Vorstellung und der angespannte LO

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03.03.2021 11:26
#1
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Hallo liebe Foren-Mitglieder,
auch möchte es nicht versäumen, mich vorzustellen. Als passionierter Modellbauer war ich eigentlich auf der Suche nach technischen Details und nach tatsächlich verwendeten Ausführungen und Fahrzeugen der NVA und der Grenztruppen und bin so eher zufällig auf dieses Forum gestoßen. Ich habe mit großem Interesse den Fluchtbericht von Benno in Großburschla 1982 und die Geschichte 1988 in Ifta gelesen, da ich zur Zeit der beiden Ereignisse gerade am jeweiligen Ort wohnte und dort einen Teil meiner Kindheit verbracht habe.
Retrospektiv ist es natürlich sehr interessant, endlich auch einmal etwas mehr Details zu den Ereignissen zu erfahren, die sich damals zugetragen haben und von denen man mehr oder weniger nur über den Buschfunk im Dorf gehört hatte. Es wurde ja immer sehr viel spekuliert und viele Spekulationen sind dann als Wahrheit immer weiter ausgeschmückt durchs Dorf getragen worden.
Nun kann ich endlich, wenn ich meinen Kindern von meiner Kindheit erzähle, auch mit weitgehend wahrheitsgetreuen Fakten aufwarten. Dafür gilt schon einmal ein großer Dank - macht weiter so.

Mich persönlich werden hier, wenn überhaupt nur wenige als kleinen Bengel kennen. In den späten 80ern war ich zumindest öfter in der GK in Ifta. Wir hatten da eine AG "Junge Grenzhelfer", die uns Kids immer sehr begeistert hat.
Mein Vater, wird sicherlich einigen, die ihren Dienst an der Grenze zwischen 1970 und 1984 in der Ecke Pferdsdorf, Ifta, Großburschla verrichtet haben, in mehr oder weniger guter Erinnerung sein. Vielleicht lassen sich ja jetzt nun nach über 30 Jahren auch noch ein paar offene Fragen meinerseits beleuchten. Ich bin mal gespannt, was sich so ergibt.

Aber nun möchte ich auch einen kleinen, eher zur Erheiterung dienenden Beitrag zur Geschichte leisten und euch eine kleine Anekdote aus meiner Kindheit erzählen.

Es war Anfang der 80er Jahre und wir wohnten in dem 4-WE-Block (Langer Weg 33) direkt neben der Kompanie in Großburschla. Ich war 6 Jahre alt. Mein Vater war damals Spieß in der Kompanie und es lebten noch weitere Kinder meiner Altersgruppe in den insgesamt drei 4-WE-Blocks neben der GK. Wir spielten eigentlich immer sehr harmonisch miteinander und waren eine richtige kleine Rasselbande. Eines Tages kam mein bester Sandkastenkumpel (Daniel R.) mit einem mehrere Meter langen und etwa daumendicken Seil an und sagte er hätte das gefunden und wir könnten damit spielen. Also haben wir allerlei Sachen ausprobiert, wie Abseilen vom Klettergerüst uvm. Irgendwann kam uns eine sehr interessante Idee.
Auf dem direkt an unseren Block angrenzenden Kompaniegelände waren immer 2 bis 3 LOs etwas abseits des Kompaniegebäudes auf einer Art Sportplatz abgestellt. Diese standen nun mit ihrem Fahrzeugheck ziemlich nah am Zaun zu unserem Wohnblock. Es war ein einfacher, etwa 1,80 m hoher Holzlattenzaun mit Betonpfosten. Wir kamen also auf die Idee, was würde wohl passieren, wenn wir einen LO mit dem Seil am Zaun festbinden. Nach ein paar wilden Spekulationen unter 6-jährigen Kindern, wurde der Entschluss gefasst, es einfach zu probieren. Die eigentliche Intention war, den LO am Wegfahren zu hindern. So holten wir die Gartenbank, die auf dem Grundstück stand und nutzen sie als Kletterhilfe, um über den Zaun zu kommen. Rückwärts war es einfacher, da konnten wir die Zaunriegel nutzen. Wir banden das eine Ende des Seils an die Klauenkupplung des LOs und zogen das andere durch den Zaun. Dann haben wir es weitgehend straff um den Zaunpfosten aus Beton und hinten noch um eine separate Holzlatte, die quer zum Zaun lag, gebunden. Diese sollte die Kraft auch auf die angrenzenden Zaunfelder übertragen.
Ja, nun standen wir zwei Lausbuben da und warten gespannt, was passieren würde. Natürlich fuhr der LO ja nicht gleich los, es war ja kein Fahrer da. Also spielten wir weiter auf unserem Hof und malten uns die größten Abenteuer aus, was wohl passieren würde. Schafft es der LO wegzukommen, reißt er den Zaun ein oder gibt das Seil nach. Wir hatten auch ein bisschen Schiss, dass ein großer Schaden entsteht und waren schon drauf und dran das Seil wieder zu lösen. Als sich nach etwa 1 Stunde jemand zu "unserem" LO bewegte, versteckten wir uns unter dem Balkon und beobachteten, was nun passieren würde. Der Fahrer stieg ein und lies den Motor an. Er war bereit anzufahren und merkte wahrscheinlich den Widerstand. Irgendetwas hielt ihn fest, um den LO nicht abzuwürgen ging kurz wieder auf die Kupplung und gab dann erneut richtig Gas, alle 4 Räder dreht kurz auf dem unbefestigten Boden durch, der Zaun wackelte, dann riss das Seil kurz hinter der Klauenkupplung am LO und der LO legte einen Katapultstart (ähnlich wie die Flugzeuge auf einem Flugzeugträger) hin. Der Fahrer hatte alle Mühe die sofort einzuleitende 90° Rechtskurve zu schaffen, sonst wäre er in die Hundezwingeranlage gekracht. Wir konnten leider das erstaunte Gesicht des Fahrers nicht sehen, aber unser Experiment war geglückt. Wir haben uns totgelacht und es war, Gott sei Dank, nichts Schlimmes passiert. Das restliche Seil haben wir dann wieder durch den Zaun zurückgezogen. Das Stückchen was noch an der Kupplung vom LO hing (ca. 10 cm), blieb da noch mehrere Tage bzw. Wochen. Das kann ich heute nicht mehr genau wiedergeben. Wir haben den LO mit dem Stückchen Seil an der Kupplung jedenfalls noch öfter auf der Straße gesehen und wussten, das waren wir.

