Minen ? Hier als Ergänzung zum vorhandenen Frage-Thema......

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19.04.2021 21:20
avatar  berndk5
#1
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Verehrte Leser und User der "schreibenden Abteilung" .

Das Thema: M i n e n an der ehemaligen Demarkationslinie, der späteren Staatsgrenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, oder als vereinzelte, immer noch sehr gefährliche Relikte auf dem heutigen "Grünen Band" in der vereinten Bundesrepublik Deutschland sollte nicht in Vergessenheit geraten.
Hierbei , explizit in diesem Thread sollte es nicht um politische Bewertungen gehen- sondern es sollten ausschließlich
fachliche, pioniertechnische und Besonderheiten im Zusammenhang mit der Grenzsicherung und den auf beiden Seiten dieser Grenze handelnden "Dienst Leistenden" erörtert werden.

Ich bitte insbesondere deshalb darum hier ausnahmsweise politische Auseinandersetzungen zurückzustellen oder in einem neu zu eröffnenden Thema auszutragen, weil es aus meiner Sicht heute im Jahr 2021 keine andere Haltung geben kann, als Minen grundsätzlich zu ächten. Auch wird selbst eine beste Argumentation niemals Geschehenes rückwirkend korrigieren können.

Die Schilderung von Erkenntnissen, Erfahrungen und die Beschreibung von Minen soll Wissen erweitern, zusammentragen und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.


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19.04.2021 22:25 (zuletzt bearbeitet: 19.04.2021 22:26)
avatar  berndk5
#2
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Sofern es Zustimmung findet, werde ich in den zukünftigen Beiträgen einzelne , mir bekannte Minen-Typen vorstellen.

Vorab jedoch möchte ich die Frage von birx20 zur "Wildbergung aus der konventionellen Minensperre" beantworten. Er fragt:
"Gab es aus Deiner Kenntnis eine DV, wenn sich Wild (Wildschweine, Rehe oder Rotwild) in der Minensperre schwer verletzt hatte?
Ging z.B. ein GAK raus und hat das schwer verletzte Tier durch einen Fangschuss erlöst oder verendete das Tier in der Minensperre?
Wurden die verendeten Tiere aus der Minensperre geborgen? "

Zur Antwort:
Ich habe es so verstanden, dass der Fragesteller sich auf Minendetonationen in Anlagen der Minensperre des TYP 66 bezieht. Diese Minensperre, war in der geschichtlichen Reihenfolge die erste Minensperre, die mir in einer (nahezu) militärisch vorgeschriebenen Konstellation angelegt war. (Damit meine ich, eine Verlegung von 2 oder 3 Minenreihen, nach einem exakten Minenplan, mit entsprechenden dauerhaften , getarnten Markierungspunkten). Das gilt unabhängig davon , dass der Zeitverlauf bewiesen hatte, dass die Natur trotzdem eigene Regeln hat.
Auf den Einsatz von Minen insbesondere in der Zeit nach 1945 bis 1970 auf dem späteren Hoheitsgebiet der DDR , insbesondere dem Einsatz der Minen der Serien POMS oder POMZ, einschließlich POMZ-2 kann ich nicht eingehen, da meine Kenntnisse hier nur auf nicht gesicherten Daten beruhen.
-gesonderte Dienstvorschriften gab es dafür vor dem Ausbau mit der MS-66 nicht
-Grundregeln (meist sehr allgemeiner Art) waren in den Grenzdienstvorschriften der 718èr Reihe (früher als DV 018/0/..... bekannt) vorgeschrieben
Dazu gehörte das Verbot des Überschreiten des 6m- Kontrollstreifens. Das galt auch im Regelfall für Offiziere.
In besonderen Situationen, konnte einem Offizier (in Begleitung von meist 2 anderen AGT, oft 1 GAK dabei) das Überschreiten des 6m-KS befohlen werden- die Minensperre wurde jedoch dabei nicht betreten.
Die Besonderheit war so selten und derartig "hoch angebunden", dass sie wirklich nur in sehr begründeten Fällen befohlen wurde- dazu mussten (nahezu) zuverlässige Anzeichen für den Versuch des Grenzdurchbruchs vorliegen. Zum Beispiel deutlich gesicherte Schuheindruckspuren auf dem 6m-KS in der Nähe einer erkannten Detonationsstelle, oder Hilfe-Rufe aus der Minensperre .
Es klingt aus heutiger Sicht makaber, war aber tatsächlich so, dass man sehr gerne eine Auslöseursache der Minendetonation durch Wild vermeldete, weil diese Meldung "weitere Strapazen" ersparte. Eine solche Meldung wurde natürlich (nach meinem Wissen) niemals befohlen, das entscheidet ganz allein der Meldende, was er da meldete. Das war natürlich zuerst der Postenführer des Überprüfungspostens, später der Offizier, der zur Nachkontrolle befohlen war. Aber froh waren Alle, wenn man Wild melden konnte. Die traurige Geschichte hat jedoch gezeigt, dass es nicht immer Wild war, was eine Detonation ausgelöst hatte.
War es tatsächlich Wild, egal ob verendet oder nicht- so war das im Regelfall ohne weitere Handlungen. Es blieb alles, wie es war. Die Anwendung der Schusswaffe war in solchen Fällen verboten, die Gefahr das angrenzende Territorium zu verletzen war zu groß. Auch waren meist Angehörige der GÜO (Grenzüberwachungsorgane) der Bundesrepublik recht schnell nach Minendetonationen in der Nähe des Ereignisortes. Hier hatte man Angst vor Fotodokumentationen mit "schießenden Grenzern" . Auch die Bergung verendeter Tiere ist mir nicht bekannt. Die Gefahr weitere Detonationen zu verursachen und Verletzungen zu riskieren war einfach zu groß. Auch war die damalige Haltung zur "Kreatur" des Wildes auch geschichtlich noch nicht so entwickelt, wie es heute der Fall ist.
Fortsetzung folgt....

