Erstaunliche Zahlen - Fluchten von Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahren) aus Thüringen 1953 - 88 in die BRD

  • Seite 2 von 7
30.03.2021 16:50
avatar  Tobeck
#16
avatar

Zitat von birx20 im Beitrag #5

Aus dem Harz ist mir aus einer Fernsehreportage ein getöteter 14 jähriger Junge aus Halle/Saale bekannt. Er wurde vom Postenführer ? wohl in den Rücken ? geschossen.


Bei der Flucht war noch ein Freund - den Namen habe ich mittlerweile vergessen - dabei, der überlebte. Dieser Freund war vor etwa 7 Jahren sogar in dem "anderen Forum" für einige Wochen/Monate angemeldet. Dabei berichtete er ausführlich weitere Details, die weder in der Fernsehdokumentation noch in Zeitungen genannt wurden - zur Vorgeschichte, zur Flucht, und was alles danach passierte. Was mich am meisten irritierte - heute ist er nicht nur Sympathisant sondern wimre aktives Mitglied der Linkspartei. Dieser nur schwer nachzuvollziehende Punkt passt aber zu der ganzen Lebensgeschichte. Um es vorsichtig auszudrücken: Manche Menschen irren ziellos durchs Leben und haben eine "unkonventionelle" Denkweise, die den meisten nicht zugänglich ist.


 Antworten

 Beitrag melden
30.03.2021 20:09
avatar  mibau83
#17
avatar

Zitat von Schlutup im Beitrag #4
Über die beiden gibt es auch eine Doku.
Bin unterwegs mit dem Handy und kann nicht so gut schreiben.

https://youtu.be/PkM3zchztr8


aus den 90ern gibt es einen spiegel-tv beitrag zu diesen fall.


 Antworten

 Beitrag melden
31.03.2021 19:00
avatar  ( gelöscht )
#18
avatar
( gelöscht )

Manchmal flog glücklicherweise auch der Schutzengel bei Fluchtversuchen von Kindern und Jugendlichen mit.
So auch am 27.09.73 im Bereich Steinstücken bei Potsdam.
Zwei Kinder 12jährige Jungen und ein 14 jähriger sowie ein 15jähriger Junge unternahmen zusammen einen Fluchtversuch. Beim Überwinden der Sperranlagen gab ein Postenpaar insgesamt 80 Schuss ! Auf die Jungen ab ohne sie zu treffen.
Sie konnten unverletzt festgenommen werden.


 Antworten

 Beitrag melden
31.03.2021 19:22
avatar  R-363
#19
avatar

Zitat von birx20 im Beitrag #18
Zwei Kinder 12jährige Jungen und ein 14 jähriger sowie ein 15jähriger Junge unternahmen zusammen einen Fluchtversuch. Beim Überwinden der Sperranlagen gab ein Postenpaar insgesamt 80 Schuss ! Auf die Jungen ab

So viel zu der Festlegung, dass auf Personen, die sich augenscheinlich im Kindesalter befanden, nicht geschossen werden sollte.

Soldat vom 01.11.1971 bis 30.06.2006 StOFä (NVA) a.D.; StFw a.D.

 Antworten

 Beitrag melden
31.03.2021 21:54 (zuletzt bearbeitet: 31.03.2021 21:55)
#20
avatar

Hallo @Birx20

ist dir der Fluchtversuch aus dem Jahre 1949 aus Kirchgandern bekannt? Dort starb ein Mädchen (11)

Gruß Schlutup


 Antworten

 Beitrag melden
31.03.2021 22:06
avatar  Ehli
#21
avatar

Tom, meinst Du diesen Fluchtversuch ? bin zwar nicht angesprochen, aber antworte doch.
https://www.grenzmuseum.de/wp-content/up...er_Grenze_1.pdf
Ehli

Ehli
Ich habe es mir nicht ausgesucht, ein Ossi zu sein....
Ich hatte einfach Glück!

