Einsatz der Schusswaffe - eine Frage des Ermessens jedes AGT?

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24.02.2021 07:10 (zuletzt bearbeitet: 24.02.2021 07:14)
avatar  Fall 80
#1
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Selbstverständlich lag der Einsatz der Schusswaffe im Ermessen des einzelnen AGT.

Das war aber nicht im Sinne der Ausbildung oder des entsprechenden Einsatzbefehles bei der täglichen Vergatterung.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ungesetzli...tt_im_DDR-Recht

Der Vergatterungstext wurde ja mehrfach verändert. Die Formulierung von 1964 wurde 1967 verschärft und der Begriff "unschädlich machen" durch "oder zu vernichten" ersetzt. Die Unverletzlichkeit der Grenze war unbedingt zu gewährleisten. In den 80 ziger Jahren wurde da wieder etwas zurückgedreht, aber auch da wurden noch Flüchtlinge auf der Flucht erschossen. Die Fälle wo Flüchtlinge Grenzposten angegriffen haben und vom Posten aus Notwehr erschossen wurden scheinen sich in engen Grenzen zu halten.

In der Ausbildung und auch bei der Vergatterung vor dem Aufzug kam die Formulierung, dass die Waffe nach dem Ermessen des Postens eingesetzt wurde nicht zur Sprache. Lediglich die Situationen in welchen nicht geschossen werden durfte waren beschrieben. Da gab es die Einschränkungen, dass nicht auf:

Luftfahrzeuge
westliches Territorium
schwangere Frauen und Jugendliche im scheinbaren Alter von unter 14 Jahren
in Richtung bewohnter Ortschaften und befahrener Straßen

geschossen werden durfte.

Ansonsten galt der Einsatz der Waffe als letztes Mittel der Gewaltanwendung, wenn alle anderen Mittel keinen Erfolg gebracht haben bzw. hätten.

Die ausgesprochenen Drohungen für das Verweigern des Waffeneinsatzes bzw. des Vorbeischießens hat es definitiv gegeben, ob diese Bestrafungen wirklich umgesetzt wurden entzieht sich meiner Kenntnis.

Ob diese Dinge in den 80 ziger Jahren entschärft wurden ist mir insoweit egal, denn zu meiner Dienstzeit war es so und das haben auch ein ganz Teil User so bestätigt.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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24.02.2021 07:21
#2
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Beschäftige dich da vorher mal Intensiv mit den verschiedenen Regelungen zur Anwendung der Schzsswaffe im Grenzdienst von 1945/46 - SomHerbst 1989.
DGP, NVA-Kdo Grenze, GT.
Innerdeutsche Grenze und Ring Berlin.

War mal im NVA Forum eine interessante Darstellung der Zeiträume.

"Mobility, Vigilance, Justice"

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24.02.2021 07:31
avatar  Fall 80
#3
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Zitat von Thunderhorse im Beitrag #2
Beschäftige dich da vorher mal Intensiv mit den verschiedenen Regelungen zur Anwendung der Schzsswaffe im Grenzdienst von 1945/46 - SomHerbst 1989.
DGP, NVA-Kdo Grenze, GT.
Innerdeutsche Grenze und Ring Berlin.

War mal im NVA Forum eine interessante Darstellung der Zeiträume.


@Thunderhorse Klar hat es zu unterschiedlichen Zeiten der jeweiligen Lagen entsprechende andere Prämissen gegeben.

Mir ging es aber um den Zeitraum in dem ich an der Grenze war und zu der Zeit war der Hauptfeind die "Subjekte", welche das gelobte Land verlassen wollten.

Selbst die zwei BGS Beamten, welche sich 76 im Kastenwald "verlaufen" hatten werte ich nicht als feindlichen Angriff auf die Grenze oder die AGT. Deshalb ist ja dort auch kein Schuss gefallen. Wobei meiner Meinung nach ein ordentliches Verweisen vom Territorium auch gereicht hätte. Alles Andere war ja nur eine Demonstration der Macht.
Ich war ja dann in der Nacht nach dieser Aktion unmittelbar in dem Bereich als Posten eingesetzt.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


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24.02.2021 09:24 (zuletzt bearbeitet: 24.02.2021 09:25)
avatar  marc
#4
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Ah der 79. Thread zum Thema Anwendung der Schusswaffe an der Grenze, endlich mal wieder ......

Die Suchfunktion hilft!


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24.02.2021 09:30
#5
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Vermutlich ist jedes Thema zur Grenze bereits ausführlichst behandelt worden. Dann könnte man ja hier zumachen, oder?
Ich finde es gut, wenn die Themen immer mal wieder neu behandelt werden. Es sind neue User da, neue Einflüsse, andere Erfahrungen.


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24.02.2021 09:32 (zuletzt bearbeitet: 24.02.2021 09:33)
avatar  marc
#6
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Dann sollte man ein Themenrotationssystem einführen?