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19.04.2021 22:30
avatar  Hans55
#3
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Minen an der ehemaligen Grenze, wird wohl noch eine Zeit lang ein Thema sein!
https://www.mainpost.de/regional/rhoengr...en-art-10343353


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19.04.2021 22:39
avatar  Ehli
#4
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Ja , schreibt über die Minen, habe ja keine Ahnung , als Außenseiter, war nur an der Mauer in Berlin auf Wacht.
Die Grüne Grenze ist interessanter und da kann ich nicht mit reden. lese aber die Beiträge, man kann nur dazu lernen.
Eine Bitte, sachlich bleiben.
Ehli

Ich habe es mir nicht ausgesucht, ein Ossi zu sein....
Ich hatte einfach Glück!

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19.04.2021 22:52 (zuletzt bearbeitet: 19.04.2021 23:26)
avatar  berndk5
#5
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Fortsetzung:
Im Rahmen meiner Ausbildung kurz vor der Ernennung zum Offizier und erneut nach der Versetzung in die damalige 9.GK (Lauchröden) des III.GB (Herda) im GR-1 (Mühlhausen) erhielt ich eine recht umfassende Ausbildung als "Bergetruppführer" für die Bergung von Verletzten aus der Minensperre - 66 .
Ähnlich wie mit der Gestellung von Alarmgruppen für UAZ und GWD war hier nur auch immer 1 Offizier befohlen, mit nahezu identischen Einsatzgrundsätzen.
Allerdings gehörte immer grundsätzlich ein LKW LO und die darauf vorher zu verladende "Bergebrücke" dazu.
Probe-Alarme hatte ich einige zu überstehen, praktische Einsätze jedoch zum Glück niemals- es sind mir auch in meiner gesamten Zeit keine echten Einsätze bekannt geworden ab dem Zeitraum Frühjahr 1977 . 1978 und 1979 war ich mit der Sicherung vom Minenräumen beschäftigt, nach dieser Zeit erinnere ich mich nur noch an die Anlagen 501 und SM-70 .
Tatsächliche Wildbergungen, Fangschuss oder Ähnliches ist mir aus diesen Zeiten ebenso nicht bekannt- es ist auch eher sehr unwahrscheinlich . Dennoch kann man niemals ausschließen, dass es nicht doch irgendwo mal einen Hasardeur gegeben haben kann, der auf verletztes Wild einen erlösenden Schuh gefeuert, oder Wild geborgen hat.
Nachdem ich später selber die Jagdausbildung durchlaufen habe habe ich auch gelernt, dass verletztes Wild, das nicht durch den Schuss des Jägers verletzt wurde- grundsätzlich als tollwutträchtiges Wild anzusehen sei, was von jeder Verwertung auszuschließen ist.
Ausnahmen kenne ich nur von der späteren Anlage 501 oder SM-70, die ich auch selbst bei Raubwild gemacht habe.
