecherisches Handeln zu unterstellen, damit sollte man langsam einmal aufhören.


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01.05.2021 20:30 (zuletzt bearbeitet: 02.05.2021 00:38)
avatar  berndk5
#9
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sorry war doppelt- warum ???


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01.05.2022 12:23
#10
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Das Thema steht nicht oben auf der Beliebtheitsskala, ist dennoch eine von vielen, integralen, tragischen Bestandteilen innerdeutscher Grenzgeschichte.

Kollege @exDieter1945 Sonntagsausgabe der Lübecker Nachrichten vom 1. Mai 2022 "im Blickpunkt"


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"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner!
Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”
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01.05.2022 12:40 (zuletzt bearbeitet: 01.05.2022 14:44)
avatar  Dirk
#11
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Die Geschichte ist schon tragisch genug, aber ein Geschmäckle hat es schon, wenn der Gartenschläger bei seiner hirnrissigen Aktion gerade auf so eine Einheit und nicht auf reguläre Grenzposten trifft. Warum er geschossen hat weiß ich nicht, aber dass seine Bewaffnung nicht dafür ausgelegt war ein Gefecht mit einer Grenzstreife anzufangen müsste er selber gewußt haben. Der Einsatz einer solchen Einheit an einer bestimmten Stelle läßt vermuten, dass man "vorgewarnt " war.


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01.05.2022 19:11 (zuletzt bearbeitet: 01.05.2022 19:23)
avatar  marc
#12
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Gartenschläger kannte die Gefahr, er war gewarnt, er war bewaffnet auf dem Territorium der DDR und hat zuerst geschossen.

Wer sich in Gefahr begibt ... und diese provoziert.

(Bibel BUCH JESUS SIRACH (Sir 3,27)

" ...Von starrköpfigem und vernünftigem Verhalten

27 Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um,

28 und ein starrköpfiger Mensch nimmt zuletzt ein schlimmes Ende. ..."


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01.05.2022 21:18
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#13
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( gelöscht )

Zitat von marc im Beitrag #12
Gartenschläger kannte die Gefahr, er war gewarnt, er war bewaffnet auf dem Territorium der DDR und hat zuerst geschossen.

Wer sich in Gefahr begibt ... und diese provoziert.

(Bibel BUCH JESUS SIRACH (Sir 3,27)

" ...Von starrköpfigem und vernünftigem Verhalten

27 Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um,

28 und ein starrköpfiger Mensch nimmt zuletzt ein schlimmes Ende. ..."


Fast alle Mitglieder des Politbüros des ZK der SED hatten mit Starrköpfigkeit Probleme.
Ein schlimmes Ende haben sie nicht genommen aber ein unrühmliches.


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01.05.2022 21:31
avatar  Dirk
#14
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27 Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um,


Ja, dass haben die Flüchtlinge gemerkt, für die der Drang nach Freiheit in die Grube geführt hat. Zumal es ja auch hier Beiträge gibt wo ehemalige Grenzer sich dahingehend geäusert haben, dass sie sich die letzten Tage nicht versauen wollten. Die brutalen Regime wären nichts ohne ihre willigen Büttel, welche sich hinter Befehlen und Dienstvorschriften verschanzen. Zumal bis jetzt kein Beweis vorzuliegen scheint, dass jemand der Luftlöcher geschossen hat dafür bestraft wurde.


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01.05.2022 21:35 (zuletzt bearbeitet: 01.05.2022 21:38)
avatar  marc
#15
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".... Zumal bis jetzt kein Beweis vorzuliegen scheint, dass jemand der Luftlöcher geschossen hat dafür bestraft wurde..."

@Dirk
Wusstest du das damals bereits, als Grenzer??


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