 Antworten

 Beitrag melden
31.03.2021 22:12
avatar  ( gelöscht )
#22
avatar
( gelöscht )

Nein Schlutup.
Bisher haben wir uns vorrangig auf Thüringen konzentriert.
Der Vorfall bei Potsdam ist uns wegen des hemmungslosen Beschusses der Kinder zugetragen wurden.


 Antworten

 Beitrag melden
31.03.2021 22:16 (zuletzt bearbeitet: 31.03.2021 22:16)
#23
avatar

moin,

Kirchgandern ist Thüringen :) Dreiländereck.

Aber im Jahr 1949

Siehe Bericht von Ehli


 Antworten

 Beitrag melden
01.04.2021 09:30
avatar  ( gelöscht )
#24
avatar
( gelöscht )

Kressin,
Die Recherche zu den geflüchteten Kindern uns Jugendlichen aus Thüringen wird fortgesetzt.
Es treten unglaubliche Geschichten zu Tage.


 Antworten

 Beitrag melden
02.04.2021 09:24
avatar  ( gelöscht )
#25
avatar
( gelöscht )

In der nächsten Zeit (nächsten Wochen),werde ich euch hin und wieder aus unserer Recherche zu den Fluchten von Kindern und Jugendlichen aus der DDR, einzelne besondere Lebensgeschichten von Jugendlichen Flüchtlingen vorstellen.
Es geht dabei nicht so sehr um die teilweise dramatischen Fluchtereignisse selbst, sondern vielmehr darum:

Was führte die Kinder und Jugendlichen zur Flucht aus der DDR ?;

Was passierte nach der Flucht den Eltern und Geschwistern in der DDR ?;

Was geschah in der DDR nach der Rückkehr (Rückführung) von Kindern in die DDR ihnen sowie deren Eltern und Geschwistern
(Repressalien) ?;

Wie entwickelten sich Jugendliche die mit dem 18. Lebensjahr in der BRD verblieben (Berufsausbildung, Beruf und Familie) ?;

Es wird also der Flüchtling als Mensch in seiner gesamten Entwicklung gesehen.
Ich hoffe, die Lebensgeschichten von geflohenen Kindern und Jugendlichen aus der DDR interessieren euch.

Ich wünsche allen Usern Frohe Ostern und schönes Wetter !


 Antworten

 Beitrag melden
02.04.2021 10:04 (zuletzt bearbeitet: 02.04.2021 10:16)
#26
avatar

Mal ne bescheidene Frage. Wie viele Kinder und Jugendliche sind denn pro Jahr so geflüchtet? Weil sich das hier so lesen tut, als ob es Massen gewesen sind.


 Antworten

 Beitrag melden
02.04.2021 10:18
avatar  ( gelöscht )
#27
avatar
( gelöscht )

#26 Rostocker,
nach bisherigen Stand der Recherche allein im Bereich Thüringen für die Zeit von 1953 bis 1988 ca. 400 bis max. 500 Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahre zum Fluchtzeitpunkt).
Geschätzt auf die gesamte DDR Grenze mehr als 1.000.
Der Schwerpunkt der Fluchten waren die 50iger und 60iger Jahre, da die Grenze damals noch nicht soweit ausgebaut war.
Die Fluchten nahmen mit dem Ausbau der Grenzanlagen (GSZ, SM70 und anderes) in den 70iger und 80iger Jahren sehr stark ab.


 Antworten

 Beitrag melden
02.04.2021 13:39
avatar  Ratze
#28
avatar

Moin
mir sind drei Fälle bekannt. Im Fall 1 allerdings nur die Tatsache, dass am 24.08.72 2 Jugendliche bei Zarrentin es schafften über die Zäune zu kommen. Einzelheiten dazu kenne ich leider nicht
Die Fälle 2 und 3 sind allerdings dokumentiert.
Hier mein Text aus meinen Unterlagen dazu
Am 26.03.74 hatten sich 2 Jungen im Alter von 11 und 13 Jahren verlaufen und hatten die Grenze am Mechower See O/W überquert. Sie wanderten durch Ratzeburg in Richtung HL. In Höhe Rothenhusen wurden sie vom Zoll aufgegriffen und am Abend über HL – Schlutup an die DDR übergeben. ; Eine Nachsuche an diesem Tag durch 2 Offiziere, 12 GrSo mit 5 Hunden und 2 Zivilisten wurden von einem Beamten des ZKom RZ gemeldet. Diesen Fall verarbeitete Frau Mader aus Schlagsdorf in Abwandlung in ihrem Buch „Leben am Rande der roten Scheibe“, das 2014 erschienen war.