Den Fuchs aus der SM-70 habe ich dann schon (später) mal als "auf der Jagd geschossen" gemeldet und abgerechnet, schließlich gab es im Winter 80 Mark, gefangen sogar 100 Mark als Erlegerpräme. Wegen des minderwertigen Sommerfells waren es dann wimre nur 50 Mark, aber man nahm was man bekommen konnte. Das Tier wurde komplett und berührungslos "eingebeutelt" und mit Wildursprungsschein abgeliefert.
Im Zeitraum 1983 und 1984 habe ich in je 1 Fall ein Stück Rehwild im Abschnitt der Treffurter Teiche und einmal im Bereich Waldrand Karnberg durch Fangschuß (grundsätzlich nur) mit der Jagdwaffe auf Befehl erlöst.
Hier bestand aber die Sorge, dass das verletzte Wild weitere Minen zur Detonation bringen könnte- deshalb der Befehl zum Abschuss. Die Anlage wurde dazu kurzzeitig abgeschaltet. Die Bergung des Wildes wurde mir untersagt, das erledigte der Minentrupp des Bataillons (warum auch immer?) . Hatte mich aber nicht interessiert.
Fortsetzung morgen mit POMZ .........


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20.04.2021 00:09 (zuletzt bearbeitet: 20.04.2021 00:18)
#6
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Zitat:
Vorab jedoch möchte ich die Frage von birx20 zur "Wildbergung aus der konventionellen Minensperre" beantworten. Er fragt:
"Gab es aus Deiner Kenntnis eine DV, wenn sich Wild (Wildschweine, Rehe oder Rotwild) in der Minensperre schwer verletzt hatte?
Ging z.B. ein GAK raus und hat das schwer verletzte Tier durch einen Fangschuss erlöst oder verendete das Tier in der Minensperre?
Wurden die verendeten Tiere aus der Minensperre geborgen? "

War dies eine persönlich gestellte Frage?

Mal zur allg. Darstellung:
Folgende Typen von Minensperren kamen ab 1961 zum Einsatz.

1961, Minensperren Typ 61 (zweireihiger Stacheldrahtzaun an Betonpfosten)
1962-65 Minensperren Typ 62 (zweireihiger Stacheldrahtzaun an Betonpfosten)
ab 1966 Minensperren Typ 66 (zweireihiger Metallgitterzaun an Betonpfosten, ca. 2,4m hoch, Breite 23m)
ab 1970 Minensperren SM-70 (einreihiger Metallgitterzaun an Betonpfosten, ca. 3,2m hoch)
ab 1983 Minensperre Typ 83 (zweireihiger Metallgitterzaun an Betonpfosten, Breite 14m)

MS 61 gab es bis 1966 - 1967,
MS 62 bis 1981.

"Mobility, Vigilance, Justice"

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20.04.2021 07:59 (zuletzt bearbeitet: 20.04.2021 08:00)
avatar  Fall 80
#7
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Wir hatten ja ein PG welches den Namen Sauloch hatte, welches Erich bestimmt kennt. Die Minensperre in dem Bereich nannten wir Schweinefriedhof.

Dort hat es doch öfters mal Auslösung gegeben, aber an eine Bergung der Schweine kann ich mich nicht erinnern. Das haben dann die Aasfressenden Vögel erledigt die man dann gut beobachten konnte.

Habe es hier vor langer Zeit schon mal geschrieben, dass da ein Posten ein verletztes Schwein schießen wollte, was aber verboten wurde.