Halbjährig wieder aufploppend ..... 🥱😴


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24.02.2021 09:38 (zuletzt bearbeitet: 24.02.2021 09:51)
avatar  Hanum83
#7
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Ich zum Beispiel war "Grundvergattert" also eine tägliche Vergatterung fand bei unserem Sicherungssystem nicht mehr statt, in dem einen Jahr in Hanum bin ich gar nicht zum Grenzdienst vergattert worden, du bist einfach nach dem Dienstplan der jeden Tag 18 Uhr in den Flur gehängt wurde zum Dienst raus mit pünktlicher Meldung auf der Führungsstelle.
Die Flinte hatten wir natürlich mit um damit notfalls den GV zu stoppen indem man ihm in die Beine schießt, theoretisch.
Wie das zu gehen hatte, erklärte dir zweifelsfrei der Politnik, halt anrufen-Warnschuss-gezielter Schuss, also warst du in dieser Hinsicht wissend auch ohne das ein Offizier täglich "Vergatterung!" rief.

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Wer nichts weiß muss alles glauben.

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24.02.2021 09:50
#8
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Unser KC sagte immer zum Abschluss der vergatterung sofern es eine gab das wir lieber prügeln sollten als schießen oder eben nur wenn es um unser Leben ging, ob das offiziell oder seine persönliche Meinung war kann ich nicht sagen.
Ansonsten gab es nur einen Einsatz Befehl vom Diensthabenden der Kompanie bzw des Bataillons und da ging es hauptsächlich um die Störungs Behebung bzw Durchführung der jeweiligen Arbeiten.

Wie hielten es die Kameraden von BGS und Zoll mit dem Einsatz der Waffe die waren ja auch nicht nur mit dem spatzier Stock unterwegs?

Hein


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24.02.2021 09:53 (zuletzt bearbeitet: 24.02.2021 09:58)
avatar  Hanum83
#9
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Da wundere ich mich aber das der KC der so etwas vor versammelter Mannschaft sagte, länger KC gewesen ist.
Auch für Kompaniechefs hatten die Wände Ohren.

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Wer nichts weiß muss alles glauben.

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24.02.2021 10:10
#10
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Das habe ich aber bereits mehrfach von Grenzsoldaten gehört, wenn ich die bei Führungen am Point Alpha dabei hatte. Es gab auch Offiziere, die gesagt haben, in meiner Schicht stirbt keiner...


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24.02.2021 10:13 (zuletzt bearbeitet: 24.02.2021 10:16)
avatar  Hanum83
#11
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Leitende Offiziere die den "Schießbefehl" in ihrem Verantwortungsbereich außer Kraft setzten?
Ich glaube das sind eher Märchen aus 1000 und einer Nacht.

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Wer nichts weiß muss alles glauben.

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24.02.2021 10:22
avatar  Fall 80
#12
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Zitat von GMN Fuchs im Beitrag #8
Unser KC sagte immer zum Abschluss der vergatterung sofern es eine gab das wir lieber prügeln sollten als schießen oder eben nur wenn es um unser Leben ging, ob das offiziell oder seine persönliche Meinung war kann ich nicht sagen.
Ansonsten gab es nur einen Einsatz Befehl vom Diensthabenden der Kompanie bzw des Bataillons und da ging es hauptsächlich um die Störungs Behebung bzw Durchführung der jeweiligen Arbeiten.

Wie hielten es die Kameraden von BGS und Zoll mit dem Einsatz der Waffe die waren ja auch nicht nur mit dem spatzier Stock unterwegs?

Hein


@GMN Fuchs
Das Tragen einer Waffe ist bei einer Armee oder einer Polizeitruppe (BGS) normal und das Tragen ist nicht das Problem.
Vielleicht könntest du mal einige Zahlen oder Fälle bringen, wie viele Flüchtlinge (egal ob Ost-West oder West-Ost) von Angehörigen des BGS beschossen oder gar erschossen wurden?

Man sollte bei Vergleichen schon auf die Vergleichbarkeit achten.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
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24.02.2021 10:25
#13
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Wenn mir das nur Einer erzählt hätte, würde ich da mitgehen, Hanum. Aber ich habe das tatsächlich mehrfach von verschiedensten Einheiten vernommen. Natürlich war das in der Regel nicht mit dem Befehl verbunden, sondern Aussagen "unter der Hand" an die jeweiligen Posten.


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24.02.2021 10:25
avatar  Fall 80
#14
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Zitat von manudave im Beitrag #10
Das habe ich aber bereits mehrfach von Grenzsoldaten gehört, wenn ich die bei Führungen am Point Alpha dabei hatte. Es gab auch Offiziere, die gesagt haben, in meiner Schicht stirbt keiner...


@manudave Kannst Du das verifizieren wann die in etwa gedient haben? Ich tippe mal wahrscheinlich Mitte der 80 ziger Jahre und nicht 76/77.

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
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24.02.2021 10:27
#15
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Leider nicht. Ich notiere mir die Dinge nicht, weil das in der Regel einfach Gespräche zwischen den einzelnen Stationen einer Führung sind. Was man da alles erfährt... so von allen Seiten meine ich... Die besten Geschichten schreibt tatsächlich das Leben, nicht der Drehbuchautor.


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