So, ich hoffe, die kleine, belanglose Geschichte konnte hier etwas zur Erheiterung beitragen und bedanke mich für die freundliche Aufnahme im Forum.


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03.03.2021 11:38
avatar  marc
#2
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Willkommen hier, Emmett von der Rasselbande 😃


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03.03.2021 11:39
#3
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Servus, schöne Geschichte


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03.03.2021 11:43
avatar  Fall 80
#4
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Gefährdung der Gefechtsbereitschaft verjährt nicht und wird mit vier Wochen Alkoholfasten bestraft.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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03.03.2021 12:06
#5
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Auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.Na,wenn das Dein Alter erfahren hätte.grins


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03.03.2021 12:30
#6
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Was man mit 6jahren nicht alles so für grappen im Kopf hat 🤣. Etwas zu enliches haben mein Kf und ich mal am GSSZ praktiziert 😅.
Also sei willkommen.

Mfg Hein


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03.03.2021 12:31
#7
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Herzlich Willkommen hier im Forum. Lausbubengeschichten sind was schönes.
Jedenfalls top Vorstellung.
Gruß Reinhard der Schreiber

=========================================
Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.
Konfuzius

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06.03.2021 10:18
#8
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((Erinnert mich ein bisschen an Kindersabotage))

Sei Begrüßt und Willkommen, danke für die außergewöhnliche aber ausführliche Vorstellung!

gruß h.


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06.03.2021 10:55
avatar  Winch
#9
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einfach nur köstlich


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06.03.2021 11:37 (zuletzt bearbeitet: 06.03.2021 20:29)
avatar  berndk5
#10
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Hallo @EmmettBrown , das ist wirklich mal ein genialer Einstieg mit so einem Beitrag. Und den von @marc erwähnten Spitznamen finde ich sofort sympathisch. Das will ich aber nicht beeinflussen. Sei ganz herzlich willkommen in unserer Runde, irgend jemand wird auch immer da sein, falls Du mal ne Frage hast. Ich wünsche Dir viel Freude im Forum.
Beste Grüße aus Treffurt. Ich bin hier kleben geblieben.


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06.03.2021 19:54
avatar  hslauch
#11
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Hallo @EmmettBrown

Willkommen im Forum...... also wenn ich die Daten in deinem Profil richtig lese, dann hast du zu meiner Dienstzeit (April 1988 bis 01.05.1990 in der GK Ifta) in Ifta, in einem der "Grenzerblocks" unweit der Grenzkompanie gewohnt ?

Und wenn ich jetzt gegebenenfalls wieder richtig liegen sollte, und mein Gedächtnis mich nach gut 33 Jahren nicht verlassen hat,
dann könnte / sollte dein Vater ein ehemaliger Grenzaufklärer (zu meiner Zeit als Stabsfähnrich in der GK Ifta) gewesen sein ?

Und wenn ich mich recht entsinne, war die "Jugendbrigade" Junge Grenzhelfer auch bei uns Hundeführern zu Gast, so zum Beispiel bei mir und "meinem Kollegen" Uffz. H..... (Huheu genannt) ...als es darum ging..
"Werde auch Du Diensthundeführer bei den Grenztruppen der DDR" oder so ähnlich ...... da gab es dann "Vorführungen" und "Kunststückchen" auf dem Hundeausbildungsplatz der Kompanie oder auf dem gegenüberliegenden Sportplatz von Ifta...

Huheu wohnt ja heute noch in Ifta in der Archfelder Straße....(Spitzname rührt von Hunde-Heuch......) Klarname ganz bewußt nicht ausgeschrieben...

Also "Doc".....dann mal noch viel Spaß und Kurzweile im Forum.....


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06.03.2021 22:39
avatar  Hanum83
#12
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Schöne Vorstellung.
Herzlich willkommen.

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Wer nichts weiß muss alles glauben.

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06.03.2021 23:35
#13
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Slapstick ala Dick und Doof, coole Aktion! :-)


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08.03.2021 10:31
#14
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Vielen Dank für die herzliche Aufnahme und positive Resonanz auf meine kleine Geschichte. ...und für den verliehenen Spitznamen.

Mein eigentlicher Spitzname war aber früher auch nicht schlecht. Angelehnt an meinen realen Vornamen nannte man mich "Räuber H.... (vom Heldrastein)".
Die Eingeweihten die kennen die Sage.

Ich konnte mich schon ein wenig einlesen und etliche Fragen klären. Danke.


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09.03.2021 10:56
avatar  Sonne
#15
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Super Vorstellung nach so langer Zeit.

Gruß Sonne

05/66-10/67
18 Monate meiner Jugend
in Glowe, Rothesütte, Elend

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