Da ich zu dem Zeitpunkt mit dem KC und dem Polit gerade im Bati war sind wir in den Abschnitt gefahren. Begleitet hat uns dabei ein Hauptmann (wimre hieß der Brömmer) aus dem Bati, der war Jäger und hat seine Jagdwaffe mitgenommen. Habe dann die drei Offiziere an einem GSZ Tor abgesetzt und bin auf Befehl zu einem anderen Tor eingefahren um sie wieder aufnehmen zu können. Gegen jegliche DV war ich da allein unterwegs. Das Schwein war verletzt (Hinterbeine waren hin)und ist die Offiziere angegangen. Der erste Schuss durchs Ohr, der zweite eine Fahrkarte der dritte dann aus Nahdistanz hat die Sau gestoppt.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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20.04.2021 09:05
avatar  birx20
#8
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TH, ich habe die Frage an berndk5 als ehemaligen KC gerichtet, ob es eine DV oder einen Befehl gab, wie mit durch Minen verletzten Tieren zu verfahren ist.
Ich bin dabei von konv. Minensperren (nicht SM70) ausgegangen.
Wir auf der 10.GK hatten zu meiner Zeit keinen solchen Vorfall, da der gesamte Abschnitt "scheinbar minenfrei" war.
Es hätte z.B. sein können, dass die Tiere den Fangschuss bekamen, um keine weiteren Minen auszulösen und um unnötige Tierquälerei zu vermeiden.
Der BGS hat bestimmt Erfahrungen damit, wie die GT solche Probleme gelöst haben.


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20.04.2021 09:50
avatar  berndk5
#9
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zu #7 von @Fall80 kann ich das vollinhaqltlich zu 90% bestätigen, die fehlendsen 10% liegen daran, dass ich beim Abschuß damals noch nicht dabei war. Bekannt ist diese Sache aber durch die Übermittlung von anderen Jägern, als ich diesen Abschnitt später übernommen habe.
zu#8 schreibt er ja fast genau das, worauf ich mich dann bezogen hatte. Ich fand es nur auch für andere User interessant, konnte es auch nicht sofort beantworten wie bei PN üblich, darum hab ich dann hier geantwortet. (nach bestem Wissen, ohne 100%ige Garantie)


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20.04.2021 09:58
#10
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Also ich habe nur in Erinnerung ; Das mal ein P3 auf den Hof fuhr, mit einen Major, hinten drauf ein erlegter Hirsch. Man erzählte einiger Zeit später--das der Major den in der Minensperre erlegt hat.


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20.04.2021 17:07
#11
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Bei uns ist auch mal eine Sau in die alte Minensperre gelaufen.Eine Holzkastenmine hat dem Tier die Hinterläufe abgerissen.Keiner von uns dachte,das die alten Dinger noch funktionieren.Ich war einige Wochen vorher mit dem P3 direkt am Zaun und habe ganz locker in der alten Sperre gewendet.Wäre aber vermutlich nichts passiert,dank dicker Bodenbleche


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20.04.2021 18:05
avatar  Ratze
#12
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Die Hoffnung stirbt zuletzt
Klopf lieber auf Holz, das es gut gegangen ist


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20.04.2021 18:11
#13
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Du weißt doch,mit 20 Lebensjahren ist man unverwundbar.schmunzel


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20.04.2021 18:47
avatar  Fall 80
#14
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Wenn im Sauloch eine Mine hochging hat man selten Bewegung auf der anderen Seite wahrgenommen. Erstens war es abgelegen und der Lärm war nicht vergleichbar mit der Anlage 501. Dazu kam noch, dass auf hessischer Seite der Wald bis an die Grenze sehr dicht war und man bestimmt gut von dort beobachten konnte ohne selber gesehen zu werden.

Kann mich ja nach 45 Jahren auch irren, aber die Auslösungen waren doch häufig. Gefühlt so bestimmt einmal/Monat.

Oftmals haben wir auch die Schweine beobachtet, wenn sie in der Sperre am fressen waren.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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20.04.2021 18:53
avatar  birx20
#15
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Es gab scheinbar keine DV oder einen konkreten Befehl, wie mit verletzten Tieren umzugehen ist.
In den meisten Fällen wurden sie von Offizieren oder BUs die Jäger waren, getötet um sie zu erlösen.
Geborgen wurden die getöteten Tiere aus den Minenfeldern eher nicht.


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