DDR-Grenzaufklärer: Bestätigt bis Bonn

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17.03.2021 19:53
#1
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Irgendwo hier im Forum war mal bzgl. von Grenzaufklärern „bestätigt bis Bonn“ die Rede. Hierzu zwei Fragen von mir:

1) Gingen Grenzaufklärer auch in zivil über die Grenze?

2) Falls ja: Bis wie weit betraten sie das Bundesgebiet, um dort was aufzuklären? Also z.B. die nächstgelegenen BGS- oder Zolldienststellen? Oder Bahnhöfe oder Bundeswehrkasernen in der Nähe?

Ich freue mich auf Antworten!


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17.03.2021 20:53
avatar  mibau83
#2
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sind deine fragen dein ernst?

mal zum besseren verständnis.
aus eigenen erleben an der grenze kann ich sagen, dass grenzaufklärer zum größten teil im hinterland im einsatz waren, alleine, mit motorrad oder mit hund.
wenn da bei uns vor dem zaun welche waren, dann war dort alles dabei, vom gefreiten bis zum hauptmann. personen die für den einsatz im vorgelagerten bestätigt waren.
z.b. auch @Rainman2 als polit unserer grenzkompanie.
uns gegenüber war die grenzschutzabteilung süd 1 in oerlenbach bei bad kissingen. das waren schon ein paar kilometer von der grenze in der rhön bei meiningen, bis kurz vor schweinfurt!

solche sprüche wie "bestätigt bis bonn" gab es doch sicher auch bei euch in der bundeswehr?


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17.03.2021 21:15
#3
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Natürlich ernst gemeint!
Nein, in der BW gabs solche Sprüche meines Wissens nicht.

PS: Man hatte mich als Reserveoffizier ausgeguckt, worauf ich aber keinen Bock hatte und abgelehnt habe. Ich wäre wahrscheinlich "bestätigt bis Moskau" eingeschätzt worden.


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17.03.2021 21:26 (zuletzt bearbeitet: 17.03.2021 21:27)
avatar  harbec
#4
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... habe die GAK's auf der Straße in Wietingsbek/Ratzeburg unmittelbar an der aufgemalten Grenzlinie erlebt. Nach unserer
Annäherung an diese Linie haben sie sich zurückgezogen, zumal wir mit 2 VW-Kübel in zügigem Tempo auf sie zu fuhren.
Habe sie aber an anderer Stelle auch im Grase liegend und beobachtend in unmittelbarer und weiterer Entfernung von der
Grenzlinie gesehen. In jedem Fall aber vor dem MGZ.

Gruß Hartmut

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17.03.2021 21:38
avatar  mibau83
#5
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waren das auch tatsächlich grenzaufklärer?

von westlicher seite erlebe ich immer wieder, dass jeder der vor dem zaun stand zum grenzaufklärer gemacht wird.

es gibt bilder im internet, wo mein damaliger stellv. kompaniechef vor dem zaun steht.


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17.03.2021 21:50
#6
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Moin,
nicht jeder der GAK war stand vor dem Zaun und nicht jeder der vor dem Zaun stand war GAK.
Bei uns waren auf dem vorgelagerten meist Dreierstreife unterwegs, mind. ein Offz., ein GAK, und ein Uffz oder Gefr., der das Funkgerät schleppen mußte, damas noch Marta oder Dora.
Bei der Absicherung von Arbeiten auf dem vorgelagerten meine ich waren es 2er-posten, GAK und Gefr.,
In meiner Bestätigung als GAK steht ausdrücklich: "nicht bestätigt nach ....", also vor dem Zaun, und auch keine Bestätigung aus Bonn ;)

mors corporis poena peccati est


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17.03.2021 21:59
avatar  harbec
#7
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... das Ganze spielte sich Ende der 70iger Jahre ab und die Dienstgrade sind inzwischen auch verblichen. Und: Es war morgens gegen 06.00 Uhr, sie hatten Kameras mit Tele dabei und natürlich ihre Waffen.

Gruß Hartmut

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17.03.2021 22:07
avatar  Mike59
#8
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Zitat von Westfale63 im Beitrag #1
Irgendwo hier im Forum war mal bzgl. von Grenzaufklärern „bestätigt bis Bonn“ die Rede. Hierzu zwei Fragen von mir:

1) Gingen Grenzaufklärer auch in zivil über die Grenze?