In das Kreiskinderheim Rehna wurden im September 1976 zwei Jugendliche (L. und Z.) im Alter von 15 und 16 Jahren eingewiesen. Einer von Beiden hatte bereits im Bereich F5 versucht, die DDR zu verlassen, in dem er versuchte, gemeinsam mit einem anderen Freund, auf einen Lkw zu steigen.
Mit dem L. sollte ein Vorgespräch geführt werden, ob es seine Fluchtabsicht aufgeben hatte. Dies entfiel, da bekannt wurde, dass er sich weiterhin für die Grenze und den Weg nach Lübeck interessiert hatte.
Das Kinderheim/die Schule waren angewiesen, unverzüglich zu melden, wenn einer oder beide „abgängig“ war.
Am 14.09. morgens, war festgestellt worden, dass beide weg waren, bei der Nachtkontrolle am Vortag waren beide anwesend. L. hatte zu einer Mitschülerin gesagt er „hätte die Schnauze voll“ und Z. hatte in Rehna eingekauft.
Es wurde Fahndungsalarm ausgelöst unter Einbindung des 6. GrRgt.
Als Spuren in einem Wald gefunden und 2 Zeugen am frühen Morgen des 14. 2 Jugendliche am Wald gesehen hatten, wurde ein Fährtenhund eingesetzt.
Mit Einbruch der Dunkelheit wurde die Suche eingestellt.
Gegen 00:55 Uhr am 15.09. wurden beide durch die GrTr im Raum Thurow festgenommen.
In einer Rapportkarte aus dem Jahre 77 ist der Festnahmeort durch die Grenztruppe vermerkt, allerdings mit der Uhrzeit 06:55 Uhr. Da es unwahrscheinlich ist, dass innerhalb von 6 Stunden am gleichen Ort vier Personen festgenommen wurden, wird davon ausgegangen, dass es sich um einen Eintragungsfehler auf der Karte handelte.

Für mich stellt sich die Frage, wie in anderen Bereichen mit Kindern umgegangen wurde, hier wurden die 2 aus dem 2. Fall am Grenzübergang Schlutup an die DDR übergeben


 Antworten

 Beitrag melden
02.04.2021 14:04
avatar  ( gelöscht )
#29
avatar
( gelöscht )

Ich könnte euch weitere interessante Fluchtgeschichtennbis zum Ende in der DDR (Rückführung von Kindern und Jugendlichen vorstellen) oder deren weiteren Lebensweg in der BRD.
Wir warten auf die Rückmeldung und Genehmigung der Flüchtlinge für die Veröffentlichung.
Eine sehr spannende Flucht-und Lebensgeschichte (Flüchtling verstarb im Jahr 2002 in Bayern) , kann ich leider nicht vorstellen, weil seine Familie dies nicht möchte und daran halte ich mich.


 Antworten

 Beitrag melden
02.04.2021 14:09
avatar  ( gelöscht )
#30
avatar
( gelöscht )

Manche Fluchtgeschichte ist so wahnsinnig, dass man sie kaum glauben kann.
Es gab einzelne Fälle von Doppelfluchten
z.B. erste erfolgreiche Flucht eines Mädchens mit 15 Jahren und anschließende Rückkehr in die DDR.
Zweite erfolgreiche Flucht mit fast 18 Jahren und Verbleib in der BRD.
Rückkehr in die DDR mit 21 Jahren.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!