2) Falls ja: Bis wie weit betraten sie das Bundesgebiet, um dort was aufzuklären? Also z.B. die nächstgelegenen BGS- oder Zolldienststellen? Oder Bahnhöfe oder Bundeswehrkasernen in der Nähe?

Ich freue mich auf Antworten!

Strukturmäßige Grenzaufklärer einer Grenzkompanie der Grenztruppen der DDR waren im Rahmen ihrer Aufgabenerfüllung nicht befugt das Hoheitsgebiet der Deutschen Demokratischen Republik zu verlassen.
Bestätigt bis Bonn - läuft auf dem Niveau - alles was nicht bei 3 dem Baum ist. Das waren Sprüche welch es immer gibt und waren kein staatlich verordnetes Statement.


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17.03.2021 22:12
avatar  mibau83
#9
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Zitat von schnorchel im Beitrag #6
also vor dem Zaun, und auch keine Bestätigung aus Bonn ;)



nee, die kam auch nicht aus bonn, sondern soll bis bonn gegolten haben!

@harbec , ende der 70er/anfang der 80er hatten grenzaufklärer fähnrich oder berufsunteroffizierdienstgrade ( unteroffizier bis stabsfeldwebel).


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17.03.2021 22:14
#10
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Auf gut Grenzer Deutsch bedeutete es das diese Kammaraden besonders Staatstreu und zuverlässig waren oder zu mindest dafür gehalten wurden ob Gakl oder Feindwerts bestätigter Gfr, Uffz usw..... man hätte sie in Bonn aussetzen können und sie wären ohne weiteres wieder zurück gekommen.


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17.03.2021 22:30 (zuletzt bearbeitet: 17.03.2021 22:36)
avatar  Mike59
#11
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Zitat von harbec im Beitrag #7
... das Ganze spielte sich Ende der 70iger Jahre ab und die Dienstgrade sind inzwischen auch verblichen. Und: Es war morgens gegen 06.00 Uhr, sie hatten Kameras mit Tele dabei und natürlich ihre Waffen.

Also Frühdienst. Hattest du deine Waffe dabei? Dann passt das ja - das Gegenüber hatte auch Waffen. Gehörte wohl zu Job. Morgens 6 Uhr ist Frühdienst, "Tele" - es schaut aus wie eine Kontrolle Grenzmarkierung. Also da war ein 135er Objektiv das höchste der Gefühle. Teleobjektive haben wir da eigentlich nicht mitgeschleppt.
Und sie hatten wirklich Kameras dabei?

Nachtrag: Bezieht sich wirklich auch den Begriff "Kameras" ist ja die Mehrzahl.


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17.03.2021 23:11
#12
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Zitat von mibau83 im Beitrag #2
...
wenn da bei uns vor dem zaun welche waren, dann war dort alles dabei, vom gefreiten bis zum hauptmann. personen die für den einsatz im vorgelagerten bestätigt waren.
z.b. auch @ Rainman als polit unserer grenzkompanie ...

Exakt so war es. Bei einem Einsatz auf dem, "den Sperranlagen vorgelagerten Hoheitsgebiet der DDR" (so die offizielle Bezeichnung), war auch mal ein Gefreiter dabei. In der Regel handelten dort Offiziere der Kompanieführung, Berufsoffiziere, Grenzaufklärer in den Dienstgraden der Fähnriche und Berufsunteroffiziere. Die Bestätigung von Personen für diesen Einsatz wurde regelmäßig überprüft im Rahmen des Befehls 44 und jedesmal neu abgestimmt mit dem verantwortlichen Offizier der Verwaltung 2000 für das Grenzbataillon. Die Bestätigung konnte einem auch zeitweilig oder vollständig entzogen werden. Das passierte mir auch zeitweilig, als es vermehrt Probleme im Dienst und damit einhergehende Bestrafungen gab. Sie konnte aber auch aus persönlichen Gründen, oder bei Verdacht auf Kontakte mit dem Westen, oder auch einfach nur auf Information durch die Verwaltung 2000 ohne Angabe von Gründen entzogen werden.

Das Überschreiten der Grenze war uns strengstens verboten. Wir hatten schließlich die Grenze und damit den Weltfrieden zu sichern, und nicht mit Provokationen aufzuwarten. Ich besuchte dennoch einmal den Westen. Auf die Frage eines mich begleitenden Grenzaufklärers: "Polit, kommste zurück oder bleibste drüben?", schrak ich zusammen und verschob meinen Aufenthaltsort um 10 Meter Richtung DDR. Diese Grenzmarkierungen waren aber auch wirklich manchmal recht putzig platziert und schwer zu sehen. Bis Bonn hätt sich's allerdings von da aus wirklich noch ä bissel gezogen ...

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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17.03.2021 23:39 (zuletzt bearbeitet: 17.03.2021 23:42)
avatar  berndk5
#13
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Echt mal wieder ein interessantes Thema @Westfale63 von Dir. Auch wurde in den Beiträgen schon absolut korrekt alles beschrieben, was zu einer ehrlichen und korrekten Antwort notwendig ist.
Dadurch können nicht nur "geflügelte Worte" oder Redewendungen nach deren Herkunft und Zusammenhang erklärt werden , sondern daraus womöglich falsch abgeleitete Halbwahrheiten aufgeklärt und richtig gestellt werden, wie es von @Mike59 oder @GMN Fuchs und Anderen geschrieben war.
Ergänzt von den damaligen Feststellungen der heutigen Kameraden die damals Dienst gegenüber geleistet haben wie z.B. @harbec, ergibt es für einen "dienstfremden Leser" dann ein rundes Bild.
Am Rande kann ich als ehemaliger Grenzer noch berichten, dass sämtliche Dinge die Einsätze, Aufgaben und Handlungen auf dem "den Sperranlagen vorgelagerten Hoheitsgebiet" der DDR betrafen grundsätzlich in Dienstvorschriften und manchmal darüber hinaus in zusätzlichen Befehlen und Entschlüssen der jeweiligen Kommandeure im Grenzdienstbuch zu dokumentieren waren.
Auch die von @Rainman2 beschriebene Praxis der Auswahl der zum Einsatz möglichen Kräfte ist absolut zutreffend. Das Fazit nannte sich offiziell:

"Schlussfolgerungen aus der Personalanalyse gemäß Befehl 44/72" (oder halt der Jahreszahl der letzten Aktualisierung des Befehls) STMCGT (das steht für die Abkürzung: Stellvertreter des Ministers und Chef der Grenztruppen) . Diese waren von den jeweiligen Kommandeuren bis zur Ebene KC, in die im Grenzdienstbuch halbjährlich einzutragende "Personalstamm-Rolle" monatlich vorzutragen und nach Bestätigung der monatlichen Berichterstattung beim Vorgesetzten Kommandeur (in Gegenwart des MA-MfS der V 2000 des GB) durch diesen schriftlich zu bestätigen.
Ich habe noch mein altes GD-Buch ausgegraben, kann das ja mal beispielhaft einstellen.


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17.03.2021 23:57 (zuletzt bearbeitet: 18.03.2021 00:00)
avatar  berndk5
#14
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Ich habe jetzt auf die Schnelle nur 2 Fotos von diesem Grenzdienstbuch als Beweis. Einige Sachen darunter die kompletten Grenzdienstplanungsunterlagen aller Züge einer Grenzkompanie habe ich für den Zeitraum von April 1989 bis wimre Mai 1990 auch in meinen Kisten aufgestöbert und an ein bekanntes Grenzmuseum als Dauerleihgabe abgegeben. Da waren auch komplett erarbeitete Befehle und Entschlüsse zur Grenzsicherung sowie die täglichen Befehle zum Grenzdienst für jeweils 24 h über diesen Zeitraum enthalten. Eigentlich ein richtiges Schätzchen für Historiker.
Ich weiß jetzt nicht, ob das Buch dabei war, werde es aber schnell rausfinden. Das Grenzdienstbuch beginnt allerdings erst im Dezember 1989, sollte aber trotzdem noch als "wertvoll" einzustufen sein. Ein authentisches Relikt aus dieser Zeit, was insbesondere für realistisch angedachte Forschungen gedacht sein soll.
Hier erstmal beispielhaft die Fotos.


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18.03.2021 08:18
avatar  Winch
#15
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Bei uns musste jeder Neue, der als PF auf dem Vorgelagerten eingesetzt wurde von einem Mitglied der Kp Führung in den Grenzverlauf eingewiesen werden, bevor er da selber hin durfte. Fand ich eigentlich ganz ok, siehe Rainmann2. Er war bestimmt auch nicht der Erste und auch nicht der Letzte dem das passiert ist.


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